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Der Schild · 1937-06-18 · 25 (18.6.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
25 (18.6.1937)
Date
1937-06-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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T deutigen Niederschlag findet. Nochin seinem Sedilußwori vor der Verkündung des Urteils war. aus seinen unzusammenhängenden Reden soviel zu verstehen, daß er seine schon früher vorgebrachte Behauptung aufrecht erhalte, Bujak habe ihn ertränken wollen. Die gerichtliche Beweisaufnahme ergab das gerade Gegenteil! Die Zeqgenaussagen schildern den Sergeanten Bujak als pflichttreuen, musterhaften Soldaten, der bei der Behandlung von Juden, und Nichtjuden keinen Unterschied gemacht habe. Er habe sogar einmal Juden zür. militärischen. Ausbildung mit dem. Bemerken übernommen, daß Juden sehr gute Soldaten seien. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Zelenski, konnte die Behauptung, der ermordete Wachtmeister habe den Angeklagten gequält, auf Grund des Zeugenverhör» als unzutreffend feststellen; er fügte hin tu, in der polnischen Armee gäbe es keinen Unterschied in der Behandlung von! Angehörigen der verschiedenen Nationalität ep. Und der Verteidiger Honigwii sagte Tn seinem Plaidoyer, man habe hier die Ueberieugung gewonnen, daß der Ermordete ein guter Mensch gewesen ist. Welches also könnten die wirklichen Ursachen der verabscheuungswürdigen Mordtat .gewesen sein? ' Z w e-i verschiedene Deutungen wurden.ihr gegeben. Von der Verteidigung \Vufde sie als die Tat eines für seine Handlungen nicht verantwortlichen Menschen gedeutet, der ins. Irrenhaus, nicht ins Gefängnis?;ehöre- Nur auf die verminderte Zurechnungsähigkeit des Angeklagten sei es zurück/ufühiren, daß er grundlos all die Jahre hinintrch von Verfolgungswahn und Rachegedanken! gegetj seinen eherp-tilgen Vorgesetzten beherrscht war. Für diese 'Auffassung konnte die Ver teidigung sich auf verschieden^; Momente stützen- In der Gerichtsverhandlung selbst war es für die geistige Verfassung des Angeklagten bezeichnend, daß er sich auch bei den heftigsten Angriffen vollkommen teilnahmslos verhielt, daß er bei seiner Vernehmung unzusammenhängendes Zeug sprach. Und so verrieten auch seine schon erwähnten Tagebücher eine ähnlich wirre Geistere» . fassung. Vor allem aber bestätigten die psychiatrischen Gutachten, daß es sich um tinen gejstig minderwertigen, leicht erregbaren und von Zwangsvorstellungen beherrschten Menschen Jiandclt. Das Gutachten dtr gerichtlich beistellten Psychiater, das sich neben den Tagebüchern auf eins sechswöchige Beobachtung in! einer geschlossenen Anstalt_ stützt, kennzeichnet Chatzkelewicz als einen Psychopaten, der. von dem Gedanken beherrscht wurde, all sein Unglück habe seine Wurzel in Erlebnissen während seiner .Militärzeit: er sei aber für sejine Taten in eingeschränktem Maße verantwortlich. Andere Psychiater, die der Gerichtsverhandlung beiwohnten, hielten ihn sogjr für völlig unzurechnungsfähig. Während demnach also die Verteidigung -die Begründung der Tat in der GeistesgjCstörtheit des Täters erkannte, suchten ihr die Anwälte, die als Privatklage-Vertreter nfeben dem Amtskläger, dem- Staatsanwalt, vor Gericht gegen t.'hatzkelevvicz aufjraten, eine völlig akdere Motivierung zu unterstellen, nämlich eine politische. Sie wollten in dem Angeklagten das Werkzeug einer planmäßigen Verschwörung (sehen und die jüdische Gesamtheit für-das Verbrechen verantwortlich machen. Zu bemerken ist hierbei, daß es sich um nationaldemokratische An- ” walte handelte, also um Angehörige einer politischen Richtung, deren radikale Einstellung gegen alle Minderheiten in Polen, nicht nur die jüdische, bekannt sein dürfte. Demgegenüber hat der Staatsanwalt selbst in seinem Plaidoyer erklärt, die These, daß Chatzkelewicz das Werkzeug einer politischen Verschwörung gewesen sei, könne auf Grund der Vernehmungen nicht aufrecht erhalten werden. Und das Gericht selbst? Es hat sich weder die .eine These (Unzurechnungsfähigkeit) noch die andere („Jüdische Verschwörung gegen die polnische Armee“) zu eigen gemacht. Es hat de m Mörder das T ödesurteil gesprochen Es hat allerdings bei der psychologischen Deutung der Tat in der Urteilsbegründung ai genommen, daß die feindselige Einstellung ein» Teiles der jüdischen Bevölkerung und Presse gegen die Armee einen mittelbaren Ei ifluß auf den Entschluß < hatzkelewiczs zu d er Bluttat ausgeübt habe. Der Mörder habe nit Vorbedacht und mit vollem Bewußtsein 1er Tragweite seiner Tat gehandelte Die Tod« sstrafe sei verhängt worden, weil das Opf :r ein Angehöriger der polnischen Armee war; cs sei notwendig zu zeigen, daß das Blut eines polnischen Soldaten nicht wohlfeil ist. Gegen das Urteil st Berufung eingelegt. Seine Begründung li at, soweit sie sich gegen einen Teil der jüc isehen Bevölkerung und Presse richtet, deren lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Aber nicht unsere Sache ist es, zu diesem Gerichtsspruch Stell ing zu nehmen. Uns als alte Soldaten interessiert hier der Fall Chatzkelewicz unter s :inen militärischen Aspekten- Es hat zt allen Zeiten und in allen Armeen bekanntlich Einzelne gegeben, welche jene Gesetze eiserne r, härtester Manneszucht, deren kein Heer , ntraten .kann, irgendwie als „persönlich“ gez en zieh gerichtet empfunden und darunter ps vchisch mehr oder minder schwer gelitten haben. Es sind Ausnahmefälle, bei denen .es sich mit Sicherheit stets um seelisch nicht ganz gesunde Naturen handelt. Ausnahmefälle, die denn meist so endeten, daß der Betreffend: die Waffe gegen sich selbst oder einen Vorgesetzten erhob. Aus Polen wissei wir, daß auch Juden sich in den Krieger der jungen Armee glänzend bewährt haben. Unter ihnen des verewigten Marschall f’ilsudski enger Kampfgefährte General Mond, Platzkommandant von ■Krakau. Wir wisser daß die militärische Leistung der Juden licht nur von Marschall Pilsudski, sondern auch von hohen militärischen Stellen in jünjerer Zeit anerkannt worden ist. Wir wissen, daß insbesondere der Verband der ehern aligen jüdischen Kämpfer der polnischen Befi eiungskriege sich für die Wehrhaftigkeit und die Dienstpflicht der jüdischen Jugend in 1er polnischen Armee entsetzt, und daß die jüdischen Sejm-Abgeordneten erst unlängs zwar gegen die judenfeindliche Politik p otestiert, dagegen für den Wehrhaushalt ihre Stimmen gegeben haben mit der ausdrückl eben Erklärung, daß in Fragen der Landes Verteidigung alle sonstigen politischen Gegens tze zu schweigen hätten. Mililätische Vor!Lehrungen in Palästina Aus Kairo wird Kommando von Palästina begonnen habe, ein Netz von kleineren Land, insbesondere /u ziehen. Die einzelnen Truppenabteilungen werden mit leicht gewehren ausges attet. Solche Garnisonen sollen insbesondere Dschenin und Tu sehen Grenze erri Kreisen sei man Bericht der Kgl. licht werden wird bereitungen abge chlossen sind. Das neue paläst nach Beendigung nächst seinen Die»! nächst aus 200 martdo eines höhjeri stehen. An der N errichtet. gemeldet, daß das Militär- Garnisonen über das ganze über die Gebirgsgegenden, :n Tanks und Maschinenin der Gegen von Abugoslt, kerem, sowie an der syrihtet werden. In arabischen davon überzeugt, daß der Kommission erst veröffent- bis diese militärischen Vorinensische Grenzkorps wird aller Vorbereitungen «lernst aufnehmen. Es wird zu- ’olizisten unter dem Körnen britischen Offiziers berdgrenze werden 20 Wachen UU TionUotdaUH sind dctHiemuHQ... Tagung der Reicbsvertretung Die Bestrebungen, dem in Gemeinden und Landesverbänden zusammengefaßten Judentum Deutschlands eine organisatorische Spitze zu geben, reichen Jahre, ja Jahrzehnte weit zurück. Ehe sie zum Ziel geführt hatten, kam die große Schicksalswende des Jahres 1933, und als damals von anderen großen jüdischen Verbänden der Ruf an den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten erging, mitzutun bei der Gründung einer Reichsvertretung, also einer Spitzen Vertretung der jüdischen Gesamtheit und ihrer Belange im Reiche, hat er sich diesem Rufe nicht versagt! Der jüdische Frontsoldat hat es ja seit je als seine Pflicht angesehen, seiner Gemeinschaft zu dienen. Unsere Kameraden wissen aus manchem Wort, das während der letzten Jahre im „Schild“ gestanden, daß Wert und Bedeutung unserer Frontsoldateneigenschaft nicht immer bei der Leitung der Reichsvertretung diejenige Bewertung gefunden haben, die unserer Ueberzeugung nach zum Nutzen des Ganzen vielleicht angebracht gewesen wäre; aber unsere Kameraden wissen auch, daß nichts uns veranlassen konnte, von unserer jüdischen Pflichtauffassung je abzugelten, daß wir in der Reichsvertretung mitgearbeitet und stets in Treue und Verantwortungsfreudigkeit hinter ihr gestanden haben und stehen. Die jähe Entwicklung jüdischen Schicksals macht es begreiflich, daß die organisatorische Form der Reichsvertretung mehrfach Wandlungen unterzogen worden mußte. Eine solche Reorganisation, und zwar eine durchgreifende, beschäftigte auf Grund von Anträgen, besonders der Jüdischen Gemeinde Berlin, am letzten Dienstag den Rat und den Präsidialausschuß der Reichsvertretung in gemeinsamer Sitzung. Bedauert haben wir die dem vorausgegangenen polemischen Auseinandersetzungen in einem Teile der jüdischen Presse. Wir sind überzeugt, die volle Billigung der Kameraden für unsere Haltung zu finden, die . uns vorschrieb, unsererseits von jeder öffentlichen Auseinandersetzung abzusehen. Es geht für uns um sächliche Dinge! In der Sitzung selbst hat die große Mehrheit der Teilnehmer den leitenden Männern der Reichsvertretung, an ihrer Spitze Herrn Rabbiner Dr. Baeck als dem Präsidenten, das V ertrauen ausgesprochen, auf das Persönlichkeiten, die sich' der jüdischen Sache mit bestem Wollen widmen, u. E. ein moralisches Anrecht haben. Soweit zum Persönlichen. Zum Sachlichen ist mitzuteilen, daß eine Kommission gebildet wurde, die sämtliche eingegangenen Anträge, hierunter den Antrag der Berliner Jüdischen Gemeinde mit dem Ziel einer grundlegenden Aenderung des Aufgabengebiets und der Organisation der Reichsvertretung, bearbeiten wird und dem Rat binnen zweier Wochen entsprechende Vorschläge machen soll. Wir bemerken hierzu nur, daß, wie dies oftgenug im „Schild“ zum Ausdruck gelangt ist, nach unserer Auffassung die jüdische Gemeinde, die Kehilla, historisch wie praktisch die Grundform jüdischen Gemeinschaftslebens darstellt. Diese Tatsache erkennen wir Frontsoldaten ohne jeden Organisationsegoismus an, den zu meiden für alle Beteiligten ratsam ist. Im übrigen wollen wir mit Rücksicht auf die noch schwebenden Verhandlungen (die Kommission ist bereits zusammengetreten) von einer Stellungnahme zu der Sitzung vom Dienstag abseh en. » Die Polizei Waffensuchen > Mengen Waffen wurden. Eine haftet. lat in Jaffa umfangreichejrgenommen, wobei große und Munition beschlagnahmt Rfjihe von Arabern wurde ver- »Magister - Kirsch «D,ruur Die vom Jüdischen Museum in Verbindung mit der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde veranstaltete Gedenkausstellung „Don Jizchaq Abrabanel, seine Welt und sein Werk“ wurde am 13 Juni durch den Gemeindevorsitzeoden, Dir. Heinrich Stahl, feierlich eröffnet. Unter den Festgästen waren neben führenden Persönlichkeiten der Gemeinde und jüdischer Organisationen auch in Berlin leben« Nach- 2

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