Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4919024-4919026--0085-4919109- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
dasein, das durch das in der englischen Schule aufgenommene Wissen nur wenig von seiner Leere verliert. Audi die Erwachsenen, von denen die meisten Frauen und ein Teil der Männer Analphabeten sind, verbringen viele Stunden des Tages damit, daß sie im Garten auf dem Boden hocken oder liegen und in die Luft gucken. Eine Unterhaltung mit ihnen zu führen ist ziemlich schwierig, da sie in ihrer Unwissenheit auf kein Thema einzugehen verstehen. Dazu kommt, daß, während unsere Kinder wohl von den Leistungen vergangener arabischer Geschlechter lernen, sie niemals eine geistige oder künstlerische Leistung (abgesehen von schönen Bauten) der Araber ihrer eignen Umgebung sehen. Dazu kommt ferner, daß sie Stunden erlebten, in denen sich die arabische Menge zu Raub- und Mordscharen ballte, in denen dieselben Kinder, die noch gestern ihre Freunde waren, ihnen Martern und Tod androhten und sie mit Steinwürfen verfolgten; in denen die sonst wohlerzogenen und ges-hliffenen Araber ihrer Bekanntschaft sich in eine heimtückische Feindesschar verwandelten. Alle diese Beobachtungen führen unsere Kinder zu dem Urteil, das uns ein Achtjähriger in einem Gespräch über kultivierte und unkultivierte Völker auf die Frage, was denn die Araber seien, aussprach: „Die Araber? ein halb kultiviertes Volk!" Auf ihren eigenen Beobachtungen beruht die Aussage einer Dreizehnjährigen, mit der wir eine Unterhaltung über die etwas zügellosen Beziehungen zwischen ihren Mitschülern und Mitschülerinnen führten: „Wir leben doch zwischen einem wilden Volke und sehen Dinge, die ihr in Europa gewiß niemals gesehen habt das verdirbt viele 1" Aus der eigenen Erfahrung stammt bei unseren Kindern auch ein gewisser Mangel an Vertrauen zu der 74