Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
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Bis zum Kriege wurde die Masse vom Zionismus nicht tief aufgerüttelt. An eine Verbindung des persönlichen Schicksals mit Palästina dachten einige Hunderte, einige Tausende. Seit dem Kriege, seit Balfour, San Remo und Mandat — kam eine Unruhe in die Massen, eine Ungeduld, man ist der Galuth überdrüssig, man sehnt sich nach dem eigenen „zu Hause", man will nidit mehr warten. Es sind nicht nur wirtschaftliche Motive, die der neuesten Auswanderung die Triebkraft geben. Es sind jetzt Hunderttausende von Juden auf der ganzen Welt zur Auswanderung reif — potenziell, psychisch sind es vielleicht schon einige Millionen. Manche wollen der wirtschaftlichen Judennot entgehen, manche der moralischen, die meisten jedoch wollen ein neues Leben beginnen. In dieser Emigrantenpsychologie der Juden sind die widersprechendsten, heterogensten Elemente verknäuelt. Man kann hier Charakterzüge der freiwillig-unfreiwilligen Hugenotten-Auswanderung aus Frankreich entdecken und etwas von der Stimmung der „Maiflower"- Emigranten, und etwas von der nur äußerlich kühlen, kaum merkbaren messi anischen Schwärmerei bei den Chassidim der neuesten Alijah. Ein ganz sonderbares Material sind unsere Palästina-Emigranten. Eigentlich sollte man sie Reemigranten nennen. So nennt man diejenigen Polen, deren es in Nordamerika einige Millionen gibt, die im allgemeinen wirtschaftlich gut situiert sind und die auf die Kunde von der Wiedererslehung eines freien, unabhängigen Polen scharenweise dorthin zurückkamen. Oder, wenn man will, sind unsere Emigranten »Heimkehrer". Aus der Kriegsgefangenschaft der Galuth kehren sie heim. 27