Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 22 (28.5.1937)
- Date
- 1937-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 19 Pfennig H E RAUSGEBER: REICHSBUND DUDISCHER FRONTSOLDATEN E.V. WÖCHENTLICH Beiblatt i „DIE H ■ MIT DEN CK K AFT“, OffizleJe» FFIZIEL] Organ MITTEILUNGEN DER KRIEGSÖ Schild, Sportbund deal Reicfaibund )PFER - ABTEILUNG jüdischer Frontsoldaten SdirlfllcttaoS und Verlad s Rddubml Redekttoosn. Auzddenzdiliia Jeden B*zud*pr«l»i RM 0.40 monxtllch Anxdtantarlf darcfa dl* A*xeldenT*gWi Jüdischer FremtzokUten B. tot Erscheinen. Für nnt;llth Pottbestelldeld. Btpa. Verlas. Bei ln V. Berlin W15, Kottürstendsmm 200. Fernraf 91 85 71. Poetschechi n erlenst einsehende Manuskripte wird keine Oewihr Obemomincn. Bei Nlchtlielerons AiodSenprelsi Dl* 9 g«*p*lt*n* Millimeter-Zell* RM 0.1$. SnllenanS*bo :i 1 lenskl * PaknadMt, Berlin W 50. ReSenabnrSer ScraSa 21. F< 76142. T*l*Srafnman*cfarifti Scfalldkantcrad. oha* Verschulden kein Varfütunfsanspruch. :* and . OesodM, Fsmllimatireisen RM 0,10. ü 24 66 97. Po*tsch*ck ■ Berlin 325 29. Vor 20 Jahren: Flandernschtacht 1917 Lrir ne ’ungen eines jüdischen Trontoffiziers / Dem Andenken zweier (27. Mai—3. Dez.) Gefallenen front und Etappe ln diesen Tagen sind zwei Jahrzehnte seit dem Beginn cer Flandern-S :hl<cht 1917 ververflossen, die sich über Honate erstreckte und die bis dahin höchste Steigerung der Kampfmittel des modernen Ma.erialkrieges ebenso zur Wirkung brachte wie das Heldentum des „unbekannten Sold den", den Frontkämpfergeist des 20. Jahrhu iderts. Es ist begreiflich und berechtigt, daß in großen soldatischen Feiern der 20. Wiederkehr dieser Flandemschlacht gedacht wi d. Und wenn wir jüdischen Frontkämpfer der alten Armee in aller Stille und abseits dei Reihen unserer einstigen Frontkameraden di : Erinnerung heraufbeschwören, so sind di:se unsere Erinnerungen und Gedanken da um nicht minder erlebnisträchtig. Tief und u iverwischbar sind in das Gedächtnis vieler unserer Kameraden Namen eingegraben wie Wijt schate, Steenbeek, Houthuist, Poelkapelle, Pass chendale. Namen, wie sie der Flandemkämpler nie vergessen wird. Ortsnamen, Schlachte nnamen sind es, an die manch einen seine Wanden heute noch gemahnen und an die für manche Frontkämpfermutter, für manche Kriegerwaise, für manche Witwe allezeit die lieilige Erinnerung an den bittersten Verlust hreij Lebens geknüpft ist gung vom W e di: garten Zeiten, den wir als Frontsoldaten und uden aus den Schützengräben damals mit leimgebracht. Und wenn in unseren Kamei aden die Erinnerung an Größe, Schrecken und Ruhm der Flandernschlachten heute herrufsteigt, so ist! es am Reichsbund jüdischer I'rontsoldaten, die Nutzanwendung aus dem Erlebten uhd Erfahrenen für die Gegenwart, für unsere jüdische Gemeinschaft zu iehen, für uns* Schicksal und seine Oestal- ‘ ung. Und bekanntlich steht die Schicks alsmtwicklung me still — 1914 so wenig wie 917, 1934 so wenig wie 1937. j An ku Als sich im Herbst 1934 — von 1914, in der Ueberliefei dem Namen und «Begriff (flochten, zum 20. Male jährig des „Schild“ zu diesem / ausgabe „Flandern 1914". heute jene Herbstschlacht 'S Flandernschlacht von 1917, s welch durchgreifender W a und Aeußeren der Kriegsfi Fronterlebens sich in der k 2l/s bis 3 Kriegsjahre voll yWandel, wie er etwa dem 'Sedan entsprechen mag. Und einen ähnlich rapid achten wir in unserem ji seit unserer Flandern-Ausgi il zu dem heutigen Flandern Mai 1937. Immer tiefer h liehe Ablauf in das Leben in das geistig-seelische Se i und in dessen Mitte der Soldaten Deutschlands eingi geblieben, ja befestigt ist Fl ijung Lan w$ laß Ve on 3 eri i d e hruri rze i ogen von $ndernschlacht ruhmvoll mit igemark“ verir der Beitrag eine Sonder- :i gleicht man 1914 mit der ghnt man erst, 1 im Inneren g und des Spanne der hatte! Ein Leuthen bis rt jenes inneren Besitzes in Lebensb zu sucheji Stuhle sil und Nötle den, als Er ist ' als Kam schep zh komman 1; gzirk heute nichts, aber auch gar nichts hat. Wer auf einem jüaischen Amts- , ist verpflichtet, die Wünsche, Sorgen; welche an ihn herangetragen werseine eigenen zu empfinden, r die Gemeinschaft da, er hat-sich :rad, ,als Diener jedes jüdischen Menempfinden, nicht als — Etappenlauf. - fii n Wandel beobijdisclien Geschick 7on 1934 bis •Gec enken, Ende t der geschicht- und damit auch n dis Judentums jüdischen Frontejgriffin. Unberührt unse re Ueberzeu- Die Entwicklung, die mit dem Frontkämpf* leit 1914 im Laute des Weltkrieges vor sich gegangen war, i hat Werner Beumelburg ih .einer packenden Darstellung „Flandern 19171' n der Reihe j,Schlachten des Weltkrieges!' ,cie folgt charakterisiert: | Die FltndernKhUdhl zeigt ein Erziehen jene« neuartige^ kildätentyps, Leute die (luchten, wenn ale im Ruhequartier on den hundert Paragraphen militärischer Disziplin gqwickt wurden, die | durchaus keinen Wert darauf legten, >lle paar Tage aufh neue in das Schlamassel hineingee ichickt zu werden, Tum Orden oder anerkennende Worte m Heeresbericht zu erkämpfen, die aber vorn im Trichtereid das Gerippe jeglicher Verteidigung ausmachten. , Sip itanden mit ihren Kompagnieführern. die mit ihnen im Dreck lagen, gewissermaflen auf du und du, aber sic xtrachtcten verächtlich jeden Ortskommandanten der Etappe, ile hielten untereinander eine Kameradschaft, wie sie aufr ipfemder und treuer nicht gedacht werden kann, aber sie iahen als ihr Recht an, den Feldbäckereikolonnen die warmen Brote und die sorgsam gezüchteten Kaninchen und ien Kommandanturen' das frische Oemüse und die unreifen Cartofleln zu „klauen". Sie wuBtm, auf wessen Schultern m entscheidenden Augenblick da* Schicksal der Front lag. ind im gleichen MaBe, wie sie sich dieser Pflicht mit Selbstverständlichkeit und ohne jegliches Pathos unterlogen, waren sie auch vom Bewußtsein ihrer Bedeutung lurchdrungen. So entstand das unverwüstliche, hundertmal sewährte, durch nichts aus der Fassung zu bringende .Frontschwein"... Wir „Frontschweine“ von damals können [jedes dieser Worte Beumelburgs nur aus ganzem Herzen unterschreiben. Und wir jüdischen Frontsoldaten von einst wollen in unserer jüdischen Gegenwart keiner ....„Etappe“ begegnen. Wir hassen den Etappengeist wie nur Te und sind seine geschworenen Feinde. Wir fühlen und sehein uns Juden in Deutschland allzumal unter gleiches Schicksal gestellt, im gleichen Ringen'und unter gemeinsamer Verantwortung. Wer das als Jude noch nicht begriffen hat, findet bei uns keine Sympathie. Nicht überall, ivo jüdische Arbeit geleistet wird, weht uns| der Geist der Schicksalskameradschaft, i sondern gelegentlich Jeher „Etappengeist“ entgegen, der im jüdischen Da sind ferner jene Zeitgenossen unter uns, die sich immer wieder mit aller möglichen Problem ätik herumschlagen und ihren dialektischen Drang unaufhörlich für Auseinandersetzungei um Dinge aufwenden,“welche heute für uns einfach ins Bereich des . Abstrakten und Th oretischen, des Unzeitgemäßen gehören. Wir anderen, deren Aufmerksamkeit hierfür mit Beharrlichkeit bemüht wird, fragen Ja, haben denn diese Leute gar anderen Sorgen? Wissen sie die sehr realen Nöte, die uns wahrden Nägeln brennen? Leben sie denn Art geistiger Etappe und ähneln die Liebhabereien, die sie so wichtig nehmen, nicht vei zweifelt jenen „sorgsam gezüchteten Kaninchen“ bei den OrtskommandanturenT' es an ‘ der „Front“ ums Brot, ums Dasein rieht —? Mal sind es reine Personalfragen jiidischer Gremien, ein andermal sind es Differenzen innerhalb des Organisationslebens, die, wenn man der Sache auf den Grund f eht, ihren Ursprung lediglich in Prestige- 'ragen haben; man wird genötigt, auf solc te Dinge Zeit und Nervenkraft zu iden, die doch heute ausschließlich für positiv^ Arbeit, für produktive Hilfe, für den Dienst an der Gemeinschaft eingesetzt sollten. Manchenorts scheint es geam rechten Augenmaß zu fehlen was unter den heute obwaltenden uns nur keine nicht um lieh auf in einer werden legentlicli für das, Umständi n wirklich' wesentlich ist und was u n w esc Und d i! Minderzi Schuß“' Jene die ihrer haben geben“ Gemeinsi Dicken seres jü< Tyjei gl i' n 11 i c h - nn jene Typen (gewiß eine kleine a|il), die sich anscheinend „fern vom ühlen, in sicherer Etappe wähnen! n, die nur an das liebe Ich denken, jüdischen Pflicht schon genügt zu üben, wenn sie da oder dort ,Hellaben, sich im übrigen aber von der icfiaft distanzieren zu können meinen. lbstsüchtigen „Etappenschweinen“ und sehen Daseinsringens, denen die Nöte ihrer Ger leinschaft noch nicht einmal die Haut berühren, muß begreiflich gemacht werden, daß auqh sie im Feuerbereich fies Schick-