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Der Schild · 1937-05-28 · 22 (28.5.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
22 (28.5.1937)
Date
1937-05-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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1 sats liegen, wie wir, wie alle. Und ciali sie ihre Pflicht Voll und ganz /u erfüllen Waben. Ls darf, es kann keine Etappe und keine Drückeberger geben. Wir jüdischen- Frontsoldaten wissenauch heute, „auf wessen Schultern im entscheidenden Augenblick" das Schicksal des Judentums liegt. Wenn man einstmals voii uns wird sagen können: „Sie hielten untereinander eine Kameradschaft, wie sie aufopfernder und treuer nicht gedacht werden kann" —: dann werden wir in den Stürmen der Zeit bestanden haben! ), Kam. Dr. Wollenberg. fernher. Am Rüsttage des Jom Kipu r wurde das Regiment, das in Ruhe bei ille lag, alarmiert, nachts verladen und der Morgen sah uns auf der Eisenbahnfahrt nach Routers. Näher und näher kam das Grollen und Rollen der Großkampffront und noch bevor wir in Roulers einfuhren, erreichte uns der Befehl: das Regiment greift in Richtung Zonnebeeke an. Es wurde ein heißer Tag. Der Engländer hatte in den Morgenstunden Zonnebeeke enommen und bereitete seinen weiteren toß nach Paschendaele vor. Das wurde ihm vereitelt, ln wundervoller Weise griffen unsere Truppen an, unbeirrt durch das sein« ere Absperrfeuer. Wir drangen bis zur Höhe vor Zonnebeeke vor, die einbrechende Nacht setzte dem Kampf ein Ziel. Das Regiment blich 3 Tage in Stellung und schlug jeden weiteten Angriff zurück. Es wurde nach 3 Tagen als Stoßregiment, wie bei Messjnes, in die 2. Linie zurückgezogen- Bei Tagesgrauen marschierten wir jeden Morgen bei Paschendaele auf, da um diese Zeit der Engländer mit Vorliebe angriff. Und so kam der 7. Oktober. Um 6 Uhr morgens ging ein Höllenfeuer los, das alles früher erlebte in den Schatten stellte es hörte sich an, als ob tausende Teufel auf Riesentrommeln den Wirbel schlagen würden. Meldung von vorne: der Gegner hat die vordere Linie überrannt. Gleich darauf: das Bayer. Res. Inf. Regt. Nr. 5 greift an. Unser tapferer Regimentskommandeur tritt in gewohnter Weise als erster an, um möglichst weit vorne den Angriff zu leiten. Nur ein Weg ist passierbar — die zerschossene Bahnlinie Paschendaele Zonnebeeke, diese unter schwerstem Feuer, rechts und links das lehmige Gelände voller tiefer Geschoßtrichter bis oben mit Wasser gefüllt. Ich eile meiner Abteilung voran: Sprung Deckung. Sprung — Deckung — Neben mir mein wackerer Bursche Vorndran. Ich schaue nicht rückwärts — nur der eine Gedanke: vorwärts! Ein Schrei — mein Vorndran zeigt mir seine schwerverwundete Hand, ich wende mich um — wir sind allein. Herrgott, wo bin ich denn? Die vom Kommandeur angegebene Stelle muß doch noch weiter vorne sein! Ein Einschlag in meiner Nähe, meine Kartentasche wird mir vom Leibe gerissen, ich lande in einem Granatloch, rechts von mir gehen Tommies vor- Ich verbinde meinen bittenden Arm, von dem ein Granatsplitter einige Hautfetzen mitgenommen hat, eine rasche Orientierung zeigt mir, daß ich in dem furchtbaren Feuer zu weit vorgeprellt war. Ich mache mir Gedanken, wie kommst Du wieder zurück!? Ich presse mich den ganzen Tag auf den Boden meines Loches und denke, wenn es dunkelt, wird wohl eine Lücke zu finden sein, wo ich wieder durchschlüpfen , kann. Um 5 Uhr nachmittags schwoll unser Feuer wieder an, das Maschinengewehrfeuer setzte ein und als ich über den Rand meiner Unterkunft lugte, merkte ich zu meiner Freude, daß unsere Truppen im Vorgehen waren- Der Engländer ging hinter den vor Zonnebeeke liegenden Friedhof zurück und ich lag jetzt im Niemandsla n'd . Als es dunkel wurde, kroch ich mit aller Vorsicht zurück und hatte das Glück, bald bei dem Führer unserer 1. Komp. Lt. Lehmann zu landen. Ich hätte gerne das Lied aus dem Waffenschmied gesungen: „das war auf Ehre, ich muß es gesteh’n, gar ein freudig Wiederseh’n!“ Doch hierzu war bei Gott keine Zeit, wir gingen unsere Stellungen ab, es waren ach so wenige, denen es vergönnt war, hier vorne die Wacht zu halten ... Um Mitternacht konnte ich mich bei meinem Kommandeur auf der Regts. Bef. Stelle, die in der Kampffront auf dem Kapellenberg lag, melden, und konnte aus eigenem Erleben schildern, wie es vo^ne aussah. Es folgten noch schwere Tage, bis das Regiment, vielmehr dessen Reste, abgelöst wurden. Bei fahlem Mondschein gingen wir zurück über ein furchtbares Gelände, vorbei an Bildern, die ob ihrer Grausigkeit ewig unvergessen bleiben. Kam. L. S. Als jüdischer Landwehroffizier in den Flandernkämpfen 1917 Die -L bayer. Ulf. Di\. wurde Mitte September U)l(> aus dem Eourrcauxw-ald-Abschnitt an der Somme 11 teil IS tägigem heldenhaften Kampfe heransge/ogen. Sie war, wie man damals sagte, ,,/ur Sehtacke ausgebrannt". Bei t.ambrai erwartete junger Nachschub das bayer. Res. Inf. Regt. \r. 3. dessen 6. Kompagnie in einer Stärke \.>n IS Mann ich führte. Ungefähr Hat Mann wurden mir zur Auffüllung’ zugetcilt, iS bi> Iftjährige Menschen. frisch aus der Garnison, da auch das. Rekrutendepot der Division schwerste BlutöpK'r gebracht hatte. Wir wurden in Flandern eingesetzt, unmittelbar mr VV a nie I on Mein Kompagniebereich war im DouxTgrund in einer Frontbreite , von ji.o Metern mit ö Sappen. Der Engländer l.i ■ un- So bis 130.Meter gegenüber. Dii er-ten Wochen verliefen ruhig, ieh -koi’u'e. tr; ine jungen Soldaten in den (irabt. :,--y rn! Patrouliii ndienst eingewöhnen. Im N.o linker jedoch wurde die Stellung systematisch durch Minen und Granaten sehwic r-teii Rnlihers eingedeckt. Ich mußte Geien lieh ti Kameraden das letzte Geleit gebeut und gar oft den Angehörigen als letzten Gruß di« . wenigen I lahseiigkeiten der Gefallenen in die Heimat übermitteln. Im Januar Iul7 mußte ich als jüngster Koni«. IKignief.ihrer die mir So lieh gewordene Kompagnie einein dieiistälteren Kameraden, der «on schwerer Verwundung genesen zurückkarn, übergeben, und das Vertrauen meines Regimentskommandeurs berief mich als Führer der neu geschaffenen Regimentsnacb'richtenahteilung zum Stahe des Regiments. Die ganzen Kampfe de-.Frühjahres erkannten wir ul- Vorbereitung zu einer großen Kampthar.dhmg, und iin Mai nahmen sie Formen an. die den Artilleriekämpfen an der Somme in nichts naclistanden. Ich hatte in dieser Zeit meine Abteilungen, die vom Koitipagniefuhrer des «ördersten Kampfgrabens bis zur Rt gimeiitsbefehlstelie eingesetzt waren, zu 1 infcr brauchbaren Kampfwaffe entwickelt, die neben dem (ie«« ehr und der Handgranate ihre Nachrichtengeriite wohl zu gebrauchen wuUten lind in schwerstem Feuer zuverlässige Meldungen, in rascher Weise übermittelten. ln den ersten Junitagen 1917, als man den Angriff als nahe bevorstehend ansah. wurde mein Regiment ans der vorderen Linie herausgezogen, um gegebenenfalls als Stoßregiment im gleichen Abschnitt Verwendung zu finden. Am 7. Juni bei Tagesanbruch erschütterte ein ungeheurer Stoß die Erde, ein überaus heftiges Trommelfeuer setzte ein. Die Meldung kam von den Sprengungen vor Messines und Wytsehaete und von dem Eindringen des Engländers in Messines selbst. Das Regiment wurde sofort 'zum Gegenangriff eingesetzt, ,* vorwärts ging es durch eine tiefe Sperrfeu.-rzone, die Bataillone entwickelten zum Sturm, der bis zum Ostrande «on Messines Vorgetragen wurde- Der. Regimentskommandeur machte ein ’Granatlorh au der Straßenkur« e vor Messines zur Befehlstelle. Um die Mittagsstunde'war die Absicht des Gegners, die Senne des Wytschaetebogens zn diirchs’oßeu, vereitelt. Um I Uhr wurde mein Kommandeur zur Führung der Kampfgruppe (4 Regimenter) in vorderer Linie zur Befehlstelle Warneton befohlen, und ich hatte die Ehre, bis zum Komy inen des neuernannlen Untergruppenführers Rechts diese Untergruppe zu übernehmen. — Das Kommen ließ lange auf sich warten, denn um 3 Uhr sfctzte der Engländer seinen Angriff fort. Unter seinem Trommelfeuer glich das ganze Feld feuerdurchgluteten Erdfontänen, die Rcgimentkreserve, aus einem Maschinengewehr/uge bestehend, schoß rasend in den Oualm hinein. Ein Meldegänger kam herbeigestürzt, der Feind kommt rechts von uns vor. Rasch die Meldung an die Artilleriebefehlstelle, die Maschinengewehre Feuer nach der rechten Flanke verlegen — — eine bange Stunde vergeht, das Feuer, wird schwächer, die Sicht wird freier. Lichtsignale flammen auf, das Regihient hat den Angriff abgeschlagen. Wie froh war ich, als in der Abenddämmerung der Untergruppenführer endlich die zerschossene Befehlstelle fand — und ich meine Verantwortung, die doch etwas zu schwer für mich war, endlich wieder auf ältere Schultern legen konnte. Nach 3 Tägen wurden die Trümmer des Regiments abgelöst, in St. Marguerite fanden wir uns zusammen und harrten froh des Abmarsches, der uns zunächst nach Linselles führen sollte. Aber leider, für mich war die Schlacht -noch nicht beendigt, ein Funkbefehl kam pim Regiment, daß der Nachrichtenoffizier. des Abschnittes gefallen sei und daß ich unverzüglich zur Front zurückkehren müsse. Es waren gerade keine frohen Gefühle, die mein Herz bewegten, das wird mir jeder Kamerad nachfühlen können. Aber hier gab es kein Säumen. Einer meiner Unteroffiziere setbloß sich mir freiwillig an, wir .nahmen Fahrräder und fuhren im Artilleriefeuer die Straße Comines—Warneton entlang, bis das Trichterfeld Halt gebot. Dann ging es in; Sprüngen querfeldein bis wir wieder mit einem Hopser in das alte Stelldichein^— das ich morgens mit einem fröhlichen: „Auf Nichtmehrwiedersethen“ verlassen hatte — heruntersausen konnten. Und dann galt es die liebe lange Nacht auf Händen find Füßen im Gelände herumzukriechen, die Kampflinie festzustellen und die Nachrichtjenmannschaften einzusetzen. — Als der Morgen kam, machte ich meine Vollzugsmeldung,!der Kommandeur sagte: danke Kamerad! und ich schlich, begleitet von dem Morgenkonzert der Artillerie und befeuert von den Geschoßeinschlägen, an Warneton entlang, den Lyfcgrund abwärts, wechselte hinüber nach de* Straße gen Quesnoy, kam allmählich aus ijler Kampfzone heraus und ein mitleidiger Munitionswagen nahm das verdreckte Etwas, das ich noch vorstellte, in das Leben mit zurück. Nachspiel: Mein Regimentskommandeur gab mich mit den Worten: „Seit Anfang im Felde. Hai sich jederzeit, insbesondere in der Schlacht an der Somme und in Flandern als ein hervorragend tatkräftiger und verant- . wortungsfreudiger Offizier gezeigt und als Führer der INA des Regte, hervorragende Beispiele vonj Mut und. Tapferkeit gegeben“ zum E-K.l. ein, und ich hatte die Ehre, diese Auszeichnung j aus der Hand des Obersten Kriegsherrn entgegenzunehmen. So endete der erste Einsatz in den Flandernkämpfen 1917. Der zweite folgte im Sep- 2

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