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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 64

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 64 (sequence 66)
Language
German
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und beobachtet schließlich auch ihr Sterben. Um diesen nationalen Tod zu vermeiden, bedarf es deshalb der stetigen Erneuerung des Volksgeistes aus den eigenen Wurzeln seiner Kraft. Er muß er selber bleiben. Gewiß soll er sich aus allem Kulturstaube befruchten, der menschlichem Herzen und kulturellem Denken entströmt, aber er dart sich nicht verlieren, sondern muß sein Eigenleben fortsetzen, indem er seine Hauptnahrung aus der eigenen Geschichte saugt. Er soll sich alles fremde Kulturgut so assimilieren, daß es ihm zur Bereicherung und Erweiterung des eigenen Horizontes dient. Aber sich darf er nicht den andern angleichen, weil er sonst schließlich aufhören wird, er selbst zu sein. Wenn nun der Universität Jerusalem im Leben des jüdischen Volkes eine so hohe Bedeutung zukommt, so muß sie wesenhaft werden. Gewiß sind Gründungsfeiern, wenn richtig arrangiert, von höchstem agitatorischen Erfolge. Aber kulturelle Taten müssen darauf folgen, damit sie nicht bloß einen Bluff bedeutet, der letzten Endes doch mehr schadet, als er augenblicklich genützt hat. Diese Jerusalemer Universität hat nicht nur eine lokale oder eine Landesbedeutung. Sie ist nicht bloß das breite Eingangstbr europäischer Kultur und Zivilisation für den Orient. Ihre Hauptbedeutung beruht auf der Wechselwirkung, die zwischen Palästina und den Ländern der Diaspora schon jetzt wieder bemerkbar ist. Im Altertume gab es solche gegenseitige Beziehungen zwischen Ägypten und dem alten Stammlande, am meisten aber und für die jüdische Kulturgeschichte am folgenreichsten zwischen Babylonien und Erez Jisrael. Ohne diese Ersteren wäre das Christentum nicht in die Erscheinung getreten, ohne die Letzteren nicht der Talmud entstanden und das jüdische Geistesleben wirksam geblieben. Das griechische Judentum, vor allem im ptolomäischen Ägypten, hat dem palästinensischen Bruder- 60

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