Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-12-01 · 17 (1.12.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
17 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
79% known words query
IRI
…/4916913-5966047-5966079--163-4917056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

znm Wellsricden ncfmtbcit ftaitni. Männer wie Prof. Martin Rade. Tr Nikolaus EHIe». Pater Ttralmaiin, Prof. Meller »»d Pfarrer Pieter sind hier mir einer großen Portion Unerschrockenheit baditbrcckienv vorangegangen. Unsere jüdische» ,Znhrer hohen - leider — verhältuismäßig spar de» Anschluß gesunde,:. Aber sie habe» jhn gesunde»,! Und der udis cl, e Z r i e d c n s b » n d , der im ssiühling dieses Wahres in Perlin unter der Leitung von :>tabbincr Tr. Baeck, Tskar loaiierniann und Tr. Rossig geschaffen worden und mit den religiösen Pnnden 0er andere» beiden ätonfessionc» eine Arbeirsgemeinschajl eingegange» ist, soll die Ausgabe habe», auf ">r,ind der alten und iminer neuen, und immer noch nicht zur LLirklickikeit gewordenen tiifjif des Ziidcnlnms in die allgcmcuic Zrvi» der Zriedenskämpser einznlrclcn. Ter indijckie» fugend darf aber der bloße srricdenswillcn. der heule eine böcbii einfache Telbstvernändlichkeit ist, allein nicht gelingen. Ter Kamps um den Weltsriedcn und um die Mcnschcnversohiinng ist gerade in«. Hinblick auf unsere jüdische AufsaHnng - lediglich eine Teilerscheinilng inncvhalb des ganzen, großen »ampses, der fnr den syorischriit, für soziale {'krcd)tiflfcit und fiiluudk'ii Anjslieg gesuhri wird und historisch begründet ist. Tviiv >i»s gil! es, klar zu sehen, daß es ohne soziale und nationale i'>ereck>iigkeii keinen wirklichen Zrieden geben kann, sondern nur mehr oder weniger lange druckende, geistig gesährliäw. aufrüstcüde Pöaffeusullnä»de. Tas Tniiem der krassen Prositsucht und des durchaus heidnischen Eigenininsbegrisfes erzeugt in gewissen Zeitabsiände» Siiiseu, ivirtschaftliche Tchwierigkeite», haßerfüllte Atmosphäre». die. univeigerlich zu kriegerischen Eruptionen führen müssen. ' Tolange der >üeis> des Zmperialismns und der kolonialen Ausbeutung nicht nur die Pcrechuungen der Wirlschastssuhrer und Politiker dirigiert, sondern auch die „Weltanschauungen" der kleinen Bürger und >',eituugsleser und vor allem die St reise der Religion und Erziehung beherrscht, ivcrdcn die Lilnationeii iuternationaler (Gefahren uiid Z>nsammc»slöße immer wieder keinen und da>5 >>>enieiuschaslsleben der Kiiltnrmenschheit bcunriiliigen und znrückiverfe». Tie fugend aller tliichtnngcn und Stonsesiiont» das bai schon manche iibcrbündischc Tagung gezeigt erstrebt eine grundlegende Abkehr von den Tenknicthodcn einer Z.eii, die in schlinimsler Weise „iit ihren Idealen Tckiiffbrucki erlitten Hai, und deren ultim.-i r.uin immer noch die stille Perelirnng der Prinzipien der Gewalt, der Anfrüstiiiig und der ToldatenNnisorni darsiellt. Wie posaunt man de» „Erfolg" aus: man hallt int Pölkerbund und Kelloggpakt den Krieg geächtet! Tie junge <'>enera!io» fordert darüber hinaus — wenn man wahrhaii ehrlich handeln null die A c ch t u n g des Kriegers! Und fordert: Anerkennung desjenigen, der den Tienst für den Krieg veriveigerl! Nur ein konscguentcr Pazifismus wird uns von der Aufrichtigkeit der Zriedensapostel, die sich heute au alle» Tiraßenecken breiiniachen, überzeugen! Tie jüdische Engend vereint sich hierbei mit der Zugcnd der übrigen religiösen Zriedensbünde, und sie wird innerhalb dicleS iüemeinschasisu'ollens ihre besondere 'Aktivität zur Geltung brinae». wenn sie an ihre Lehrer und Prediger immer wieder die Nnssordernng richten ivird, den Unterricht der religiösen Lehrfächer und deii Gottesdienst in den Tnnagogen mit dciit Geiste echten jiidifche» Lebens zu erfüllen und mit der Unerbittlichkeit der Gedanfengänge eines Zeiajas, Auws und Jeremias zu dnrchdringc». Ethik und Moral ist uns keine Angelegenheit des Pathos oder weniger Zeieriinnden, an denen mir uns „erbauen" sollen. Tind uns auch nicht allein Wegweiser für ein streng abgcgrcnztes, privates, meist nnduichsichtiges Einzeldasein, —' sondern: Richtschnur s»r das Leben der Gesamiheil, für den Pcrkehr der Ztaatc» 1341b Pölker. Menschen, Einzelpersonen für de» svricdcnsgedanken gewinnen »nd ihnen aus der anderen Teile ihr wirtschaftliches Los, ihre Lebensbedingungen erschweren —, das ist ein Widersinn, der mit indisch religiöser Lebensgesialtung nicht zu vereinbaren ist. Tausende jüdischer Angenellleeliegen ans der Ttraszc, oft genug von indischen Uutrrnelnneru prcisgegbbcn oder unbeachtet, junge Menschen iverden zu Proleten im übelsten Zinne des Wortes, lvinzige Zeitungsnotizen berichte» in lakonischer Kürze von Tclbstinorden. Tragödien spielen sich ab, die viele unserer Promiuenten - auch solche., die nun in der sd-riedensbetvegung führend dailehen! - nicht ahnen, - - glaubt man, daß die Zugend. und vor allem die jüdische Zugend. einem derartigen Zyste», mit innerlicher Pesriedigung gegenüberstehen oder es gar als jüdischreligiös anerkennen wird? Glaubt mait überhaupt mit solchen Methoden wieder die Renaissance des Zndcntums schassen ru können? läibt sich nicht damit das Religiöse allmählich selbst auf? Tie Religion ist aus der Erlchntterung des Weltkrieges stark ramponiert bervoraegange» ne darf sich nicht übermäßig mit der Tuldung von Unrecht und Unfrieden belasten, wen» sic sich nicht als sdaktor der elbischeii Erziehung ausschaltcn will. Tie Griindsordernng der jungjüdischen Pazifisten, deren Kreis indessen von den 'entschieden religiösen Menschen der anderen Lager mit Genuglunug und Zreude begrüßt worden ist, ist darum: Konsequenz im Wollen und Handeln, lleberbriickung der Kluft zwischcp Lehre und Leben. Beseitigung des Widerspruches unserer Moral ntit doppelte», Boden! Wir Nüssen, daß wir gerade in den Reihen unserer Glanbensbrüder noch manchen z'sni'toß erregen werden, denn der Antilemikismns hat es, troh der ihm' inneipohnenden Unlvahrheit. fertiggebrackit, daß ivir in den Kernpunkten unserer jüdischen Ethik zugunsten schwankender Tagesphrasen nnsicher und irre gelvordcn OUa ‘VtvdUuMmi' & sind. Biele sehen in der Anglcichung an halbmilitaristischc Tenkwcise», in der Znlasjung zu Rcgimcntsfesten. und ähnlichen tzeisE losen, der Menschcnvcrhehung dienenden Arrangements den Gipser einer „Emanzipation". Wir werden all die 'Vorhaltungen, Ratschläge und Einwürfc über »ns ergehen lassen müssen, denen auD die katholische und protestantische Zugend ansgcsctzt war, als sic ihre» Weg des entschiedenen Bekenntnisses zur Verwirklichung der Religion begonnen hatte. Man wird uns auch noch obcndrcrn — ohne zu bedenken, daß man dadurch die Tatsache der Emanzipation leugnet — sagen, nur seien Zude» und hätte» »ns zurückgehaltc»'. Wir aber sagen: Rein! Tic Aufforderung zur „Zurückhaltung" ist nicht an uns ergangen, als man in jeißem Unhellsjahre l'.,l t in einem radikale» Rationalismus die Besten unserer Zeit in den Tvd jagte! Und darum werden wir diese „Zurückhaltung" jept nicht üben, wo cs gilt, als Nachfahren von Märtyrer», für Gott und die Ewigkeit seiner Gcschc Zeugnis abzulcgen gegen jede Art von Ungerechtigkeit, gegen jede fror», oxr '.'lusbeutttug des Mensche» durch den Menschen, und gegen jede Halbheit, die sich de», Kampfe um die Erucucrung der religiösen Lebensgcstaltung in den Weg stellt! was bestrebt öie ^Gr^-Hesellschast! Bon Tr. T. Ehafin. ' Ter „TRT" ^sesellickiast zur Zördernng des Handtvcrks und der Landivirtsck'aft unter de» Znden> ist bereits seit Zahre» zu einer jüdischen Weltorganisation geworden, die außer Teutsch la»d die Bereinigten Staaten von Anierila, Rußland, Zrank reich, England, Peleu, Rumänien, Litauen, Lettland »nd die Tndafrilanische Union »msaßl. Zu Teuischland allein unter hält der „TRT" >'< Lolallomitees. Tron dieser Tatsache und tropdem der Zenttalve.rbaud, der säuuliche Laudesorgauisationen in sich vereinigt, seinen Tin in Teuischland hat, sind manche .greise der jüdischen Teiienllichteit über die Bestrebungen und Ziele des „TRT" noch nicht genügend informiert. Was nüll der „T:>,T"? Tas Elend und die Rot von Milli onen jüdischer Brüder, die ganz besonders durch den Weltkrieg »nd die llmiväl.znngen in Tnenropa z» einem Bektlerdajei» ver urteilt find, linder». Mit den ivgenannie» ptülantrovifchr» Znftitntione» Hai der ,,'TRT" lediglich das Eine gemeinsam die Rot der Menschen, denen er helfrn ivill. Zeine Mittel »nd Wege find aber ganz verfchiedenee Ar,. Nicht die Züchtung einer »laise von Almoienempiänger», die ihrer »mgebnng dauernd zur Last fallen, will er. sondern den planmäßigen Wieder anmieg vv» einer nach Millionen zälckende» jüdischen Be völkerung ans einem loirndinftlidirn Tainniiechen z» einer gefunden beruflichen Täligteii. Ter „TRT" ivill nur produttive Hilfe leiste» und seine llnierslühnng nur im Verein mit der aktiven Betätigung der »nierstühte» selber diele» angedeihen lassen, lind dies erreicht er. indem er ihnen zur Ergreifung eines Berufes verlnllt. »ei es durch Anleitung und derniliche Änsbildung. iei es durch tredinveife Beliefernng mit Prodnkiions mittel», durch facknnännische Beratung „sw. Zm einzrlnen ist seine Tätigleit aus folgende Zielgerichtet: > Zack'änslüldnng Zngendlicher iowoll wie Erirachfener, Zördeenng indischer Laudnürtichafi dip^ch grediie, Zachberatnng und älmli.les, :>. Berforgnng jüdischer Landwirte und Handwerter mit Maschinen und Werlzengen. Tron der große» Ausgabe und der unerhörten Tcknvierig keilen Iiat der ,,'T:>>T" danl seiner zielbeionßten. rlanmälpgen Tätigkeit bereits jept schon bemertens,verte Erfolge anizn iveiien. Einige Zahlen mözen es veranschaulichen. Zm Zaine l!>L>> uuterlnelt der „TRT" 7:', Zackisckmle». die von 72>L Tckuileru besucht ivnrde». Tas ..TRT" Teckiuit»,» i» Wilna ial, seine Tebülerzabl von NL im Zalire lüLl aus im Zabre U>W ßeigeu. Zm Lodzer Zndnslriegebiet in zahlreichen , ünifd'Oit Zainilie», die sich tüslang von der Handweberri eriiälirt halten und denen nunmehr mit der. neig »den Zndnsiria liiitrnng völlige Brolloi'gleit drvlit. durch entsprechende Ans bildnng in den Lebriabriien des .,T:1>T" die Anpassung an die neuen BrodnlneNssormen ermöglicht ivorden Zn Rußland ivnrde» in> Zal.re »ick» ivenig'r als -? >:>:! jüdische Bauern samilien iilut' I,mmh, 2c I-11 durch »redüe und Produktionsmittel vom ,,'TRT" nnterünni. und in dci, levten zivei Zähren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.