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Der Schild · 1937-07-09 · 28 (9.7.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
28 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Die Sonne sendet inbarmherzig hre heißen Strahlen in die Straß :n und Häuser jder Großstadt. Müde und du ch die große Hitze mitgenommen betritt eil altes.Mü terchen schon lange vor Beginn der täglichen Sprechstunde für Kriegsopfer die Oeschä t$stelle des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten. Nach wenigen Sätzen der alten Frau ist die jahrelange Täti jkeit erfahren im Bilde. Auf sein: Fragen Besucherin: „Ich haie zwei ctremimi jder durch Kamerad die im Felde rifüher gihg :n ein gütige mein» sitze nichts »gewandert, jLebensmögverloren; ich erhalte keine Rentees mir wirtschaftlich gut. wir hat gehendes Geschäft. Nach dem Mannes ging es h :rgab. Ich mehr. Mein dritter Sohn ist ai um sich auf fremder Erde neue lichkeiten zu schaffen“. Das vom Reichsbi nd jüdischer Frontsoldaten herausgegebene Gi fallenengedenabuch gibt Auskunft über die Wahrheit der! Angaben der alten Dame; ein Telefongespräch mit dem Jüdischen Wohlfahrtsamt bestätigt jdie Hilfeedürftigkeit der fast Siebzigjährgen. Da die Gewährung einer Fente infolge Fristversäumnis unmöglich ist, wird an dar [zuständige Versorgungsamt ein Antrag auf e n« einmalige Unterstützung aus dem Unterst üfeungsfonds gestellt. Die alte Dame wird daijauf hingewiesen, daß bei anhaltender Bedürftigkeit der Antrag an das V ersorgungsamt j wiederholt werden kann. Ein beinampi tierter Kajmerad löst die Kriegermutter ab. Wiederholte Nachoper rationen haben den Stumpf bedeutend verkürzt. Infolge der großen Hitze hat sich ein starkschmerzendes Ekzem auf de n j Beinstumpf gebildet. Die als Dienstbeschä^igung anerkannten neuralgis :hen Schmerzen] haben — wie aus dem Zeug lis des behandelnden Arztes hervorgeht —"an Umfang bedeutend, für den Patienten fast un srträglich —! zugenommen. Der anwesende ärztliche Leiter der Kriegsopferabteilung rät, den Antrag auf Gewährung einer Badekur zu stellen, damit die Arbeitsfähigkeit des Kameraden wiedprhergestellt wird. Sollte der Kur nicht dir [erwünschte Erfolg beschieden sein, dann müßte ein Antrag auf Erhöhu ig der Rente j ivegen Verschlimmerung dei anerkannten | Dienstbeschädigungsleidens ge stellt werden, i I Die Tür schlie Jt sich hinter! dem Schwerkriegsbeschädigtei i. Eine Wjtwe, deren Mann an den Folgen seiner Kriegsverletzung erst lange nach dem Kriege Verstorben ist, stellt ihre 12jährge Tochter Vor Auf dringendes Anraten <es Arztes soll diese infolge, allgemeiner Körp trschwäche sofort eine Kuranstalt an der 5:e auf suchen, pas Jüdische Wohlfahrtsamt is: von der Mutter und dem Arzt bereits verständigt. Die;Kfiegsopferabteilung'der Ortsgruppe erklärt sich nach Rückfrage beim WoHfanrtsamt bereit, eine Beihilfe für den K iraufenthalt an | dieses zu zahlen, und venucht auf diese i Weise, das schwere Los d«r Kriegerwitwe wenigstens etwas zu mildern. I Ein kriegsbesc! lädigter Kamerad erkundigt sich nach dem!Itand seines R^ntenve rfahrens. Es v ird ihm mitgeteilt, daß die Akten an die lundesleitung: nach Berlin weitergereicht si td, weil die; Angelegenheit vor dem Reichsversorgungsgeificht verhandelt wird. Der Sacht earbeiter der] Bundesleitung hat bereits Einsicht in die amtlichen Versorgungsakten nehmen können uhd hat den bestimmten Eindruck gewonnen,1 daß der Bsn- . fung der Erfolg aient versagt sein wird. Der Kamerad kann ül »erzeugt sein, daß seine Vertretung in den bisten Händen liegt. Ein andere Kamerad [ glaubt, Anspruch auf Rent: aus dem Kriegs-Personenschäden-Gesetz 2 u haben. Er [ hat den beratenden Kamerad« n schon oft lin der Sprechstunde aufgesucht. Viele Briefe! an vermeintliche Zeugen de betreffende^ Vorfalles sind geschrieben worcen. Die Kriegsppferabteilung nat sich auch a n die damals J behandelnden Aerzte gewandt. Mancher Brief ist unbeantrückstand gelangt. Klage, vjenn nicht Äus der Tagesarbt it einer großen Ortsgruppe . i wo riet geblieben, andere ergaben eüi völlig unklares Bild; die Aerzte konnten Vieh infolge der über 15jährigen Zeitspanne jan den Patienten nicht mehr erinnern, zumal pie ihre Aufzeichnungen so lange Zeit nicht; aufbswahren- Auch heute muß der Kameijad und zwar mi allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß ein Antrag unten diesen Umständen zwecklos erscheint, und Idaß er, falls er nicht selbst beweiskräftiges Material schaffen kann, nichts Unmögliches verlangen darf. [ Eine Kriegerwitwe ist infolgef’andauernder Krankheit bei ihrem Hauswirt in Miets- Der Wirt droht [ihr mjt die Miete pünktlich gezahlt und Abschlagszahlungen auf die Rückstände geleistet werden. Die Frau isf infolge Krankheit und wirtschaftlicher Not dufgeregt und ist dem Hauswirt nicht in der sbnst allgemein { blichen Form gegenübergetr^ten. Die Kriegsop Ferabteilung schaltet sich [ein; sie setzt sich mit der Beratungsstelle dpr Synagogengemeinde in Verbindung. Es ist zu hoffen, daß diese in Verhandlungen mit dem Hauswirt eine Einigung erzielen wird; auch hierbei wird die Kriegsopferabteilung der Ortsgruppe im Rahmen ihrer Mitfel finanzielle Hilfe leisten. Etwas beruhigt»- verläßt die Frs u das Zimmer, und die Erfahrung lehrt, «aß auch in diesem Falle [geholfen werden wird, selbstverständlich unter; der Voraussetzung, daß die Miete in Zukunft pünktlich bezahlt wird. | Ein Schwerkriegsbeschädigter Kamelrad erscheint mit dem Kündigungsbrief seiner Firma, bei der er schon über 10 Jahre zu ihrer bisher vollsten Zufriedenheit tätfg ist, und bittet um Rat, wird darauf hingewiesen, daß er in seiner Eigenschaft als Schwerkriegsbeschädigter bei der Firma angestellt wurde und daher auch ati Jude in vollem Umfange den Schutz des j Gesetzes über die Beschäftigung Schwerkriegsbeschädigter [in der Fassung vom 12- 1. 1923 mit allen amtlichen Ausführungsverordnungen und Durchführungsanordnungen des Herrn Reichsarbeitsministers genießt. Dem schwerbeschädigten Kameraden kann nur mit Zustimmung der Hauptfürsorgestelle gekündigt werden. Da diese Zustimmung vor der Kündigung nicht eingeholt worden ist, ist diese rechts unwirksam. Ein diesbezügliches Schreiben wird an die Firma unter Abschrift an die Hauptfürsorgestelle gerichtet, damit diese unterrichtet ist, falls die Firma den Kündigungsantrag später doch noch stellen sollte- Der Kamerad kann versichert sein, daß ihm für diesen Fall die Hilfe der Kriegsopferabteilung der Ortsgruppe zuteil wird, daß aber auch die amtlichen Stellen die Interessen des Schwerbeschädigten gemäß den Bestimmungen des Gesetzes mit allem Nachdruck wahrnehmen werden. — Dankbar verabschiedet sich der Kamerad. Ein Blick auf den Tischkalender zeigt, daß am kommenden Tage Termin vor dem Versorgungsgericht ansteht, und daß daher eine nochmalige Aktendurchsicht vorgeppmmen werden muß. Zwei Stunden Sprechzeit können nur einen kurzen Aufriß aus der .praktischen Arbeit unserer Kriegsopferbetreuung zeigen, bei der uns insbesondere unsere Aerzte- Kamer a d e n wertvolle und selbstlose Hilfe leisten. Die von uns betreuten beschädigten Kameraden, die Kriegereltern, -Witwen und -Waisen wissen aus eigenster Erfahrung, daß uns dieser Zweig unserer Arbeit nicht nur Pflicht, sondern aufrichtigste Herzenssache ist. Aber auch der Außenstehende soll erfahren, daß uns für unsere Kriegsopfer keine Arbeit, keine Mühe und auch keine Kosten zu groß sind, um diesen Menschen, die in schwerer Zeit schwerste Opfer gebracht haben, im Rahmen des Möglichen zu helfen. Es gereicht daher den Landesverbänden und Ortsgruppen des Reichsbundes zur besonderen Freude und Ge-' nugtuung, daß weiteste Kreise der jüdischen Kriegsopfer ohne Unterschied ihrer religiösen und jüdisch-politischen Einstellung den W e g zu uns gefunden haben. Kam. M. Pollak. Für unfere Kriegsopfers Drei Abende In Berlin Am 30. luni, am 6. und 7. jjili fanden innerhalb des Landesverbandes Berlin und Mark Kriegsopfer-Abende statt, die von den Ortsgruppen Ost, Bayerp und Stegfr i e d .veranstaltet wurden. Groß war überall die Beteiligung der Kameradien, unter denen man auch manche Kriigermutter, Kriegerwitwe und Kriegerwaise sah[ Hunderte von Berliner Frontbundkameradepi fanden sich im Zeichen unserer Kriegsopfeäarbeit zusammen und bewiesen damit nicht! allein den auf Frontkameradschaft begründeten Willen zum Z-usammenhalt in unseiem Bunde, sondern auch erneut die Tatsache, daß unser Bund in seiner ganzen Breite Träger der ehrenvollen Aufgabe der Kriegsoi ifer-Betreuungi ist und sein* will, die er i ls heiliges Vermächtnis unserer zwölftausend Gefallenen empfindet. Die Bedeutung, die Notwendigkeit dieser Aufgabe und auch die Leistung, die hierbei m hingehender Arbeit in den Ortsgruppe! wie beim Landesverband und bei der Bundes eitung vollbracht wird, trat durch die Referate voll ins Bewußtsein. Nicht Phrasen wurden hier gedroschen, sondern FrontsoldLatenlgaben sachlichen) Ueberblick über unsere praktische, segensreiche Tätigkeit, sprachen! über die Sachef, in deren Dienst wir uhs gestellt; daß [diese Sache, dieser Dienst als Herzenssache empfunden wird, klang warm durch alle Ausführungen hindurch'-und wurde immer wieder durch den anerkennenden Beifall der zuhörenden Kameraden und Kriegsopfer bestätigt. So sprach in der Ortsgruppe Ost deren Kriegsopfer - Dezen tent Kam. Rechtsanwalt Dr. Weitzenkorn, während der Leiter der Kriegsopfer-Abteilung bei der Bundesleitung Kam. Dr. Emst Rosenthal später die aus der Versammlung eingegangenen Fragen beantwortete. , ,Bei der Ortsgruppe Bayern hielt der Kriegsopfer-Dezernent des Landesverbandes Berlin und Mark, Kam. Bloch, das Referat. Bei der Ortsgruppe Stegfried hatte am Mittwoch Abend der Leiter der Kriegsopfer-Abteilung, Kam. Dr. Rosenthal, selbst das Referat übernommen. Berlin und Mark Ortsgruppe Nord. Dienstag, den 13. Juli, abends 8.30 Uhr im Hotel König von Portugal, C 2, Burgstr. 16, Kriegsopferabend. Redner: Amtsgericntsrat a. D. Dr. Ernst Ransohoff. Thema: Kriegsopferbetreuung. Berlin. Ortsgruppe Ost. Am Mittwoch, dem 14. Juli abends 830 Uhr, in der Schulauja Kaiserstr. 29/30, findet eine Kriegsopfer- Veranstaltung statt. Redner: Kam. Regierungsrat a. D. Adolf Bloch. Mitwirkende Künstler: Charlotte Salomonski-Rösen, SiegfriedUrias, Kam. WalterGuttm.ann, Kam. Kapellmstr. Hermann Schwarz, Organist der Synagoge Levetzow- Straße. | Eintrittskarten im VorverkauT RM 0,50 im Büro des Landesverbandes C 2, Königstr. 50. an der Abendkasse RM 0,75. Ortsgruppe Zoo. Donnerstag, den 15. Juli, abends 8.30 Uhr in der Aula der Josef Lehmann-Schule, Joachimsthalerstr. 13, Kriegs- 3

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