Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 31 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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rad$chaft, Selbstzucht für das Leben und für die Welt ertüchtigt. "Vor uns selbst .... und vor jenen, die nicht mehr unter uns sind, vor ihnen, die in den Massengräbern bleichen oder die der Efeu der Ehrenfriedhöfe deckt: vor ihnen wollen wir, Jung und Alt, so ryin, so sauber, so ehrenhaft, so würdig unseres Judentums dastjehen, wie sie selbst, die auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Das ist unsere Schuld an sie. Das ist die verpflichtende Aufgabe, die uns ihr Vermächtnis auferlegt. * Kam. Dr. H. W. Nach der Unterhausdebatte Militärische Vergangenheit — militärische Zukunft in Palästina Der englische T eilungsplan für Palästina, den wir vor zwei Wochen (Nr. 29) vom- Standpunkt jüdischer Frontsoldaten beleuchtet haben, war Gegenstand einer ausführlichen Debatte im Unterhaus. (Lieber die yorausgegangene Oberhaus-Debatte wurde _ kurz; in der letzten Nummer berichtet.) Die ~ Aussprache endete nicht mit der endgültigen Annahme der vorgelegten Regierungserklärung, sondern mit einen Beschluß dahin, daß ] die Vorschläge der Königlichen Kommission dem Völkerbund vorgelegt werden jnögbn, damit die britische Regierung in die Lage versetzt wird, nach entsprechender Prüfung dem Parlament einen Plan zu unterbreiten, "der alle Empfehlungen der Kommission voll berücksichtigt. Damit ist die in der Regierungserklärung vom 8: Juli vorgezeichnete neue Palästina- Politik Englands nicht grundsätzlich berührt worden, Wohl aber haben die unmittelbaren Vorschläge der Regierung einen Rückschlag erlitten; der Kolnmenministef wird nicht in der Lage sein, vor der Mandatskommission des Völkerbundes am 30. d. M. einen vom englischen Parlament genehmigten Plan zu vertreten. M^n darf es von jüdischer Seite begrüßen, daß damit Zeit gewonnen ist, um Korrekturen an den Teilungsvorschlägen vorzunehmen, oder aber sie durch andere Vorschläge zu 1 ersetzen; hierfür wäre freilich eine arabisch-jüdische Verständigung'- erforderlich. Die in jeder Hinsicht für jeden Juden fechi interessante Aussprache >m Unterhaus erbrächte insbesondere verschiedentlich auch Gedanken und Hinw’eise, die in das soldatische Gesichtsfeld fallen. So erinnert^ der Kolonienminister Ormsby-Gore, daß auf Grund des Versprechens eines jüdischen Nationalheims in Palästina Juden z. B. aus hen Vereinigten Staaten, die damals noch nicht! im Kriege standen, sich in die britische ArmHe einreihten, um in Palästina zu kämpfen. Er Erinnerte aber auch die Araber daran, daß sie ihre Unabhängigkeit nicht erreicht hätten, wenn es in Palästina nicht 10 000 britische Gräber gäbe und noch viel mehr im Irak. Selon während der Rede des Ministers wurde an diesen von Winston Churchill die frage, die von uns bereits als eine Kernfrage herausgestellt wurde, gerichtet, ob er etwas über Verteidigung sagen wolle, welches die Methoden der Verteidigung in dem jüdischen und in dem arabischen Staat sein sollten und welche Verpflichtungen England zur Verhütung eines vorbereiteten bewaffneten Zusammenstoßes zwischen den beiden habe. Ddr Redner der Oppositionspartei, der sich gegen die Annahme des T eilungsplanes Wandte, führte unter anderem aus, wenn man j einen Judenstaat von weniger als 2000 Quadhatmeilen als die Erfüllung der gegebene», Versprechungen ansehe, dann sei es bedätierlich, daß diese Versprechungen nicht lange vorher deutlicher gemacht worden seien; man bedenke die Wehrlosigkeit des Jüdischen Staates in Zusammenhang mit der [Unzufriedenheit bei den Arabern. Ein anderer Oppositionsredner bemerkte, die gegenwärtige Regjerungspolitik bedeute auch eine Verstopfung des Sicherheitsventils der Judenfragi: in Europa. Demgegenüber bemerkte S r Arnold Wilson, es sei nicht zu hoffen, dtß auch das größtmögliche Palästina meli r als 10«/o des Uebersehusses der Juden, in der Welt aufnehmen könnte; Judenfiage und P a 1 ä s t i n a f r a g e seien ven chiedene Dinge. Die Stimme der ehemaligen jüdischen Palästina-Frcntkämpfer auf englischer Seite brachte in Unterhaus James de Rotschild zu Gehör, der folgendes Telegramm des Komitees eh :maliger jüdischer Soldaten in Tel Aviv verfts: „Jüdis:he Soldaten haben sich um die britische Fahne aus allen Ecken der Welt auf der Ruf der Balfour-Deklaration hin geschart, Ehemalige Angehörige , des .38., 39. und 40. Bataillons der Kgl. Füsiliere, die in Palästina und Transjordanien geföchten haben, sowie ehemalige Angehörige des Zio listischen Korps, das auf Gallipoli gekämp: t hat, bitten Sie, dem Hause ihren vollen bitteren Protest über Vertrauensbruch , nd grausame Vereitelung des Jüdischen Nationalheims zu übermitteln.“ James <e Rothschild selbst bemerkte nach scharfer 1 Critik. an der Mandatsverwaltung und der f ommission: wenn die Regelung die Araber n cht endgültig zufriedenstelle, so würde der Kampf fortdauern mit dem einzigen Unterschief, daß der Krieg ebenso von außen vie von innen kommen könnte. Am stärksten stellte das militärische Kernproblem c es Teilungsplanes Winston Churchill be seiner Kritik heraus, ein Staatsmann, der sehr genau weiß, daß Wehrfragen das Grunrielement aller Politik sind! Schon aus militärischen Aspekten, so erklärte er, ergäben s ch die schwersten Besorgnisse. Es soll in Palästnia zwei souveräne Staaten geben. Der eine (jüdische) reich und klein, dichter be rölkert als Deutschland, mit einer pro Quadr itraeter doppelt so starken Bevölkerung wie I :rankreich und umgeben von einem nach Bagdad sich erstreckenden Bergland. Zwischen diesem jüdischen Staat und dem arabischen Königreich solle England eine Anzahl höchst strittiger Positionen unter gegenwärtig ganz unbestimmten Verantwortungen halten. Bis jetzt habe man keines der wichtigen Date t bekommen, auf Grund deren das Haus sich endgültig auf das Prinzip der Teilung festle;en könne. Von Churchill kam sodann der Antrag, der in «iner auf Vorschlag von Lloyd George riwap abgeänderten Form das eingangs von uns wiedergegebene Ergebnis der Unterhauss tzung bildete. 'Churchill hat inzwischen auch in einem Zeitungsau satz seinen Standpunkt zu dem Teilungspli n genauer Umrissen. Wir geben ihn, im Aiszug der Jüdischen Telegraphen-,. Agentur w ieder, weil darin gerade die wehrpolitischen Gedanken unterstrichen werden, die .wir s:lbst im Leitartikel des „Schild“ vom 16. 1937 angeschnitten hatten. Der| ITA.-Bericlit lautet wörtlich: In eiiem im „Evening Standard“ veröffentlichten Artikel bezeichnet Winston Churchill den Teilungsplan als das Ende des zio tiätischen Traums. Der den Juden zugewic sene Landesteil habe schon jetzt eine Bevölkerung von 140 Seelen auf den qkm, 11 also so dicht bevölkert, wie Deutsch land oder England, doppelt so dicht wie Fr inkreich. Der Gedanke eines Nationalhelms als Zufluchtsstätte für die bedrängte! Juden so vieler Länder habe damit keine Zukunft mehr. Die Reibungen zwische l Arabern und Juden würden auch auf den verkleinerten Gebiet des Nationalheims ortdauern. Mit besonderem Nachdruck veist Churchill auf die Kriegsgefahr hin, der der winzige Judenstaat, umgebe i von Ländern, in denen kriegerische , xraber wohnen, dauernd ausgesetzt werde. Der jüdische Staat müßte, um sich zu halt« n, bis an die Zähne bewaffnet sein. Das beieutet wieder die Gefahr des Einbruchs der jüdischen Armee in die angrenzenden unerschlossenen Gebiete. Beide Möglichkeiten bedeuten für die britische. Garnison und Verwaltung in der neutralen Zone größere Gefahren als die, von denen sie jetzt angeblich befreit werden sollen. Zum Schluß erklärt Churchill, England werde, falls die Teilung durchgeführt wird, Palästina vielleicht räumen müssen, weil es diese große Verantwortung nicht tragen könnte. Um den Ueberblick über die wehrpolitischen Gesichtspunkte zu vervollständigen, sei hier i ochmals auch auf die Palästina-Debatte im Oberhaus zurückgegriffen; dort sprach Lord Strabolgi im wesentlichen über die militärische Seite des Teilungsplanes. Eine militärische Autorität, so teilte er mit, habe ihm ersichert, Palästina (d. h. in der ungeteilten Form. D. Red.) könne mit verhältnismäßig kleinen Streitkräften, etwa fünf oder sechs I lataillonen und den notwendigen Fhiggeschwai lern, gehalten werden, wenn klar gesagt werden würde, daß England sein Versprechen! inlösen»wolle. Es gäbe tausende junge u d e n in Europa, die Not leiden. Wir sollten Ihnen, so sagte Lord Strabolgi, die Tore Palästinas öffnen, damit sie die Garnison der Zukunft bilden können. Viele von ihnen vürden Soldaten werden wollen. Man solle ihnen erlauben; sich zu bewaffnen und zu erteidigen. Das wäre die einzige Alternative im Interesse des Britischen Empire. Vom mili- ' ärischen Gesichtspunkt sei der Teilungsvor- : chlag gänzlich unbefriedigend. Weiter fragte .ord Strabolgi den Luftfahrtminister, ob bei lern Plan die Ansicht militärischer Fachkreise eingeholt worden sei. Er beürchte, daß man dies — und zwar nicht um ersten Mal — übersehen habe. In drei > »der vier Jahren werde man Palästina, wie > r glaube, wieder erobern müssen, wenn es i n einem weit schlimmeren Zustand sein werde : ls heute. Der Luftfahrtminister antwortete darauf und äußerte unter anderem: die strategische Lage des jüdischen Staates sei berücksichtigt worden, irgendwelche Unruhen würden sofort und nachhaltig unterdrückt werden; er ging weiter auf die Fordei ung nach unbeschränkter jüdischer Einwanderung ein: eine solche bis auf die Zähne I «waffnete Einwanderung würde weder mit dem Mandat vereinbar sein, noch dem Frieden i lienen. » Wenn wir damit unseren Bericht aus den i 'arlamentsdebatten abschließen, so sind wir i ins durchaus bewußt, keinerlei umfassendes i ind vollständiges Bild von den für und wider den Teilungsplan angeführten Argumenten der; ahlreichen Redner gegeben zu haben. Es;ann dies auch nicht die Aufgabe unseres Haltes sein. Aber es schien uns wertvoll,; Ile angeschnittenen militärischen Fragen i inmal aus der breiten Diskussion herauszui chälen und gesondert wiederzugeben, so daß i lamit der wehrpolitische Aspekt der naheni len Entscheidung über Palästina in seiner : undamentalen Bedeutung vor den , lugen jüdischer Leser scharf und klar herustritt. Und zwar sowohl was die Vergangenheit betrifft, an deren Beginn der : oidatische Einsatz der Jüdischen Legion stand ■ vie vor allem, was die etwaige jüdische Eigen- : taatlichkeit in der Zukunft anlangt. Im übrigen: Wir möchten nicht, daß unsere Meinung mißverstanden wird! Soldaten sind I :eine Freunde einer Haltung, die sich in lauernden Protesten erschöpft. Eine solche laltung ist unfruchtbar und kann der Welt »ei steter Wiederholung nicht imponieren, -rontsoldaten sind dafür, daß gestellte Aufraben beherzt angepackt werden. Das gilt m gegenwärtigen Augenblick für Palästina ind den Peel-Vorschlag. Wir sind aber freiich auch der Meinung, daß man sich Aufgaben, vor die man gestellt wird, vorher mit klarem Blick sehr genau ansehen muß, daß man ihre entscheidenden Probleme deutlich erkennen und die Kräfte überprüfen muß, die ihre Lösung erheischt. — 2