Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 58)
- Language
- German
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in dem Stamm der Ostjuden fortfließen und allein in ihm rein erhalten sind, so ist nichtsdestoweniger der Einfluß gesellschaftlicher und kultureller Faktoren, welche durch die Westjuden vermittelt werden, von unauslöschlicher Bedeutung in der jüdischen Geschichte. Die Entwicklung, welche diese westjüdische Gesellschaft mitmacht, ist das genaue Spiegelbild jenes Wandels in der Auffassung der Individualität in den letzten Jahrhunderlen. Die westjüdische Gesellschaft kam von der Allgemeinfreiheit als Menschheitsgedanke, zu dessen Verwirklichung die jüdische Missionstheorie konstruiert worden ist, zu dem Gedanken der individuellen Freiheit der einzelnen Völker, in unserem Falle also des jüdischen Volkes. Die politische Entwicklung der Westjudenschaft führt geradelinig von den Theorien der Assimilation zu dem Zionismus. Es ist dies eine organische Entwicklung. Das Wesen, die soziale Eigenart der westjüdischen Gesellschaft wird durch diese Entwicklung nicht wesentlich anders. Die jüdische Gesellschaft im Westen fand politisch den richtigen Weg: sie wird ihn finden, sofern sie ihn noch nicht beschriften hat, in der allernächsten Zeit. Aber nicht ebenso ist die jüdische Gesellschaft audi in ihrer sozialen Entwicklung auf dem richtigen Weg. Man kann sagen, der Prozeß der Selbstvernichtung schreitet in beängstigender Weise fort und die politische Umstellung vermochte es nicht, eine soziale und kulturelle Regeneration zu bewirken. Die Westjudenschaft nahm den nationalen Gedanken der Juden von neuem auf, fand die Kraft, ihn zu verwirklichen, nicht jedoch sich selbst auf dem einmal begonnenen Weg des Niederganges zur Umkehr zu bewegen. Der soziale Auflösungsprozeß unter den Westjuden ist im Fortschreiten begriffen. Es ist dies kein Kassandraruf. Das nationale und politische Leben der Juden hängt nun einmal nicht von den Westjuden ab. Sozial U