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Der Schild · 1937-07-30 · 31 (30.7.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
31 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Der nnbekaimle tüdlsflie Soldat ..---■BmBMMflnMMB8S!l!IiniilllUIIII!ll nrnBffiiüivi'iumnHiiinifnnittiir.üsmHi Aus einem Kriegs-Tagehuch Von den! jüdischen Kameraden des Württ. Res.-Inf.-Regts. 119 war es ganz besonders Oskar W[e i ß aus Stuttgart, der wegejn seines vornehmen,Charakters und seiner steten Hilfsbereitschaft, vor allem* aber wegen seines tapferen Verhaltens sich nicht nur bei seiner 5. Komp., sondern auch bei anderen Regimentsangehörigen größter Wertschätzung erfreuen durfte. '■ Oskar Weiß kam am 6. Sept. 1914 als Gefreiter ins Feld, wurde am 5. Okt. 1914 zum Unteroffizier, am 14, Okt. 1916 zum Vizefeldwebel una nach Schluß des Krieges zum Leutnant dler Landwehr befördert. Schon am 25. Dez. 1914erhielt er das E-K. II. und später die ‘ Württ. Sifb. Verdienstmedaille. Nach beendetem Kriege war Oskar Weiß in der Regimentsvereinigung R.I.R. 119 und in der Ortsgruppe Stuttgart des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ein gern gesehener Kamerad. Er starb am 7. August 1930- Nun deckt ihn schon, sieben* Jahre der grüne Rasen. Seinem Andenken sollen einige Auszüge aus seinen eigenen Tagebuch-Aufzeichnungen gewidmet seip. I Kam. Hugo Davidsohn, Stuttgart Im Peld Vizefeldwe^el dl. Rea. 9. Komp. Res.-Inf.-R«|ts. N9* Sonntag, | 27. Sept. 1914. Morgens 4 Uhr Besetzung jvon Beugnv, 2 Stunden Ruhe in einer Scheuer, dann Absuchen des Dorfes nach Franzo-en, lalsdann Marsch nach Bapaume. Von hier Marsen nach Pozieres, wo wir abends 10 Uhr mit heftigem Gewehrfeuer empfangen wurden. Düs Dorf wurde von uns vorausgehenden Truppen mit Hurra genommen, dann zögert wir in das brennende Dorf ein. •' Wir lagerfen außerhalb und harrten am - Montag. 2Sj Sept. auf weitere Befehle. Gegen 40 Uhr mußte ich mit meiner Gruppe in die Schützenlinie, das war eine gründliche Feuertaufe. Die Geschosse surrten nur so um den , Kopf. Ich grub mich in den Boden ein und war dann Hoch etwas gedeckt. Um 2 Uhr ging der Fiind zurück, und wir nach, in das l)orf Ovillcks, das wir besetzten. Nachts begann entsetzliches Granatfeuer. Dienstag,!29. Sept. starkes Granatfeuer, viele Verwunderet einige Tote. Ich selbst verband in einem Hause, von <jem immer wieder ein Stück vom Dach weggeschossen wurde, etwa 8 Verwundete. Nachts erwarteten Angriff der Franzosen, es blieb 'aber ruhig. Mittwoch, 30. Sept. Fortgesetzt-starkes Granatfeuer agf das von uns besetzte Dorf. Donnerstag, 1. Oktober. Unveränderte'Stellung, in Qvtllers wieder starkes Grarjatfeuer. Von Donndretag. Nacht bis Freitag, den 2. Okt. früh hatte lieh mit meiner Gruppe Wäche am Dorfeinganjg-von Ovillers. es wurde nur einmal alarmiert. Schwaches Schützenfeuer. Freitag, 2. Okt. ist es bis 12 Uhr sehr ruhig und wir haben ein gemütliches Lebe,) in unserer Deckung," den ganzen Tag faulenzen wir herum und bringen tmsere Saöhen in -Ordnung. In de! Nacht auf Sonnabend« 3. Okt., wurden wir nicht ein einziges Mal: gestört und man Schlief sich,, wenn es auch l^alt war, in den Schützengräben gut aus. Wir lieben in in beschaulicher Ruhe, und lassen uns das, was wir haben, schmecken. | Sonntag, 4. Okt. bis 10 Uhr ruhig) Mittags starkes Art.-Feuer, niemand verwundet, nachts gingen Wir in Reserve-Schützenliniei an den Nordrand von Ovillers, sehr kalt aber ziemlich ruhig. Montag, 5. Okt. ging’s wieder in (die alten Stellungen in Ovillers zurück. Ich wurde zum Unt-ero|ffizier befördert, i Dienstag, 6- Okt. In der letzten. NächLhatte ich eine [schwierige Patrouille, beiT welcher ich starkes Feuer bekam. Ich löste meine Aufgabe gut und kam mit meinen Leuten unversehrt feurück. Trotz des starken Schützenmeii Sprung w<!erie-D sei feuers strebte ich zu gelangen, aber nicht mehr vorwärts und d: durch. Als ich ging ich si , einer Artillerie-! ter den zweiten 'Tagsüber konnte erhielt ich, nac Patr.-Gänge ohn: so weit ausgefüh t Resultat erreicht*, Verbindung mit hatte eine vollstäh war ziemlich weif aber nicht, bis kündet hatte ein gutes Resultat am Mittwoch, 7 zurück, wo dann frieden war und und Wicke für d Wie mich das fr« Ich mußte mei; Bataillon und au! und eine Skizze un 1 ts re Wir kamen geger Feldrabb. D vorwärts, um zum R.I.R. 121 ie Patrouillenbegleiter waren zu sehen. So ging ich allein Ir ang bis zum linken Flügel das Nötige erfahren hatte, weise zurück und fand in :ckung einen Mann und spä- Mann meiner Begleitung, ich mich ausruhen. Nachts :l idem ich meine bisherigen Rücksicht auf die Gefahr . hatte, bis ich das verlangte >, nochmals den Befehl, die R. 121 herzustellen. R 121 dig veränderte Stellung und von uns entfernt. Ich ruhte ch die genaue Stellung er- ‘ kam müde, aber erfreut, ■ zu bringen, gegen 3 Uhr Okt. morgens zur Komp. Lt. Gehring auch sehr zu-« mir sagte: „Ich werde Sie-’ j „Eiserne Kreuz“ eingeben, ute, kann sich jeder denken. Meldung noch auf dem dem Regiment wiederholen zeichnen. Dienstag, 17. Njv. war für mich ein schöner Tag. Abends vor ier wurde angesagt, daß in Miraumont für Israeliten Go t4 es dienst sei. Mit dem Freiwill gen Landauer aus Stuttgart begab ich mic h morgens 6 Uhr auf den Weg. 9 Uhr nach Miraumont, wo Emil L e v y aus Charlottenburg den G< ttesdienst abhielt. Wir waren mit anderen jüdischen Kameraden gemütlich zusammen, ginge, nach Pys, wo ich Rudolph (der spätere Dr. Rudolf Strauß) aufsuchte und über Coutpek tte und Pozieres ging’s dann bei herrlichem Wetter nach Ovillers zurück. mich des so schön ver- Gernerinnere ic brachten Tages. Donnerstag, 17 -woch Abend sc' Schaft angesagt heute früh gegen Dez. Nachdem am Mittlion erhöhte Gefechtsbereitwar, griffen die Franzosen 7 Uhr an. Wir blieben ruhig in unseren öräber, aber als wir durch Leuchtkugeln den Angriff erkannt hatten, da schossen wir und besond« re auch unsere Maschinengewehre, und als es Tag wurde, da lagen die Franzosen in dielten Haufen. Donnerstag, 2 L Dez. Sehr heftiges andauerndes Art.-F< uer. Wir fürchteten, daß die Weihnachtsabend dazu benützen wollen, uns zu überrumpeln, aber trotzdem wir den Ta f über ein_ Art.-Feuer hatten wie nie zuvor, : o war der Abend und die Nacht ruhig. Erhebend war es, als 5 Mann mit prächtigen St mmen das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Freien sangen, sodaß es trotz des zarten I ianos der Feind hören mußte. Die Nacht war sternenklar und mondhell und -rerlief dann wie er Erwarten ruhig. Freitag, 25. I )ezember wurde mir vom Battls.-Jcomm. Hptm. Frhr. von Ellrichshausen Kreuz“ überreicht. Dienstag, 29. Dez. war wieder jüd. Feldgottesdienst in h iraumont. Ich traf dort Rudolf Strauß und Dr. Viktor Rosenfeld Gablenberg. 31. Dezember Möge das Neue Jahr 1915 den Sieg und baldigen Frieden bringen. Mit diesem Wunsch: vereinige ich die Bitte zu Gott, mich gesund zu meiner I. Familie heimkehren lassen, und in der Hoffnung, daß ich heil und ge und aus diesem mörderischem Kampfe hervorj ehen möge, trete ich ein in das Jahr 1915._ % M. U LEINEN WÄSCHE UjNTERMAYKR - AUGSBURG^ HAUS UND WÄSCHEFABklK - AUSSTATTUNGEN jeder Preislage Auf Wunsch An jebot und Vorlage der Musterwahl ’ers&nlidie Beratung WU höHtsoUUdeH find deiHlebtUHQ'... Die drei geheimnisvollen Buchstaben ORT sind d e Abkürzung einer rieht umfangreichen russisc ien Bezeichnung für die T880 in St. Petersburg gegründete „Gesellschaft zur Förde, iwg des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden“. Lieber ein halbes Jahrhuidert reichen also che Anfänge dieser mzwisfhen international organisierten Vereinigung; urück, die ihren Ursprung der Einsicht jüdisch er Männer in die ungesunde jüdische Berufs^chichtung verdankt;: Männer, wejehe neben kraft gedach Anstalt lieh in der Einsicht auch die erforderliche Tat- 1 lesaßen. Es ist bekannt, daß die dem :en Zweck dienenden Einrichtungen und :n des ORT in Osteuropa — nament- Polen und Litauen — längst den Ruf von Musteranstalten genießen und eine s« gensreiche Wirksamkeit entfalten. Die (irundidee des ORT, daß die durch die Verhält tisse des Ghetto und die besonderen jüdisch :n Lebensbedingungen herbeigeführte Berufes ruktur ungesund sei und durch Berafsumsc lichtung verbessert werden müßte, ist auct bei uns im Reichsbund jüdische, Frontsoldaten seit langem lebendig; sie ist im „Schild“ seit Gründung unseres Bundes häufig entwickelt worden und hatte i n der Siedlung Groß-Gaglow bereits Gestalt gewonnen. Es ist daher wohl kein Zufall, daß in der „Abteilung Deutschland“ des Ol IT Kameraden unseres Bundes durch leitend« Mitarbeit ihr tätiges Interesse bekunden Vorsitzender des Vorstandes ist unser Kam. Wilhelm Grätz, der uns dieser Tage c ankenswerte Gelegenheit gab, Einblick in die jüngst eröffnete Lehranstalt des ORT für „h indwerkliche und gewerbliche Ausbildung i uswanderwilliger Juden“ in Berlin zu neh nen. Hier wird jungen Leuten Gelegenheit zT einer gründlichen praktischen und theoret sehen Berufsausbildung gegeben. Unter dem C esichtspunkt der späteren Auswanderung baut sich der 3 jährige Lehrgang auf ein: gründliche Schulung in der Schlosserei auf; nach dem ersten oder zweiten Semesti r folgt dann erst eine Spezialausbildung, für die drei Abteilungen zur Wahl stehen: die Abteilung für Gas, Wasser und sanitär' Anlagen, die Abteilung für Spezialmechat iker (Büromaschinen, Nähmaschinen- Fahrrä'ler u. a. m.) und endlich die Abteilung für El iktrotechnik. Geg« nwärtig besuchen die Berliner ORT- Lehranitalt 101 Jugendliche und 13 erwachsehe Umsch chter. Wer sie bei der Arbeit sehen konnte, durfte seine Freude haben. In den hellen mustergültigen Räutnen sah man sie in ihr« n blauen Arbeitskitteln am Schlossergerät, mit Feile und Hammer voll Feuereifer tätig; nan sah sie aber aiich beim theoretischen Unterricht voll Aufmerksamkeit im Klasse, zimmer hinter der Schulbank. Ueberdies is es den Schülern zur Pflicht gemacht, an Spiachkursen teilzunehmen und (was wir besond :re gern vermerken) Sport zu treiben. Leiter der Schule, Herrn Dipl. Ing. r : n d t, steht in der Person von Post- R. Dr. Feige ein hervorragender un für Elektrotechnik zur Seite, hat sich Regierungsrata. D. Dipl, e i I b o r n als ehrenamtliche Lehrkraft /( rfügung gestellt. Ueberdies ist als aus¬ C a 11 (und Schaft Rat mann mit seinem fachmännischen "at) in seiner bekannten Einsatzbereitstem gern zur Stelle. Wir können hier nur einen sehr summarischen Jeberblick über diese (wahrhaft fördemswerte und vorbildlich geplante Lehrstätte geben, die jüdischer Tatkraft ihre Entstehun; verdankt. Aber was wir an Eindrücken gewon ien haben, veranlaßt uns, sowohl solche Karne, aden, die selbst noch umschichten wollen als auch die Kameraden, die für ihre Söhne Umschau hatten, auf die Jüdische Lehrai stalt der ORT in Berlin aufmerksam zu ma :hen. H. W. 4

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