Mannheim
Compact Memory

Der Schild · 1937-10-08 · 41 (8.10.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
41 (8.10.1937)
Date
1937-10-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4911661-5448596-5449707--220-4916341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vr. 41 / 16. Jahrg. Berlin, 8. Okt. 1937 - Preis II Pfennig H ERAUSGEBER: REICHSBUND DÜDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. WÖCHENTLICH Beiblatti „DIE K * MIT DEN OFFIZIELLEN MITTEILUNGEJI RAFT", Offizielles Organ des Schild, Sportboni DER KRIEGSOPFER-ABTEILUNG id des Reichsbandes jüdischer Frontsoldaten S duHtldtnag mul VerUfl» Reldubtmd J edtktloofr' o. Aastlgetudilai Jeden Dlentta } Eesngepretoi RM 0,40 monatlich znzOg / xunlgenUrlf dnrdi die A^iedter Frontsoldaten B. V. Berlin W15, KorMretandamm 300. Fernruf tot Bmfaeixian. Fflr unverlangt eingebende Mamsekrlpte wird keine Oewftlu h Poetbeetellgeld. Anxdgenprelai Die 9 geepaltene Mflllmeter« Zelle t Bepa f Verlag, Benakl g Palraacbec, Berlin W 50, Regmuhwri m 85 71. Poetediecbi Berlin 76143. Telegramm! nachrifti Schildkamerad. flbernoaunen. Bei Nichtlieferung ohne Verschulden kein Vergötungsenspruch. RM 045- Stellenangebote and 'Oeeadie, Familienanzeigen RM 0.10. Strebe 31. Pcraiprecberi 34 66 97. Postsdwcfci Berlin 32529. iodisdic Ehrenmale/ Eine wichtige Aufsatz -Folge w In der vorigen Nummer begarn e ne Aufsatzreihe „Jüdische Ehr der Darstellung des Ehrenfried! i< darauf befindlichen Ehrenmals für K riegsgefallenen von Hamb 2 Jahre nach Kriegsende, nämli^l die Hamburger Gemeinde!den diese Anlage ausgeschrieben, wurde Ehrenfriedhof und;1 Ehrei bürg bereiis fertiggestellt Wir Folge „Jüdische Ehrenmale“ fori jedoch heute einige einführende Bemerkungen nach, die den Wer: deutung einer solchen Veroffentlic rem Bundesorgan klarstetyen In so! I auf Seife 2 enmale“; mit ofs und ides die jüdischen r g. Schon h 1920, Hatte ettbewerb für Jahre 1922 al in Hamwerden diese setzen, holen Grundsätzliche und die Behung in unseren. n m j August 1936 in Nr. 32 berichtet. empfunden und erfüllt. Zahlreiche di :nksteine und EhrenfeJder auf jüdisd! Friedhöfen, viele Ehrentafeln )in jüdis« Gatteshäusern sind dafür stumme Zeugen. iste Sicherlich ist aber wohl das unvergänglich und eindruckvollste Ehrenmal des {unbekannten jüdischen Soldaten in Deutschland, das w :der aqs Stein gehauen noch aus Erz gegossen wurde, jenes vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten herausgegebene Ofdenkbucl jüdischen Gefa 11 e n e n desf Weltknbges inl der alten deutschen Wehrmacht. Plai ung und Vorarbeiten — gewissermaßen die Qrind- •MIMflMIMMtllMIHIIIMIMMHMMIMMMMIHiillMfHIlHIIIIIMMMMMMmMrtMIMHMMIHMltyi Spendet u ln 8 e r e n »opfern t Reichsbund Obarweliongaa Po-tschacldcooto Barlin jüdischer Frontsoldaten (Kriegsopferabtei erbäte lauf »rlin M1208 ten le V. d Gerade jetzt ist (wie wir einer Meldung der Jüdischen Telegraphen-Agentur entnehmen) in Frankreich vom Staatlichen Fremden Verkehrsamt ein reich illustrierter Führer über die! jüdischen Denkmäler in Frankreich erschienen. Darin wird u. a. auch auf die Verdienste der jüdischen Frontkämpfer durch die Erwähnung dfes noch unvollendeten jüdische i Gefallenen- Ejhrenmals auf dem Schlachtfeld yon Verdun hingewiesen. Es wird eine Abbildung des geplanten Denkmals gezeigt, da; von einem Komittee unter Leitung des im Kriege achtmal verwundeten jüdischen General Andr6 Weiler, Großoffiziers der Ehrenlegion,j errichtet wird. Im „Schild“ i wurde von diesem jüdischen Ehrenmal bei Douaumqnt bereits am eric I Wenn das Judentum in Frankreich — und auch in anderen Ländern — das Bedürfnis fühlt, seine gefallenen Söhne durjeh Errichtung vbn Ehrenmalen zu ehren, so halben auch die Juden Deutschlands diese Ehrenpflicht ihren tqten Helden gegenüber schon seit langem Gehen hen Lii steinlegung — reichen zurück bis in Jahre unseres 1919 gegründeten. Bubi Jahre 1928 bereits konnte mit der Ei egonnen werden: Die Unterlagen im wurden gesammelt und gesichtet, Listen füllten sich — von Tausend zu — mit den Namen der Juden, die Felde der Ehre geblieben waren. Es 2. Oktober 1932, der Tag jährte si fünften Male gerade jetzt mit dem 90. tag des verewigten QeneralfeldmarscHal Reichspräsidenten, als diesem zu seinei i burtstage vom Reichsbund jüdischer daten das Gefallenen-Gedenkbuch ü wurde. Und vom 3. Oktober 1932 Schreiben zu Händen unseres Bundes1 den datiert, das folgenden Wortlaut ha: vo meinem Blumcnen herz- „Sehr geehrter Herr Dr. Löwen steint Dem Reichsbund jüdischer Fron Soldaten spreche ich für seine Glückwünsche zu 85. Geburtstag sowie für die schöne spende und das Oedenkbuch meir liehen Dank aus. In ehrfurchtsvoller Erinnerung an die auch aus Ihren Reihen für daß Vaterland gefallenen Kameraden nehme Buch entgegen und werde es meinet bücherei einverleiben. Mit kameradschaftliche n Oruß! von Hindenburg." <gt c ie Erst fünf Jahre, freilich sehr schicksalsvolle tahre, sind seitdem den Strom de inabgeflosstn. Wenn das jüdische das damals, im Oktober 1932, geweihjt die Gestalt eines Buches hat, so li vielleicht ein eigener Sinn. Man hat ja das „Volk des Buches“ genannt, heute jeder in der. Welt, der sich mit Fragen ernsthaft beschäftigt, von dies£ und der Opfertod der zwölftausend Söhne des Judentums in Deutschland Wertmesser für das geschichtliche worden. ■ Zeiten fjhrenmal, wurde, darin Juden Es weiß üdischen m Buch, gefallenen ist ein rteil gell mO Von diesem einzigartigen Ehrenma Gedenkbuch der Gefallenen, war sprechen, wenn der „Schild“ jetzt ii loser Folge Einzeldarstellungen der Ehrenmale veröffentlichen wird, wie d vorigen Nummer mit dem Hamburger mal von 1922 bereits geschehen ist. unserer Betreuung anvertrauten die Hinterbliebenen der O aber auch deren Brüder und Kamerad1 von hohem Wert zu wissen, wo ihrer teuren Toten in jüdischer P Denkmälern und Oedenktafeln erhall geehrt werden. Doch nicht allein einet Pietät an den toten Helden gilt es zu sondern auch eine Ehrenpflicht gegen nachwachsenden Geschlechtern! Das Sinn unserer Aufsatzfolge „Jüdisch« male.“ diesem üorab zu Abenteuerliche Geschichte einer Soldaten-Uhr e ersten des. Im i richtung einzelnen ten auf Tausend iuf dem war am ich zum □eburts- 11s und 85. Ge-?rontsollerreicht ist das rsitzen- Exakt wie das Räderwerk einer Uhr arbeitet auch das Räderwerk der Zeit, denn ein Geschehen greift in das andere, das Leben vorwärtstreibend. Das Dasein arbeitet mit feinster Präzision — wie die Uhr — berechnet in all’ seinen Bewegungen, in seinem Kreislauf. Wie ein Kreislauf vollzieht sich auch das menschliche Schicksal gleich einer fein ersonnenen Mechanik: w fang und Ende im Kreise!e die Uhr, die Anmißt; und das Sein reguliert die Bahn wie der Chronometer, der die Stunden anzeigt und Die Parallele zwischen nicht ntti, jedoch sie iit treffend geschaut und gezeichnet! Ein jede Meisterlied der Uhr: „Ich stets eine Uhr bei mir, wieviel es geschlagen Das Herz, habe, genau seh’ ich’s ai ihr“ der Regulator unseres Seins, unserer .Empfindungen, ist damit gemeint. AIso_ sei hier die Geschichte einer Ühy dem Gesetze des Kreislaii erzählt. Sie folgte ifs, ihre Schwingungen ruhten nicht, bis si: zudem, dem sie ursprünglich gehörte und Ti ich das Kriegslanger Trennung zurückfand. Es war im Weltkrieg 1918- In heißem de unser Kam. Karl Kampfe vor Bapaume wu ’ Meininger aus Hildesl eim, verschüttet und schwer verwundet. Als <r im Lazarett nach vielen bangen Stunden mm Leben zurückfand und mit neu erwachtem Bewußtsein Konturenund Gegenstände wieder erkannte, mußte er mit schmerzlichem Begreifen wahmehmen, daß sein lieber, allzeit i ereiter Weggenosse, seine Uhr, verschwunden die Zeit teilt. Leben und Uhr ist von uns kennt das trage, wo ich gehe, diente, nach jahrezwangjüdischen es in der Ehren- Für die egsopfer, ballen en, en ist es Namen etät auf Iten und Akt der erfüllen, ihren ist der Ehrenfiber i war. Und niemand vermochte, sie ihm zuiückzubringen. Karl Meininger konnte so bal 1 nicht wieder froh werden. Denn, der Verlust dieses liebgewordenen Gegenstandes, der weit über das bloße Maß des Dinglichen für ihn hinausgewachsen war, erfüllte ihn mit Wehmut und ehrlicher- Trauer. Die Trennung dieses treuen Begleiters durch Tag und Jahr, durch Trübsal und Freude, durch dunkle wie auch lichte Stunden, hinterließ eine Leere in ihm. Die Uhr war mit ihm an die Front gezogen, hatte auch in Not und Gefahr im Gleichmaß geschlagen, und nun, an der Grenze zwischen Tod und Leben, hatte sie ihn verlassen: ein Kamerad mit pulsierender Bewegungskraft, der gleich ihm durch Stunden und Jahre getrieben wurde, an dem sein Herz hing in der Gleichheit des lebendigen Rhythmus. Nun War diese Triebfeder aus seinem Dasein gewichen und die Zeit verlor ihren Takt. Doch vielleicht war diese Trennung doch keine endgültige! Die Uhr trug ja seinen Namen. Vielleicht würde, wenn die richtige Stunde geschlagen habe, die Vorsehung eingreifen und die Uhr den Weg noch zu ihm zurückfinden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.