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Jüdischer Almanach · 1926-01-01 · 5686 (1925-1926) · p. Seite 37

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5686 (1925-1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 37 (sequence 39)
Language
German
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H. P. CHAJES. Wie stellt sich das Judentum zur religiösen Propaganda?*) Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, das Judentum kenne und wünsche keine religiöse Propaganda. Das wäre ja an sich etwas durchaus Unverständliches. Ein Volk, das seit seinem Eintritte in die Geschichte so stark wie unser Volk auf das Religiöse eingestellt ist, ein Volk, das wie das unsere seit seinem Eintritte in die Geschichte die Überzeugung hat, eine religiöse Mission in die Welt zu tragen, einem solchen Volke kann es nicht gleichgültig sein, ob seine religiösen Ansichten in der Welt Fortschritte machen oder nicht. Ein solches Volk muß sein Bestes daran setzen, seine religiösen Gedanken zu propagieren. Nun freilich, wenn man unter religiöser Propaganda Proselytenhascherei versteht, so ist diese Art, die religiösen Wahrheiten, das, was das Volk (ür religiöse Wahrheiten hält, zu verbreiten, dem Judentume im großen ganzen fremd. Aber religiöse Propaganda im höheren Sinne hat das Judentum immer für seine Aufgabe gehalten und es hat sein Möglichstes getan, diese Aufgabe zu erfüllen. Wie wäre es denn anders von einem Volke zu erwarten, das schon in dem berühmten zweiten Kapitel des Propheten Jesajas, das sich ja ziemlich gleichlautend bei dem Propheten Micha wiederholt, in dem Kapitel, das von der Zeit spricht, in der alle Völker nach Jerusalem wallen werden, um sich vom jüdischen Volke den Weg der religiösen Wahrheit zeigen zu lassen, w{e wäre es von einem solchen Volke, das schon vor mehr als zwei Tausenden Jahren in so prägnanter Aus einem Vortrag an die akademische Jugend. 35

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