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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 58

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 58 (sequence 60)
Language
German
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die nationale Fahne, durch eine Hymne, durch Formen und Formeln die Begeisterung. Es ist dies sehr bequem. Bei weitestgehender Ahnungslosigkeit über alles, was jüdisch ist, beruhigt man sich trotzdem, ein guter Jude zu sein. Für die Menschheitswerte im Judentum hat man nichts mehr übrig. Die Existenz selbst wurde von diesem bequemen Judentum zum Lebensziel erkoren. Eine inhaltlose Existenz ist jedoch undenkbar. Es ist unmöglich, daß auf diese Weise das Westjudentum erhalten bleibt. Da nützt keine nationale Orientierung und kein Zionismus. Die nationale Ideologie war gut, um eine kurze Weile dem Prozess des Unterganges unter den Westjuden Einhalt zu gebieten. Sie hat während dieser kurzen Spanne Zeit Geschichte gestaltet, Palästina errungen. Es ist bekannt genug, daß in Palästina nicht nur der Geist des nationalen Judentums auf den Aufbau allein bestimmend ist. Palästina wird aus dem Kampfe der sozialistischen Ideen mit dem religiösen Ideenkomplex geboren. Diese Komponenten werden am Aufbau teilnehmen. Die sozialistische Menschheitsidee und die mehr individuelle Ideologie der nationalen Religion bestimmen die Entwicklung in Palästina. Palästina ist die große geschichtliche Rettung. Auf die „gute Gesellschaft" wird es keine Rückwirkung haben. Die „gute Gesellschaft" versteht nicht hebräisch, spöttelt Uber Menschheitsideen und lacht über die jüdische Tradition. Sie hat keine Ahnung davon, wieviel Judentum oder wieviel Unjüdisches in ihrer Weltanschauung steckt. Sie geht unter in ihrer unermeßlichen Unwissenheit. Das Ringen nach einer jüdischen Lebensform, das Bekenntnis zu einer jüdischen Lebensanschauung können die jüdische Gesellschaft im Westen am Leben erhalten. Sie allein können es. 1 56

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