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Jüdisches Gemeindeblatt · 1929-05-01 · 3 (1.5.1929) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt
Volume
1 (1929)
Issue
3 (1.5.1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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(vimmil idiien e*, »1* nb biete malte üiifle idjtaicu gehen lmtliic. Aber e* mar »ur ein 2dtcin. Zeit der Blullnge von IiinuijfUÄ hat itdi diese» 'dmnermardten immer »nd immer u'icöcrboli, »nd man braudn nur an Tisza-Eszlar^KpmV. Polua mid lattlen;» denken, um ieit;nitellen, da st diese Tjeijerij(i)e Per loiimbuitp. die nvd> yileut den Bettts Prozeß moglidt gemochl bat, und) ininiei tief in dem Aberglauben der umgebenbe» »ngebilbelen »nd ongeblnh gebtlbeten Bevvlkernng siecki ,u' |d)limmer die ’^erjelflniuien bas, jiibiidie 'i;olf ira-en, >. mehr jüdisches »»schuldiges Blul vergossen tvnrbe. um jo sesler ivnrde der Min, der die Hilden oller Wunder »nd oller Z,eilen ,» eine», »nirennl'ore» >>>on;e» zniommeningle. Es erzohlie jicti i» de» tKeichidnen oiis Aegyplerlonb die beiden, die dos lebende »Ke jdilechi erönloeie, und versiond dos kvon der Hoggodo, dost jeder .»»de oucli heule iul) jo suhle» nmiie, als sei et selbjl o»s Aegypten »nd ous der Lkloverei »'.ilbesieil worden. Und lies und innig eiupjoud mon es, ivenn man ongeiidns ber. Bcazzolh, die on-dos Brvl des Elends erlnirern, jogle: „Zn jed»ll» Est'jchlechle und Zeuoller slehl mon gegen uns ous, uns;n vernichten. Aber der heilige gelob» je, er errettet »ns ous ihrer .Ha»b." Mon seien die cKeburt des judisdie» Polles und jeine unver ivuilllche und »nverg.uiglidie Mrajt und jingl mu johrlonjende .Uten Pialinenworten: ,,^d) will Dielt preise», dost du »iid> erhon, Und du wordjl mir zur Peilung. Ter Lleiu, verivvrsen von den Bauleuien. Zjl zum l'ivmiDftcin geworden, Bon, Ewigen her isl dies geschehen: Wunderbar isl es in unseren Auge» Tiejen Tag ho» der Ewige gemochl: WK wvlleii jubeln und on ihm uns freuen!" Aber om leyten Loge, o» dem vom Unlergouge der Aegypler berichlel wird, wird nur dos holbe ■V'alU-l gesuugeu, weil es dem judijcheu Herze» ivlderjlrebl, jid, über den Uutergoug der Eieschvpse o-ivues zu jreueu, auch weuu es die Heinde sind, die bei der Per solguug unseres Polles de» Tod gesunde». Tenn unser jüdisches Wesen will in keinem (.Kegeujoye, sondern int lebenden und liebende» Zusammenhänge mit andere» Polinnen siehe», und nufer Pesjadtlest spricht nicht von der Uu lerdruckung anderer, sonder» von der eigenen Pesreiuug. Wahre Tvrcitjeit ober (amt nicht andere knechten oder knebeln wollen. To isl Pessad) der cdjte Ausdruck des wahren Geistes des indischen Volkes pessach. Li» groster Teutscher Hot einmol gesagt, dost ihn in jedem Lebensalter eine andere Leite von cKvethes „Taust" ergrijsen »nd gesesjelt Hobe, den löjährigeu das Verlstiltuis von staust zum Teusel, de» Aijährigeu dos Perhöltuis vvu sollst zu türeldten. den 'iojährigen dos Verhältuis von Taust zur Aatur, den lojohrigen Timst mtb der Ltoat, den '«Osöhrigen Taust und UVoit usw Lo isl es mit ollen großen Tiligen, die illlluer lebendig sind, u>eil sie den gesamten Komplel oller möglidten menscttlichen Beziehungeu enlholten, nicht olle Beziehungen den Einzelnen ober jederzeit voll zu ergreiseu vermögen. To isl es ouct> mit unserin Pessoch. Trühling, Liebe, Trei »eil, Würde, sozioles cdejühl, vtolteserkenntuis und Pölkerver jöhuuug sinh die Haiiplinhalte des Pessoch. Teiniiunig hoben unsere Alle» durch die Verlesung entipredwnder Pentoteuch und Prophelenobsclniitte jedem blejiihl ein Teilchen zugedocht. »eins unserer Teste koun so unniiltelbar und ursprünglid» ouct» in unseren Breiien einpiinide» werden, wie dies Trühlings iest, keine von den Allen o» gesetzte Testlektüre zu einer anderen Iohnszeil so eriühlt werden, ols dos om sveslsobbol obligotv irftc Ui fl» der wieder. Mau lese es und linde, dost Judentum nicht nur Ethik, sondern Treude on der Tülle der Welt isl. Hier sieht etn Polk »id,t nur mit dem Perstonde, hier sieh» ein Polt mit eigene» Augen und siililt mit dem eigenen Herze». And» die Hostoroh des zweite» Tages vom guten König Hikioh und seiuei» Pessodt sei nur gestreiir. Tie Zeit der Heimkehr eines Polkes zur Liiutbolik seiner ollen Tormeli, Tormen geschoiseuL' um immer ouss ueile chrundgesühle und Er kennluisse wodtznruieil und die deshalb für uns' slumps gewordene Alllogsmensdteu notwendig sind, Inhalt ist olles, ober ohne die Tori» gebt der Inhalt verloren. Mit Llvlz sogt deshalb das Königsbuch von Hiskiob: „Vor seiner Zeit war nie ein König leinesgleidte», der zum Ewige» zurüdgekehrl wäre von ganzem Herze» und ganzer Teele und »iil ganzem Vermögen " Was sollen wir von der .Haitorah des siebenten Tages viel iogen, vom Liede TovidS des Einzeigen, der ülolt erkannt liot ols eine Aolwendigkeit, ohne die alles Einzel und i^esellsdiai'ts leben bossnungSlos und lroulos iil, ohne de» die Aotur sinnlos und die. «üesdtichle zwecklos iü lind die Hosloroli des Lobbot Elwl liomoed, die gewaltige Pision Ezednels lese mon ohne gominenlor, die Asvrte von Sen l'.erdorrle» lüebeinen Israels, die in der Weissognug gipseln: .Id, öifne Eure «üröber. lasse Eud>, mein Pvlk, aus Euren zü,-übern emporsteigen und bringe E»d, gui den Boden Israels." Tie genannten Bibelabschnitte weisen gewissermasten auf unsere inneren Angelegenheiten hin. Es gibt aber Zeiten, wo wir sragend stehen, was macht die Umwelt und was ist unsere Ausgabe in ihr. Ta antwortet uns die Hastarah des 1. und des lehle» Tages Pessoch. Iiu merkwürdige» iÄegcnsab steht unser Programm, wie eS die Thorovorlejuiig des ersten Tages verkülidet: Tauroh achoS jije locsroch. welogcr hogor bejaudiecheui. „Eine Lehre soll sein für den Eingeborene» und der Tremdliug, der unter Euch wohnt." Bekenntnis eines Polkes an dem Tag, an dem es sein Treihritsiesl feiert und dem Programm der andern (Josua (5>, „Jericho war gesperrt und versdstossen vor den Israeliten, so dost man weder ein nod» ans konnte." Troh Emanzipation und »roh unterer treuen Mitlcrinpiersck>osl im Krieg und im Trieben iü in Europa nod, i»a»d>es Ierid-onod, uianche Position, die den Kindern Israels versperrt und verjdtlosseu ist durd) alle Porurteile und verjährte lSeredttigkeite». Und diese allen Porurlcile, sie sollen nid)t durch das Lchwert und nicht durd> Mauerbrecher, sonder» nur durch die Posaune. Immer ivieder müsse» wir dröhnend künde», wer wir sind und >vaS unsere Idee und unser. Red»l ist, oifeu und frei, nicht heimlich, über die Mauer» klelternd oder uns unter Maske» in ialirftem Kleide l)ineiufd>!etd,citb Aber der fiebeniadje Pvsaunenschall glückt nur dem, der iuuerlid, an seine Leudung glaubt und selbstbewußt. isl. Tiejes Lelbstbewusttseiu, geboren aus «elbstachtnng, must dein Kamps gegen Unred>t vorangelten. Tie Juden waren iu Aegyvlen (und auderswol ein Pariavvlk, ist es da ein Wunder, dost ntanriK von ihnen die bleivohnlwiien von Parias an» geuominen halteu? To führte sie Iosua nad) Wilflol und ntadtic sie dort zu selbstbewustten Juden, ivo der Rui au sie erging, „heute habe id) die Td»uadi Aegvptens von Eildt ab' geivälzt. lind das Bud, Aamuel meldet: darum heißt der Lrt „chilgal" 'Abwälzuug), bis aus. den heutigen Tag. Aud> heute noch müssen wir Pessoch iu blilgal ieieru, abwälzend alles Unfreie: bann können wir mit fiebeitiadtein Posauuenichall die Mauern von 'Jericho, die aus alle» Vorurteilen bestehen. stürzen. Lind diese gestürzt, dann ivird das Pessad, der Zukunst kommen, wie ihn die Hastarah des testen Tages kündet lJeioias Illi, die Zeit des Messias und des eivigeu Westsriedens: „Tem Ileberrestc seines Volkes wird gebahnter Weg sein, wie einst den Bindern Israels, als sie ans Aeghpten. heranszogen", „Troblode und jauchze, Bürgerin Zions, der Allerhöchste ist in deiner Mitte, der Ävige Israels". BiS dieses Ziel erreicht ist, gilt es Kamps, Kamps um Treibeit, um Würde, um Torlsdn'itt, um ewige» Triedeu der We« l'e lscha t nnb der Völker, lind solange mir im Kampfe sind, solange belradtte» wir uns als am ersten Pessad,, als ob wir eben erst frei geworden waren von der Ld,»,ad, Aegyptens. Julius T a l b e r g, Kassel. Passah - eine Kriegserinnerung. Von Hoiprediger Tr. Vogel-Potsdam. Ter laiigandauernde Stellungskrieg in Austland hatte u» irre Krieger mit dem Volke der Ostjude» in engste Berührutfg gcbradtl: die gemeinsainen täglidten Kriegsleiden hatten eine Art guter .vtamerabtdtaif heransgebildet. lind wie hätte» beide, der gutmütige, srenndlidw Teutsche und der allzeit so gefällige Jude, nidtt bekannt und miteinander besreundet werden sollen bei Nishrelangem Znsammenleben an einem Orte, unter einem Tuche, zumal die Verständiguilg mitder „jiddrsd," redeudeu Bevölkerung keine Lduvierigkeiten bereitete, lluier Teind, der 'liiisse, war 'ihr Treuud ipahrhastig nid,t gewesen! lind wenn Tag für Tag pfeisend »nd kradtend die ehernen chrüste her »berlaine», dann saßen Teldgrane und Juden, Männlein und Weiblei», »rahne, chrostmutter, Mutter und Kind, ost in bedräiigtesteii Kleidiingsninstände», geduldig in ein mtb derselben Teckiiiig zusammen. Sdiüvengräben und Erdiinterstäude ließen nd, in den Privetsümpse» »leistens nidit anlege», nur wenig Lvalenstidte, und dos lürnndwaiset; guvll uns entgegen. Tie Juden sind national wie ^religiös daS eigenartigste und ausgeprägteste Volk der ganzen Weltgesd,id,te, über das nd> bei näherem Kennenlerne» and, der einfache Mann seine lüedanken ntadten ninstte. Leider gesd,ah dies ost in redst salsdier Vidikung, selbst bei Gebildeten Aatürlidt treten ja beim einzelnen nne bei einem ganten Volke die weniger angenehmen Züge znnädtst osfeniichtlicher in Ersdn'inung als die guten und edlen Leiten Lolch letztere sind beim Juden der schöne, stark ousgebildete Tomiliensinn. das starke nationale -elbübewnsttseiii und Zusaminengehörigkeitsgelühl. die^ stete -liiiriedenheit, auch unter den allerkärnlid,sten Bedingungeii des Talein-T. die chi!ch»ernbeit der Mämft-r der lfnde trinft\ nicht , die unbeirrbare Keuschheit der Traiieu und der weib-l - lichen Jugend, die holte mnsikalisdte und geidtästlicbe Begabung und dann das :1keligiöse: weldi eine Heiligholtung des. Mvrgengebets i» der „Ldmle" sowie des Labbattages, die. getreic »ad, dem cheseh und der Litte der Väter, nie verabsäiimt töurde. .

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