Jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (1.5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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JÜDISCHES GEMEINDEBIATT MITTEILUNGSBLATT DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE AMTLICHES ORGAN DER GEMEINDEVERWALTUNG Das Jüdische Gemeindeblatt wird den Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Bremen unentgeltlich xugestellt Nadidrudc nur mit Quellenangabe und mit Genehmigung dei Verfassers gestattet Ver’safjsori Nassem Verantwortlich für den lokalen Teil: M. Markreich BREMEN Nr. 3 Bremen, den 1. Mai 1929 1. Jahrgang Mach. Von Pros. Tr. Heinrich Locwe <Pcrlin>. Ta-; jüdische Volk hat zwei 'Arle» von Tvticvtocu'ii. Tie einen linde» einen rein religiöse» Charakter. Tie sind, obwohl spezifisch jüdisch, doch zugleich allgemein menschlich eingestellt. Tie wollen den z'gtsamurenhang de-; Menschlichen mit dem vööttlichen nicht blvh versinnl'ildliche», sondern direkt herslellen. Tn-; sind die groszen ernsten Tage de-; aahresbeginues, :>iosch haschanah nnd avni Hak.(üppiiriin. -Inders ist die Higenari der drei V-aIIfahrt-;feste, die sich scholl dadurch unterschieden, dns; mnn znm Jvi'ftc noch aerusalem hiiiauf ptlitcvto. Tiese fTeicrtage sind mit der (M'jchichte ^des jüdische» Volke-; nns-; innigste verbunden. Tie knüpfen nicht blosz nn bisio rische Hreignisse der jüdischen (beschichte nn, sondern sind gnszer dem üinlnnen des jüdischen (M'schichlszltiamiuenhanges gar nicht zu verstellen. z'lls die nns dem Tcktvsze de-; audenluuis liervor gegangene Tocliterreligion diese Tvoftc iibernahm, mnszte nicht blosz der bleist der Trennung «jenen sie Ttellung nelnnen, sondern, so weit er sie nicht;n entfernen vermochte, ihnen einen anderen Tin» unterlegen nnd sie in andere formen niugieszen. Tn-; nein so weit, dnjz e-; sich die.christliche .rijrche de-; .'lliertu»«-; hat ni«In verdrieszen Inisen, durch C->elehrte nns dem (Gebiete der Trerneu und .Calenderkunde einen Turn»-; ausklügeln zn Innen, dnsz nie mal-; der ,'lufang der christliche» Tsiern niit dem Beginne des indischen Pessnchfesies znsnmmenfnllen könnte. Und ninn«lnnnl will es scheinen, nls wäre es ihnen gelungen, diesesz z'.iel zu er reichen. Tenn es kommen ^nlnlninderte vor, in denen ein solches '.usainnienireffen ganz ausgeschlossen in. T.n'nr haben ivir es schon zweimnl erlebt, dns; die .CalendertveisKeil der nlien srirchen lelirer nicht ausgereicht hat, Um den Beginn des christlichen T iier iefles von dem des jüdischen Peiinch vollständig zn trennen. Um so gründlicher sind die beide» Tvcjte in ibrer '^edentüng untcrschiedon. 'lr-enu aucli Tümbole de-; fvriihliug-; liier wie dort nntürlicli nnd vorlinnden sind, so in dorli dns ('irnndnioiiv ein völlig anderes. Böahrend die Tochlerreligion von der -lufertiehnng ihres biründers vom' Tode spricht, feiert dns ^ndeniiim den t'ic buristag seines Volkstums. ahm ist der b',el»,risl»g des jüdischen Volkes die 'seit, wo es von der Tklnverei erlöst wurde und nns ,'leghpten, dem Hanse der .ckneckilschasi, zur Telbnandigleil und znm Beginne einer untionnlen «beschichte nnd einer eigenen knl turellen Hntwickliiirg auszog. Tie mnagogale freier des Pessnchfesies l>nt vieles mit der der nnderen jüdisrlien fc-eierlage gemeinsam. Ter »irnndnock der Liturgie ist der gleiche., zslvnr sind zu allenz',eiten von den Me' sler» des hebräischen- Tanges neue Humnrn gedichtet ivorden. rnnz denen ein sehr gröszer Teil Hingang in die gottesdienstliche freier nnd in die Machsorim gesunden bat. ,'lber der b>rnndton ist bereits in jenen Psalnien angesclilage» worden, die znm l!-l vereinigt ivorden iiild. Hub wenn nnch die Midrnsebiüi nllm'>'lil:«u initiier melir Tlofs zn weiteren Tichtnnge» gegeben habe». derlürnndlon ist irob nller zeitliche» und sprachlichem Hi ic-nliei« nn guch in den spateren Tichtungen der gleiche geblieben Tarn-« erinnert der C‘ti’tti'v-bii'iif( nn de» nnderen Ben II so hol sie ne» docksehr stark nn die snnngognle freier auch des Pesiaclisesw' ,'lls die Hebräer »och im eigenen Hände ivoltuien, da linnen sie besondere Höhepunkte ihres (.'eben-;. Treimnl im a.ilne zog mnn nach aernsnleni, uni dort die fr-es>e des Htvigen;u feiern. >vo der Mittelpunkt.aller jiidischen diullur sich lebendig erwies Tie „Tchgloi'ch üiegalim", die drei BTallsahrisietie, iahen .'.elnt tausende von a»den ans dein ganzen Hände über die Verge bin nnfziehen, um in'dem >»11 Vieler hog> gelegenen .jerninlem »-mies besondere -iahe seelisch zu ernpsinden. Vlir Mniik und Tinge», mit anbei nnd ariuchzeu zog mnn hinnns und nahm mit frrnnX nnd >«ind am Tiensie «Voltes nn heiliger Tiniie -nnmiiielbnren -lnteil. Uralte und neue Pilgerlieder, ans heiliger .«nbrnnit ge dichtet, erklangen nnd iiimmien die BTallsalner zu inniger frroin rnigkeii. Tas schönste der drei Pilgeriesie ivnr sceilich Pessncli, das im ivnuderbnren fr-rnhli»gsprangen slnlisnnd. Von dieser Tiimmnug In»» mnn sich eine leise Vorstellung machen, wenn mnn Hort, wie der grosze Prophet des jüdischen Volkes sich die gluckhnfie, frohe .jukunsi seines Volles ansmaln „Hinen Tang iverdel ihr dann habe» nne in der -«acht der fr-esiesieier, und ein frohes Herz wie der, der mit der frloie ein herivnllt, um zum Berge des Hivige» zu ivnnder», züiu Horte Israels." Tiefe fr-ruhl>ugs und freilesitimntnng hallt uns nnch nns de» jahrinnseudenlieii Tr-eisen des Hiebes der Wieder, entgegen, das altem Brauche gemasz gerade am Pesjnciiseiie gesungen iverden soll, nnd durch das der wunderbare .Truliling des Heimatlandes der Bibel und des Bibelvolkes hiudurcluvel». Hs ist die ,'>eit, Ivo der BTinier vergangen ist und der -legen iclttvindei nnd enteilt T.er Boden bedeckt sich utit 'Blnie, das; sie schier nnnberjebbar über ihn gesät zn sein scheinen. Tie zseit des -Pacltligallengesanges ist ge kommen und die Trimme der TnrieUnnbe lnszi sich nn Haiide ver nehmen. Tie ,Teige beginnt, ihre Vorfrüchte zn ivnrzeu, nnd der seine Tnii blühender :>ieben durclinimei Hügel und Taler Tarnm ist das Hohelied nns der Handesnainr Palästinas heraus in -die fc-eneslilurgie der Peisachseier ubergegnngen , Tns r'ied der üieder, nns dessen P.-eise» der Vame des Tcli'lomo Hingt, iil von dem Tniie des heiligen Landes nngesnllt Tie Viebespoeiie, die in ihr ihren schönsten und reinsten .>«cjnng sindet, ist aus der Bniur des heiligen Landes und fernes 'Volkes geboren. Tie in in hohem Vlnsze sinnlich, ohne auch nur eine Tpnr irgend welcher PruderXs und.gerade darum ist sie so ganz natürlich nnd so ganz jitilicli. Tiefe üiebe in von einer zaueu .eieuscliheit ohne gleichen. (Gerade auch von diesen« t^>eiichispn»sie aus iil es durch aus begrerilich, das; die nationale Tehnsuclit in ihm eine sinnbild liebe Tariiellnng der r'iebe zivisclien i'n't! und seinem Bolle e> kennen zn miisien glaubte nnd ein -lllerlieiligsies empfand Tie Verliiiipsuug mit Pessacli lag darum nicht blosz in der Vaiur des Hohenliedes als eines «Gesanges zum .Trnhlrngsjesle, sondern die innere Verwaudtschait hat das Teil zum Hiebe nnd das Bied zum fTeiie geiulnt. Beginnt dock« dieser fTeieriag mit der ')>acl>i, in der vom .'lnszuge aus .'legupie», dem Hause der .Nneck» scbasl, erzählt ivird. mit der „H- I scliinnnnriin", der 'Pacht, wo c«.s jiidisclie Volt sich in der besondeien Hut seines «Zolles empfand Und wie in der Vergangenheii chu besonderer Tclni^ dem eben ge boreneu Volte zuteil ivard. so ivicd in Pgikilnst dieie Pacht -wie derum durch die sclintcende Hui ausgezeichnet iverden, mit der (>,o:i sein Voll »mgibi; Tenn dem „Peüach Mizrajim", dem fTreilieit-- seite der -legupterzeit, entspricht ein „Pessacli le Viid". ein fciei lieilzsses«, das in der zjukuiiii eeivanei ivird Haszi doch die alle Ueberlieierung die Tage der zulunirige» Beiieiung .Vs.aels ebe:- rill-'- mit dem Pessachieiie beginnen Buch kne-Teinde .«iiaels haben seit .cahrlauieudei' ^ie Peiiacl' seile ausgezeichnet. ,«» ihrer 'loeisei Mn i»dische:i> Bliithaben iie die Tage i» den c.redeiilb»cl>el>i der «beschichte >oi ge iiiishen -Mau branclit iuh nni zu c>inne>n. ivie man die .jnden verleinadeie, das; iie mit Blut ihr Mazzolh backten, und das; man um dieies erlogenen 'Blutes ivillen Huiiderliauiende von .ende» ra dc'» Biaunreriod schickte. ,"cii de> ganzen diartvoclie dursten iie auden nicht össeiitlicli zeige». Und wenn es ihüen sogar >>icl>t ansdruckitlh verboten ivorden ivare, hcckle der i’ii«faihc Leibst erh'dlruiigslrieb eschon bewirkt, d-is; sie iicli in ihreil Häutern hielten. .