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Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-12-01 · 17 (1.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
17 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DEr» ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltli di zugestellt Nachdruck nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung des Verfassers gestaltet Veriasfort Kamel BREMEN Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich Nr. 17 Bremen, den 1. Dezembsr 1929 i. Jahrgang Der Hochschul-^lntifemitismus. Tic Tenche dcs Hochschnl Antisemitismus ist wic der einmal, akut. Lie grassiert in ganz Mitteleuropa, l» Wien hat sic bc(iointcn und Hai sich über Ber lin, Budapest, Prag »»d Krakau verbreitet. 4,'ach stehend ein Aufsatz über die Hochschul Zlraivalle in Wien, deren grotesk tragischer Berlanf für die irr kcnntnis der jüdijcheii Situation lehrreich ist. Es kann »ns zum Bcrsiändnis, aber nicht zni» Truste gerei chcn: die jüngsten Exzesse an den Wiener .Fachschulen haben lebten Endes einen r«.i» ökonomischen Hintergrund. '.'In den Wiener Hach schulen studieren übcr^ IN non wiener. Tiefer .üvntiiigent wird mit jedem ^ahre grvtzer, Wien und Oesterreich nicht. Tas (Gespenst der kollektiven Unzufriedenheit und der Konknrreiiz. das nun einmal auf dem Etesichtskreis des gemütlichen'wiener Büro kratcn jeder Kategorie, sei es anch am'weitesten Rande, ausge taucht ist, verschwindet nicht mehr. Es rückt' langsam aber ent schieden näher und das Heranwachsende junge Geschlecht kann in die (Gefahr kommen, sich seiner tiefe» ökonomischen Unzufriedenheit und seinerKonkurrenzsähigkeit betvnszt zu werden. Ta greift man zum alten erprobte» Mittel, zur politischen Ablenkung ans eine minder gefährliche Linie. Ein geistreicher Wiener Journalist hatte darüber ei» Bonmot gemacht: „P a n c in können sie ihnen nicht geben, so geben sie ihnen ei ree nses." Tie Aktuelle ^irknsiinmmer in Oesterreich heißt jetzt B erfass» » g s ä n d e r u n g. Eine Lieblitigsnnnimer der dnnkel gefärbten aller Tchattiernnge». Und ei» gegenwärtiger Univcrsitätsrektor, der Elras Esieispach heißt, kan» der richtigste Berbindnngsofsirier sein zwischen einer ans verschiedenen türnn den erschreckten Bürokratie und einer schäumenden, leichtgläubigen Engend, die zur Bestrakung von rebellischen ldeen, wie z. B. die des Sozialismus, anserkoren wurde. „Regelrecht" hätten also die Wiener Tvzialdemokraten. und nnr diese, verprügelt werden sollen. Es ivnrden aber die ,Inden . verprügelt. Warum'? Warum sollte man die ,Inden nicht jchla gen, ivenn man sie schlagen kann! Tieic '.'Irt von Lvgik, die man gewöhnt ist, den .luden znznschreibe». ist in Wirklichkeit echt hoch schnlartig. Tic Ereignisse an den Wiener Hochschulen haben das bewiesen. Ursprünglich ging es wirklich nnr gegen die Sozialdemokraten. Ein Plakat hatten diese sc zialdemokraitischen Techniker in der 'Rebe der Technischen Hochschule angeschlagen, das mit Heimwchr und Iraschismns polemisierte. Ta stellten die nationalen Elemente der deutsche» Ttndrntenschaft Wächter ans, und lieszen keinen, der sich;»r Zozialdemvkratie bekannte, in die Technik. Und schier wollte» manche ,luden Täntdensrende empfinden. Es ist nicht lange her, als nach einer lndenhatz an den Wien.-r Hochschulen die hiesige ..Arbeiter .feitnng" in einen, sehr gemein"» Artikel erklärt^ die Arbeiterschaft habe gar keizn lnteresse. in den Kampf zwischen H a lenk r e n; l e r n und Hakennoslern einzugrciscn ... To ein,' erlaubte Tchadenirgnde wäre jedoch m schön gewesen. Tas Kommando schlug vlötzlich um. z „l » d Ml tfi n .1 n s ertönte "* plötzlich an allen Höchichnleü'' Wiens, an der Technischen Hochschule, an der UniveriiteL.an dn Hochschulen für Bodenknlinr und Handel. Tie blinde ,miien>'!:e gssenbeitie. die nnr ans ..Blut" eingestellt ist. hat ii.1> mit il"e> Ttumpfnase ivirklich nach Blut orientiert, klnd Blut ist geslosi":' „luden hinaus!" Tiefen Rnt hörte nsiin: kein einziies aber— .Tozialdemokraten hinaus!". Tie blinde Element iibram bewegtsich aus der Linie des kleinsten Widerstandes, vielleicht anch des phonetischen lnnnuut!" klinit nnzeniei» schön, kri v risch, fast kongo negerisch . . . und'die Bestie ist ästhetisch. lieber den Beginn der Krawalle an der Universität er; l>'' man sich i» Wien folgende Anekdote: Ein Pro'ä'sior war - Professor Tobsäi oder ein anderer'?, hielt eine Porlesnng >>' ' gerade sprach er über das vrrschiedentlichr Perhalten der aniil.n Bölker den Ausländern gegennbei. Tabei zitierte er den bekann ten Bibeljatz: „Und ivenn ein Fremdling mit dir in deinem Lande wohnen wird, sollt ihr in» nicht verfolgen. Ter lremdUng soll dem Bürger gleich sein und d » soll ü i h n 11 e b e n n> ie di >1i selbst!" l» diesem Momente berichtet die lama , wurde die Tür ansgerissen und es erionie ein.:>ins wie Tonnerball „l » d iV» h i n a » S!" v Man soll do»t> nicht die deutsche ,lügend beschuldigen. Ter Anteil an den Erzesje» ist vielleicht »ulit viel inebr als der der Tieniifranen an der Universität, die naäi dem aeivaliigen Tinrin auf die Anschlagkäsien in den .Korridoren mit ihren aroszen Besen ungebührlich die Tpnren völkischer Hetdenliaitigleit verwischen wollte». Tie deutsche lugend ist eigentlich unschuldig. Tie ivahr .hast Tchnldigen sind die Erzieher. la, die Herren Prosesjoren' Es ist njg't .jnsall. d.rsi iitti der bekannte „Bolkszorn" besonders gegen das anaiomiiNre .Histitni und gegen Proseijor Tandler wandte. Ter „lnd" Tandler unter Habsbnrg gelaust und unter Teitz konieiiionslos geivorden! Kalte die lrechheit, iveltbernhmi zu iverden. ivoliiend der :>iuhm so inanclwr, seiner Berufskollege» nicht iveiier als bis muh 'köiener 'Renstadt lind Tcheibbs vorgedrungen ist, bei manchen sogar niäii einmal die Wiener h-trünlinie überschritt. Ta zu iii Tandler Er ponent der Wiener Tozialdernokraien: wo immer das Bolkswohl erfordert tut er mit, gebt, läuft voran, und wie lieblich ivar der Anblick, als im vorigen labr vor Weihnachten die iozialdemo kratischen .Kinderheime mit «beschenken und Ebrislb ninien bedacht ivnrden, und Professor lnlins Tandler, in einem riesigen Anio, inmitten eines wandelnde» Waldes von ginnen .Tannenbanin lein, vor lrende sirablend, von Heim zu Heim dahinjagie ein 'Rikolgns, ei» .Kranipns, ein bekehrter Ahaichwe»' klnd nichts Hai es ge'rnchiel! Tie Tiaue seines Ruhmes hoben ihm d'ie lünger Hitlers, undankbar lote sie einmal sind, in eine Klagemaner verivandeti. To ivird ein armer «belehrter, der nn> Tozialdemokrai sein will, gewaltsam.als l»de beslraii. Und so iverden jüdische Ti» deuten für Plglaie und rote Handzettel bescrast, die Tozialdemo kraien verbreitet haben. ln einem jüdischen «'lebet,' höiiu es: ,.'T. Her> der Welt! '.l.Rögest du zu tünieni inenden alle Tranine. die ub »bei rudere oder welche andere über mich getranmi haben'" Tasz aber ein l»de snr die Traume -vera»i»'onli,b aema-lit wird, die andere Über andere aeiranmi leiben davon Hai nicht eintnat der Perfasier jenes iNebeies geir innii Wir haben diese» Traum erlebt Ein "i ienin»ili,lies Tünck sal! Bon jeher ivirm man sagen. Tas tann uns abesi nnr jebr ivenig' Trost bieten, i ^üüische Jugenö für öen Zrieöen. Bo» Lehrer I. Raphael. Beckum i. W., Leiter des Kreises jnngjüdischer Pazifisten. U \*\‘»tuMI ttU.1"-- I* ."'V H Hl’- ' *' all Ul' III" Itfo!' Hilf .kl!' 'l t-! I'i, l 'i'en t ik'it'k«' Ni"'Ik Llk I rtl.Nfii. 3 J>1 Mtl Itmt.i. Es gibt ivohl kaum noch eine» Menschen hentznlag", der nicht vom Frieden redet Tas Zeitalter der ..triegsliteratnr, der Mode und Talon Pazisisten, der Panenropa Minister hat es nun doch feriiggcbracht, das; man nicht mehr wic vor zehn oder acht lalrre». oder gar während des Polkermordens in dem Friedenskämpfer so eine Art „Landesverräter" sieht Man hat die Brillengläser, durch die der Tnrchschnillsbürger die Welt betrachtet und begutachtet, gründlich änSgewechfelt. Tas; in diese Uinslellnng der.deiner auch die Religion hineingerissen »'vrden ist. bedarf »ach den schweren Tnndeu der.Nriegs zeit ivahr, ritig keiner besonderen Lobpreisung, zumal schon kurz »ach den Wirren von 11*1 S die christlichen Konfessionen den Weg zn'' ihrer eigentliche» Besliinmnitg, zur Pölkervcrsöhnnng und

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