Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 42 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 3× ep/1048155
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Der Peel-Berichf Geschichtliche Würdigung vom soldatischen Blickpunkt Der sogenannte Peel-Bericht, auf dem der englische Tcilungs Vorschlag für Palästinabasiert, ist in unserem Blatt mehrfach erwähnt worden, Es i-t dankenswert, daß der S c h o c k e n - V'c r J^a g in—-Berlin dieses für jdas Indenttim so bedeutsam gewordene Dokument jet/t auch in deutscher Uebersetzung licrausgebraeht hat. Der „Bericht über1 Palästina“, erstattet von der Britischen - Königlichen Palästina-Kommission, einer mit höchster Autorität ausgestatteten Körperschaft von fünf prominenten Engländern, ist in dieser deutschen Aufgabe’ein stattlicher Band von insgesamt -163 Seiten. Studiert man ihn durch, so kann man für den Ernst und die Gründlichkeit nur Bewunderung hegen, mit der diese Kommission ihre Aufgabe angefaßt hat, die Ursachen der Unruhen tn Palästina klarzulcgen und entsprechende Vorschläge für die Zukunft zu Entwickeln. Die praktische' Bedeutung des Peel-Berichts ist s'hon .dadurch in hellste^ Li.'ht genickt worden, daß er die Grundlage von Unterhaus-Debatten, \nn internationalen Verhandlungen, von Regicrungserkläriuj en und Völkerbundsbeschl ssen über PaläciM gebildet hat. Das Für und Wider ,/ti den j ii dem Bericht getroffenen Feststellungen, , Bbhauptungen und FoOcsch.l ’s^en ist l’ek.'jnnt, auch gerade die starken-Firrwend'in|rca von jüdischer Seite gegen den Teilunespijmj in dem der Peel-Bericht tripfeit. Er hat; aper auch noch eine andere Seite, als die; aktuelle; er ist ein .Gc- < t| m e n t. Und als solches i iVC’ert behalten, auch wenn it sehe Rolle längst der Ver- I ören wird. Und darum ist ten-Verlag herausgtbrachte e' 7ung ein Werk, dem in der -■' jüdisch-geschichtlich Interichtiger Platz gebührt, tyission hat sich ihre Arbeit gemacht; in der Einleitung Stellung des geschichtlichen auf die biblische Zeit zu- ■iht einen aus nichtjüdisrher interessierenden Längsschnitt cfji hte der Diaspora und der Spdann konzentriert sich ihr ästina selbst: De Ereignisse der Araberaufstand gegen Vereinbarungen der Engländer nit den Arabern und unter- F alfotir-Deklaration und ihre iie Militär-Verwaltung des die Errichtung des Völkerujid seine Durchführung finden. ’ :hes amtliches Material, eine ie fesclnde Beschreibung, e Geschi'hte Palästinas ziehen s e h i c h t s d o dürfte er sein Serie aktucü-pE gangeuheit an die vom_?c!t| deutsche Uebe Pr :!i< rei cd cssierten ein M Die Pecl-Kokeineswegs leicht hat sie zur Hintergrundes rrckgngriffcn: Feder hesonde durch die Gei Form /iration. Rückfeld auf des Weltkrieg die. Türkei, di -und Franyosei einander, die Vorer-schrltte. Landes bis l<|2f), bundsmadates gestützt auf” so sachliche Durch die wefe 'a 4 cs wie klein er: nigt. (S. 138). Auf gleicher Linie liegt diese Feststellung: „Obgleich nur bei seltenen Gelegenheiten ein Jude zur Benutzung unerlaubter Feuerwaffen greift, erfuhren wir, daß die Juden in runden Ziffern 10000 ausgebildete und bewaffnete Kämpfer und eine Reserve “von 40 000 aufstellen können“ (Seite 228). Dies zeigt deuflieh einen disziplinierten jüdischen Wehrwillen im GegensäTz zu einem unbeherrschten, wilden Banditentum. Weiter bezeichnet dtr Peel-Bericht es als „nur zu wahrscheinlich'f, daß die Juden im äußersten Falle „eher kämpfen würden, als sich der arabischeil Herrschaft unterwerfen.“ (S. 163). ""Hinter Solchen Bemerkungen über jüdische Wehrberejtschaft steht, wenn man den Peel- Bericht aufmerksam liest, eine ungemein ernste Bedeutung. Sie findet in folg. Sätzen Ausdruck: „Ule alle anderen Menschen müssen es auch die -Juden spüren, daß ein neuer Weltkrieg leider nicht unmöglich ist- Und bei den Aenderungen und Möglichkeiten, die Ein Krieg bringt, ist es leicht, sich Umstände vorzusfellen, unter denen die Juden sich hauptsächlich auf ihre eigenen Hilfsmittel verlassen müßten, um das Naticmalheim zu verteidigen.“ (S. 142). Hier wendet reifes geschichtliches Urteil seinen Blick in die Zukunft und nennt jene Möglichkeiten klar beim Namen, auf die das jüdische .Palästina sich auszurichten hätte. Das Dilemma, in welchem die englische Position selbst sich in Palästina befindet und aus deirt“ nach Ansicht der Peel-Kommüs:on nur eine Drei-Teilung des Landes herausführen kann, beschäftigt naturgemäß den Bericht an vielen Stellen und in sehr offener Darlegung. Von uns kann dieses mit dem jüdischen I Schicksal jetzt so eng verflochtene Problem; nur flüchtig berührt werden. Deut- Kchl heißt es im Peel-Bericht (S. 259): „Das Land ist gegenwärti; in zwei btwi ffnete Lab er geteilt, mit der britischen Polizei und Besitzung in der Mitte, die die s :hwierigc Aufgabe hat, Friede und Ordnung aufrecht zu (erhalten. Jeder kleine Zwischen Fall kann deJ Funke sein, der zu der großen Explosion füijrt.“ Und zwanglos schließen si :h hieran diel Ausführungen auf S. 427 an: Der Friede im I Vorderen Orient sei stets ein Fundamentalgnindsatz englischer Außenpolitik gewesen; füll seine Aufrechterhaltung könne die hritisihe Politik eine fast ununterbrochene Kette de» Freundschaft mit den Arabern * lufzcigeu Fsl sei jetzt weniger wünschenswert denn je, diise Freundschaft zu verschlechlern. Andererseits wünsche England sici so weit möglich das Vertrauen des Judentums /tt erhalten: — „Wir schätzten es wä irend des Krieges hoch ein und können es i n Frieden nijht verachten.“ Gaß die hohe Einschätzung der Juden im Kiege eine moralische Verpflichtuiyj in sich bij-gt, ist eine Feststellung, die bei jedem jüpischen Frontkämpfer Genugtuung auslösen wird. Hinter der hohen Einschätzung im Kriege, die hier von der Königliche l Kommis sirm noch nach zwanzig lahren wird, stehen die geschichtlichen attestiert Tatsachen jiddischer Kriegsleistung. Unter d^n Fahnen ... einfachen a|er kriegführenden Länder, vom ann bis zum General, bei allen Waffengattungen und an allen Fronten hoben Juden insgesamt mehrere Hundert! msende — iHre Pflicht erfüllt und oft mehr als ihre flicht. Unsere Gefallenen s-hlumniem in den lassengräbern und auf den Soldatenfriedhöfen eben ihren Kameraden anderen Stimmes und llaubens. Die „hohe Einschätzung der Juden im Kriege" ist die Bestätigung dieser Bewährung durch die Peel-Kommission Dr. W. Zivil-Kurape sich wie ein hlui roter Faden dje immer wiederholten UnruhEn 1920, 1921. 1929, 1930 und 1936. Die Darstellung der „jeeetiwärtigen Lage“ hiemnt mit folgenden Sätzen, die gerade uns aighorchen machen: (S. 129): „Wir kanten am Waffenstillstandstrge in Palästina! an und waren bei der Feierlichkeit apr dem Berga Scopus oberhalb Jerusalems zugegen. Unter den gegebenen Umständep I konnte keiner sich damals dem» Gedanken entziehen, daß der Friede, [der auf den Waffenstillstand von 1918 folgte, in Palästina ein sogar noch wenigeij wirklicher Friede gewesen*; [war, als in .Europa.“ In soldatischen Hinblick finden sich im Pcel- Rcricht j verstri ut mancherlei Bemerkungen, die der Beat htung jüdischer Frontsoldaten nicht entgehErt können. Die Unruhen des vorigen jahrtes werden als ein „Krieg, juch an Umfang war“ charakterisiert] (S. 4 >9). Den Juden Palästinas wird „während def ganzen Zeit der Ausschreitungen und unter sehr großer Herausforderung eine bemerkenswerte Fähigkeit für Disziplin und ielbsjtbeherrschu n-g “ bescheiln den Jahren 1785 bis 1851 lebte in den Vereinigten Staaten Ma jorNoah, ein amerikanischwüdischer Pionier. Sein Leben und Wirken sind in einem kürzlich von der Jewish Publicatfon Society of America. Philadelphia, herausgEgebenen, von Isaac Goldberg verfaßten Buche beschrieben. Der Titel Major vor dem NamenjNoah läßt vermuten, daß wir es mit einem Soldaten zu tun habet!. Das ist jedoch für Amerika nicht zutreffend. Mordecai Manuel Noah hat das Majorsprädikat gleich im Beginn seiner Karriere erhalten, er hat aber weder vorher noch nachher militärische Uniform getragen. Er war Konsul. Politiker, Redakteur, Redner und Kämpfer für das Judentum, sogar Vorläufer des Zionismus; Soldat aber war er nicht. Und doch hatte er Eigenschaften: Geistesgegenwart und Mut, die einen guten Soldaten aus ihm geformt hätten. Dafür ein interessantes Beispiel: Es war im Jahre 1815. Noah, damals 30 Jahre alt, war Konsul der Vereinigten Staaten für die „Barbarei“-, genauer für T u n i s. Ein italienischer Kaufmann, ein Signor Curadi, hatte sich unter seinen Schutz gestellt, dessen eigentlicher Beschützer der holländische Konsul gewesen wäre; aber Curadi, der wegen einzs protestierten Wechsels mit Schuldgefängnis und Beschlagnahme seines Vermögens bedroht war, hatte mehr .Vertrauen zu Noah. Der tatenfreudige junge Amerikaner ergriff gern die sich ihm bietende erste Gelegenheit, um die Macht seines Heimatlandes — damals, kurz nach der Unabhängigkeitserklärung als politischer Faktor noch wenig gewürdigt — vor dem Bey von Tunis zu erweisen. Der Bey verlangte von Noah die Auslieferung Curadis. Der Konsul erklärte, daß noch nie jemand im Stich gelassen worden wäre, der sich unter den Schutz der amerikanischen Flagge begeben hätte. An einem der nächsten Tage stürzte der Dragoman Noahs. Abdullah, ins Konsulat, zu Tode erschreckt und stammelte, der Bey schicke 20 Mamelucken ins Konsulat, um die „Christen“ in Stücke zu zerreißen. Noah war mit Waffen und Munition ausgerüstet. Die Flagge der ’ereinigten Staaten gind am Gelände hoch, die Tore wurden gcs|chlössen, Noah er wa riete die .amelucken. Sie kamen nieft Einige Tage später war Curadi in den Palast Jelockt und eingesperrt worden. Noah be 'ah ich zum Bev und erklärte: Wenn Curadi teilt auf der Stelle entlassen würdt. so würde die amerikanische Flagge niede -holen, und lie friedlichen Beziehungen zwischen Tunis Jnd den Vereinigten Staaten wären auf der Jtelle beendigt. „Kommen Sie morg :n wieder“, chlug Hassan Bey vor. „Jetzt oder nie“, ^ntgegnete Noah. Es wurde jetzt. Z im zweiten tale in einer Woche hatte der entschlossene Jude den christlichen Angehörigen eines europäischen Landes befreit. Die andeien Konsuln Trohlockten. Es war das erste M il, daß ein Jolcher Fall in Tunis durch einen Sieg gekrönt corden war. — 1 iam. A. D. )ie Gesellschaft OSE im Weltkrieg Vor Kurzem tagte in Paris der Jubiläumskongreß der Gesellschaft für (iesundheits kchutz der Juden OSE. Sie wurdi 1912. also kor 25 Jahren, in Petersburg ge< ründet und pah sich bereits zwei Jahre später gezwungen, ihre ganze Kraft dem Dienst 1er von den (riegsereignissen schwer betroffen' n jüdischen Bevölkerung Rußlands zu widme i. Hundertlausende Flüchtlinge und von c en Militärbehörden ausgewiesene Juden wurden betreut, viele Zehntausende verdanken ihr Leben der iilfskolonie der OSE, die unter de i schwersten Bedingungen ihre Arbeit tat. Noch schwieriger als in der Kriegszeit waren dir Umstände unter denen die Gesellschaft ihre Tätigkeit vährend der folgenden Revolutions- und Bürgerkriegsjahre durchführte, de: len wiederum Hunderttausende Juden zum Opfer fielen. Sie wurde erst eingestellt, als die OSE gc- Izwungen wurde, ihre Arbeit in Rußland auf-' zugeben. I Kurz darauf haben sich die in den ehemaligen Teilen Rußlands, in Polen, L tauen, Lettland usw. zu einem Verband zust mmengetan, dem sich im Laufe der Jahre i uch neugelgründete OSE-Gesellschaften in Deutschland, Frankreich, England und USA. anschlossen.