Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 23 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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k/U ’HohUoUoitH sind (Uitheimmf... Vorige Woche haben vir am- Schluß der fleichen Rubrik kurz die in London tagende mpire-Konferenz, die Beratung, der Staatsmänner des englischen Mutterlandles mit denen seiner Dominions gestreift und dfaran die Bemerkung geknüpft, daß dabei neben dem Fernen wohl auch der Nahe Osten, in dessen Zusammenhänge das Palästina - Problem und damit unsere jüdischen Interessen und Sorgen fallen, zur Erörterung stehen wird. Mit den außenpolitischen Fragen Englands sind nun die weltpolitischen eng verflochten, und in der Tat sollen die Probleme der Reichs verleid igung und -Rüstung den Londoner Berichten zufolge bei der britischen Reichskonferenz eine hervorragende Rolle spielen. Es liegt für uns als Frontsoldaten nichts näher als aus diesen Zusammenhängen heraus auch an die wehrpolitische Seite der jüdischen Palästina-Position zu denken. Je stärker soldatischer Geist dort lebendig ist, je mehr klassenkämpferisch und areligiös -ausgerichtete Tendenzen zum Schweigen und Schwinden kommen, je kraftvoller sicn hingegen eine auf den Gemeinschaftsgedanken abgestellte soldatische Geisteshaltung durchsetzt —: ein desto stärkerer und wichtigerer Faktor wird das Judentum Palästinas werden sowohl der arabisch-islamitischen Gruppe gegenüber wie auch vor allem vom Stand- Eunkt der Reichs Verteidigung in den Augen ritischer Reichspolitik, ja auf dem nah-' orientalischen Spielfeld'- überhaupt. Zunächst handelt es sich hierbei um eine Gesinnungs¬ und Erziehungsfrage die uns für das jüdische Palästina .sehr zukunf swifchtig erscheint, kaum ~ weniger aber auch für dre Diaspora. In Palästina haben die schweren blutigen Wochen und Monate das Empfinden und Erkennen erfreulicherweise sehr verbreitert und vertieft dafür, daß wahre Sicherung für Arbeit und Boden letztlich immer in der eigenen Kraft und in der eigenen Verteidigungsbereitschaft zu findeiT ist.. Wehrhaftes Denken, wie es uralten jüdischen Traditionen \m€ der., geschichtlichen Bewährung der JudeiH im Weltkriege entspricht, wird eine wesentliche Voraussetzung jüdischer Zukunft sein. Hier fällt gerade den ehemaligen jüdischen Frontsoldaten eine bedeutsame Erziehungsaufgabe zu. Am letzten Dienstag hatte die Zionistische Vereinigung für Deutschland zur Feier ihres 40 jährigen Bestehens die Körperschaften und Organisationen des Judentums ins Kulturbund- Theater geladen. Umrahmt von schönen musi- .kalischen Darbietungen — Orchester und Männerchor — kamen, nach einer Begrüßung durch Herrn Dr. Benno Cohn als Sprecher des geschäftsführenden " Ausschusses, die Vertreter .dreier Generationen zu Wort Der betagte Herr Rabbiner Dr Max Joseph, der noch Theodor Herzis- Tage erlebt hatte, schilderte die jüdische Situation tfer letzten Jahrhundertwende vom besonderen Gesichtspunkt seiner Bewegung: als Vertreter jener Jugend, die seit 1933 die Entscheidung zum Zionismus getroffen hat, sprach nach ihm Herr Ernst Bauer-Stuttgart. Und als Vertreter der Generation, die, zwischen Alter und Jugend stehend, heute die eigentliche Verantwortuig trägt, sprach anschließend Herr Rabbiner Dr. Max Grünewald-Mannheim. Von jedem der drei Redner fiel manches Wort, das die Hörer — ob “Zionisten oder Nichtzionisten — ansprach. 40 Jahre sind — wie schon die Aufeinanderfolge der drei Generationen unterstreicht — gewiß eine lange Wegstrecke für eine Organisation: noch dazu wenn diese vier Jahrzehnte so schicksalsträchtig wie die letzten waren; an geschichtlichen Abläufen aber gemessen, und noch dazu an jüdischer Geschichte, sind sie ein Ausschnitt, ein Durchgang. Genau in der Mitte dieser vierzig Jahre liegt jenes erdbebenhafte Ereignis weltgeschichtlichen Ausmaßes, der Weltkrieg, der Pe Balfour-Deklaration brachte und damit Zar DJ Ofen Armee Stuttgart Unser Kam. Albert May er wurde; unerwartet rasch im Alter von 60 Jahren zur Großen Armee einberufen. Er war eines der ältesten Mitglied« der Ortsgruppe und nahm stets regen Anteil an allem, was den Reichsbund jüdischer F rontsoldaten betraf. Auch hatte er stets für ilie Sache eine offene Hand. Wir werden drm treuen Kameraden ein ehrendes Andenken bewahren. Der Ortsgruppen-Vorsitzem le, Kam. Emrich widmete dem Verstorbenen den verdienten Nachruf. Berlin. Ortsgruppe Süd betrauert den Verlust des Kam. Dr Günther L e v y. Frankfurt a. M. Wir betrauern das Ableben unseres Kam. Julius Fröhlich. Lörrach. Am 27. Mai verstarb unser lieber Kam. Julius Bloch- Geismar aus Kirchen und wurde am 28. untei großer Beteiligung der ganzen Bevölkerung bestattet. Kam. Dr. S. Moses hielt dem Kameraden eine kurze Gedenkrede, in der er die Verlienste des Verstorbenen im Kriege (Gefreiter; E. K. II und Bad. Verdienstmedaille, Frontkämpferehrenzeichen) und nach dem Kriege als Mitgründer und Beirat der Ortsgruppe Lörra :h betonte. Kam. Bloch war anerkannt Kriegsdienstbeschädigter. Eine Frau und 2 Kinder blei sen zurück. Frontkämpfer Inlden Gemeinden Gelsenkirchen. Bei den am letzten Sonntag, den 30. Mai, stat gefundenen Vorstandswahlen für die SynagOj en-Gemeinde Gelsenkirchen wurde unser Kan . Alex Alexander in den Vorstand und Herr Ewald Elsbach ein Freund und Gönner uns :res Bundes, der bisher das Amtals Stellver reter inne hatte, als ordentliches Vorstands, Mitglied gewählt. Ost-West ireußen Königsberg Pi. Kam. Dr. Willi Wolffheim, der Vor itzende und Landessportleiter des Landesverbandes Ostwestpr. und der Königsberger C rtsgruppe, siedelt in diesen Tagen nach Kö n a/Rh. über. Vom 2. Mobi machungstage bis Ende 1918 stand er als Truppenarzt im Felde. Schon beim großen Vormarsch in Frankreich 1914 konnte er soldatische Leistungen vollbringen. (Patrouillenritte, Zusammenstoß mit französischer Kavallerie, Meldung vom Auftauchen feindlicher Kräf:e in der rechten Flanke der Kluckschen Ar nee). Seine fachmedizinische Ausbildung bei Lichtheim, Gerber, Brühl und Kilian befähigt, ihn zur Ausübung einer ausgedehnten Praj is als Hals-Nasen-Ohrenarzt. Durch seinen Wegzug von Königsberg, verlieren wir ein :n ausgezeichneten Arzt und einen Kamerad in, der, seit Gründung des Bundes im Vorstand, lange Jahre den Landesiene jüdische Position in Palästina, um die heute wieder! chwer gerungen wird. Ueberall spüren wir, daß die Wirkungen jenes Elementarereignis;es in die geschichtlichen Räume hinein immer hoch fortschwingen. Und so auch in unter jüdisches Schicksal, an dem der Zionismus stellt. einen Gestaltungsversuch darin der Gei lerationenfolge ist die Stellung unserer, der Frontgeneration, erkennbar eine besondere; ein besonderes ist auch das Schicksal dieser unserer Generation, die zwischen Alt, r und Jugend unter der höchsten Last von V :rantwortung steht. Dem Alter wie der Jugi nd gegenüber sind die Oemeinschaftsaufgaben deutlich Umrissen: Dem Alter gegenüber b steht die Pflicht, ihm nach allen vorhandenen Möglichkeiten einen bescheidenen Lebensabend zu sichern; die Jugend hat ein eindeutiges , inrecht, ihr die Wege zu einem Lebensaufbai i im Ausland zu weisen und durch entsprechend: Vorbereitung zu ebnen. Die Verpflanzung unserer eigenen Generation ist, was nicht b, wiesen zu werden braucht, naturgemäß weit Kräften planvoll gefördert werden. Immer von schwieriger, muß ab« auch nach verband und die Ortsgruppe geleitet und seine große Arbeitskraft in den Dienst der Gemeindearbeit gestellt hat. Es darf hier gesagt werden, daß die hohen menschlichen Eigenschaften des Kam. Wolfsheim, die Lauterkeit und Geradheit seiner Gesinnung, die aufrechte Verfechtung seiner Ueberzeugung, seine Sachlichkeit und Sachkenntnis, seine Arbeitsfreudigkeit und Verhandlungskunst ihm die Anerkennung und Wertschätzung von Freund und Gegner eingebracht haben und daß sein Fortgang eine schwer zu schließende Lücke (unterläßt. Unsere besten Wünsche begleiten ihn nach Köln, wir hoffen, daß er dort berufliche Befriedigung finden möge und daß er auch im neuen Wirkungskreis entsprechend seinen Fähigkeiten seine Kräfte einsetzen wird zum Wohle des Reichsbundes und der jüdischen Allgemeinheit Zum Nachfolger des Kam. Qr. Wolffheim als Vorsitzender des Landesverbandes und Landessportleiter, sowie als kommissarischer Leiter der Ortsgruppe Königsberg/Pr. wurde Kam. S. Borkon, dessen Name in unserer Bundesarbeit seit langen Jahren »wohl bekannt ist, berufen. Kam. Borkon war Gründer der Königsberger Ortsgruppe und deren sowie des Landesverbandes langjähriger Schriftführer bezw. stellvertretender Vorsitzender, ebenso der Sportgruppe. Seit mehreren Jahren ist Kam. Borkon bereits Inhaber der silbernen Ehrennadel. Mitteldeutschland Plauen I. V. Kürzlich hat sich der Kassierer der , Bezirksgruppe Vogtland, Kam. Carl Wolfsberg, verlobt. Ihm und seiner Verlobten gelten unsere herzlichsten Glückwünsche. Kam. Wolfsberg hat sich stets in seinem verantwortungsvollen Vorstandsamt vorbildlich für die Bundesarbeit eingesetzt. Kam. Wolfsberg gehört, wie bei dieser Gelegenheit bemerkt sei, dem Gemeindekollegium schon seit Jahren an, ebenso wie zu diesem folgende Kameraden zählen oder gezählt haben: Gustav Silberstein, Ernst Goldberg, Hugo Künstler, Adolf Heymann, Jacob Engländer. Das Amt des Gemeindekassierers hatte ca. 4 Jahre bis vor kurzem Kam. Ludwig Korytowski inne. Alles dies zeigt die Aktivität und Einsatzbereitschaft des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Plauen. £ *M. UNTERMAYER-AUGSBURG LEINENHAUS UND WÄSCHEFABRIK WÄSCHE - AUSSTATTUNGEN |eder Preislag» Aul Wunsch Angebot und Vorlage der Musterwahl Persönliche Beratung Neuem müssen wir Juden in Deutschland uns wiederholen, daß wir auf unsere eigenen Kräfte, auf Selbsthilfe angewiesen sind. Dieser Hinweis richtet sich heute an jene Kameraden, die Inhaber oder Leiter von jüdischen Firmen sind. Gerade sie können wesentlich zur Lösung der Probleme unserer Generation (und damit. mittelbar auch unserer Kinder! von der wirtschaftlichen Seite her beitragen. Es ist bekannt, daß die Aufnahme älterer Angestellter den kaufmännischen Betrieben in Deutschland zur Pflicht gemacht ist. In gesteigertem Maße sollte dies als moralische Pflicht bei jüdisch geleiteten Unternehmungen gegenüber den älteren jüdischen Angestellten gelten, in deren Reihen die Lage immer schwieriger wird. Sie reflektieren nicht auf Mildtätigkeit, sondern haben Leistungen zu bieten. Gerade dem älteren kaufmännischen Angestellten ohne Stellung möglichst wieder zu Brot, zu Anstellung zu verhelfen, sollte überall als jüdische Verpflichtung empfunden werden. Wir wissen aus der praktischen Erfahrung der Bundesarbeit um die .Schwierigkeit ihrer Unterbringung, und gerade dies veranlaßt uns hier - zu einem kameradschaftlichen Appell. 4