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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 63

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 63 (sequence 65)
Language
German
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Darum aber sind die alten Zeiten und ihre Errungenschaften nicht verloren. In uns leben die Geschlechter der Ahnen und kommen damit zu neuem Leben. Sie wirken umso stärker, je organischer sich das neue Leben aus dem früheren entwickelt. Der historische Boden ist der Nährgrund neuer nationaler Kultur, da alles Nationale, das nicht ganz vergänglich sein will, auf dem Alten aufbaut und aus ihm hervorgeht. Historische Überlieferung 'st der Urgrund alles nationalen Wesens. Der wichtigste Punkt unserer nationalen Kultur, an dem sich alle geistigen Anregungen und alles Wissen, unsere Gesittung und unsere Intelligenz Vereinigen sollen, wo die Strahlen des jüdischen Geistes wie in einem Hohlspiegel aufgefangen werden sollen, um von dort von neuem auszustrahlen, ist die entstehende Universität Jerusalem. Sie ist uns keine hohe Schule, auf der Studenten sich die Zeugnisse holen sollen, um die Befähigung für den höheren Dienst im gesellschaftlichen Leben nachzuweisen, sondern sie soll in erster Linie dem Volksgeiste jener Schwer- und Mittelpunkt werden, der dem exzentrisch gewordenen jüdischen Geiste wieder ein Zentrum ist und ihm damit jenes Gleichgewicht und die Harmonie gewährt, die für große Taten notwendige Vorbedingung ist. Wenn aber diese Universität die Universalität jüdischen Geistes in die Erscheinung treten lassen, wenn sie den Gesamtgeist neuer jüdischer Kultur befruchten soll, so kann sie selbst bei allerfreiester Anschauung doch nicht an nationaler und kultureller Tradition achtlos vorübergehen. Freilich ist das nationale Wesen nichts absolut Gegebenes. Vielmehr ist alles Nationale historisches Produkt. Deshalb kann man nicht abstrakt feststellen, was eine Nation ist und ob ein Stammesgebilde als solche anzusprechen ist, sondern die Geschichte ergibt als ihr "esultat die Nation als etwas Geborenes, zeigt ihr Leben 59

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