Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
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Weise seine messianischen Hoffnungen ausgesprochen hat, anders zu erwarten? Ich habe in einem anderen Zusammenhange des Näheren ausgeführt, daß der Dekalog im XX. Kapitel des Exodus, der von den besonderen Bräuchen undRifen der Israeliten absieht (im Gegensätze zum Dekalog im Kapitel XXXIV desselben Buches) und nur das allgemein Menschliche betont, als Propagandamaterial für die Mission unter den Völkern bestimmt war. In dem Augenblicke, in dem das jüdische Volk als Volk zum Bewußtsein seiner religiösen Aufgaben gelangt ist, und das ist merkwürdigerweise nicht in Palästina, sondern im babylonischen Exil geschehen, in demselben Augenblicke setzt die religiöse Propaganda der Juden ein. Wenn man mit einiger Aufmerksamkeit den zweiten Jesajas liest, also die Kapitel vom vierzigsten angefangen, so sieht man, wie stark die führenden Geister des Judentums im alten persischen Reich für die Verbreitung ihrer religiösen Gedanken gearbeitet haben. Im großen und ganzen ging die religiöse Propaganda des Judentums in der biblischen, prophetischen Zeit nur dahin, daß die Grundsätze des Judentums, vor allem der Monotheismus und die Grundlagen der jüdischen Sittlichkeit, in der Welt verbreitet werden. Das Judentum hat damals nicht den Wunsch gehabt, auch in späteren Jahrhunderten nicht, die anderen Völker zu Juden zu machen. Bs hat sich damit begnügen wollen, daß die Hauptgedanken des Judentums Gemeingut der Menschheit werden. Gegen Ende des 19. Kapitels des Jesaias — dieser Teil des Kapitels gehört dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert an und spricht von der Zeit, da auch Ägypten unter Kambyses persisch wurde — hält es unser Prophet für die Aufgabe des Judentums, des jüdischen Gedankens, Vermittler zu werden zwischen den feindlichen Mächten, zwischen Ägypten und Persien. %