Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 18 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 V DER JÜDISCHE HANDWERKER WIRTSCHAFTLICHKEIT ODER UNTERGANG VON\LOUIS WOLFF. BERLIN Wenn diese /,-iisc hrift in die Hände unserer I es(>i- |»ini. «I.iiiii sind bereits die \\ jjrfel über dir /.usupimcusctznng des neuen"Reichstages gel.illrn und d.nnii das Schicksal iil»t*r den künftigen >»>Iiii»i In n und w irtschaltlichcn Kims entschieden. Die W iilil\ ersiiiniiilunsren und Hlughliilter. besonders der e\treinen Parteien. Indien mit einem Milwaud um übeldufteiidc-u Mitteln gearbeitet, mit Kübeln um Srbmiit/ derart die Hilft -verpestet. d.ill man sich Irujrcn muH. ob der unheilbare >< baden, der innen- und auHcnpnlilisch an- -ei iihiei wurde, überhaupt noch gufz.iimaclicn ist. I )rtiiM 111a11<I mit seiner l eberkijtur hat w ieder einmal gezeigi. clalt es mit dem unheil- \ ollen mul zerstörenden Antisemitismus an der "'pii/e aller Kulturländer und Völker marschiert. \\ iirdr sich dieser Antisemitismus in seiner rüden Io> in nur in den Parteien austoben, die das 11akenkreu/ auf ihre I ahne geschrieben haben, dann könnte man sich damit abrinden. Wenn aber Parteien mit Ausgesprochen wirtschaftlichem Charakter mit diesen antisemitischen Parteien paklieren. so stimmt diese Tatsache aullerordentlich bedenklich. I.s ist bereits ein offenes Cchcimnis. dal? nicht nur ein erheblicher Teil unserer grolle» W irtsc haltsbetriebe, sondern Mittel- und Kleinbetriebe teils \erschamt. teils ganz, offen jüdische I ieleranien. Angestellte und Arbeiter boykottieren. Dieser Boxkott ist nicht ebn e hgefühi t auf jüdische Mittel,mer: im (,egenteil, es liegt in der 'Konsequenz'dieser völkischen Betriebe, möglichst \ iel (itdd um Juden hercinzubekomme». um damit noch weiter die wirtschaftliche Kraft des*einzelnen Juden und damit des (iesamtJudentums zu schwächen. I nsere politische» Rechte sind uns zwar durch die Verfassung garantiert: und wen» man auch dies,- Bechte nicht g.iüz nulheben kann, so sicht es doc h in praxi ganz anders aus. weil dje Verfassung in den Köpfen leider allzuvieler Ricfiter d'ie verschiedenartigsten uns nachteiligen Auslegungen zulällt. J (.anz anders liegen die Dinare mit unser» wirtschaftlichen Rechten. Der Respekt, den man uns nach dem geschriebenen Ciesetz. wenn auch oftmals umgangen, über unsere garantierten politischen Rechte entgegenbringen muH. fällt in iinserm w ii tscTpiltlichen Rec ht vollkommen fort, liier, so spekulieren unsere politischen Ciegner. ist die Achillesfc-jse des Judentums, und damit stehen wir mitten im jüdischen Wirtschaftsproi Idem, jenes Peilproblems der gewaltigen internationalen \\ irtschaftskrise. Sie ist da und sie muH überwunden werden. Diese grolle volkswirtschaftliche I rage soll nicht der Zweck dieser Zeilen sein, sondern die l Überwindung des täglich mehr um sich greifenden Pessimismus, der sich ganz besonders in allen jüdischen Schichten erschreckend ausdehnt. Dieser Pessimismus, der bereits der Verzweiflung Platz macht, wird nicht niedergerungen durch noch so gutgemeinte langatmige ArlikelNlie bereits zur stehenden Hinrichtung im jüdischen Blätterwald geworden sind: dieser Pessimismus wird nicht schwinden, wenn den gezeigten Wegen nicht die lat folgen wird. Hs geht nicht mehr an. dal? man sich in groHangelegten imposanten Versammlungen mit grollsprecherischen Worten über unsere katastrophale Hage unterhält und nach Schild? einer solchen Versammlung — weil man mit dabei war — sein Gewisse» beruhigt fii.li 11. im übrigen aber, wie der Volksmund sagt. ..den lieben Gott einen guten Mann sein fällt". Die Gemeinden tun gew-il? viel, trotzdem nocJi weit mehr getan werden könnte. Der Ausbau der Darlehns- und Kreditkassen wird immer noch nicht in dem Malle gefördert und unterstützt, wie es wünschenswert und notwendig wäre. Immer wieder müssen die Gemeinde» gedrängt, werden, mehr vornussehauende auf bauende Wirtschaftspolitik zu treiben und das beschämende Almosen- Lehmen abzubauen. Wir verlangen zumindest dieselbe leidenschaftliche Anteilnahme an unseren Wirtschaftsproblemen, wie sie oftmals in nutzlosen parteipolitischen Auseinandersetzungen zum Ausdruck kommt. Wir verlangen aber auch das verschärfte Verantwortungsgefühl für die lebenswichtigste Aufgabe .unserer Gemeinschaft, ihren w irtschaftlichen Bestand. Nicht aufgefallt als Kolleklivbegriff, sondern jeder Hinzeine geht uns an. Wo bleibt das Solidaritätsgefühl. wenn es sich um wirtschaftliche Dinge handelt. Wir müssen die Gedankenträgheit in weiten Kreisen unserer Gemeinschaft bekämpfen, weil sie den Menschen, dem sie nicht Brot und Arbeit gibt, schuldig werden fällt. Der l ntergang des Mittelstandes ist gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch unserer Gemeinschaft. I nser um allen Seilen hart bedrängtes Judentum ist in Gefahr. Schaff^ freudige Mitkämpfer. ' gebt ihnen Brot und Arbeit! i