Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 40 (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4919024-4919026--0045-4919069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

oder, wie sich der Prophet ausdrückt, Gott hat uns abgesondert von seinem Volke, nein, Ihr werdet gleichberechtigie Söhne des jüdischen Volkes sein. Erst im Exil wurde das jüdische Volk monotheistisch, früher waren es nur die führenden Geister. Wenn Sie irgendeinen Propheten lesen, sei es den 1. Jesaias, Jeremias oder Ezechiel, so werden Sie finden, daß die Propheten gegen das Heidentum im Judentum zu kämpfen hatten. Erst im babylonischen Exil ist das jüdische Volk eigentlich monotheistisch geworden und in wenigen Jahrzehnten hat das als Volk erst monotheistisch gewordene Judentum die Propagandaarbeit aufgenommen. Diese Auffassung des Judentums von seiner religiösen Aufgabe ist auch in den späteren Jahrhunderten unverändert geblieben, das heißt, man hat gewünscht, daß der jüdische Gedanke Fortschritte mache, man hat aber nicht gewünscht, daß die Nichtjuden Juden werden, mit gewissen Ausnahmen. So können wir denn nicht als geschichtliche Wahrheit annehmen oder müssen es auf einen besonderen Fall beziehen, wenn es im 23. Kapitel des Matthäus, dem berühmten Kapitel der Wehrufe gegen die Pharisäer, heißt: „Wehe Euch, Pharisäer und Schriftgelehrle, die Ihr durch Länder und Meere zieht, um einen Proselyten zumachen!" Das darf nicht wörtlich genommen, zumindest nicht verallgemeinert werden. Es ist immerhin eigentümlich, daß das Christentum dem Judentum diesen Vorwurf macht! Auch das rabbinische Judentum hat die gleicheAuffassung. „Kommt" — so sagt eine alte tanaitische Quelle — „ein Heide zu Dir und wünscht, ins Judentum aufgenommen zu werden, so mußt Du ihn zunächst ablehnen oder ihm begreiflich machen, daß es für ihn nicht bequem ist, Jude zu werden. Du mußt ihm erzählen von den Leiden und Verfolgungen der Juden, Du mußt ihm davon erzählen, welch schwere Lasten das Judentum seinen Söhnen auferlegt. Wenn er trotzdem, nachdem Du ihm dies alles 38 i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.