Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 18 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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unterricht, für den wir Recks, Barren, Zprungständer, Ringe, Schaukel und Trapez zur Verfügung haben, fast täglich ans An raten des Nervenarztes rhythmstchc Gymnastik getrieben wurde. So haben wir im ersten Jahre des ncnen Heims «ns bemüht, mit offenen Augen zu schauen und nach Arbeitsmethoden Zn suchen, die uns befähigen, das Seelenleben eines jeden stindcs zu erfassen, seine Eigenart zu erkennen und in jedem skinde das Gefühl ivachzurufen, dag wir bei all unseren Maßnahmen daraus bedacht jind, den stindern Hilfe und Erleichterung in ihren seelischen Röten zu gewähren, im Bewußtsein der schweren Ausgab. unleres Werkes, ein Hcilcrzichungshcim zu sein. s 7uoij<he Nachrichten. yuvi|U)K f/vmu. Bon Fabius Schach (Berlin). Es gab eine Zeit, die nicht allzu jungen er,:: icrn sich noch ihrer, wo man in Teulschland die Rolwendigkcit und die Möglichkeit einer jüdischen Politik verneinte. Wenn man jede jüdische Interessengemeinschaft außerhalb der Synktgogc leugnet, dann schien die klaren Linie» einer jüdischen Politik. Man ließ höchstens eine Abwchrpolitik gelte», auch sic wurde, wie leider vielfach auch »och heute, mechanisch vom Standpunkt des Staatsrcchtcs und nicht aus innerer Tiefe heraus erfaßt. Es fehlte» auch die jüdischen Politiker, die die Führer einer, jüdischen Politik hätten sein können. Roch herrschten die Schlagworle der Eman- \ zipationsthcorie, und die entlehnten Schablonen einer rationali-, Itischen Mentalität bildeten die Tvgmcn des öffentlichen Lebens. Wohl gab cs Politiker jüdischer Abstimmung und hier und da auch jüdischen Glaubens, aber sie waren deutsche und nicht jüdische Politiker. Ter kategorische Imperativ der Zeit hat cs ' fertig gebracht. - Heute scheint cs auch in Tcntschland in vielen jüdischen .stopfen zu dämmern, und man sängt an zu ahncit, daß wir ohne jüdische Politik für die Tauer nicht fertig lvcrdcn. Tic furchtbare wirtschajtlichc R o t d c S jüdischen Mittelstandes — und er bildet die größte Mehrheit der Gesamtheit — und der bis z»r Pogromhetze gesteigerke Judenhaß haben uns die Erkenntnis gebracht, daß wir auf den alten Wegen nicht viel erreichen können. Und die Revolution hat zwar nicht mit allem Morschen aufgeräumt, aber immerhin den Boden für eine Politik der Wahrheit gcschafscn. So haben viele deutsche Juden, innerlich wenigstens, den Bruch mit der alten Politik vollzogen. Tic Unzufriedenheit, die Mutter allen Fortschrittes hat die Sehnsucht nach stärkerem jüdischen Lebe» erzeugt —* für den einzelnen wie siir die Gesamtheit. Aber noch fehlen Pwl und Richtung für das aufkcimcndc Reue, und cs lvird wohl noch lange dauern, bis sich daraus eine gesunde jüdische Politik hcrauSkristallisicren wird. Eine großzügige jüdische Politik muß sich a»f de» gemeinsamen Idealen und Ledensintcrcsscn aufbaucn. Es muß also erst ein innerer Prozeß z u r Einkehr vor sich gehen. Tiefer Prozeß muß zu dem Ergebnis führen, daß eine w i r k - sa' e jüdische Politik ohne tiefe R e l-i g i o s i t ä t »nt» o h n c 1 n n c r c S o l i d a r i t ä t, d i e dem Gemein» s ch a f t s b c w u ß t s e i n e n t s p r i n g t, nicht möglich ist. Tenn die Inden in Tcntschland bilden keine einheitliche soziale Schicht und keine gesciilossenc wirtschaftliche Gruvpe. Ter Gegensatz zwischen .stapitalist und Proletarier, zwischen dem schwer Arbeitenden und dein leicht Genießenden, zwischen dem Gebietende» und dem Gehorchende» ist hier ebenso groß wie überall. Sollen also all diese .stlüftc nicht durch Phrase» übertüncht. sondern wirklich überbrükkt werden, dann »inß schon etwas Großes sei», das dies bewirkt. Wenn die Juden behaupten, ihre Iusamincngchörigkeit beruhe auf dem gemeinsamen Glauben, dann muß cs ein st a r k e r Glaube sein, der de» ganze» Menschen beherrscht, ein Glaube, der nicht alle soziale Ungerechtigkeit als von Gott gegeben bezeichnet — was Blasphemie in —, sondern umgekehrt alles Uiwubt nach dem Gebote der Thora als antireligiös geißelt und die Härten des Lebens zu mildern sucht. In der Religion Israels, wo alles, demokratisch und sozialistisch gestimmt ist. ist diese Anssassuiig ganz natürlich. Wo die sozialen Pflichten religiöse Gebote bilde», muß sich ein Weg zur Einheit zeigen. Ist der Glaube so stark, daß er znm Ansgangspnnkt und Endziel aller Handlungen wird, dann wird jede antisoziale Tat. jede Ungerechtigkeit einfach unmöglich. Man darf ivohl sagen, daß alle wirklich frommeii Juden eine höhere Genie inschasl bilden, weil die starke Religiosität, die, sie verbindet, sie zu wahren Brüdern macht und jede ^issö/cujicrung Wir färben und reinigen alle Garderoben in allerbester Ausführung KUHLKE & BEHRENS 1 Icrdcnlorstcinwi’H 35 l nie Abholung und Ziislellun» Domshclde 20501 des Standes, des Besitzes und des Bildungsgrades als nebensächlich erscheinen laßt. Bei denjenigen Gruppen, deren Leben von der Religion dnrchgliihl war, wie bei den P h a v i s a c r n tjie waren das Gegenteil von dem, was eine unwissende christ iichc Wisscnschasl aus ihnen gemacht hat! und Eijacrn im Allertnin und bei den E h a s j i d i »t und T a l m ndju n g e r n der neueren Geschichte, verschwand tatsächlich jeglicher äußerliche Unterschied, und sie waren Bruder im vollsten Sinne des Wortes. llnd ebenso wichtig ist die mit der Religion eng verwachsene B l n l s j o l i d a r i t ä t, das 'Bewußtsein. daß wir eine gemein samc Abslammiliig. eine geiuciusame Geschichte und eine gern ein sä me Ankunft hiflu'ii. Tenn ans diesem Gefühl ent strömt die groge indische Weltanschauung, die jede Maier chlijiernng des Lebens verwirft »nd den Weg zu großen ' ' ul»'» Tate» für die Gesamtheit öffnet. Eine indische Politik, die die jüdischen Ideale schuven will, hat ivohl ihren Sitz i» Teulschland. sie muß aber ihre Handlungen den großen einheitlichen «Gesichts punkten entnehmen, und über die kiinitlich geschassenen Landesgrcnzen hinaus ein Ausschnitt der Gesainlju'denheil, er» organischer Teil des jüdischen Bolkes sein. Ten» eS gibt kein jüdisches »nd kein'polnisches Judentum, es gibt nur in Teulschland und in Polen lebende Bekenner desselben Judentums, die einander z» ergänzen »nd zu stützen berufen sind. Erst wen» diese beiden (Grundlage» klar erkannt sind, kann > sich daraus eine natürliche jüdische Politik anjbaiieii. Tie Grund iinirn einer jüdische» Politik jind dann vorgezeichnet und die wichtigsten Ausgaben trete» von selber hervor. Es sind dies: 1. Schaffung einer einheitlichen Organisation der deutschen Juden zur Stärkung des jüdischen Lebens. TaS BedüisniS, die Ierrisjenhcil zu beseitigen und eine nach innen »nd außen starke Organisation z» schaisen, .aus der alle .stanälc des jüdischen Lebens ausgehen, ist von den Einsichtige» längst cinpfundcn worden. Tiejer Mangel macht sich in eine» Icit der .strise», wo alle Bande gelockert sind, nocki snhlbarer. Eine Geincinjchajt, die nicht als geschlossene Einheit aiislrill, und die nicht als Organismus erkannt wird, ist immer, mag sie noch so reich an Intelligenz und finanzieller .straft sein, zur Macht losigkeit verdammt. Wir haben in Teulschland bisher Juden, aber keine I u d e n h c i t. Es muß eine n e u e g e j u n d e G c sa in t o rga n i sa ti vn ins Leben treten, die ans demokratischer Basis ausgebaut ist und eine berufene Berneinng aller deutschen Juden bildet. ES müssen srerlich durch die Tlatulen und noch mehr durch die Männer, die an die Spitze dieser Reu bildung treten, Garantien gebotan werden, daß ins religiöse Leben nicht cingegrijsen wird, und daß keine Richtung, mag sie heißen, wie sic ivollc, inajorisiert wird. Regelmäßige .Uongrejje, berufene Tclcgicrtc und ein richtig geschaffener Ausschuß müssen die Gr» id lagen dieser Organisation bilden. 2. Eigene Vertreter in allen össentlichen lstörprrschasten politischer, sozialer und kultureller Natur. Wollen wir als politisch reis anftrelen, dann müssen wir end lich mit der beschämende» Taktik, brechen, unsere Interesse» IwN - anderen vertreten z» lassen. Wit müssen unsere Angelegenheiten selbst in die Hand nehinen. Riemand kann unsere Sache so warn, und so gründlich vertreten als wir selber. Tie jüdischen Tinge J liege» meistens ganz eigenartig, weil sie mit der indischen Natur »nd mit der jüdischen Geschichte in Fühlung stehe»., We» in die jüdische Psyche nicht esnaedriingen ist, kan» die jüdischen Fragen nur ans einem schiefen Winkel heraus ansakseu und kein richtiger Verteidiger werden. Wir haben uns nicht zu entschuldige», und ^cwig um Be.rzeihiing zu bitten, daß wir uitjei Leben mich eigenen Gesetzen cinrichten. Unsere Eigenart ist ebenio natürlich und ebenso berechtigt, wie die einer jeden akidere» «Gruppe im Tlaale Ta-.- müjjen wir bekennen als Gebot der Wahrheit, der Telbjiadiinng und auch der -stlugheil. Wir sind wie >oir sind, wie uns die inne re» und Äußeren Verhältnisse gemarlu haben. Tamu toll nicht ge sagt sein, daß wir nicht auch unsere Fehler habe», daß nur nicht nach Fortschritt und Vollkommenheit streben »iniseli. Nirgends ist offener und leidenschaftlicher gegen alle Fehlei der Gemeinschaft gekämpft worden als im Iudenuim. Aber das ist »njere innere Angelegenheit, die nur »ns angehl Ion Tiaa:e siiid' wr» g I e i cl> e V ii r g e r c i n e r a » d e r e » A i i, g I e i ck> e M uliiii- »i c n f ch e n eines anderen Tlämmes Tieren Ttand Punkt kann wirksam nur ein Jude veiiielen. Wenn die Stalho liken überall ihre eigenen Vertreter haben, wa'ini» nicht auch wir Juden? Unsere Religion schneidet ja noch tiefer ins Leben ein als die katholische, und wir haben >a auch noch gegen viel slai kere Vorurteile und 'Mißverständnisse anznkampsew. Turch tie Verbindung mit den Parteien innsz dahin gewirkt weiden, daß amh Hilden, und zwar geeignete Juden,-ausgestellt werbe». Wo eigene Die himorragind aparte Qustuafii ln. aim irimem una Preislagen ■•■tacke Juwelen «IJK" „ Fischbein Goldwaren Mkt Silierwaren Obernstrasse 26 Traeirlns* (nehvn I.iimanu >>>-,>