Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
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Der jüdische Gedanke soll die Brücke bauen, die von der einen Kultur zur anderen führt. Das also haben die führenden Geister des Judentums als ihre religiöse Mission betrachtet. Schon damals, zur Zeit des babylonischen Exils, finden sich die sogenannten „Gottesfürchtigen", das sind Heiden, die, ohne ins Judentum einzutreten, ohne Proselylen zu werden, die Grundgedanken des Judentums annehmen. Und in den Psalmen, die wir Hallel nennen und die an unseren Feiertagen in den Synagogen gelesen werden, werden die einzelnen Gruppen begrüßt, die beim Gottesdienst im Tempel anwesend sind. Da haben Sie die Söhne Aarons, die Priester, die Leviten, die Israeliten und die ...Gottesfürchtigen". Die „Gottesfürchtigen" sind eben die Heiden, die, ohne ins Judentum einzutreten, den Monotheismus annahmen. So zahlreich müssen sie also schon gewesen sein, daß sie von dem Dichter als geschlossene Gruppe im Tempel begrüßt werden. Das war die Regel. Gewiß hat es auch Ausnahmen gegeben. Wenn einzelne Heiden sich von dem Judentunie derart angezogen fühlten, nicht nur von dem jüdischen Gedanken, sondern auch von dem jüdischen Leben, daß sie Milglieder des jüdischen Volkes werden Wr>lllen, hat man sie nicht prinzipiell abgelehnt. Das Judentum hat darauf kein Gewicht gelegt, denn das jüdische Volk wollte eben ein Volk bleiben und das jüdische Volk hat die Ansicht gehabt und hat sie noch heute, daß der jüdische Gedanke am reinsten vertreten werden könne durch das jüdische Volk. Deswegen hat man nicht gewünscht, daß ganze Völker in das Judentum eintreten. Aber bei einzelnen Menschen hat man wohl Ausnahmen gemacht und die Einzelnen hat man nicht abgelehnt. Um wieder beim zweiten Jesaias zu bleiben, finden wir im 56. Kapitel folgendes: Die Söhne der fremden Völker, so heißt es, die sich dem Judentum anschließen, s'e mögen nicht sagen: wir sind Bürger zweiter Klasse 37