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Jüdisches Gemeindeblatt · 1931-03-15 · 6 (15.3.1931) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1931)
Issue
6 (15.3.1931)
Date
1931-03-15
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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To tocitRcfitici i» übcrMidcn. wie c* für eine Berufswahl not« tnenbin ift. hierbei kommt c* jo meniocr bornnf on. mic bi? Situation ncacnn’nrtia ift. fonbern. mic sie sich tonhrt(heinIidi in ber Zukunft ncftnltcn wirb Wer heute in bas Berufsleben tritt, kann erll »aih Ablauf einer ncmöhnliih mehrere Jahre bann oben AnshilbuiTa bara» benfen. iich auf eiaene Jviifce zu stellen Wenn einaanas aelaal wurde bah alle Berufe in ihrer Sicherheit mehr ober weniaer bedroht linb. lo ift bas nur bebiuat richtig Mo muh untei scheibe» zwischen folcke» Erwerbszweigen. bic infolae ber wirtsdiaftlidieu Irntioicfliitio zu bauernber Bebeutuuaslofiakeil verurteilt iiub man denke nur an bic wncbmrnbf Berbränauna von Handarbeit durch Maschinen —. linb lolchen. bie nur konjunkturellen, alfo vorübernehenben Depressionen aus aeletzt!inb Das Ansipüre» bieler Entwidlunasteubenzen. mit bei» üch Zentrale?telleu einaehenb hesafken ist ebenfalls Ausaabe ber Berussäm'er. Auch aus bielem (»runde ka>w baher nicht drin aeub aenua auaeraten werbe», biese gemeinnützigen stellen srühzeitia aufzusuchen SchlieKlich sei noch darauf hinaewiesen. bah alle biejeniaen Iuaeublicheii. bie bas harte Schicksal ber Erwerbslosigkeit getro'- .sen hat. nicht verzaaen bürfe». Bielmehr müssen sie biese ihnen unireinnllia zuaesloueue freie Zeit nach besten Kräften für ihr Borwärt'-kommen ausuüheu: beim nur ber ist hei ber unaeheuer aroheu Konkurrenz beaehreuswert ber aerobe bie vielfeitiae Aus bilbuua. bie besten .'tcnntniffc. bie aröhte vraktische Erfahruua auimweise» hat. Wer den ehrliclien Wille» hat unb seine ganze »rast baran lebt, wirb auch heute im Berufsleben vorankommen, wenn er es nur versteht, sich an ben ihm gemäßen Plak zu stellen. Dr. H. R. vom Antisemitismus unü seiner ftbwekr. Eine Studie. Bau 3 a u l LilientHal, Wiesbaden. (Fortsetzung) Ter dritte Iall ist der. bah die Einzelpersönlichkeit burch noch ungebrochenen Selbsterhaltnnastrieb a» der Selbstzerstvrung gc» hiubert wirb, ohne bie Möglichkeit;» habeii ober zu sehen, ach ber «»emeinichait zu ..weiheit". in ihr anszugehen Mangelide Erziehuna zur «»emeiuschatt. Beschränktheit des urteilenden De», keus wie der Phantasie, tatsächliche Einsamkeit des Lebens. Man ael au Erfahruua lind häufig die (»riinbe. To areist bie Seele m einem befonbere» Mittel, um dem Einzelleben einen eiaene» Wert s» oeben. Ter Hofsnungslosigkeit, bic io, wie wir icfehen hoben, ihren Urlvruna in ber llcbcricnmtna hat. bic ..Umstände" oder „Berhältuisse" nicht aus eigener Kraft überwinden zu können. gibt sie eine andere Tfarhc. Sie leat ben Mangel aus dem eiaene» Iiibivibuuiu in die Umwelt. Sie betont bereu ''rtitrt stäubiakeit und Berstänbnisloüakeit aeaenüber der eiaenen frort« schrittlichkeit uub 'Begabuua: ihre Schlechtiakeit und Minberwertiakeit aeaenüber ben eiaenen Tuaenben, der eiaene» Hochwertiakeit Es kommt alfo ein Ausaleidi der praktisdieit Unterlegenheit durch die ideelle Ueberleaenheit zustande. und diese sehr interesiaute . Komveusieruua" kau» die verlchiebeusten und merkwürbigsteu I-olae» habe» Sie kau» vorhaubeue. bisher nicht beachtete Kräfte so steiaern. bah sie auch vraktisch die volle Lebenstüchtigkeit herbeisühren Hervorraaendstes und berühmtestes Beisviel un« lerer Zeit: der Tstvreuße Karl Hermann Unthan ber ohne Arme aeboreu wirb, aber seine Beine und Armstümt'se io ausbilbet. bah er als Tromveteu und Kouzertvirtuvs, Kunst schüve und Kunlischwimmer Weltrus erwirbt, im Krieg allein burch leine Persönlichkeit viel tausend Krieaskrübpeln Beisviel und Kraft zu ähnlichem Ausaleidi gibt. durch sein Buch ..Thue Arme durchs^ebeii" f101 <'»’> Aerzteu und Crthoböbcn unver^inalidie Aureaunae» bietet ftoenn id> nicht irre, auch zur '-.'rridi tuua ber Erwerbäbesdiränkteuwerkitätteul. nicht nur seine volle Lebeu-'-sreubiakeit. sondern audi eine aus ber Lebeuskrins qehoe.'ue tatsächliche Neherwertiakeit Borhilblidikeit - - erwirbt uub m ben Wohltäter» feines Bolle-'- aehört. (Er hatte ühriaeus ae hei.ratet und hiuterlieh eine zahlreiche aelunbe Iamilielt 7tn diele Koteaorie aehört and' Males MeubelSsohu, ber wesentlich infolae seiner körverlidieu lliizulänglidikeit - er tvar verwachsen und stotterte seiner außerordentliche» oeiftinen Eutivicklmig aelanale «liehe meine Studie Bioies Meitbelssohn. der Außen feiter" in der iiibifdien Sdiiilzeituna. Jahrgang 1929, Numm'r 9» Irauz von Aküsi. ber katbolifd'e Heilige. ber nadi moralischem Nieberbruch die .»iadisolae Ehrifti". Armut und Selbstverleug uuua uub Weliflud't erwählt: Iriebrich Nietzsdie, ber, durch eine von den ..Züustiaeu" als völlia miuberwertig hezeichnete Schrift in keinem akabemildte» Lehramt unmöalidi gemacht, zum Ber / teibiaev des ebenfalls unverstandenen Nicharb Waaner, aarüber hinaus, lehr bevichueub sdw» i» der wadtsenben Erkenntnis lei »er minberwertiaen Nerven und seiner schwindenden Eteisteskräste den ..llebermenschen" erdenkt. iKerabe bei de» beiden Let'taenannteu. bei frranc von Allisi uub ftricb.ridi Niebsdie. ühriaeus in aerinaem Mähe auch bei MoseS B'enbelssohn. wirb jene Abae waubtheit. Bienlchenscheu. Menschenverachtuna kiditbar. bie im «»runde eine freinbleliakeit aeaen die Berhältuisse ist, nefle» bie man sich nur mittels Kouipeusatioii behauvten konnte. Tah bic-le freinbleliakeit um so deutlicher ist,, je weuicter der Kämpfer sich hnnhfcfctt kann ober sich vorerst burchqesebt hat. lieqt auf der 'band, weil ja die eiflcnc Un;uläuglichke!t noch sehr deutlich und der Widerstand der Masse um so haslenswerter erscheint. Tarum werben die meisten Kompensierenden als ..Auhenseiter". Einsiedler ober Eiaenbrotler pelten. mehr ober minder Menschenve'ächter ober Menschenseinbe sein, dabei nach Moalichkeite» suchen, ihre Ueberleaenheit brw. die Unterleaenheit anderer;u -betonen. Aber sie lebe» und leisten. Ter peschätzte Leser wird meine reichlich lanaen theore'ifchen Ausführunaen. so hoffe, ich. als notwettdiq eiitsdnildicten, wenn X ich nun versuche, sie aitiuweuben Nickt alles näniltdi. was die Einrelpersönlichkeij nnternehmc'ii kann, um aus der Hoffuunaslosiakeit herausKistnden, ist beut B o l k c möalich. Es stirbt niemals abndrtlich, sonberit nur aus körperlicher Unfruchtbarkeit ober aeistiaer, b. h. durch Aufaehen in anderen Kulturen. Selbst bas Sichtotkchlapenlassen ist nur bei mhlenmähia vOaur aerinaeu Bolkerlchasten möalich, nicht etwa bei einem t,.', Milliouenvolk wie es das deutsche iit. Auch die Sublimieruna, d. h. hier die freiwilliae Sell'stansaabe t»a»nsten einer höheren Einheit, ist auf viele Wcncrirtionen mitt aus wohl für alle Heutiaen Bvlker „undenkbar" im wörtliche» Sinne. Ihre Er;iehu»a ist noch nicht soweit aedieheti, als sie die Menschheit als nicht nur Reliaiästheoretisdies. sondern als etwas Wirkliches beareisen. Noch nicht einmal alle Eslieder einer Nation konnten bisher im Tienst an der Nation zur höheren Ein heit erzoaen werben. Solanae aber diese Erfülluna fehlt, werden die Kräfte der Nation in solcher Erziehunasarbeit acbunden, und zualeich zu höchster Eiaenart aitloirfeft, wie es eine spätere noch kaum erahnte Blüte der aeeinten Menschheit zur Boraussepuna hat. Aber auch.au sich ist der Beariff der Menschheit etwas so Umfassendes, in Beraanaenheit und tteaenwart und Zukunft Un aeheures. bah nur wenige Auserwählte. Wegbereiter, ihn erfassen. Selbst der Bölkerbund, wie er ist, wirkt vorläufig eher ibschrek« keud, als werbend. Bielleicht kommt einmal über den „Europäer" hinweg der „Mensch" zustande. Bleibt für ein Bolk in der Lage des deutschen, nach einem verlorene» .Krieg, umgebe» von ehemaligen Kriegsgegnern^ von wirtschaftlidien Sargen gebrüdt, schwach, in seiner Selbstbesrimmung unfrei, Spielball nach, auf unabsehbare Zeit den Interessen der Starken hingegeben, zu allem >wch stigmatisiert mit der vertraglich zugestandene» moralisdie» Minderwertigkeit, allein die K v m p e n s i e r u » g. Nun werden alle die Ersdietnungen klar, über bie wir uns sonst so sehr wundern: die nngehenre Begeisterung für Kampsformatione». die vor dem Krieg bei deren N >b« »iesteru durchaus größer und editer war als bei denen, die sie bildeten: die Ueberschähung alles dessen, was mau für bentfd), die Kampfstellung gegen alles, was man für undeutsch hält: die EKeichstelluug von „undeutsch" mit „unwürdig eines Deutschen". Als deutsch gilt aber nur, was rälsenober blutiiiäszig als nordisch bestimmbar, mit deutscher Sprache verbunden wahrgenouinten wird. Diese, abgesehen von der Spradie, rein rasseumäßige Auffassung des Bolkstums ist allerdings schon lange vor dem Krieg thevretisdi^hegrünbet nnb verbreitet worben, unb zwar von lauter „unbeutschen" Sdiriftstellern. vor allen beut Franzosen Elabineau: „Essai sur l'inegalite 'des rares hiimaiues" «l^.">s unb dem seinem Baterlande abtrünnigen Engländer St. Ehämberlain: „Die (»rundlagen des »eunzeliute» Jahrhunderts" (1899). von beuch wenigstens ber erste als frranzose nicht im Traum an eine besakibere Begnadung des deutsche» Bolkstums dachte. Während aber bei den Bvlker» mit alter Kultur und nationaler Einheit,-in srrankreich, Englaizd, Holland, Schweben, keine erusthaste Einwirkung der Nassentheorie aus die Ei»sd>äb»ng der einzeln-'» Staatsbürger zu spüren war, war die Wirkung aus bas naiio.ial und konfessionell uneinige, in Kleinstaaterei versunkene, als der „Parvenü unter de» Eirohmädite»" geltende deutsche BolT, dem man den „Platz a» der Soniie" versante. nicht n»bcbc>itcnb. Damals schon war die rassenmähige Auffassung des beutsdien Bolkstums mit einer (»egnersdiast gegen alles Jüdische verbcinb.'u. weil in den oben genannte» Schriften die „Semiten" als die wichtigsten (»egenspieler der „Arier" erkannt und genanut werde», und ja die Jude» die einzigen wahruehmbare» uub erreichbaren Semiten tvare»..- Daher die Bezeidmung ..Antisemitismus" anstatt etwa „Antiiubaismus". Dennoch kam die wichtigste Welle des Antisemitismus des vorige» Jahrhunderts, zur Zeit Stöckers uub Ahlwarbts, »idit vom Rauegebauke» Her, fonbern >var me (entlid) retigios und wirtsdiastlich bedingt, wie die beiden erste», oben geschilderten Arten. Nid» innfonit nannte z. B. Stöcker seine Porte! „Christlidiioziale Arbeiterpartei". Als aber durch den Krieg und »ad, ihm baS Unglüd ins Nngemessene stieg, und zu», Ausgleid, die Einsdiätzung des eigene», zweifellos auszerorbeutlidi wertvolle» Bolkstums. seiner Aufgabe, seiner Zukunft, stellenweise bis zur Selhstvergotteruug stieg, stieg auch die sre'ndsdiaft gegen bas Seuiitentiim, b. H. Iubeutui» als bas ollem rassild» Deutschen augeblidi sdinurstrads Zuwidere auf eine solche gesährlidie Hohe, baß bauche» ber religiöse und der I-a'sabe,,- Antisemitismus viel harmloser aussehe», als sie es wirklich si>:b. Ja diese sreiubseligkeit hat so suggestiv gewirkt, bas«, zahlreiche sogar ernst zu »ehntenbe Deutsche überzeugt sind, der Jude sei überhaupt an allem Unglüd fdnilb, nnb mit ber Beseitigung des Juden würde auch die des Uuglüds gelungen sein. (Fortsetzung folgt.)

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