Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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geführt, die Oberhand, das nun die Juden in einer Weise behandelt, als ob sie Staatsfeinde wären. Trotz der feierlichen Erklärungen litauischer Regierungen aus dem Jahre 1919 werden die den Juden bereits zugestandenen Rechte, die nationale Autonomie, zunichte gemacht. An Stelle verständnisvollen Zusammenlebens tritt brutale Unterdrückung, die sich in sadistischer Weise zunächst in der Einführung der Zwangssonntagsruhe äußert, wodurch die jüdischen Massen gezwungen werden, zwei Tage in der Woche zu feiern oder den altgeheiligten Sabbat zu opfern. Ähnlich verhalten sich die Dinge in Rumänien, das nach kurzer Unterbrechung allmählich zu der berüchtigten Judenpolitik des Vorkriegs-Rumänien zurückkehrt. Statt durch eine vernünftige Behandlung der Juden sich in den neuen Gebieten ein besonders staatstreues, positiv mitarbeitendes, vereinigendes Element zu sichern und die wenigen, von den rumänischen Juden geforderten Minderheitsrechte zu erteilen, hält es die rumänische Regierung für gut, die Judenheit in jeder Weise zu schikanieren, jüdische Gemeinden aufzulösen, die Zwangsruhe am Sonntag einzuführen, das im Aufblühen begriffene jüdische Schulwesen zu vernichten und den Juden alle erdenklichen Schwierigkeiten zu bereiten. Ganz besonders werden die jüdischen Schulen in Bessarabien aufs Korn genommen. Zunächst wurde der Unterricht am Sonntag verboten, dann eine Reihe von Volks- und Mittelschulen geschlossen. In Siebenbürgen und der Bukowina erging es dem jüdischen Schulwerke auch nicht viel besser. In Polen kann von einer Reaktion nur aus dem Grunde nicht die Rede sein, weil hier der Umsturz seinerzeit keine Verbesserung der Lage der jüdischen Massen bedeutet hatte. Die Judenheit hat in Polen keine Enttäuschungen erlebt wie in Litauen oder Rumänien. Hier gab es keinen Sonnenschein, der das darauffolgende