Mannheim
Compact Memory

Der Schild · 1937-07-16 · 29 (16.7.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
29 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4911661-5448596-5449687--113-4916244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

besondere sieht der Peel-Bericht eine starke Vermehrung der berittenen englischen Polizeitruppp vor. Der vor» jüdischer Seite gemachte Vorsdhiag. daß die’Juden bewaffnet werden soiltei. wird ausweichend beantwortet. Die Annahme sei begründet, daß sich in jüdischem ♦-hesitt, ebenst, wie in arabischem, geheime Watten in '.großer Menge'befänden. Die Juden könntjn nqch englischer Feststellung zehnt a u s e n dj a u s^ e b i i d e : e Man n für den Kriegsfall -teilen und überdies eine*.Reserve von 4i> ‘Mar.n autbrinten. Diese Feststellungen nehmen wir m:t besonderem .Interesse zur Kenntnis, da der wehrp-.diiischen Seite vor utt.-erc Auimerjvsamkeii'gehön. iß: Wenn ent Judi-cner Staat mit jüdi- Zust rnmun. einmal Wirklichkeit werden . >c#-mußte er. vb seine Grenzen enger - oder \ieitet gezogen -e.n nt-/gen. eine Groß- „macht d t r. A ' i eit u n'd des Geistes l/.u werdeiglda- Ziel haben. Wir würden dein •Lanzen Judentum v. un-u.',eii. daß aus dem Boden:dte-«B Stäa'e« strhupferische L e i - Cic.i scher >oiite. s t u r g e i'; :=i J*: ‘ic:en menschlicher Kultur! e p\k >UT. . a.;t die es mit Stolz blicke:) k a f. n. ln d / -ahk-r k>»n n.n \v ir un> mir \qr- 11 j jc n. ti.t. . ci n judb-cnes Staats« zsen «i;i Fakt <>r fuc > r- < r i u d e r. - nach außen und innen j-c u; irde. \): .•;n die S, i-_nuiigcn des Friede ji-. 4c l; u r.. :JC a ir lud' iii ersehnen, koi.neij nur t r I'. ■!:: i k de« Friedens e»i- •V ' r d t :c, >: ptra i t un» Front- Mudatein »vijr k:ar man notfalls in dt“ I >v IN rr :. r. den Frieden zu > c h u 1 / t Wir ha; Dell i i.i« d er Geschichte gelernt^ da A auUt kleine ftaatsgehilded die. Uiehrgtoat.ken durchdrungen, ihre Wehrkra:t_ /ii eritlu Lkeln w.t.ueii. meist zur Selbstbehauptung und /um’ A.i-bau ihrer Lebensp..i::i>c:le:i machte imstande wartn. Vier wehrpolitisch etwas lirizusetzcn ha?, dessen Friedenswillen un<l L^re \firJ am ehesten respektiert. Darum wird, seit je, wenn im ..Schild“ von Parlä-tiija die Bede war. der Gedanke d e r \X e h rlh a i-t i g k e i t in den Vordergrund geruckt. Le. wurde seit langem der (von inanch-dn aijdenn Seiten leider nicht immer verstandene! Hinweis stets wiederholt,- daii zu einer grplG abgelegten Kolonisation unbedingt auch > der soldatische Selbstschutz gehöre, und daß die jüdische Position in Palästina in den) Augen aller Beteiligten, namentlich Englands, nur um so stärker und wertvoller erscheinen müsse, als dahinter auch ein wehrhafter Wille stehe. Erst der letzte Araberiufstand, dieses blutige Jahr, hat der allgemejinen Erkenntnis zqnj fäurchbmch verholten, i was Wehrpolitik bedeutet, und mit der bevorstehenden jüdischen Staatsgriindung tritt dipse Bedeutung - so hoffen wir — in das Zentrum jüdisch-politischen läenkens und ' Planens;, Man 'braucht sich strategisch nur die vorgkschlagene östliche G r e n z zä e h u n g des neuen Staates ins Bewußtsein zu rufen .. .! Hiermit berührenwir einen" Punkt des Teilungsplänes, in welchem wir uns, zu eigener Stellungnahme veranlaßt sehen. Und diese kann vom Gesichtspunkt der militärischen Verteidigung nur kritisch sein, wenn man an die den Juden zugedachten, landwirtschaftlich gewiß ergiebigeren Ebenen und dagegen an die den Arabern zugedachten, strategisch ungleich günstigeren Gebirgszüge denkt, welche die Grenze bilden sollen. An allen Landgrenzen umklammert von arabischen .Staaten, würde das jüdische Staatsgebiet, auch bei überlegener Kampfkraft, sich in einer recht ungünstigen Lage befinden. _ heit zu verweisen; in den Massengräbern und auf den Ehrenfriedhöfen schlummern die Tausende Juden ln aller Welt, die ihre Pflicht bis zum letzten Hauch erfüllt. Nach dieser blutigen, ehrenvoll bestandenen Bewährungsprobe dürfen die Frontkämpfer des Großen Kruges erwarten, daß ihnen in einem künftigen jüdischen Staate, mit dessen Vorgeschichte di: Jüdische Legion*) unlöslich verknüpft ist, die jüdische Mannschaft in nichts nachzi stehen gewillt wäre; und von einer kommenden jüdischen Staatsführung dürfen wir erwart :n, daß sie sich stolz bewußt ist, über ein soldatisches Material von solcher moralischen und körperlichen Leistungsfähigkeit zu verfügen. Gewiß würde ein jüdischer Staat in Palästina auf starke Rüstung bedacht sein müssen. Eine >tarke und moderne Armee erfordert erhebliche Mittel. Andererseits wissen auch wir, daß ein jüdisches Staatswesen, um seinen eigentlichen Aufgaben gerecht zu werden, seine materiellen Kräfte aufs äußerste für die Zwecke der innen n Kolonisation, der Siedlung und wirtschaftlich.:n Erschließung anzuspannen hatte. Wir sind aber der Meinung, daß Investitionen dieser Art unbedingt auch die Aufbringung entsprechender Mittel zum militärischen Schutze erl ordern. Dies gilt, wie dort die Dinge liegen, gerade für Palästina. Ein;üdisches Staatsg« bilde, das zu klein und schwach sein würc e, um den soldatischen Notwendigkeiten gleichzeitig mit den kolonisatorischen Rechnung t agen zu können, wäre eine gefährliche Angelegenheit. Man müßte davor ivarnen; in erst er Linie im Interesse seiner ßewöhner, sodann aber auch im Interesse des ganzen Judentums, auf das letzten Endes das scheitern einer jüdischen Staatsgründung zufückfallen würde. Wir jüdischen Frontsoldaten des Großen lege* können tati einen jüdischen Staat, —- enn er Wirklichkeit wird, nicht anders erstellen als im Zeichen der a 11 g e m e i - en Wehrpfli:ht! Denn wir wissen aus eigenster Erfahrung, welch’’ unersetzliche Beeidung dem allgemeinen Wehrdienst für die usainmenschvveiß ing einer Staatsnation jenseits aller Partei- und Klassenunterschiede jnnewohnt, welche Bedeutung er für die unmittelbare Bindung des Einzelnen an die Geleinschaft uijd welchen einzigartigen Wert he Erziehung für die eine s o 1 d a t i s c lugend hat. )ie religiöse Forderung Noch Eines liegt uns jüdischen Frontsoldaten für die jüdische Zukunft in Palästina so sehr pm Herzen, daß «s heute bereits ausgesprochen cei. Wie die Weh pflicht ein erprobtes Mittel /egen alle etwaigen Zersetzungstendenzen und Inneren Zwistigkeiten ist, indem jedes einzelne wehrfähige Glied einer Gemeinschaft unterschiedslos zu ceren Schutz und für deren ähre herangezogen wird, so ist ein anderes — und für uns J uderi wohl das stärkste — Bindemittel unserer Väter Glaube. Er allein hält uns Julen in der Verstreuung seit 2000 Jahren zusammen. Zu ihm bekennen sich auch diejenigen Kreise in aller Welt, die ihre Zugehörigkeit zun Volke der Bibel nicht im sinne einer politi »ch-nationalen Bindung auf- Der Wehrgedanke Wir Söhne des Judentums haben im Weltkrieg zu mehreren Hunderttausenden in allen Armeen als Frontsoldaten zu Lande, zur See und in der Luft unseren Mann gestanden. Durch Beförderungen, Kriegsauszeichnungen aller Nationen, durch Einzelleistungen überdurchschnittlicher Tapferkeit wurde vor dir Welt bewiesen, was wir als Soldaten sind. Tausende und Abertausende in allen Ländern brauchen nur stumm auf ihre zerschossenen Knochen, ihre zerrüttete Gesundnassen. Was uns hier die künftige Rollü gegangenen Lehrt Staates zukommpi uns ein jüdisches gion Privatsache nur den gerings losigkeit“ gäbe, stellen. Bei für Angehörige Staats religi« Jüdische Religion schiedenen jüdiscl größt *) Wir verweisen dUcfae Legion’* voo Dt Nr, 4. in welcher Ort dergestelh and eadt JfidUchea Leger < te aafgez igt im Herzen liegt, ist daher welche der von Zion ausim Leben eines jüdischen n müßte. Wir vermögen Staatswesen, in dem „Reliwäre, und in dem es auch Raum etwa für „Gott- »chlechterdings nicht vorzuter vorbildlicher Toleranz anderer Bekenntnisse kann n nur das Judentum sein! schlechthin, jenseits der verreligiösen Richtungen! Wenn ten in der Lände n Verstreuung das Judentum in den n, in denen es lebt, Duldung und Schutz für sefce altehrwürdigen Ueberzeugungen und lieber ieferungen heischt, dann müssen diese wohl in einem jüdischen Staat Lebern gesetz sein. Das ist unsere jüdische Fordeijung, die wir heute nur kurz anmelden und deren Erfüllung uns Frontsoldaten die Gewähr geben würde für den fischen Ewigkeitswerten erfüllten Geist, jüdischen Palästina die Anbetung in irgendwelche.Ismen" geklei- 1 jötter ausschließt. wollen zugleic h von jü der ir i falscher, deter Die , \uswanderungsfrage Und schließlich stellt sich uns bei dieser unpolit sehen Betrachtung der Wende in Paläa. auf die Veröffentllchonl „Die JA- Wolfgaof von Wellt lra ..Schild“ 1936 I idoad. Leistung und Ende der Legion Gegenkräfte gegen die Legion im stina i ine Frage, die im Augenblick vielleicht toch stärker als jede andere gerade uns au den Nägeln brennt. Was bedeutet der Peel-Bericht und der englisci te Teilungtplan für unsere AuswanderungSM rgen? Zunächst, wie schon erwähnt, legt er die Ge >amteinWanderung für die nächsten 6 Monate auf höchstens 8000 fest. Sollt« inzwischen der englische Teilungsvorschl tg Wirklichkeit werden, so würde der entsteh :nde jüdische Staat nach den uns genannter vorläufigen Schätzungen etwa 5—6000 qkm unfassen; dies würde etwa einem Drittel des Lai des Baden oder dem öfachen Flächeninhalt von Berlin entsprechen; das Land Oldenb trg hat beispielsweise rund 6400 qkm. Wir j eben die Schätzung mit allem Vorbeh tlt wieder. Ueber das Fassungsvermögen für Neueinwanderer besteht n< ch kein klares Bild. Die Bevölkerungsdichte turopäischer Industriestaaten darf man natürlic l nicht zugrundelegen. Ein Land kann nur so iel Menschen in sich aufnehmen, als seine VI irtschaft zu ernähren imstande ist. Anderenfa 1s muß es in Ruin geraten. Dies würde naturge näß auch im Falle einer Verbesserung der Gi enzziehung Geltung haben. Im Lalle der Ablehnung des Teilungsvo Schlages ist im Peel-Bericht vorgesehen, , laß für die nächsten 5 Jahre eine Begrenzur g der jüdischen Einwanderung in Palästina a if 12 000 Menschen in jedem Jahr Platz g'eift. Hinzu treten Maßnahmen gegen den Bc denerwerb. Mißt man diese Aussichten an der bestehenden Notwendigkeit zu jüdischer Auswanderung a ts Ost- und Mitteleuropa, so ergibt sich, da 1 Palästina in jedem der hier genannten Fäll: ein höchst wichtiges Einwanderung« jebiet bleiben würde, daß es aber in kein« m der möglichen Fälle dem Ausmaß und de n Druck des akuten Wanderungsbedürfniss s allein gerecht zu werden vermag. Weil wir das Auswanderungsprob 1 : m für die Juden Deutschlands seit g« raumer Zeit ln seiner ganzen Tragwei te erkannt und ohne parteilich vorbesti nmte Meinung streng sachlich gewertet f aben, wurde m diesen Blättern immer wieder warnend die Stimme erhoben, alles auf die eine Karte Palästina zu setzen. Insbesonde e seit Beginn der Unruhen haben wir unsere , «uffassung, unsere Warnungen immer schärfer akzentuiert. Bereits am 24. April 1936 schriebe t wir beim ersten Auff lacken! des Araber-/ ufstandes; „Allein, die traurigen Vorgänge I leiben als Sturmzeichen! Sie geben «enen Recht, deren Verantwortungsgefühl s;ets von einer einseitig gefühlsbetonten Pro| iagierung und Behandlung des (Komplexes £ ewamt, zu einer objektiven illusionslosen B«handlung der Dinge gemahnt Haben. Damit e t nichts gegen Palästina gesagt,! wohl aber gejen etwaige verhängnisvolle Fehl-Investierui gen jüdischer Kräfte, Mittel und Möglich!leiten, die man nicht nur auf diese eine Karte setzen darf.... Eine Lai;e wie die, in der sich unsere jüdische Gruppe in Deutschland befindet, kann Illusionen geradezu zu einem Verhängnis machen.“ Jnd am 22. Mai 1936 führten wir, um unte vielen nur noch diesen einen Aufsatz zu zitiei en, aus: „Die Auffassung, daß eine ir. ,-Sk». Ht ♦

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.