Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-11-01 · 15 (1.11.1929) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
15 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/4916913-5966047-5966077--140-4917035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JÜDISCHES GEMEINDEBLATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Dai Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich zugesteilt Nachdruck nur mH Qualfenfengaba und mlf Genehmigung da« ViHantri geitattet VerlaesoH Massel BREMEN Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich Nr. 15 Bremen, den 1. November 1929 1. Jahrgang von der kalenöerreform. Jaul Lilicnlhal, Wiesbaden. 'likim wir heute nuscrc Leser über die in den letzten fuhren ihrer Verwirklichung stark näher gerückte Reform des bürgerliche» .stalcndcrs.eingehend iiutcrrichleii wallen, sa geschieht das, weil sie, in die Tat nnigesetzl, unsere wirtschaftlichen und unter Umständen unsere religiösen Vcrhälrnissc nicht wenig beeinflussen würde. Tic wichligsicn Rachtcilc des jetzigen bürgerlichen Kalenders liegen, auf der Hand und bcsichen kurz darin: 1. ' Tas Tatnin für regelmäßig wiedcrkchrendc Begebenheiten kann nicht durch e i n e Angabe gekennzeichncl werden. Bei wöchcntlichen Wiederholungen wechselt das Maiiatsdatiini, bei nioiiatlichen oder jährlichen der 'Wochentag. Tein Frrtuin und der Unsicherheil sind Tür und Tar geäffnct. Tarnni müssen Ferien, Märkte, regelmäßig wicdcrkehrcnde Erhebungen jür jedes Jahr neu feslge>eyl werde». 2. Wochen werden durch Monate, Monate durch Wochen in nuregelniäßigstcr Weise zerrissen. Tie Berechnung von Bctriebscrgcbnissen und Aehnlichem wird dadurch mehr oder minder gefälscht, wenigslcns sehr erschwert. 3. Fst der Iö. oder der Letzte eines Monats ein svnntag, so erfolgen die vielen Zahlungen, die an diesen Tagen fällig sind, entweder zu früh oder zu spät, so daß immer eine Partei gc>chädigt ist. 4. Tie ungleiche Tauer der Monate UM, 20, 30, 31 Tage) bewirkt auch die Ungleichheit und Unvergleichbarkeit der Quartale und semcstcr. Tie wirtschaftlichen schwicrigkcitcn werden durch die Berä n d e r l i ch k e i t aller jüdischen- und gewisser christlichen F c st - tage gegenüber dem bürgerlichen .Italendcr noch außerordentlich erhöht, so wandert das Tatnin für Peßach zwischen dem 23. März und 2ä. April; nach 300 Fahren wird es zwischen dem 21. März und dem 20. 'April wandern. Tic griechische und die russisch orthodoxe stirche feiern ihr C ftcvfcft am 2 an »tag und Montag nach dem Ende unseres jüdischen Pcßachfeslcs, die römisch-kalholische und alle proleslantischcn .Itirchen am svnnlag und Montag nach dem ersten Frühlings-Bollinoiid. ' Wie schwer ist eS für unsere Oleschyflswelt, die christlichen und jüdischen Feiertage zu halten. Torj aber, wo griechische und abendländische Ehristcn und Fnden in größerer Zahl beieinander wohnen, müssen doch die Oleichäftslente, Handwerker, 'Angestellten häufig sechs Tage stall zweier halten. Tic wirlschafllicheu oder aber die religiösen Schäden sind also außerordentlich grpß. seit Fahrzchntcn sind darum Bestrebungen im Olange, l. den bürgerlichen .lialcnder >o z» vereinfachen, daß jedes Monatsb;w. Fahrcsdatum einem bestimmten Wvchcülag enisprichl, 2. die Festlage so zu legen, daß sie ans besiimmtc gleiche Talen des neuen bürgerliche» Fahre« fallen. Tie zweite Aufgabe ifl für dix christlichen .liirchcn Verhältnis' mäßig leicht zu lösen, weil die obersten .stirchenbehördc» (Synoden, Papst, .Ikonjistoricn) an sich daS Recht haben, den .liirchcnkalender zn ändern und an de» biirgerlichcn anzupassen. Bei uns Fuden ist diese Aendcrung schwieriger zu erreichen, weil wir eine Behörde mit dem cntsprechcndcu Recht nicht mehr oder noch nichl wieder besitze». 'Absolut unlösbar ifl djc 'Ausgabe auch für uns nicht. Tas von de» .stalciidcrrcfvrincrn vorgeschlagcne 'Tstcrdatn»», der 0. April, entspricht sogar einigermaßen dem mittleren Pcßachdatnm. Vorher muß aber die erste Aufgabe gelöst sein: Tic Vercinsachung des bürgerlichen .stalcndcrS dahingehend, daß jeder.stalen dertag alljährlich auf deuselbcu Wochentag fällt. Hier nun machen sich Bestrebungen geltend, die geeignet sind, de» schon jetzt durch rein wirtschaftliche Verhältnisse schiver gefährdeten sabbat in seinen Olrnndscsien zn c r s ch u I t e r n und die darnan den Widerspruch der gesamten Fudcnhcit hervorgerusen haben? Ter Völkerbund hat nämlich von den in den nicislen Ländern schon bestehenden Gesellschaften für Ztalenderreforni Vorschläge eilige fordert, die von seiner sondcrkommisjion für .Italcndcrrcfori» gesichtet und gutachtlich bcnrteilt worden sind. Tiefe .Kommission hat die bisher cingelaufenen 1^3 Vorschläge in drei Hanptgruppen eingcteilt. Tie erste 01 rappe sielst als Renheit nur größere 01 l e i ch- »i ä ß i g k c i t der Quartale vor. Tie drei ersten sollen zwei Monate zu :!<> und einen zu 31 ragen haben, also Ol-Tage zählen; das vierte -Quartal soll einen Tag mehr haben. Ta aber die meiste» 'Rachteile des jetzigen Kalenders dabei bestehen blieben, zieht die Völkerbnndskominisjion für .stalenderrefori» die 'Vorschläge der ersten Gruppe gar nicht in Betracht. Eine zweite olrnppe ivill a ch t M o » a l e;» 3 () n u d v i e r Monate zn^3 l T agen machen, und z» den sich so ergebenden 30l Tagen einen Tag (im Schaltjahr zwei rage» ohne Wochen tagscharakler einschallen. Tas Haiti den Vorteil, daß die Quartale aus einer ganzen Zahl, nämlich genau 13 Wochen, beständen. Tas ganze Fahr haue -'>2 'Wochen oder 30l Tage, dazu kämen ein, im Schaltjahr zwei „weiße" Tage, die als Wochentage nicht mitzählien, jo daß, wen» die .stalcndcrrcform;. B. svnnlag, den l. Fannar l!i3."> begänne, auch alle folgenden Fahre mit svnniag ausingen und. abgesehen, von den weißen Tagen, mit Sonnabend endigten: ferner jedes Fahr und jedes Quartal gleichviel«.' Wochentage Halle und jede s F a h r e s > bzw. '.>>! o n a I s d a l u in ewig auf d e n g l e i cl» e » 22 o >b e »lag siele. Tie große Erleichiernng aller Berechnnnge» und 'V.'Teinsachnng aller »virtjchasilichen Voransbesiiinninngeil liegt ans der Hand. Tie Schwierigkeit liegt, wie »vir bald sehen iver.de», ivo anders. Tie dritte Gruppe, die »vohl die »ni'välzendslen Vorschläge macht und darni», anscheinend dem 'Völkerbundnicht sehr sympathisch ist, hat-gleichwohl am meisten Aussicht, ihren Vorschlag dnrchznsetze», »veil ihre Anhängerschaft in den 'Vereinigten Staaten sitzt, am entschlossensten und »virlschasilich am jlärtsien ist. io daß man drüben Miene macht, den neuen .stalender einfach einzusühren und damit die Frage praktisch zn entscheiden, '.»lach diesem .stylen der soll das Fahr l 3 M o n a l e zn 2-s T ag e n , also 30 1 T a g e p Ins! o d e r 2 >v e i ß e n T a g e n besitzen. Tie Rechnung nach Quartalen oder Semestern mußte dann zioar wohl aushören, I" 4RH4M44 44k 4444414 4 ‘ÄöofHHHty £ VMM HM, MW 40044 I tn* Jnt* «SW&I444 inUf*U0i 4 Jo41444 4R»f4lf (W VW jifktS 1444, . I I JmUh 4 | %wyt4tw, tyvue-HnnH', aMWieIhhhh» | |4H^ 4GG44l . ' | . SfcWMOMJf' I »veil 13. weder durch 2 noch durch l »noch durch eine andere Zahl» leitbar ijl. Es wären aber alle 'Monate von gleicher L ä » g e, all e .0! o n a i e hält e n gleich viele voll e 'Wochen-, 'Arbeit« und Feiertage. Tenyoch sind die 'Vorschläge der ziveiien und drille»! Olnippe sur nc»s Fudcn io, »vie »ie gemacht »verden, absolnl unannehmbar, weil sie den sabbat zn zerstören drohen. 'Wahrend nämlich»ach den letzten 'Vorschlägen die Zählung der Wochentage an» letzte» Tage des Fahre«, de», weißen Tag, rnhe» soll, so daß z. 'V. nach de»», letzte»'.Vorschlag ans Tonnabend, den 2>. Tag de« >3. -^conals l!l-!3 (den 3«ll. Tag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.