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Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-12-12 · 18 (12.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
18 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Das Spezialgeschäft für Modische Kleinigkeiten Bruno Wilcken Am Wall 157 M.iuMCutnt »ich! Culi1ijitt\v:iti^ctt sind, tM müffcit die Mano:\i;nt I>a '•Iviiuii'», Pi; stimme» frlmltc». mollcit, auf N'iimtmti' ^unüi' wu’iiitliti" mabc», uub ihre Itcilmtfl zu den i»:i!:::.;i[o» ,'vr.iiin: m»j; llnr und zweifelsfrei [ein. ('Iriiiitnuifl eigener jüdischer Zchnlen. köenn irgeudivo, so Hang: bei uns Jude» alle» mit der v: zielr.iug znjommen. Wir nurjseu erst den Rormaljuden erziehen, und >o:r tonne» it>» mir in der jüdischen schule erziehen. Alle >i: ’t.'uu (Vir keinen Wen, io lange wir nicht die Möglichkeit inr eine s r e i e jndi j ch e E n t w i ck I » n g schossen. Alle Hofsnungen uns Paloiiino sehen und die Hilden der Diaspora als rc - dorrten,verknminenen i'gveig anigeben, wie es überspannte Zioninen tun. ist nichi nur vertehrt, sonderet direkt verhängnisvoll, l.xjüdische 'd.ben auch in Europa m»sz verliest »nd gefestigt iverden, und der Anfang k.inn und soll in der schule gemocht ivcr« de» tön branUie» n de roll jndriclie Elenieniarschnlen, und Ivo cs mognch ,ii. orrch jüdische (''mmtuium. Ion um konn der jüdische i'.ni, iiib frei entt.rlien. der jndische Eharokier sich hormvnisch bilden. lie allgemeine Bildung soll hier nicht z» kurz kommen, dineben ober soll der indische lelmler eine» reichen lNiatz jüdischen lSriens st.li nt:erjiTrcTf, lind vor ollem soll er nberoll vom jüdischen >'Vm:i; vegleiie: und belnnei seirr. I. Tie Zchassung eigener jüdischer Kulturzentren. toaeden Hilden in lentschlond noch ^»ehr als dos jüdische Hein, fehl!, in das jüdische M i I i c IC. die Stätte, wo der .lode üch-natürlich,ausleben konn. '.'licht die Kasseehäuser sollen d:e Snnmeipnnkie der .tnden bilden, sondern die eigenen jüdischen \\iiiu'. Ivo inon sich nngezivungeu gibt und Anregnngen liin.i und emvioirgi. .ln jeder gröszcren lüemeindc sollen jüdische tzeseliall.n und Biblioilielen und jüdische .Klubs sirr eine wirkliche jüdische «geielligtei: erstehen. 1er Jude soll stets da 'Anschluß 'nchen und sindeii. ivoliin seine innere Zehnsncht gerichtet ist, wo die ttei'ien 'Winzeln seiner Krott ruhen. .'». Lchossung eines wirlsarne» Lchntzcs der Jude». rer .rüde wird leider häufig als I u d e ongegrisscn, und >vo er keinen wirksouie» Ich uh rindet, do verfällt er in den "-ebler. inn Judenium ols Unglück onzitselren und zn verstecken, oder er ivird vetbitiert »nd die beste» Ansätze seiner Lcbosfeuss'.endigkei: verkninmern. ■ Io muß dofür gesotgt werden, doß der komm!, lieb.roh muß die girdisclie lrgonisotioii jedem zur Zeile iielren. der ivegen seines Judentums ongegriffen Ivird. Rur so ionn dos i'*efitbl loirklirber lolidarität gehoben Nltd die irrende ,>nde nberoll i ch u >; f i n d e t, doß er sich nicht wehrlos voreitc l'o irrende in der ''gigehorijt^eii zur Eesomtheit. gestärkt Iverden. -z ü. Lchossniig einer jüdischen Weltorganisation. eie Jd>e einer jüdischen Weltorgoujsotion erweist.sich immer mein o!s _ei11 dringendes Bedürfnis. Itc 'ierlriintmernng des jndi'chen liiens. die der iinfelßrite oller .Kriege uns gebracht Hot, ist ein Unglück von nngeltenter kultureller Bedelitnng. lie Ausivirinng dielet eoifoche konn nur durch eine-große gesunde alll » d i > ch e I t g o niso > i o n gemildert iverden. lie Hilden der einzelnen Lander können ihre .üroil - nur ans der (Resolutheit ziehen, und die einzelnen (Glieder können nur gesund sein, wenn d r g.rnze -Körper gesund in Eine zielbetvußie jiidiirlre Politik in - 7enis.lU rnd innsz on diese»! eminent .ivieliiigeu Werke mit orbeiien. lie Jiidenbeit lentickilauds kann nur von der engen "iiblong mir einer solchen lroaniiation ihre stärksten Impulse empfangen. und neues rieben in iia> onrneliuteu. Jede jüdische Politik in der lioiporo innsz in enger Fühlung mit Boloüino üehen. mnsz den Ansbon jüdischen Gebens auf der oeiebichilich geiveibieü ltone fordern. Wir müssen die Koloniioiion Palästinas stützen, »rniien. olle dortigen Unternehmungen in':n>lo: und ea: iordern und müssen auch sorgen, dosz die neue jüdische Ei'iwi.tlnng o»> judisck'en, 'Boden gesu'nde Bohnen >o o n d e! i. los lieg!-im Juiereüe der Berivirklichiutg der großen?,dee nnd auch in nnserein Lebensiniereise. 'laut:: ürid die Ansggben der jüdischen Politik natürlich nicht eistbopn ,'ruinier neue Ausgaben iverden verstehen, wenn erst der 'Boden inr neue Anregungen irnchibor o.'inocht worden ist. lie Zen wird uns immer neue:>io:se! anigeben und dos jüdische Leben n'iid reine Aorderunoen gellend »rochen. Berräll! diese jüdische Poliiil 'iiürr in den Rebler einer engherzigen Partei und läßt sie den jüdischen eviit o» liehe der läroblone ivolten, donn ivird sie mi) immer jrhoner, freier und großzügiger entfalten. durch die gleichen Mittel Niederhalten lassen, mit denen sich, die nionorchische Anivkrotic sicherte: durch Militär, Lpihcl und Po lrzntglter. lieic deuisäien, Bonern erzählen nun von dem sozioltstische» Porodies. lie wurden gequält, weil jte Mennonitcn sind, einer Sefte ongchoren, die die Wosse und die t^ewaltonwendung als unsittlich »nd gottlos verwirft, los duldete der ^or nicht und. feine k o m in n n i fl r i ch e n r'i o ch j o l g c r , die ihre nbcc mit der ollgenicinen Wehrpflicht durchsetzen wollen, weil sic ohne Ka ferne nicht regieren können, hoben diese topseren Mcnfcheit kurzerhond enteigne!. Als diese ittni noch dem Ausland ontbrachen und noch Moskau ivonderten, n»> sich dort ihre Pässe zn holen, wurden sie znuochsi aus dem tzshodrnrko srelds interniert, los ist jcitcr Plotz, out dem bei der Sironnng Rikoläns II. einige tonscnd Menschen zn lode getrompeli ivorden waren. Tort hielt man die Bonern .fest. > lonn ivurde einigen Hundert von ihnen die lrrlonbitis erteilt, r«ch autichlo«" a>>tz<>n -H« wi'rdev rwanaswe'i» ttgt'.l^rei, jondcrn die r..elonoiute der inneren seru>.e, o». tktntzung der Berhältnisse int Tienstc der Kcsamtheit. Je ehrlicher, freier und offener wir die Zache des sVndciitttins und der ^uden vertreten, desto »tachlvollcr wird sie sich zeigen. Tic Zeit einer jüdischen Politik ist für fast olle Länder do, aber sic setzt ganze, freie, selbstbewußte ,tndcn voraus. Je.tiefer diese Erkenntnis wird, desto gewaltiger wird sich die jüdische Politik entwickeln. Lin Zlahr heilpäüagogischer Arbeit. Bon. Tircktor Witt-Marburg a. 2. los jüngste Glied in der Kette jüdischer Wohlfahrtscinrichtttngcn Teiitschlonds, dos s r a e l i t i s ch e He i l e r z i e h u n g sh c i nt in tl)i orburg an der Lahn, blickt ans eine Tätigkeit von einem Jahre zurück. Roch dem Gutachten hervorragender Fachleute wurde dos Gebäude des srnhcrcn israclitischcii Lchülcr- und Lehrlingsheiins in Marburg für die Zwecke des Heilerzichungsheints im Zoinntcr l!«-'8 hcrgerichtct. Zur Zeit sind 15 Zöglinge inr Heim int Alter von 6—15 Jahren. Weitere Ausnahntegesuche liegen vor. Bon diesen 15 Kindern sind cingewicsen: fünf von den städtischen Bezirksjngcndämtern und dein Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde Berlin, zwei von dem städtischen Fürsorgeamt und der jüdischen Wohlsohrtspflegc in Frankfurt am.Matn, einer von d« zentralen israelitischen Wohlfahrlsstelle in Nürnberg, einer von dem städtischen Wohlfahrtsamt und der Wohlsahrtsstellc der Zynagogcngemeindc Tüsscldorf, zwei vom Landeshonptttionn in Wiesbaden, einer vom Landeshauptmann in .Staffel; drei von privater Zeile. Unter den 15 Kindern sind zwei sehr schwierige, davon ein Ecephalitiker und ein schizonidcr Psychopath. Tie Kinder kommen größtenteils ols »tilicngcschädigt in das Marburgcr Heim. In mehreren Fällen sind die Ehen der Eltern geschieden, die Mütter ivicder erwerbstätig. Tst erwiesen sich die Eltern als erzichungsnntähig. Manche dieser Kinder besihen eine schlechte Erbmasse und hoben schon viel Glend in der elterlichen Umgebung im zartesten Kindesoltcr gesehen. Aus unserer Jahrcsstatistik geht hervor, doß die Zöglinge nicht immer mit Tesckten behaftet überwiesen wurden. Ist Hot dos Heim nur eine prophylaktische Aufgabe, Kinder vor Entstehung psychopathischer Konstitutionen zu bewahren. die sich in einem defekten Milien mit großer Wahrscheinlichkeit entwickelt hätten. Mit Ansnahiuc eines achtjährigen Knaben,, der »och einer Grippeerkrankung eine Eccphalitis erworben hatte und uns durch diese unheilvolle und bösartige Krankheit viel zu schossen machte, haben wir mit dctt Kindern von 8—12 Jahren in, allgemeinen eine dankenswerte Arbeit, die Aussicht ans Erfolg Hot. ler Umstand, daß unser Heim bei der geringen Anzahl der -föglinge dcii Eharoktcr einer großen Familie hat, schasst eine gemütliche und beruhigende Atmosphäre »nd bringt Leiter und Erzieher in eine enge Beziehung zn dem einzelnen Zögling. Taß eine innige Berbindung zwischen dem Heim und der hiesigen Universitätsncrvenklinik besteht, muß besonders hcrvorgchoben werden. Bon großer Bedeutung für Leiter und Erzieher des Heims verspricht das heil pädagogische Zeininar zn werden, das bei Beginn des Wintersemesters begründet und von dem Tberorzl der Rcrvcnklinik, dem Privatdozentc» Herrn Tr. Maur, geleitet iverden ivird. Tic Erzieher des Heims haben bereits ihre Beteiligung an den Arbeiten des ZcminarS zugcsagt. Eine sehr ivickitige Rolle spielte bei unsere» Kindern die Beschulungsfrage. In der ersten Zeit schickte» wir die Kinder in die hiesige einklassiae jüdisckrc Bolkssckiule. Aber diese einklassigc Zchnle erwies siä> sür nnscrc nervösen Zöglinge für sehr niigccignet. so daß eine eigene Heimschule gegründet werhcn mußte. Tic Zchaffung der Heimschule hat dazu beigctrogcn, dhß die Kinder von der Gefahr der Zlraße serngchallen wurden..' Es ivurde aber auch von "-oll zn Fall geprüft, ob sich ein Kind nicht doch für eine anders Zchnle. insbesondere eine höhere, eignet. Um die Kinder zu produktiver Arbeit onznhalten, haben wir vom ersten Tage'unserer Erziehungsarbeit on daraus gesehen, je Nach geistiger oder manneller Fähigkeit, die Kinder in ihrer Freizeit zu nutzbringender Arbeit onznhalten. lie Erzieherin lehrte die Kinder daS Einrahincn vozz Bildern, lie kleinen erhielten Unterweisung in Klebirbeit, die großen im Laubsägen und Kerbschnitt. Eine ganze stieihe niedlicher Gebrauchsgegenstände entstand. Zchlicßlich wurde uns ein 'Morgen Land zngeiviesen, ans dem Gartenbau getrieben wird, der für unsere .Küche schon manchen Ertrag lieferte. Dann sei noch erivähnt, daß, abgesehen von dem planmäßigen Turn»

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