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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 61

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 61 (sequence 63)
Language
German
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HEINRICH LOEWE, BERLIN. Wege jüdischer Kultur. Die jüdische Gesittung gehört zu den allerältesten menschlichen Kulturen. Nicht aber durch politische Sonderbildung ist das jüdische Volk zur Selbständigkeit gelangt, sondern dadurch, daß seine Väler einen Weg der Kultur einschlugen. Indem sie von einer höheren religiösen Anschauung als ihre Umgebung ausgingen und diese in einer Kultgemeinschaft zu erkennen gaben, wurde der Stamm zu einem Volke. Auch bei anderen Völkern bildeten sich die ältesten friedlichen und Bundesbeziehungen um ein Heiligtum herum. So sehen wir später bei den griechischen Amphiktyonen — das sind die Umwohner des delphischen Orakels und Tempels — die ersten Ansätze zu einem Nationalbewußtsein. Um ein Heiligtum herum bilden sich solche Bünde. Der Bund um das Heiligtum ist aber nicht bloß eine Kultgemeinschaft, ein Friede, der von den Bundesbrüdern geschlossen und gehalten wird. In ihm bilden sich vielmehr stammestümliche Eigenart und volksmäßige Anschauungen. In dieser Weise ist der Bund entstanden, der die hebräischen Stämme schon in uraller 2eü zusammenschloß, um Heiligtümer herum, seien dies nun die Stücke von Opfertieren oder alte Kultstätten, w'e Bethel oder später Kadesch Barnea. Dieser Bund, den die Stämme mit ihrer Gottheit und untereinander schließen, ist das Wahrzeichen der Nation ebenso sehr ln stamniestümlicher Hinsicht wie in kultischer und allmählich kultureller Beziehung, so daß das Wort Brith direkt die richtige Bezeichnung für Nation, freilich auch für Kultgemeinschaft ist. Indem sich das jüdische Volk auf dieser Grundlage aufbaute und weiter entwickelte, gab es bei ihm nicht bloß r>?

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