Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 15 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Murom 1× ep/2584035
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Olm foffam imt 'WMtlntffaflii'lltm ßvmfimWt*' m fom vmt fyfovUiWftoilf WviUnmim & cfvudiw \ des Jahresein weißer Tag ohne Tatnm und Wochentagscharakter imö öauu ajt öct Sonntag, 6a 1. Januar 1034 folgt, müssen wir Hilden aus Erniid des Sabbalgcbotcs an der absolut unverailderlictieii S1 e b e n l a g e w o ch e fcsihaltcn, und zwar tun das alle I u d e n in der Welt ohne Unterschied der religiösen Lchat» nauitj). auch eine indische oberste .Nirchcnbehörde könnte niemals den Sabbat verlegen. Wir inusjeir also den weißen Tag »nlzahlen und zivar als Sonntag. Sonntag, der 1. Januar 133 l, wäre für uns Montag; Jn'iuiß, der 7. Januap wäre Schabbos, Sonnabend, der 7. Januar ivare jnr uns Sonntag, ebenso . Sonnabend, der W. Tag des 13. Monats. Ter weiße Tag 1öÄ4 v wäre dann für nns Montag, Sonntag, der 1. Januar 1335 Dienstog; Tonnerslag, der 5. Januar Schabbos, Ter verehrte Leser entichulüige, wenn ich ihn etwas in Verwirrung bringe. Ich will gerade zeigen, wie groß der neneZialcudcrvorjchlag die Verwirrung bei uns machen mußte, Jedes Jahr siele nainlich Schabbos aus einen anderen Wochentag: 1334 ans Freitag, 4335 aus Tonnerstag, 1336 ans Mittwoch, >337 ans Montag (wegen des Schaltjahres zivei Tage Tijjereiiz!-, 1333 ans Sonntag und erst 1333 wieder ans Sonnabend. Tie S ch ä d i g n n g d c r S a b b.a t s e i e r und darüber hinans des S a b b a t g e d a il k c n s in unseren Reihen ivare unabsehbar. Tarnni haben die großen landsniaiinschastlichen Bereinigungen der Inden, vor allem der amenkanischen, englischen, französischen Lander, ge ge n alle bisherigen Resvrmvolschlage Stellung genomn>en, ebenso hat sich d>e Arbeitsgemeinschaft der Europäischen Tistriüslogen Mine August mit aller Entschiedenheit gegen sie chisgesprochcii. Llnch eine Sondervereinigung gegen die Kalenderrejornt besteht, gesnhrl von dein britischen Rcichsrabbiner Hertz, London, dem Ervjzrabbiner Israel Lcvy, Paris, den Rabbinern Fürst, Wie», und Levcnstein, Zürich, und dein bekannten Politiker und Schriftsteller Lneien Wolf, London. Tie ist vor allem bei der PvlkerbnnSslomuiijjiou in Eens in diesem Sinne tsrtig undtzemüht sich außerdem, die Tefseiillichleit der ganzen Welt aufzuklärcn. Tennoch sind die 'Aussichten sehr gering. Tenn das nordamerikanijche Ralioualtomilec snr die Kalcnderrcsorm hat dem Staatsdepartement zu Washingivii eine» Bericht zugunsten des 13- MonaleWahres crjiallel, seit Mine Angnsl ist derselbe Kalender in großen livrdamertlanijchcn Betrieben bereits cmgcsührt, und eine Reihe von amerikanischen Eroßbankcn will nächstes Jahr folgen. der Antisemitismus in Rußland. Sowjet-Studenten fordern Numerus elausuS. Eine in Kiew abgchaltcnc Versammlung kommunistischer Itudcntcn stellte die Forderung auf, daß für jüdische Hörer an den Sowjet-Hochschulen ein Rurncrus clausus erngefübrt werde. Diese Forderung stützt sich aus einen in einer Sitzung der kommunistlschcn „Zelle" der Kiewer Universität diesbezüglich gefaßten Beschluß. -Tie Moskauer kommunistische Presse ist sehr erregt darüber, daß man solche Forderungen im Sowjet reich zu erheben wagt. „Trnd" schreibt, daß im Kiewer Rayon derAnlisemitisrnns unter der Studentenjugend, auch der kommunistischen, sehr verbreitet ist. * Reu« antisemitisch« Terrorakt«. Fünfundzwanzig Arbeiter des Schiffbauhafens in Murom überfielen am hcllichten Tage unter den Rusen „Schlagt die Juden und rettet Rußland!" vier jüdische Ingenieure ynd verprügelten sie so schwer, daß sic aus mehreren Wunden bluteten. Borbei» gehcndc Arbeiter halsen de» Huligans, unter denen sich einige Kommunisten befaitden. Tie mißhandelten Ingenieure erklärten der Fabriklcitung, daß cs ihnen unter dem antisemitischen Terror der in der Fabrik herrscht, unmöglich ist, die Arbeit weiterzuführen, und daß sic sich gezwuirgen sehen, ans ihre Posten zu verzichten. Tic Zeitungen »icldcn, daß in der Fabrik „Jutilisazia" i» Minsk nichtjüdilche Arbeiterinnen ihre jüdische' Arbeitsgenossin Tischler in den Abort geschleppt und ihr dort Exkremente rn den Mund gestopft habe». Männliche Arbeiter der Fabrik, unter ihnen Kommunisten, sahen lachend der Tortur zu. Tie'Moskauer Presse fordert strengste Bestrafung der Schuldige». * Jom Kippur in Rußland. Tie Moskauer Synagogen waren wie in den Rosch-Hajchanah- Tagcn so auch am Versöhnungstage voll beseht, mit Andächtigen; andererseits waren die in der Staatsindnstrie beschäftigten jüdischen Arbeiter, sowie alle jüdischen Angestellten der Sowjetinstitntionen ihrer gewöhnlichen Beschäftigung nachgegangen, da es nicinand von ihnen wagte, wegen de» höchsten jüdischem Feiertagen de«, Arbeit fcrnzubleibcn. AiK Kol Ridrci Abend haben jüdische Kolonisten in 25 Sälen Mosstins Konzerte veranstaltet, um die jüdische Bevölkerung von dem Besuch der Synagogen wcgznlockcn. In de» kleineren Städten des Sowjetreichcs und in den jüdischen Kolonien wurde das Pcrsühnnngsfcst ganz wie in den alten Tagen begangen. Eine Ansnahine machte Kalinindorf, wo das koininnnistischc Rayonkomitec am Jom Kippur die Eröffnung der nencrbantcn Traktorenstation durch einen feierlichen Akt beging. * Tausend jüdische Familien aus Moskau mußten ihre Wohnungen verlassen^ Moskau. iJTA.) Ungefähr tausend jüdische FamilicN wurden in den letzten sechs Wochen von den Behörden gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen, weil sic als „Rcplcutc" (Rutznießer der neuen ökonomischen Politik), die sich im freien Handel betätige». kein Recht ans koininnnal bewirtschaftete Wohnungen habe,». Bis zniii l. Rovember müssen weitere 500 jüdische Familien >n Moskau ihre Wohnungen verlassen. Bon dieser Maßnahme wurden auch jüdische Heimarbeiter betroffen, die sich geweigert hüben, Kollektivgrnppcn beizntreteii. Während er Drucklegung dieses Aufsatzes erhalten wir sogar die Rachri't, daß die Regierung der Bereinigten Staaten dem Bollerbund-.'jekrelariat den Bericht des amerikanischen Rationalkomiiees jnr die Kalenderreforin eingejandt, h. h. so gut wie enipsvhlen hat. Was aber eine Empjehlung der Bereinigten Sta.rten snr den Bölkerbnnd bedeutet, ist uns allen klar. » Eine iveilerc Entwicklung nach dieser Richtung könnte nur durch einen neuen Vorschlag verhindert ivcrden, der unter Schonung des Sabbats doch alle Vorteile des erwähnten Treizehn- Monate-Jahres böte. Dafür besteht wenig Hossnung, obschon cs an Vorschlägen nicht sehll. Unjcrcs Wissens ist nur ein einziger solcher Vorschlag überhaupt diskutabel, das ist derjenige des Hamburger Ecincindcsyndikus Tr. R. M. Ralhannn der diesjährigen Jannar-Rninmer des tüemcindeblattcs der Deutsch Israelitischen Ecmeindc Haniburg. Er schlägt Jahre von 13 X 28 — 364 Tagen vor. Tie weißen Tage sollen aufgespart und, sobald sic eine Woche ergeben, also nach sechs oder (wenn zivei Schaltjahre der bisherigen Art in diese Tpanne fallen müßte») nach 5 Jahre» zu einer ächaltwochc, einer .weiße» Woche vereinigt werden. Es ist leider nicht sehr wayrscheinlich, daß man die Unregelmäßigkeit die dadurch jedes sechste oder fünfte Jahr erleiden mußte, in Kaus nehmen wird, um den südlichen Sablmt;» schonen. Tennoch mußten alle Bemühungen darauf gerichtet sein, den Rathanschen Vorschlag erst einmal diskiiliereu;» lassen. Es konnte jeip, daß auch christliche Kreise sich ihin anschtvsse», die den kontinuierlichen Sonntag nicht opfern ' ivvllen. Auch Hai der Papst noch nicht gesprochen. Tarnm ist die Hossnung ans eine Regelung, die den jüdischen Rotwendigkciten ebenso entspricht wie allen anderen, noch nicht ganz geschwunden. Wir wünschen, daß das kommende Jahr uns einer solchen Lösniig der Kalenderresorm »ähcrbringi. Antisemitischer Sadismus in einem russischen Torf«. Moskau. (ITA.) Eine Ernppc Bäuerinnen im Torfe Repki, Kreis Mohilcw, überfiel in der Rächt zwei in einem ein |\im gelegenen Hänschen wohnende jüdische Witwen, die die einzigen jüdischen Eiliivvhner des Torfes sind und durch Ausbcssern alter Kleider ihr Tascin fristen, und unterzogen sie unglaublichen Peinigungen. Tie jüdischen Francis wurden nackt ansgezoge», mit Eijeiisiciben geschlagen »iid mit Füßen getreten. Tic gesamte Jnncneinrichtnng des Hauses wurde zertrümmert. Einer der jü dischen Frauen wurden drei Finger einer Hand abgebissen, der zweite» die Elieder ausgerenkt. Schließlich wurde» die gepeinigten Tpjer an den sTfeit gebunden, woraushin das Hans in Brand gesteckt wurde, damit die jüdischen Frauen verbrennen. Ter Brand lockte die Torfbehördc» herbei, die die schon bewußtlos gewordenen Frauen retteten und die schuldigen Bäuerinnen ver Gummi Walter Langenstraße 108