Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 21 (21.5.1937)
- Date
- 1937-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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noch 200 Ärgentiner geliehen hatte. Unsere Gemeinschaft besteht also jetzt aus 13 Personen, besitzt 33 Hektar bepflanztes Land, ein großes Haus, 24 Stück Vieh. Wir pflanzen Baumwolle, Mais, Bohnen, Manjok usw. Die erste Ernte ist im April/Mai. Wir sind die erste größere Gemeinschaftssiedlung in Paraguay und möchten gern ein gutes' Beispiel für die anderen bieten und es möglich machen, zukünftigen Einwanderern behilflich zu sein. _ * Aus einem Brief vom 4. April d. J.:_ „... In der Zwischenzeit haben wir wieder sehr viel -wertvolle Arbeit geleistet, das Land weiter bebaut, neue Ställe errichtet usw. Es wäre jetzt dringend nötig für uns, Vieh zu kattfen, insbesondere Milchkühe, um die Ernährung zu verbessern, Zugochsen und Pflüge, um die Bebauung besser durchführen zu können, usw., also vieles, um den Wert der Siedlung zu steigern und ertragreicher zu gestalten. Unsere Baumwollernte ist -in Anbetracht dessen, daß wir Neulinge waren, nicht schlecht," aber doch nur als mittelmäßig zu betrachten Sie ist im Moment unsere einzige Einnahmequelle, d nächsten Ernte (\ Wir haben jetzt zuschränken, ahkr die von uns geteilt von der im Aufb > es unmöglich, auf keilen zu verzichH und das Klima an uns, und es glieder der Kamsjr die Tatkraft Siedlung zu einer lassen. ihn st« 1 is: besK: ien, e unsere Ernährung bis zur lai nächsten Jahres) ergibt, .schon begonnen, uns einbei der körperlichen Arbeit, 4et werden muß, besonders iu befindlichen Jugend, ist dringende Lebensmöglichj. Diese körperliche Arbeit len enorme Anforderungen ein Glück, daß alle Mitadschaft den Willen und sn, durchzuhaften, um die neuen Heimat werden zu ... Wie Ihnen auch gern bereit, Leute, die aus len, bei uns auf Natürlich müssen daß sie für die können. Weiter ist Land billig zu k raden ansiedeln 1 mer wieder die k Wille, auf vieles land eine Selbstvei D<u er« t schon mitgeteilt, sind wir körperlich geeignete junge tschland auswandern wol- 2 unehmen und auszlubilden. sie soviel Geld mitbringen, e Zeit für sich aufkommen hier noch eine Menge gutes ^ufen, auf dem sich Kamennen. Erforderlich ist imirperliche Eignung und der verzichten, was in Deutschi ständlichkeit ist.“ .Sportjugend im Urwald Brasiliens ... Nun sind wir schon 10 Tage im Urwald. Nur schwer kann man sich einen Begriff davon machen. Es gibt kaum derartige Kontraste wie gerade hier. Am Tage in glühender Sonne'auf der Rossa (geschlagener Urwald) zu stehen und zu hacken, gleichzeitig gegen Sonne, Boroschuten, Wespen und Unkraut ankämpfen, ist garnicht so einfach. Sonnd brauche ich nicht weiter zu beschreiben; sie kennt jeder, besonders dannrt_wenn sie unbarmherzig auf einen herniederbrennt. Boroschuten: ein Punkt für sich. Kieme unscheinbare Tierchen in der Größe der deutschen Gewittertierchen bezw. ganz kleiner Fliegen. Sie haben die immerhin interessante Eigenschaft, einen auf jede erdenkliche Art und Weise zu belästigen. Zu hunderten umschwirren sie einen. Suche ich Jörg oder Christoph, so sehe ich mich nur nach einer dicken Wolke Boroschuten um: habe ich diese entdeckt, so weiß ich, da drinnen stecken sie! Kommt man näher heran, so entdeckt man erst einmal nur dicke Quaddeln, hervor- . gerufen durch das Gift, das sie dem raensch- * liehen Körper einspritzen. Langsam schält sich ’ dann aus diesen Quaddeln eine Gestalt heraus, die Jörg oder auch Christoph sein kann oder besser „war“. Man gleicht nahezu Aussätzigen. i Unkrautjäten im Sojabohnenfeld: Man bewaffne sich mit einem Vergrößerungsglas einerseits, einem Verkleinerungsglas andererseits. Das erstere zur Entdeckung der Soja- » Auswanderung Okt. —Dez. 1936 f>te Meldestelle für -Rinnen- und Auswanderung beim Preußischen Landesverband Indischer Gemeinden gibt bevölk*rttitg$sUtistisch sehr interessantes .Material über das leiste Vierteljahr 1936 bekannt. Von Oktober bis Dezember 1936 liegen 7543 Wegzugsmeldungen vor; diese verteilen sich auf 2282 Binnen- und 5261 Auswanderungen. Interessant sind die Gesamtziffern der Auswanderung, sowie die Feststellungen über die Wanderungsziele. Auf die sechs Groß-Gemeinden Berlin, Frankfurt a. Breslau, Hamburg, Köln und Leipzig entfallen 3480 Auswanderungen oder 66 v. H. der Gesamtzahl, während diese Gemeinden nur 55 bis 60 v. Hder jüdischen Bevölkerung umfassen, lieber die Wanderungsziele wird folgendes festgestellt: Fs gingen nach: Südamerika 2t v. H. U S. A. 2,9 v. H. Südafrika 18 7 r. H. Westeuropa 14 v. H. Palästina 12 ▼. H. Für die Frontgenerati o-n ist insbesondere auch die Attersachkhtung interessant Ts waren unter 20 19J ». H. . 20 - 29 * 30 v. H. 30 - 39 22.4 v. H. 40 - 49 13.7 v. _ Aber 50 14.6 v. H. •ei erwähnt, -daß 7S v. H. der Auswanderer des Vierteljahrs 1936 die deutsche Reichssmgehörigkeit bohnensträucher. „Unkraut“ kaum noch gesagt wirc sollen. Das Verk|e wald in Unkraut ja 3 m hohe Pf zeichnen, ist Dies wäre das V& jäten“. Aber kräffi; Zur Erheiterung bereits an das Gestalt unseres um 12 Uhr servi ich darum, weil wisse Abwechslung gibt es Reis mil Reis, dann mal auch mal ohne statt mit Salz wechseln ähnlich lieh nicht bange des Dinners. fa: rt Denn die sind unter dem zu sehen. Gut, daß einem daß Sojabohnen da sein inerungsglas, um den Urzu verwandeln; denn 1—2, anzen als Unkraut zu bedoch ein wenig üppig, esentlichste beim „Unkrautig schlägt man sich, durch, des Gemütes denkt man leckere Mahl, das einem in täglichen Reis und Bohnen wird. „Fast täglich“ sage doch immerhin eine gevorhanden ist. Denn mal Bohnen, mal Bohnen mit wieder Bohnen mit Essig, Salz oder gar mit Zucker ides sieht hier zum Veraus); so braucht man wahrzu sein um die Gestaltung e rt (liei Von 12.30 bis 14 Uhr ist dann Mittagsruhe im Palmiter rancho! Zunächst eine kurze Erklärung, was i in „Palmitenrancho“ ist. Es setzt sich zusamrien aus Wänden, über denen ein Giebeldach ist. Die Innensowohl als Außenwände we rden aus Palmiten hergestellt. Es ist eire Art Palmen. Die Stämme werden so gesp alten, daß man 3 . längliche brettähnliche Dir ger erhält. Aus diesen fertigt man nun die W inde und zwar so, daß zwischen den einz:lnen Stäben ein möglichst großer Abstand ist. Der Regen kann dann besser herein, d e Sonne gleichfalls und man spart evtl, ein Fenster, da genügend Licht und Luft durch die 4—6 cm breiten Spalten dringt. Sollte trotzdem eine Oeffnung an der Wand sein, so > erhängt man diese mit einem alten Sack. Vor innen gegen das Licht betrachtet, erinnert er lebhaft an ein Moskitonetz — wenigstens eine herrliche Illusion, wenn man von Boroschuten umschWärrat wird. — Sollten irrtümlk herweise die Palmitenstämme (die übrigens i nmer senkrecht stehen) ganz dicht beieinander stehen, so ist dies übertriebener Luxu . Solch ein Luxus herrscht in dem Zimmer von Jörg und Stoff!. Sie haben sogar e n richtiges Fenster, d. h. eine fenstergroße Oeffnung, ohne Moskitonetz allerdings, dafi r aber mit einem richtigen Fensterladen: N ichtsdestotrotz im großen und ganzen haben fie zwei in ihrem Luxuskäfig genau so viel f oroschuten wie icfh in meinem Proletarierkäfig Wie weit man dabei von Ruhen spreche ti kann, kann man sich an seinen 10 Finj ern selbst ausrechnen, d. ti. ich schlafe und ruhe mittags immer ganz ausgezeichnet. Mein Fotostativ stelle ich über meinem Haupte auf, bedecke dieses mit einem Verbunden hat uns schon Geburt Geheimnisvoll mit Menschen, Ort und Zeit, Und nur allmählich zeigt sich dir die Furt, Die hin zu andren Ufern schenkt Geleit - Zu fremden Menschen, fernen Städten, Ländern, Die nichts von deiner Kindheit Märchen wissen. Sie fordern, daß wir wachsen und uni ändern, Und nach uns greift ein mitleidloses Müssen. Und doch! — Zuweilen mitten im Gedränge Des Forderns, Suchens, Findens und Gestaltens - Zuckt leise Ahnung auf, es weitet sich die Enge Und Kindsein, Elternhaus, des frommen Händefaltens Siegsicheres Gebet am Abend vor dem Schlummer, Ein Winkel in des Gartens süßvertrautem Raum, Ein Kinderlachen und ein Kindheitskummer, i Öer erste Sündenfall, geheimsten Stolzes Traum, Ernsthafter Freundschaft Schwärmen, die Geschwister, Ein Lieblingsweg in nahem Waldes Schatte, Der guten Mutter liebevoll Geflüster, Das Wichtigtun, das tausend Nichtigkeiten hatte- Das Alles und noch mehr — wie ist es fern und nah!! Du glaubst so Manches längst entflohen und vergessen, Nun plötzlich rührfs dich an, ist dein, ist da, Blieb Fleimat dir, die immer du besessen. Jetzt horchest du auf solcher stillen Stimmen Raunen, Erkennst, wie endlos reich du bist, Und daß der Kindheit seligtiefes Staunen Glückhaft bewahrt in dir und unverlierbar ist. Davil Schönberger. lllllllllllllllllllllllllllllllllllHllUltUlU^^ Badelaken und schon kann ich boroschuten - los schlafen. Nun noch etwas über die Zimmer selber. Jörg hat seine sehr nett eingerichtet. Eine alte Kiste ersetzt einen Kleiderschrank. Zwei richtige Betten flankieren den Schrank. Dann steht noch ein netter polierter Tisch in der letzten freien Ecke, zwischen Fenster und Tür. Viele nette Bilder auf der Tischplatte gruppiert, geben dem Ganzen einen heimatlichen Hauch. Man kann sich dort wirklich recht heimisch fühlen. In meinem Zimmer stehen gleichfalls zwei Betten. „Betten“ ist in meinem Fall etwas zu viel gesagt. & sind einige Palmitenleisten, auf die em paar Querleisten genagelt sind. So liegt man ca. 20—25 cm. über dem Erdboden. Als Tür dient ein alter Vorhang, dessen ehemalige Verwendung undefinierbar ist. Hat man nun „geruht“, so geht die Arbeit des Morgens am Nachmittag weiter, mit dem einzigen Unterschiede, daß es vielleicht noch drückender geworden ist. — — Doch leise kommt der Abend. Ist das Tagewerk getan, Pferde gefüttert, Ziegen gemolken, gebt es zum Großreinemachen. 30 m vom Randu