Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 41 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.. . Weit über fernen Weltmeeren, in Sidney, tickt eine Uhr; sie tickt in der Tasche eines Knaben. Der Junge freut sich mit ihr, wie jqdes Kind auf Erden sich freut, das zum erstfen Mal eine Uhr besitzt. Er trägt sie mit ßtolz, denn die Uhr hat sogar eine Geschichte, «ine seltsame, und doch wahre! Er haj diese Uhr von einem australischen Soldaten zum; Geschenk erhalten, einem Verwandten, der sie vom. Schlachtfelde aus Frankreich alsi Andenken mit heimbrachte. Er hatte sie eindm deutschen „Gefallenen“ ' aus der Tasche .abgenommen. — So hatte die Uhr Karl Meiningers ^ie Reise zum fejncn E-dteil angetreten und dort einen gefunden. Die Mutter des Kindes tickt Unheil, sic biannt Glück und Frieden; eine fremde $chuldi scheint auf ihr zu lasten. So faßt die |Frau jden Entschluß: ihr Kind muß sich auf ijeden; Fall von der Uhr trennen Sie spricht riit de* Leuten, in deren Hause sie lebt, erklärt ihnin, sie sei vom Unglück v e r f o 1 g t, I seit die Uhr im Besitz ihres Jungen ist, dnd bittet sie, ihr zu helfen, die Angehörigen j des früheren Besitzfers ausfindig zu machen. f Und die Fügung will, daß sie sich an die rechte Adresse gewandt hat, denn die Tochter diestx Leute ist mit einem Deutschen -in Adelaide verheiratet, der bereits 14 Jahre in Australier ansässig ist. Dieser also wird zu Rate gezogen. ^Glücklicherweise waren in der Uhr ja Name:'und Anschrift ihres wirklichen Eigentümers: eingraviert. Der Deutsche in Adelaide I nimmt die Verbindung mit der. Heimat auf, mit seinen Angehörigen in Hamburg, deren Exporthaus er seit langen Jahren in Australien vertritt. Wieder setzt der Kreislauf des Lebens ein: Verbindungen schwingen Kon hüben nach drüben, von Australien njach Europa .. . Aus Hamburg erfolgt in Hildesheim bei der Familie Meininger die erste briefliche Rückfrage rjach dem Besitzer der Uhr, den man ja für gefallen.hält. Aber er lebt t Nach harten, schweren,^ schmerzensvollen Kriegsiahren ist Kamfori Meininger wieder daheim:. er, cler Eigentümer der Uhr, die um dert halben j Erdball gereist ist und die zu ihr^m Besitzer zurückstrebt. Freudige Ueberraschung in i Hamburg: sie spricht beredt aus jenem Begleitschreiben vom 16. August 1924, mit dem die Uhr die letzte Etappe ihres Heimwegs Aach Hildesheim antritt: ,;Es freut mich (so hefßt es darin)- außerordentlich, hieraus zu eräehen, daß Sie den Krieg doch überstandenl haben- Da wird es ja von ganz besonderem] Interesse 9ein, die Uhr, mit der Sie ins Feld zogen, wiederzuerhalten. Sie wird Ihnen sichet ein liebes Andenken sein.... Die australische! Besitzerin hat an der Kette einen grünen Steifi befestigt, einen sogenannten New Zealand-Stein, der dem Eigentümer oder den Angehörigem Glück bringen soll- Die Absenderin figt ferner einen in schlechtem Deutsch geschriebenen Brief bei und bittet Sie darin, ihr auf jeden Fall unter Benutzung des Briefumschlages den Empfang zu bestätigen“. f— — - Hier schließt der Kreislauf der Begebenheiten. Afeht Jahre waren in das Meer der Zeit geflossen; Leben und Geschehen standen nicht still. Was mag in unserem Kam. Meininger votgegangen sein in dem Augenblick, als er sefie Uhr wieder in der Hand hielt, mit der er vor langen Jahren ins Feld gezogen und deren Verschwinden schicksalhaft mit dem furchtbaren Kampftage bei .Bapaume verknüpft! war? Wuchs der kleine, schlichte Gegenstand nicht in die Sphäre eines Symbote? Und lebt nicht in dieser abenteuerlichen und dochjjvahren Geschichte auch für jeden vonuns eih tieferer Sinn? Der auf dem Schlachtfeld Totgeglaubte, dessen Eigentum herrenlos schien, war — an der Schwelle des Todes vorbei — am Leben geblieben. Sein persönlichster Besitz, seine Uhr, war über Meere gewandert, hatte die Besitzer gewechselt, aber — Unrecht Gut gedeihet nicht Wie die Uhr, so schlägt in des Menschen Brust das Gewissen. Es schlägt — bis Einer auf seine "Stimme hört und Recht — wieder Recht des Uh folgert ß ige er ge welch« unserem ne ■ Für die Jüdische\ Winfe "Hilfe 1937—38 neuen Träger aber wird übejr den Besitz nicht froh, vielleicht spürt sie mit Seele" dieses Das neue jüdische Jahr hat vor kurzem begonnen. Jüdische Winterhilfe innerhalb unserer Gemeinschaft worden. lein läßt. Wirklich, mit der Prä) Werks nimmt auch das Schicksal i< htigen Ablauf und führt rech Besitz an den zurück, dem ört. Auf welchen Wegen Zeit, — das freilich entzieht menschlichen Wissen und B. un 1 Ei i! ision seinen m ä - allein in sich fluß. P. feinem* Instinkt die „zürnende Gegenstandes, die sich gegen unrechtmäßiges Eigentum auflehnt. Die Uhr Im letzten Jahr konnten wir fast 82 000 Mensch« In den größeren Gemeinden war jeder fünf neren Gemeinden brauchte schon jeder Vierte Bevölkerung ist im Vergleich zum Jahr vorher um Hilfsbedürftigen aber nur um knapp 1 000 gesunkeh Not, Anwachsen des Anteils der Hilfsbedürftige i Seit dem Abschluß der letzten Aktion für die Ji Opferfähigen unter uns sich wieder um Tausende « Aufgabe verzweifeln, wüßten wir nicht, daß die Zu Anspruch nicht entziehen werden. Aermer sind wir geworden, doch wir haben im uns nur dann ein Segen sein kann, wenn er auch Wir rufen die Judenheit Deutschlands auf, die seiner Stelle seine Pflicht erfüllt, zu einem lebendigst, die Not des Winters! n vor Not und Bedrängnis bewal iren. te Jude hilfsbedürftig, in den k eiunsere Hilfe. Die Zahl der jüdischen etwa 20 000 Menschen, die Zahl der Das aber , heißt Zunahme der Mit ihm ist uns die Aufgabe, die durchzuführen, aufs * neue ge teilt dische Winterhilfe hat die Zahl der ermindert. Wir müßten an ut serer ückbleibenderj'sich auch dem erhöhten ner erfahren, daß auch unser Besitz anderen zunt Segen wird, üdische Winterhilfe, ln der jedi r an schützenden Walle zu machen; 'egen Reichsvertretung der Juden in Deutschland Vorstand d. Jüdischen Gemeinde zu Berlin Preuß. Landesverb. jüd. Gemeinden Verband Bayer, israel. Gemeinden Oberrat der Israeliten Badens Sächsischer Israelit. Gemeindeverband Oberrat d. Isr. Religionsgem. Württembergs Landesverbände isr. Religionsgem. Hessens Landesorg. d. Agudas Jisroel in Deutschland AUg. Rabbinerverb, in Deutschland Reic! Re Reich i Rei« Verfei Vertrft Zen Zidn Jüdischer fronlkämpfol Jüdischer Central-Verein Jüdischer Frauenbund h^ausschuß der jüdischen Jugendvi rbände chsbund jüd. Frontsold iten verb. d. jüd. Kulturbünde in Deutschl. (Jisverband der jüdischen Lehrei vereine nigung f. d. relig.-liberale Judentum ung d. unabh. jüd. Orthodoxie C eutschl. tjalverb. jüd. Handwerker Deuts ihlands istische Vereinigung f. Deutschland and in icrnsnlem In seiner Sonderausgabe „Flandern 1914“ Nr. 42 vom 2 November 1934 brachte der „Schild“ -u. a. einen Beitrag „Als wär’s ein Stück von mir“, der mit folgender Vor-' bemerkung begann: „Unser Kam. Kurt Ottensooser, Nürnberg, ist als 19jähriger Kriegsfreiwilliger am 21. Oktober 1914 ausmarschiert. Am 1. November kam er zum ersten Male ins Gefecht. Als er am 14. November verwundet die Kompagnie verlassen mußte, waren von den 4 Offizieren und 250 Mann noch 1 Offizier und etwa 50 Unteroffiziere . und Mannschaften gefechtsfähig. Zu den T«rten gehörte sein Bruder Leutnant d. R. Robert Ottensooser.“ Kam. Kurt Ottensooser, der einstige Kriegsfreiwillige von 1914, lebt mit den Seinen jetzt in Jerusalem. Von dort hat er an Kam. Dr. Landenberger-Nürnberg, den Vorsitzenden unseres bayerischen Landesverbandes, unterm 1. 9. 1937 einen Privatbrief gerichtet, den dieser uns freundlicherweise zusandte. Wir entnehmen daraus einige Mitteilungen, die für unsere Kameraden interessant sein dürften. „... Ich habe in der letzten Zeit verschiedentlich an Sie gedacht. Wir haben nämlich jetzt auch hier einen Frontsoldatenbund gegründet, dem die jüdischen Frontsoldaten aller Armeen angehören sollen.- Bei der. Gründungsversammlung hier sprach als Vorsitzender ein ehemals türkischer Offizier, ein französischer, ein deutscher, ein englischer (Vorsitzender der British Legion) und ein österreichischer (s. Zt. Gründungsmitglied des österr. Frontsolaatenbundes); es waren aber noch einige andere Armeen durch frühere Soldaten vertreten.... Inzwischen wurde die Arbeit aufgenommen, ein Bundeslokal geschaffen etc. Auch sonst dachte ich an Sie, z. B. wenn ich, wie als junger Rekrut, wiecier bei einem oli z Polizfeiausbildungskurs (für HiHspi Reih I und Glied stehe und in die Geh englischen Reglements eingeführl pns mit seiner steifen Haltung amen Griffen unsagbar komisi: nt. Unsere Korporale sind aber bns und auch der Captain, der iitigte und durchexerzierte, tadeloses Kommando. Sie sehen Liebe rostet nicht und — einmal tr Soldat. des das langsf komj fö Dis aber nur sehr im Nebenberuf; unsere Ausnildungskurse finden abends n; ch der Arbeit statt, und da wir unter unsere; i Leuten aucn richtige Schwerarbeiter haben, zeigt es ein gutes Stück echten Ideal smus, daß [sich diese Menschen danni aber ds noch 2 Stunden hinstellen und exerzieren, vielleicht nicht ganz überflüssig sein sei ur s halt ako ei) in imnisse werde, seinen h vorneidige jüngst :e ein alte Soldat, habtn die letzten Tage wieder bewiesen ... las die neue Politik alles mit siet bringen wird, ist noch schwer abzuschätzen, Daß es könnte, da man ja hoch gar nicht erkennen kann, wie die Tel lungsgrenzen schließlich wirklich laufen werden undwas aus uns t ier oben wenden wird. Trotzdem behält alles seine ruhigen Nerven und das ist schon Reh ■ wichtig. DieiWirtschaft leidet natürlich unter der Unsicherheit, hat sich aber doch als eptaunlicfh erstandsfähig erwiesen.. erade aber im Hinblick auf «len wohl kommenden Judenstaat und die dann-an und herantretenden Aufgaben wünschte man auqh von „oben“ die alten Frintsollaher die lehr gerne d alt e n zu organisieren und hat Gründung unseres neuen Verbandes gesehen. Lekier sind wir seit Kriegs :nde "nicht jünger geworden! jrüßen Sie mir bitte die Kamejraden.. — I- Was hiermit geschehen.