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Der Schild · 1937-05-28 · 22 (28.5.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
22 (28.5.1937)
Date
1937-05-28
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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renden Granatsplitter getroffen. Auch seiner gedenkt anerkennend die Geschieht« R. I. R. 226. Welch anerkennende Erinnerung Dr. Orkin hinterließ, lassen einige unter vielen gewählte Briefe erkennen, die mir als seinem Regimentsarzt ins Lazarett ziigingen; die ärztlichen Vorgesetzten hatten ihre hohe Anerkennung des Gefallenen daselbst mündlich zürn Ausdruck gebracht. Der Regimentskommandeur Major H. schrieb mir am 11. 8. 17: „Doppelt fühlbar ist es für das Regiment, daß wir zui gleichen Zeit mit Ihnen auch den Verlust des leider seinen Wunden erlegenen Dr. Orkin beklagen mußten. Es war mir möglich, ihm noch auf dem Krankenlager das wohlverdiente E.K. I zukommenlassen?u können. Er hätte es nach der Flandernschlacht als erster erhalten; ich hatte darüber schon vor seiner Verwundung mit Herrn Oberst Cr. (seinem Vorgänger als -Regimentskommandeur, damaligen Infanteriekommandeur der Division. Anm. d. Verf.) Rücksprache genommen.“ Sein Bataillonskommandeur während bald dreier Kriegsjahre, der 1918 seiner vierten Verwundung erlegene Hauptmann Bernhard, spricht von ihm a|s „dem braven Orkin, dem mein Bataillon so viel zu verdanken hat“, ln einem früheren dienstlichen - Bericht von demselben hieß es: „N'ur d^m tatkräftigen Eingreifen des Bataillonsarztes ■ Dr. Orkin war es zu verdanken, daß bis zum Morgengrauen der letzte Verwunde e des Batlabtransportiert war.“ Ein Offizier des Regimentsstabes äußert sich : „ebenso wie er (der Regimentskommandeur. Anm. d. Verf.)—beklage auch ich aufrichtig den ToJ des Dr. Orkin, dessen unerschrockene Pflichttreue, die sich um persönliche Gefahr nicht' kümmerte, ich persönlich wiederholt habe beobachten können.... Wie hat es mich - gefreut, daß ihm.... noch vor seinem Tode von Excellenz U. das E.K. 1 überreicht wurde! Und sein Freund mußte auf dem Rückweg von einem .Besutrh des Verwundeten ebenfalls den Tod finden! Welches harte Geschick doch manchmal eine Familie trifft.“ Ein anderer wenige Wochen vorher schwer verwundeter, vielfach ausgezeichneter, Kriegskamerad Seit 191 1 Lt. d. Res. Dr. |. schreibt: „Auch mich hat die Nachricht von Hauptmann B’s und Dr. Orkins Heldentod tief erschü'tert. Mögeihnen die Erde leicht sein. Die Schar der Getreuen aus dem erstem Kriegsjahr ist kaum noch bei dem Reg. vorhanden. Ernste und auch heitere Tage und Stunden haben wir im trauten Kreise verbringen dürfen, ln der Erinnerung daran ist jeder liebe Kamerad ... uns ^gegenwärtig und damit unvergeßlich“. Dieses Gedenken der Regimentskameraden soll auch im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten heute nach 20 Jahren auf’s neue versichert werden und lebendig bleiben. Kam. Dr. J. R: Oberstabsarzt d. R. a. D 1014—17 Reg.-Arzt R. I. R. 226.' Aus der Frontsoldatenbewegung des Auslandes Der Verband der jüdischen Kriegsteilnehmer Amerikas (Jewish War Veterans of the United States) veranstaltete einen Gedächtnisgottesdienst für die Kriegsgefallenen, dem eine Parade von 4000 jüdischen Kriegsteilnehmern voranging. Anläßlich der Gedenkfeier richtete Präsident Franklin D. Roosevelt an den Verband eine Botschaft, in der er die „stolzen Leistungen der Juden im Dienste des Vaterlandes“ hervorhob. Lieber den Anteil der amerikanischen Juden an den Kriegsleistungen ihres Vaterlandes hat der „Schild“ zuletzt am 0. April 1937 anläßlich der 20. Wiederkehr des Eintritts der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg berichtet. Die. amerikanischen Gesamtverluste an Gefallenen beliefen sich auf 40 000 Mann, der jüdische Anteil von 3000 Toten stellt also 7,5 v. H. dar; der jüdische Bevölkerungs-Anteil an der Gesamt-Einwohnerschaft der Vereinigten Staaten betrug im Weltkriege 3 v. H. Hier sei eine Berichtigung unserer damaligen Angilben vorgenommen: Nicht drei, sondern sechs Jbden haben sich die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten, die Congressional Medal of Honour (Ehrenmedaille des Kongresses) verdient! Die Söhn^ des Judentums der Vereinigten Staaten habfn also denen in der Alten Welt, in Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich-UngariJ, Italien u. s. f. an soldatischer Bewährung und Opferbereitschaft um nichts nachgestanden. Die erneute Bestätigung und Anerkennung dieser Tatsache durch das Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten i.-i vollauf begründet. «•i Flandern 1917 Jb6 DlrWoMn, darunter 22 bi zweimaligem Eimatz, die Masse unserer Heeresart] hrie und sonstiger Waffen und Formationen h?b?n an dieser gewa'tigtten aller bis* herigen Sch achten teflgenommen. Die Söhne aller deutschen Stimme haben hier in heldenmüt'ger Tapferkeit und ilhir Ausdauer gewettrlfrrt und den Durchbruchtversuch der Jüigllnder und Franzosen zum Sehet'rn gebracht, der ihnen die Entscheidung durch die Eroberung Flandern« und unterer f-Boot-Basis bringen aoüte. Trotz des unerhörten Masseneimatzet an Menschen und Material hat der Felno nichts erreicht Ein schmal*«, glnzl ch zerstörtes Trichterfeld ist gehr ganzer Gewinn. Er hit diesen Gewinn mit außerordentlich hohen Verlusten erkauft... Wer dabei war, kann stolz, darauf sein eh Fhndernklmpfer zu sein. Jedem einzelnen Klmpfer ist der Dank de« Vaterlandes sicher. Nur dadurch, daß unsere Front In Flandern l*dem Ansturm trotzte,, Ist e* für dis oberste Führung möglich gewesen, bn Odten gegen die Russen, hn Süden gegen die Italiener gewaltige Sch Ige zu f Ihren.“ Diese Sätze aus dem Heeresgruppenbefehl des Generalfeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern vom 5. Dezember 1917 zeigen eindeutig, welche Bedeutung die mehr als acht Monate dauernde Flandernschlacht 1917 im strategischen deutschen Gesamtplan dieses Jahreq gehabt hat. Die Kriegs Wissenschaft gliedert die große Flandemschlacht 1917 in drei Teile. Das amtliche Werk des deutschen Reichsarchivs, in dessen 27., Bande diese längste und größte Schlacht des Weltkrieges dargestellt wird, nennt ihren ersten Teil: Kampf um den Wijtschate-Bogen und Vorbereitungskämpfe für die Somniers^hlacht. Er wird vom 27. Mai bis zum 21. Juli gerechnet. Diese Kämpfe führte auf deutscher Seite vornehmlich der rechte Flügel der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht von Bayern (Chef des Generalstabs: Generalleutnant von Kühl). Die IV. deutsche Armee unter Führung des Generals der Infanterie 8ixt von Armin mußte den ersten gewaltigen Stoß der Engländer auffangen. Nach Sprengung der deutschen Stellung am 7. Juni im Wijtschate-Bogen überrennen drei 1 englische Korps mit insgesamt 12 Divisionen den Höhenkamm südöstlich Zillebeke, di« von fünf deutschen Divisionen nur schwer gehalten werden können. Die Engländer gewinnen durch Eroberung der Höhen einen] Einblick in die Lys-Niederung, was die IV. Armee veranlaßt, die Hauptwiderstandslinie etwas ostwärts zurück zu verlegen. Der zweite Absfchnittist die Sommcrschlacht 1917 in Flajidern vom 22. Juli bis 17. Septembe«. Der groß« Sturm der Engländer am 28. full bringt ihnen in der Gegend von Ypern «inen Geländegewinn in Breite von etwa 2 ]km und in Tiefe bis zu 1 km. Den Hauptstoß führt dann die fünfte englische Armee am ' 1. Juli zwischen Boesingen und der Straße Zillebeke-Zandvoorde. Hier gelingt es der inglischen Uebermacht, die Front der deutschen Gruppe Ypern aufzureißen. Der geschickte E nsatz dreier deutscher Eingreifdivisionen ermöglicht jedoch sofort die Wiederherstellung Ler alten strategischen Lage. Auch der schwere Landregen, der am 31. Juli nachmittag einsetzte und volle acht Tage dauert;, hinderte die Engländer nicht, immer wieder neue Massen in die Schlacht zu führen. In den folgenden schweren Kampftagen wird da und dort die deutsche Stellung elastisch zurückgenommen und an einigen Stellen auch planmäßig zurückverlegt. Das Ziel, das sich die Engländer gesteckt haben, die deutsche „Wilhelm-Stellung“ zu erobern, wird jedenfalls nicht erreicht. Am 10. August gelingt es sogar den deutschen Truppen wieder, den Engländern die örtlichen Gewinn: in der deutschen „Albrecht-Stellung“ und am Westrand von Nonne Boschen zu entreißen. Weniger glücklich verlaufen für die deutschen Truppen in den nächsten Tagen die Kämpfe um den Besitz des Steenbeecks. Hier gelingt es dem Engländer, wenn auch nur im be- Prenzten Raum, auf dem östlichen Ufer festen uß zu fassen. So ging die deutsche Armee ungebrochen und ohne nennenswerte Terrainverluste in den dritten Teil der Flandernschlacht, die Herbstschlacht 1917 in Flandern vom 18. September Bis 3. Dezember. Das überraschende neue Angriffsverfahren der Engländer, den Sturm in vier dichten Wellen vorzutragen, bringt sie am 20. September so schnell in den Besitz der „Wilhelm- Stellung“, daß die auf Lastautos vorgezogenen deutschen Reserven nicht mehr zum Einsatz kommen. Die an sich nicht unbeträchtlichen örtlichen Gewinne, die die Engländer an diesem Tage erzielten, lassen jedoch darüber nicht hinwegsehen, daß der geplante Durchbruch durch die deutschen Linien auch diesmal wieder mißglückt ist. Am 25. September änderte sich das Schlachtenglück wieder und die „Wilhelm-Stellung“ konnte zu nicht geringem Teile zurück erobert werden. Ein neuer Großangriff der Engländer am 4. Oktober, diesmal sogar acht Wellen tief gegliedert und durch den Großeinsatz von Tanks unterstützt, bringt diesen den Gewinn eines Geländestreifens von eineinhalb Kilometer Breite. Auch die Großangriffe vorti 9 Oktober und 12. Oktober zwangen an mehreren Stellen zu einem deutschen Nachgeben. So gin: Poelkapelle verloren, während Passchendale gehalten werden konnte. Während der nächsten Wochen folgte bei schlechtestem Wetter in grundlosem Morastboden Großkampftag auf Großkampftag. Immer wieder gelingt es den Feinden, in die deutschen Stellungen einzudringen, immer wieder gelingt es den Deutschen, aufgegebenes Terrain zurückzuerobern. Der 6. November ist der letzte Großkampftag der Flandernschlacht. An ihm geht auch Passchendale endgültig verloren. Fast tägüch werden nun neue Versuche gemacht, in die deutschen Linien einzudringen, aber fast jeder Versuch wird sofort oder nach anfänglichen Scheinerfolgen zuriiekgeschlagen. Der letzte Versuch der Engländer am 3 Dezember, die deutsche Front in einer Breite von nur 400 m zu durchstoßen, scheitert. Die Flandemschlacht 1917 ist beendet. Der Gewinn der Gegner in dem monatelangen Ringen bestand in der Ausbeulung der deutschen Front in einer Tiefe von knapp 9 km auf einer Grundlinie von rund 25 km. Daß die Opfer dieses Kampfes auf beiden Seiten sehr groß waren, verstent sich. 86 Divisionen waren auf deutscher Seite im Abwehrkampf eingesetzt und nur 22 von diesen Divisionen waren nach kurzer Gefechtspause noch einmal wieder eingesetzt worden- Daß auch die Zahl unserer jüdischen Kameraden, die in Flandern Leben und Gesundheit in treuer Pflichterfüllung opferten, sehr erheblich war, weiß man wohl in jedem jüdischen Haus, das Kämpfer für den großen Krieg gestellt hat. An der Liste der Zwölftausena jüdischer Gefallener des Weltkrieges hat Flandern 1917 einen beträchtlichen Blpt- Anteil. Von einer namentlichen Aufstellung der in der Flandern-Schlacht 1917 gefallenen Kameraden nehmen wir Abstand; sie könnte bei der großen Zahl der beteiligten Regimenter, bei den häufigen Ablösungen und Neu-Formierungen niemals die erforderliche Vollständigkeit und Zuverlässigkeit erreichen. Kam. Dr. O. O. 4

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