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Der Schild · 1937-12-03 · 49 (3.12.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
49 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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ebenso groß sind wie die Verantwortung; die Kameraden und Sportkameraden dürfen aber überzeugt senv daß alle Stellen des. Frontuie des Sportbundes alles tun, was in ihren MSglichkeitert liegt, um die landwirtschaftliche Gruppensiedlun; vorwärts zu bringen. Mit aller Vorsicht, aber auch mit aller Zielsicherheit müssen die geeigneten Siedlungsmöglichkeiten in Uebersee gelanden und gesichert, die für die Siedlung ge< igneten Menschen festgestellt und auf den rk'l itigen \freg gebracht werden. Es versteht sic!.. daß bei der kommenden Planung landwii tschaftlichcr Gruppensiedlungen und bei de i erforderlichen Erkundungsohrteii in- Aus and Persönlichkeiten heran- -u/iehe-i siiuf, di<| über praktische Erfahrungen auf den Gebiete jüdischer landwirtschaftlicher Siedlung verfügen. Ich glaube, daß auch damit dem höchsten Ziel, das der Frontbund sich gesetzt hat, gedient wird: unserer Jugend den Geist opferwilliger Arbeit, restlosen Einsatzes, der Disziplin und der Selbstbescheidung zu übermitteln, in dem wir als Soldaten erzogen wurden und der auch der Jugend die beste Gmndlage zu bieten vermag, auf der sie sich eine Zukunft aufbauen kann. Nur in diesem Geiste wird auch die harte Aufgabe der landwirtschaftlichen Gruppensiedlung in fernem Lande so gelöst werden können, daß sie unserer jüdischen Gemeinschaft zur Ehre gedeiht i(nd zur Stütze wird. Frontkämpfer fiedeln ( Schreiben Paraguay ln Nr. 21 lom 21. 5. 1937 war im „Schild“ unter der Ueberechrift „Kameraden siedeln in Paraguay" ein Brief unseres dorthin Ausgewanderten Kam. Milton Gottschalk aut Coblenz abgedruckt. Der Hilfsverein der Juden i. Deutsch!, stellt uns folgenden IJrief vom 5. August 1937 zur Verfügung, der weiteres über diese Siedlung) berichtet Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, lebe ich in einer Gemeinschaft jüdischer Frontkämpfeij-Siedler, die am 13. Mai 1936 von Hamburg nach Paraguay auswanderten, dm für sich, und die Zurückgebliebenen eine neue Heimat und Wirkungskreis durch landwirtschaftliche Tätigkeit aufzubauen. Zehn Personen, u. z. 2| Familien mit 4 Kindern und 2 Junggesellen, gründeten im September 1936 die erste jüdische Siedlung in Paraguay, und /war in itaurua. Im Oktober nahmen wir noch Herrn Milton- .Gottschalk (ehern. 1. Vorsitzender ddr jüdischen Frontsoldaten Coblen/1 nebst Sonn-in unsere Gemeinschaft auf. Wir kauften dort gutes Land, 35 ha groß und ein großes Steinhaus zum Preise von 4600 Peso argentina,. wovon wir 2400 Peso anzahlten, der Rest ist im September 1938 zu bezahlen. Mit dem Rest unserer Gelder (300 argentina) kauften wir Vieh, wie Schw eine, Kühe und Ochsen. Dann hieß es eben durchhalten. Nur mit ungeheurer Energie und Willenskraft und Auflegung großer Entbehrungen haben wir uns durchgeschlagen. Keinerlei Unterstützung, ohne Bargeld, haben wir c> bis heute so weit gebracht, daß wir zu e-sen haben. Momentan leben wir-von der Baumwollernte, die unsere Ernährung bis Ende August sicherstellt! Mit kleinen anderen Nebeneinnahmen werden wir uns bis zur nächsten Ernte evtl, durchschlagen können, die selbstverständlich. wenn uns der Wettergott - nicht im Stich läßt, besser ausfallen wird, da wir Manjoka, Mais, Erdnüsse, Bohnen, Erbsen, Gemüse, Baumwolle und Melonen angepflanzt haben, was im vergangenen Jahr unmöglich war, da wir zu spart aufs Land gingen. Wir werden aber ohne Hilfe die Siedlung nicht halten können, da wir in Unkenntnis über unsere Verhältnisse hinaus gekauft haben, und in dieser kurzen Frist unseren Verpflichtungen nicht nachkommefi können. Die Landesprodukte sind gut im Preis, weil sie rar sind. Grund: Der Hiesige .baut nur soviel an, damit er leben kann. Die Behörde und Regierung ist sehr zuvorkommend, wenn man siedeln will, und man genießt voll und ganz deren Schutz. Ich warne aber jeden, nach Paraguay zu kommen, um angeblich aufs Land zu gehen und dann in der Stadt zu bleiben, derselbe würde unweigerlich ausgewiesen werden. Unser Dorf hat ca. 3000 Einwohner und liegt herrlich, nebenbei sehr günstig, da wir zu jeder Tageszeit in . ca. 2 Stunden die Hauptstadt erreichen können, da hier ein regelmäßiger AuTobusverkehr eingerichtet ist (ca. 40 Antobusse pro Tag). Hier ist noch viel gutes Land preiswert zu kaufen, ltaugua hat Schule, Apotheke, Post und Telefon. Wasserverhältnisse sehr gut. Was hier fehlt, ist ein Arzt, der sich hier leicht eine Praxis erwerben kann. Dieser muß aber durch uns angefordert werden, da er sonst sein Patent nicht bekommt. Alle, die hier einwandern wollen, müssen eine landwirtschaftliche Anforderung haben, die wir gerne jedem beschaffen wollen, der den festen Willen hat, Landwirtschaft zu treiben, ich erteile gern jedem Auskunft, der sich an mich wendet, stelle aber zur Bedingung, daß er einen Antwortschein mit beilegt.; Iwan Roseboom. Ärgenfinien Di: Heuschrecken haben auch jetzt wieder vi< I geschadet und jeder Kolonist ist davon be rotten. Bei mir steht von 8 ha Lein auch kefi grünes Blättchen mehr... Kameradschaftlichst grüßt herzlicnst Bernh. Plaut. Kameraden aus Südamerika In einem Briefe des Kam. Bernh. Plaut, ehern. Ortsgr. Frielendorf, Kurh.-Waldeck, aus der jüdischen Kolonie Avigdor in Argentinien heißt es: Avigdor, 10. 10. 1937. .... Wir haben uns hier G. 1. gut eingelebt und fühlea uns wohl, wenn auch das Leben für uns sehr schwer ist und wir als Kolonisten nicht auf Rosen gebettet sind, wir haben aber Ruhe und Frieden und können sorglos schlafen und haben unseren Lebensunterhalt. An das sehr primitive Leben und „Wildwest“ muß man sich gewöhnen und den Verhältnissen Rechnung fragen. Das Leben der Kolonisten untereinander ist einzig schön. Einer ist um den anderen besorgt und hilfreich, besonders die alten Kolonisten gegenüber den neu zukommenden. Das Lebert der Jugend ist ein Kapitel für sich, rdie Jugend hat ihre Arbeit, aber auch sehr viel Freude. Mädchen wie Jungen reiten wie die Kavallerie, haben ihre Geselligkeit, ihren Sport und ihren Tanz. Wir Aetteren haben auch unsere Geselligkeit, jedoch durch die Größe der Camps sind die Entfernungen zu weit, um größere Gesellschaft zu haben. Von einem Blortk — 2 oder 4 Häuser — zum anderen ist die Entfernung 1,5 km. Nur empfinde ich als noch religiös eingestellter Jude, daß man hier wohl Jude ist, aber zum größtenteil von Religiosität wenig — bei vielen gar aichts i — merkt. Sehr wenig Familien leben noch koscher oder halten den Sabbat - u. dergl. mehr. Hierin ist bisher auch für die Jugend noch nicht gesorgt. Obschon nahezu 30 schulpflichtige Kinder die Regierungsschule besuchen, ist noch kein jüdischer Lehrer hier. Die jüdische Schule ist wohl fertig, auch wird seit Roschhaschono Gottesdienst darin abgehalten. In absehbarer Zeit sagt man uns, soll ein jüdischer Lehrer hierherkommen. Aber hier in Argentinien heißt es — manana — morgen. Wänn das- „Morgen“ aber ist, weiß nur Gott allein. Die Ica tt|t sehr viel und hilft am Aufbau, schenkt aber keinem einen'Deut und ist kein Wohltätigkeftsinstitut, das Almosen gibt. Wo viel -Sonne 'ist, ist auch viel Schatten, und bedarf da der Abstellung. Wir werden wohl lebenslang Schuldner der Ica bleiben, und wie es unseren Nachfolgern, unseren Kindern, geht, kann man heute noch nicht feststellen, weil die Ernte eine zweifelhafte Spekulation ist. Zur groQen Armee lauen 1. V. Unsere Bez.-Gruppe Vogtland, Sitz] Plauen, beklagt den allzufrühen Heimgang eines ihrer treuesten Kameraden, Leopold Leimann. In der von unserem Vorsitzenden Kam. Josef Wormser gehaltenen Trauer-Ansprache wurde im besonderen darauf hingewieaen, daß der Heimgegangene im Weltkriege wegen seiner vorbildlichen Führung zum Offzi-StellVertreter befördert wurde und vor deml Feinde manche Ordens-Auszeichnung erhalten hat. Wir werden dem verewigten Kameraden ein ehrepdes Andenken bewahren. BaÜ Homburg v. d. H. Die Ortsgruppe hat den [Verlust ihres Vorsitzenden, des Kam. Moiiitz Stein, zu beklagen. Kam. Stein tat Jon Kriegsanfang an bis zum Mai 1917 im Heide Dienst beim Res. Inf. Regt. 13; er wurde dann schwer am Kopf und beiden Händen verwundet. Er war ausgezeichnet mit dem lEK. 1., EK. II., der Hess. Tapferkeitsmedallle und dem Frontehrenkreuz. Ein plötzlichen Tod, der wohl eine unmittelbare Folge seinetj Kriegsdienstbeschädigung ist, hat ihn aus deiner ihm lieb gewordenen Tätigkeit in unserem Kameradenkreise hinweggenommen. In pem Heimgegangenen verliert die Ortsgruppe Bad Homburg v. d. H. und mit ihr der Landasverband Südwestdeutschland einen guten Kameladen, der stets für die Belange des Reichibundes jüdischer Frontsoldaten sein Bestes hergab. Kam. Stein war stets zu haben, wenn die Forderung an.ihn erging, eine Aufgabe | für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zu übernehmen. So stellte er sich auch willig zur Verfügung, als es galt, in schwerer Zeit der Ortsgruppe Bad Homburg v. d. H. einen neuen Vorsitzenden zu. geben. Beilseiner Bestattung, die unter großer Beteiligtmg stattfand, gab für den Landesverband Südwastdeutschland Kam. Einstein, Frankfurt | der Trauer und dem Dank, den wir alle beim Heimgang unseres Kam. Stein empfanden,, herzlichen Ausdruck. Frankfurt a. M. Am 27. Oktober wurde unser [Ehrenmitglied, Mitkämpfer von 1870/71, der Veteran Saiomon Hei mann, zu Grkbe getragen. Er war einer der wenigen noch lebenden Kämpfer aus dieser Zeit und erinnerte sich stets mit Stolz an diesen Feldzug, an dem er in treüer Pflichterfüllung teilgenommen hatte. Einei große Zahl unserer Kameraden geleitete den Meteranen zu seiner letzten Ruhestätte. * i Berlfti. Es schieden von uns: Kam. Bruno S a 1 z ih a n n (Ortsgr. Prenzlauer Berg), Kam. Leo Meyersohn (Ortsgr. Ost), Inh. der Silbernen Ehrennadel, und Kam. Felix Gutfr e u n d (Ortsgruppe Zoo). * Oberfedorf-Bopflnßen. Die Ortsgruppe betrauert das Hinscheiden des Kam. Sigwart G o I d 11 e i n . Sie wird sein Andenken stets in führln hatten. Der letzter Z< nach ver ausreuen, eine Lan schaffen hoffen, dauernde Umwand! aber nur bringt jei waoderun. und gefä uanderun, warnt nai lehnt jed lfsverein der Juden in Deutschland teilt mit: In :it mehren sich die Falle, in denen Auswanderer, hiedenen Ländern, wie zum Beispiel Neu-Seeland, ohne ein regelrechtes Emwandcrungsvisutn bezw. ungserlaubnis zu besitzen. Die betreffenden versteh vielmehr ein bloßes Touristenvisum und nn im Einwandeningslande die Erlaubnis zur Niederlassung erwirken zu können. Eine solche ig von Touristenvisen in Einwanderungsvisen ist in den seltensten FäDen möglich; im allgemeinen e derartige Einwanderung ohne reguläres Einjsvisun die Oefahr späterer Ausweisung mit sich ■rdet außerdem das Anseben der jüdischen Einbei den Behörden des Landes. Der Hiffsverein idrücklich vor jedem derartgen Unterfangen und Unterstützung derartiger Reisen ab. 2

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