Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Asylsuchenden. Dieser Experte war — Theodor Herzl. Denn das englische, öffentliche Gewissen war beunruhigt, und man fand es damals fair, dem moralischen Recht der Einwandernden auf ein Asyl in jeder Beziehung Rechnung zu tragen. * Heute führt der Minister des Inneren im Ministerium Baldwin eine ganz andere Sprache in dieser Hinsicht. Es waren harte Worte, welche die jüdischen Vertreter unlängst von H. Johnson-Hickinson zu hören bekamen. Er machte aus seinen Anti-Alien-Gefühlen kein Geheimnis — auch nicht in Bezug auf die jüdischen Einwanderer. Gerade so übrigens wie sein Namensträger in Washington. Das Asylrecht der jüdischen Verfolgten wird nicht mehr anerkannt, oder, wie die Römer sagten, pro non scripto habetur. — Die Verletzung desselben ist jetzt die Regel. — Im Privatrecht jedoch, wie auch im öffentlichen Rechte, erheischt jede Rechtsverletzung als Sühne vor allem die Schadensgutmachung. Auch im internationalen Recht wird dieser Grundsatz von Schuld und Sühne immer mehr anerkannt, wenigstens in der Theorie, und in der Praxis jedenfalls solange, als es sich um schwache Missetäter handelt. Aber wenn auch auf diesem Gebiete viel Hypokrysie mit unterläuft, wird der Grundsatz wenigstens aneikannt. Übrigens ist ja Hypokrysie nach einem bekannten Worte die Huldigung des Lasters gegenüber der Tugend. England und Nordamerika verletzen jetzt das Asylrecht. — 31