Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5686 (1925-1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
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LUDWIG BATO. Das Jahr 5685. Das neue Jahr ließ sich in den meisten Ländern der Diaspora nicht gerade verheißungsvoll an. Der Umsturz, der sich nach dem Kriege vollzogen hatte, hat überall eine scharfe Reaktion zur Folge gehabt. Im Osten Europas haben sich die Juden in den neuentstandenen Staaten vorbehaltlos auf den Boden der Staatstreue gestellt und ihre Bereitschaft bekundet, an dem Aufbau mit ihren materiellen und geistigen Kräften mitzuarbeiten, gleichzeitig aber die selbstverständliche Forderung gestellt, daß man sie nach ihrer Art leben und ihre traditionellen Güter pflegen lasse, wobei sie völlig anerkannt haben, daß die Mehrheitsnation das Recht hat, den Charakter des Staates nach außen hin zu bestimmen. Es sei gleich vorweggenommen, daß diese Wünsche des jüdischen Volkes nicht in Erfüllung gegangen sind. Die Ereignisse der letzten Jahre haben den Schwerpunkt des politischen Lebens von links nach rechts verschoben und allenthalben eine starke, aggressive antisemislische Welle ausgelöst. Geradezu typisch ist das Beispiel Litauens. Dieser Staat hat 1918 durch die großzügige und verständnisvolle Behandlung der jüditchen Minderheit und durch die Gewährung einer angemessenen Autonomie bahnbrechend gewirkt. Diese Haltung Litauens zeitigte für den Staat die besten Folgen: die jüdische Minderheit nahm an dem Aufbau der jungen Republik tätigen Anteil und die Sympathien der Juden aller Länder wandten sich dem kleinen, aber — wie es schien — kulturell fortgeschrittenen Staate zu. Allmählich aber gewann in Litauen das chauvinistische, reaktionäre Element, von einigen katholischen Geistlichen 5