Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1932)
- Issue
- 1 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4916913-5966053-5966126--538-4917393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
KLEi&HCTOFFF Gute Stoffe preiswert kaufen und nach MaS arbeiten lassen Sicheren Aufschluß über Moden. Qualität und Preisbildung durch unsere Auslagen Stallmann & Harder Bodens und des Klimas k\v,n, wird das leisten, was geleistet werden mutz. Tic Universität mag die besten Prosessoren aus den Kreisen der ganzen 'itkh an sich ziehen, eine wirkliche Bedeutung wird sie jur das jüdische Leben erst in der Zukunft gewinnen, wenn, sie jüdische Hörer har, die aus dem Lande hcrauswachsen, die das Leben Palästinas von ('Wburt her erlebt habe». •W:v sind gute Teuljche und wollen gme Deutsche bleiben. Aber unser Te ul sch rum leidet nicht, wen» wir aus lauteren Grunde», aus Gründen der Abstammung und Vergangenheit, dasur arbeiten, datz wir auch eine Zukunft haben. Eine Zukunsl, die uns das Zgdentum neu gestaltet, eine Zukunft, die vom jüdische» Leben wieder ZnhaKe erhält, und die cs zum ztveiten Male erreicht, datz von Zion aus der Well Grotzes gegeben werde. Nich: nur uns, nicht nur den Zudcn der Welt, fondern der Wel: soll die jüdische 'Arbeit in Palästina dienen. Die Herren Generalüirektoren. Z» der, inenschlicheni Ermesfcn »ach. i» unaushaltsamen Nicdergang be,indlichcn Epväi« der liberale» Wirtschaftsführung spielten die Grotze» der Finanz in der Gefellschafl eine überragende Rolle. Loser» diese Fiuauzaewaliigeu dem Zudeniuiu angchörlen, sielen ihnen neben den Vorteilen ihrer Stellung die iuwielcn Falle» »»verdiente Ehre zn, Rcprasenlan.cn und Führer des Zudkntunis zu sein. Zn Sen letzten Zähren erlebe» wir in der ganze» 'AlVU eine Morgendämmerung hinsichtlich vieler Fiiiauzfürsle», darunter auch ji>disch<r. Diese hatten in den Tagen ihrer Mach, das juSijckte Konto belastet nnd im Augenblick ihres Sturzes rich :<ie sich der Zudeckhatz mit besonderer Scharfe gegen die gesamte jndijche Geineinschas. wegen des Niederbruchs der jüdischen Wirt schaslsjuhrer. Lolche Vorgänge erlebte man in Oesterreich, Teuijchland, Ungarn, Polen nnd Rumänien. Tie zuletzt genannten Katastrophe» jüdischer t>le»eraldirckroren betrasen i» Tculjch la»d de» de», Zudenlum langst entjremdeten Geucraldireklor der Lchitliheitz Patzenhojer AG Ludwig K a tz e n e l l e n b o g e » und in Rumänien den allmächligen Direktor des Bankhauses Maruiarosch Blank, Aristide B l a n k. Ans Anlatz des Sturzes vo» Aristide Blank schickt »ns ein Mitarbeiter aus Bukarest »achsleheude Belrachtuilgen, die jjnugenlätz auch ans Verhältnisse in Teutichland augewendet werden könne». Vielleicht werden diese Zeilen in weiten jüdischen Kreisen da;» beilragen, de» .Nimbus der Geldmacht in der Führung jüdischer Angelegenheiten zu zerstören. Zit der Nachkriegszeit waren die Generaldirektoren der Grotzbanken Gegenstand einer Art vo» Heldenverehrnng. Unmittelbar nach dem Staatsoberhaupt rangierten die Generaldirektoren, den» in ihren Vorzimmern anlichainbricrten gewesene, seiende and kommend« Minister. Tie Reporter der Zeitnnge» „bemerkten" bei feierlichen Gelegenheiten in erster Linie die Herren tN'neraldirek toren, nnd lange hernach kamen die Männer der Wist'eujchasi, die Politiker und das gemeine Volk der gewöhnlichen Doktoren.> 'Teer zum Generaldirektor vorgelassen wurde, richtete ehrerbietig seine Kravai e nnd räusperte sich nervös, bevor er vor den Allgewaltigen trat. Und dieser Allgeivaliigc satz mit sattem Behagen in seinem iveichen Lehnstuhl, erhob sich zeiilinieteriveise je llach dem Range des Besuchers, nnd das „lieber Doktor", mit dem er den Besucher a:ispra>t>, enthielt alle Skalen wohlwollender Verachtung. Ter Herr Generaldirektor hat sich nicht überarbeitet. Wah rend seine Angestellten schon schnfleien, träumte er noch von den Lchaserslnnden des gestrigen Abends. Böen» er reiste, kaust« er auch im Schlafwagen die Nachbarkabinen aus, um nicht in seinem göttlichen Schlummer von irgend einem S.erblichen gestört zu werden. Tie Bezüge der Oleneraldireklvre» standen deit Zivilisten gekrönter Häupter nicht iveientlich nach. Alle Well lag vor ihnen, namentlich vor dielen Bezügen, ans denn Bauche. Zch erinnere mich, wie eine grotze Wiener Zeitung mit Ehrfurcht den Salouivagen beschrieb, den den i'einerzeiiige Milliardär, Präsident Basel, sich aiizuschaffLu geruht haue, Geld nbi einen Zauber sogar ans diejenigen, die von diesem Geld« nichts haben. Nun ist üb«r die Generaldirektoren die Götterdämmerung hereiugebroche», und ivie einst nach dem römischen Mythos aus dem 'Töalde eine Slimine erklang, welche den Tod des grotze» Pan ankündigte, so hört man jetzt in aller Welt vom Sterbe» des Generaldircktorentums. Das Unglück wäre zu ertrage», wenn es nicht auch de» Wohlstand ganzer Völker mit in den Abgrund risse, Einst sagt« Homer: „Wenn die Könige streiten, weinen die Achäer". Upton Sinclair erzählt uns vo» dem Zammer ganzer Klassen, wenn die Magnat«» der Wallstreet miteinander raufe». Aber auch wenn sie znsamuienbrechen, senk, sich sachte der Schalten des Elends auf ganze Gebiete. Als die Marmarolch Blau' Bank scheinbar jibcr Nacht znfapiiueubrach, haben nicht weniger als 38 000 Spareinlcger in ihrer Herzcnsangst vor dem kommenden Elend laut äusgejchric», und aller Augen rich eien sich aus den Manu, der als Generaldirckior Erbe' eines grotzen Finanzinannes gewesen ist — auf Aristide Blank. Welche Rolle hat er nicht in unserem Vatcrlande gespielt! Wiederholt sprach man davon, er könnte von der Krone zu», Minister jür die Finanzen bestimmt tverden. Man sagte und man glaubte, und er selber hat daran geglaubt, datz er ein genialer Finanzmann sei. Datz er nicht Minister wurde, verdanken wir einer Kleinigkeit. Er war nämlich Zude und soll cs heute noch sein. Er hat zwar alles gc.än, um als Rumäne voll genommen zu werden. Viele Millionen spende.« er für die rumänische Kultur. Grotze und ganz Grotze . machten ihm den Los und sie verabscheuten cs nicht/ von ihm Subventionen siir sich und ihre Söhne anzunchmeu. Er schickte Talente und solche, die sich dafür hielten, aur Studienreisen. Cuzistischc Studenten bcscheirkte er fürstlich, und als sie in ihrer Art ihm mit Schlägen dankten, verzieh er ihnen von vornherein mit der Grotzmut des unentwegten Patrioten. Ten väterlichen Palast stellte er der Regierung zur Verfügung, damit vornehme Gäste des Staates ein fürstliches Quartier haben. Er selbst lebt« wie ein'Grandseigneur, ja sogar wie ei» Oleneraldirekivr nach westlichem Zuschnitt. Für seine Launen hatte er Millionen zur Verfügung. Er ivar ein Mäzen fiir Kunst undcWisscnschast, opferte Schätze fiir hochpatriotische Zweck« und zuweilen gab er auch cnvas fiir wohltätige jüdische Anstalten, an denen er Feilte Bescheidenheit übte, nicht nur Bescheidenheit in der Höhe der Gaben,,sondern auch jene Bescheidenheit, die nicht öffcnt-' lich hervvrircten will. Und soviel Tugend ist mit einem Male znsammengebrochen, als in die hehren Klänge der auf ihn gesungenen Loblieder der schrille Aufschrei der um ihr Vermögen betrogenen Einleger hercinbrach. 1 Ter Sturmwind braust, der Nebel schwindet und die Sonne beschcint ei» hätzliches Bild. Mit dem, was 38 000 Sparer vertrauensvoll in die Grotzbank gelegt haben, ist all dieser Glanz und Ruhm bezahlt worden. Man war grotz nnd stark nnd edel und patriotisch mit fremden (Rüde. Als die Bank, für die Wissen den erkennbar, schon vom Tode gezeichnet war, bezogen die Herren Generaldirektoren noch immer ihre monatliche» Millionengehälter. Man überichwemmtc das Land mit überflüssigen Filialen, die wie Saugarme von Pvlhpe» die Einlagen der Sparer sammelten, in» sie nach dem Zculrum zu lei nt, wo schier unnahbar die Gottheit thronte, die sich mit den Tpsern gläubiger To^pi mästete. Der faule Zauber ist vorüber. Entsetzt starrt man in einen Abarund von Schwindel und Betrug, von Gewissenlosigkeit und Fr.'ibentcrtuin. > --- Iüüisther Humor. Hiob nnd Salomo Ein Gelehrter kam zu einem Rabbiner, legte ihm die Manu skripte seiner Erklärungen zum Buctie Hiob und zu den Sprüchen Salomos vor und bat ihn um Approbation. Der Rabbiner stellte Utut eine Zur das Buch Hiob aus, lehnte abcw eine solche für die Sprüche Salomos ab. Als der Verfasser befremdet um die Ursache, fragte, warum er ihm auf die Sprüche Salomos die Empfehlung veriveigere, antwortete er: „Hiob ivar ohnehin ein unglücklicher Manu, hatte alles Leiden der Welt gekostet, so kommt es ihm sicherlich aus ein Leid mehr oder weniger nicht an. anders aber Salomo, der vom (Rück begünstigte König, der keinen Schmerz koinfte: warum soll ich ihm ei» Leid zufügen?" Tie dummen Juden Baron Heuigstein Nachkomme des Aron Mojes Honig, unter »uiiser Zosei ll. Bankgesälls nnd Hauptsiegelaintsdirektor. dessen Sohn. Armeelieferant und Bankier, nach der Taufe zum Baron erlwben worden war - eine der bekanntesten Börsen siguren in Wien, fragte einst de» berühmten Wiener Bankier Zouas Königswarter. tu» ihn aufzuziehcn: „Sagen Sie mir, gibt es; auch dnninie Zude»?" „C ja", antwortete er beistend, „die gekauften". 1 „Fsra-Qcl" Zum bekannten Zionssreunde nnd Bonner Rabbiner Tr. Zsak Rülf kam, als er noch den Rabbinerposteü in Memel bekleidete, cin russischer Zude und bat ihn um Rat, ob er sich taufen lassen dürfe, weil er dadurch eine sehr hohe Karriere zn erreichen Ans sicht habe, wobei er betonte, dast er auch nach seiüer Danse noch wiiue' rin treuer Sohn Ziraels bleiben würde. Ter Rabbiner erwiderte: „Tie Eigentümlichkeit dieses Zsra-Oels ist. dast es durchaus kein Wasser an sich nimmt, auster wenn es schon ohne hm trüb nnd verdorben ist." Tic „Toktorrn"-Rabbinrn Vom ^Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch, Gründer der Orthodoxie innerhalb des dentickten Judentums, riihrt