Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1931)
- Issue
- 17 (1.9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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nicht durch: er überschritt damit [eine Vollmacht. Esra gab damit seinen Widersachern den erwünschten Anlaß, am persischen Hof wider ihn Lu intrigieren. Der Bau wurde aus Beseht des Königs emgestellr und die Folge war das vollständige schwinden seines Einflusses. Jetzt begann die Bedrängung der Juden durch ihre böswilligen Rachbarn schärfere Formen anznnehmen. Wenn sie noch im Anfänge in Jerusalem ohne Ausrichtung der Mauer» sich Hallen konnten — von da ab waren sie starken Bedrückungen aus geseht und ihr Leben befand sich in ständiger Gefahr. Noch einmal stand die jüdische Geschichte an einem-scheide Wege. Es gab nur noch eine Möglichkeit, um die Verwirklichung des Gedankens Esras, den er von Babel miigebracht, sortznsetzen: in der sich das Lös der nationalen Zukunft ivog, traj Rechemia in Erez Israel ei». Rechemia brachte mit sich keinen neuen religiösen Gedanken, aber was er mitbrachte, das ivar ein mächtiges strebe» nach starker Führung. Woran Esra dachte, eS aber nicht vollführte, iveil ihn die Hindernisse überwältigten. das führte Rechemia mit großer, furchtloser Energie und Tatkraft, aber zugleich mit Ueberlegnng und großer Vorsicht durch. Er war ei» Mann voller Fähigkeiten und guter Anlagen, der in Liebe zu seinem Volk und seinem Land aufging. Es bedeutete für unser Volk ein Glück, daß ihm jetzt ein Mann wie Rechemias mit natürlichen politischen Fähigkeiten in einem geschichtlich entscheidenden Augenblick entstanden ist; ein Mann, der der Lage gewachsen war. Er umgab Jerusalem mit einer Maucf und beseitigte sie vor den gegen die Juden grabenden Feinden und Widersachern. Und in dem Maße, als er die Mauer zum schütze der Stadt und ihrer Einwohner aufrichtete,, umgab er das jüdische Volk, den Kibuz der heim^ekehrten Verbannten, mit einer moralischen Mauer, die ihren ewigen Bestand sicherstellten. ES ist nicht nötig, die Maßnahnlen Rechemias aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens einzeln anfzuführen. Wir empfinden beim Lesen der Schilderung seiner Taten eine hohe geistige Elenugtuung und es überkommt »ns dabei das Bewußtsein, welche Macht im Gedanken steckt, wenn sich ein geistesstarker Mensch siudet, der ihm Leben und Gestalt zu geben die Kraft in sich hat. Man sagt, daß die Geschichte sich nicht wiederholt, daß sie im Leben keilt Ereignis ziveimal vorsührt. Das ist verständlich, nachdem die Faktoren jedesmal andere sind. Trotzdem ergibt sich aus der Borsührnng des EleschehenS zur Zeit Esras und Rechemias die Beziehung eines großen Gedankens zu greifbaren Taten. Esra kam im siebenten Jahre der Regierung Arlazerzes nach Palästina,, um der seele des jüdische» Volkes neues Leben einzuhauchen. Tenn dem Körper war die seele genommen und es drohte auch der Verfall' des Körpers. Doch ivährend er um die seele des Volkes bangte und sorgte, vergaß er den Körper und wußte nicht, wie er seinen Bestand sichern und ihn stärken sollte. Es bestand die Gefahr des Bestandes einer seele ohne einen entsprechend tragfähigen Körper veines ethisch-religiösen Gedankens ohne des Volkes, daS die Kraft hätte, ihn z» erfüllen und zu verwirklichen. Da kam Rechemia. machte den Körper gesund und vereinigte ihn durch dauerhafte Bande mit der seele.' Er gestaltete das jüdische Volk in seinem geistigen Gehalt zu einer organischen Wirklichkeit, seither stand unser Volk im Kamps mit viele» und starken Kräfte», die ihm an di<L Existenz gingen. Das folgenreiche Wirken während der Zeit Rechemias sicherte de» Be stand der Irchen und versetzte sie in die Lage, sich ihrer Feinde erwehre» zu können. Es gibt fast in der ganzen jüdischen Weschichte kein Ereignis, das in seiner entscheidenden Wichtigkeit gleichkäme der Epoche Esras und Rechemias, da die Grundlagen zum ewigem Bestände des jüdischen Volkes gelegt worden sind. ^Von Tr. s. Bernfeld. Entwurf einer Seamtenorönung unü eines Normalstatuts für Sie SemeinSen vom preußischen LanöesverbanS veröffentlicht. Ter Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat so eben an die ihm angehörenden Einzelgemeinden den Entwurf einer Beaniienvidnnng. ein Verbandsgesetz iiber die Errichtung voll Tisziplinargerichten i»> iimie de» Beamlenordnung, ein Rormalstatnl für Miiielgemeinden n>id ein Rormalstatnl für Kleingemeiiiden ve>ja,idi Ver üeutjche Katholizismus gegen öas Hakenkreuz. 0,,,■> Rahmen des in R»r„berg abgehaltenen Vertreter tage» des Teniscken Kaiholikeniages fand ein Appell an die katho lischen Landsranen statt, dein ransende van Bäuerinnen, in der Hauptsache ans dem fränkischen Land, gefolgt tvare». Ter Er; bischvf von Bamberg, Tr. Hauck, siihrte in einer Ansprache an die Landsrauen ans. er sei »berzeugt, daß der in,'„Stürmer" er schienene Aufruf der Rationalsozialisten, der in der Aufforderung gipfelte, die katholischen Landsrauen sollten möglichst rasch vom Kreuz weg;>»» Hakenkren; trete», für alle Zukunft wirkungslos bleiben werde. * Anläßlich des ersten oberschlesijchen katholischen Iugendiage > i»i Beuthener Stadion hielt Kardinal. Tr Be»i»a»> eine ein drucksvvlle Rede, in der er der katholischen Tugend die „Ableh nung jedes Radikalismus, einerlei, ob er von -rechts oder von links kommt", anempsahl.' Tie Bischöfe, jagte er, mahnen zur Besonnenheit und ivarnen vor großsprecherischen Agiiaioien Eine jü-isthe Notstanösküche in Frankfurt a. Hl. Am 7> septbr. wird hier durch die >1nd Wohlsahiispflege eine Rotstandskuche eröfsuel werden, die in erster Reihe;»r speijunch der erwerbslose» Bevölketung dienen soll. Ter Preis' s„» eine warme Mahl;ei> betragt >>> Pfg. Es ivild pro Person ein Lite» speise, im allgemeinen ein sogenannies „Einlopigerichl", vrr.rns gabt. Tie Herstellung erfolgt in der Klicke des Elenreindelr.rnte» Hanfes in der Gagernslraße, die Verteilung in d-.ni Räiline» des' früheren Geineindehojpitals, Königswariersiraße. Mil ilKgini^oes Winters sollen noch einige weitere Verleilnngsjlanen eingerichtet werden. Vorerst ivird eine tägliche Menge von Litern veians gadl iverden, die nach Brdars steigen soll. der Eentral-Verein politisch neutral. Gegenüber,einem Bericht der „Kölnischen Zeitung" vom l>> Angun und ans Anfragen mehrerer Mitglieder macht der Een trat Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glanbens noch ein mal daraus ansmerksam, daß er parteipolitisch neutral ist Er umfaßt Mitglieder aller Parteien, die nickt prograniinatisck jn dcnfeindlich sind. Ein Drgan -es ev.Sunües über jüd.Jmperialismus. Tie „Teutsch Evg. Kvrresp.", Trgan des Evg. Bundes, verbreitet kritiklos eine Auslassung der Wiener rasjeanliiemilischen Z>eilsch»>sl „schönere Zukunft", in der in Anknüpfung an das Bnch des [>>>»;. Inden Kadmi Eohen „Letal d'Israel", das eine arabisch jüdische Zusammenarbeit';wecks Errichtung eines ..Pansemiiijchen Reiches" im Rahe» Orient einpfiehlt, von der „llnerjättlichkeir" der;',io nisten die Rede ist. „Man sollte", heißt es in den, Aufsatz nviiei, „Eohens '(beeil nicht als bloße Phantasterei abinn, ivie man es seinerzeit dem Zionismus gegenüber getan hat. dessen Ansangs ziele »lin bereits erreicht find, jedenfalls ist Eolwns Buch als neues Toknineni des jüdischen Imperialismus;n weneii." jüdische Nachrichten. die Notlage -es füüischen Wohlfatzrtswcsens in dcutschlanü. Drohend« Zusammenbruch der Uohlsahrtspslege der Israelitischen Gemeinde Frankfurt. Frankfurt a. M. (ITA.) Tie Crganisalivn der "lLohl sahrtSpslege der Israelitischen Gemeinde Frankjur! ist bereits feit einigen Monaten durch die Wirljchastskrije ernstlich gefährdet. TaS l^enieindepiirlament hat sich in seiner letzte» Sitzung genötigt gesehen, die sofortige Einleitung einer Rolstandsaklion zu aließen. Inzwischen hat sich die Lage durch die letzten Wirttsereignisse weiter zugespitzt,^ so daß der gänzliche Zusai» nienbruch aller WohlfahrtsiNstilutivnen der Gemeinde 'in bedroh liche Rähe gerückt ist. Henriette §ürtl) 70 lobrc. Frankfurt n. M. (ITA.) Am l.'>. August beging die be kannte Vorkämpserin der Frauenbewegung, Henrielle Furth, ihren 70. Geburtstag. Henriette Fürth, die l.si'd in «Reßen geboren wurde, ist eine der Mitbegründerinüen der Müllerschntzbeweaung. In den Jahren l0l9 bis l'.l-'l »rar jze sozialistische Stadtverordnete .in Frankfurt a. M. Als eine der ersten machte sie beu Versuch volkswirtschaftliche> Erfassung der einzelnen Hauswirisckmst in ihren sckrislen iiber „Ein »linelbnrgerliches Bridge: vor und nach dem .Kriege". Bekannt siild auch ihre sozialpolitische» Arbeiten über „Tas Pslegekindertvesen", „Tie Fabrikarbeit der verheiratete» ' Frau", „Tas Bevölkeriiuasproblem in Tentschland" und „Tie :>te gelung der Rachkonllnenschajt". seil betätigte sie sich ans dem t'lebiet des jiidischen össentlichen Lebens und setzte sich insbe sondere für die Arbeit des Eentralbereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ein, dessen Frankfurter Ortsgruppe sie seil bei Gründung angehorl. . Ter „Vorivärts" begrüßt .Henriette Fürth anläßlich ihres ii> tRbnrtSlages als „nnermüdliche Vorkämpserin für die sack»' der Arbeiterschaft" und als „vorzügliche sozialpolilikeri», deren Raine innerhalb wie außerhalb der Partei besten Klang hat".