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Der Schild · 1937-05-08 · 19 (8.5.1937) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
19 (8.5.1937)
Date
1937-05-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I Das Bekenntnis zim^SeholIe, zur-Landarbeit als Quell sittlicher Und physischer Kräfte, liegt tief im Wesenskern des Frontsoldatentums beschlossen. So suchen auch Wir jüdischen Frontsoldaten diese Ideen und Erkenntnissein unseren Reihfen, und nicht zuletzt bei der jüdischen Jugend, vorwärtszutreiben. Wir Hoffen, daß unser Wort gehört und unsere. Mahnung zu nachdrücklichster Förderung und einheitlicher Organisierung jüdischer Siedlungsarbeit als Kernstück des Wanderungsproblems beachtet werde, .wenn wir heute anläßlich des geplanten Wanderungskongresses daran erneut erinnern. ' * Wie es dem Wesen und der Aufgabe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten entspricht, ist hier, im „Schild", die Bedeutung der Tatsache schon öfter hervorgehoben worden, daß während des Weltkrieges zum ersten Mal in der Geschichte der jüdischen Diaspora Hunderttausende jüdischer Männer Gelegenheit hatten, sich in allen Armeen und an allen Fronten als Soldaten zu bewähren und daß viele Tausende Gefallener zu Blutzeugen dieser Bewährung geworden sind. - Diese wahrhaft bedeutsame üeschichtstatsache im Bewußtsein zu aktivieren, gehört gewiß zu den besondere^ Aufgaben der überlebenden jüdischen ^-Frontkämpfer des Weltkrieges. Sie darf bei Iler Durchdenkung und Behandlung der Judenfrage von uns aus nicht außer Betracht bleiben, im Gegenteil. Und tatsächlich ist sie bei verschiedenen Anlässen jüngster Zeit hier und dort, von jüdischer wie von nichtjüdischer Seite, abgezogen worden. Als ehemalige jüdische Frontsoldaten schenken wir dem Beachtung. So hat der Präsident' der Landeskanzlei ungarländischer Israeliten Hofrat Stern im ,,Pesti Xaplo" auf verschiedene Angriffe gegen die Juden heit Ungarns in Zeitungen, Versammlungen und im Parlament erwidert. Er hat dabei die jüdischen Leistungen auf wirtschaftlichem. politischem, wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet erwähnt, vor allem aber hervotgehoben, daß im Weltkriege zehntausend ungarische jüdische Helden mit ihrem Blute besiegelt haben, daß sie für ihr Vaterland picht nur zu leben, sondern auch zu sterben. wissen. Ohne die Friedensarbeit, die im Kriege geleistete Pflichterfüllung und die seit <p*yn Zusammenbruch bekundete patriotische: OpferwiIIigkeit des -ungarischen Judentums würderi die Uebelstäfide,. unter denen Ungarn leidet, noch viel größer und schwerer sein; dies könne auf Qrund von Tatsachen und Daten festgestellt werden. Aus—Frankreich interessiert eine Erklärung zur Judenfrage, die der Oberst de la Rocque als Führer der französischen Sozial-Partei abgegeben hat. Denn diese Partei ist die Nachfolgerin des gleichfalls vom Obersten de la Roque geführten, dann aufgelösten französischen Fröntkämpferbundes „Feuerkreuz" und hat ssine faschistische Ausrichtung. De la RoeqUe erklärte, seine Partei sei nicht antisemitisch, sei jedoch gegen jüdische Einwanderung nach Frankreich. , Die französische Nation stelle eine Rassenmischung dar; es Meine Beziehungen zu Kapitalkräftigen Koniinteressenten sichern Ihnen einen rftSChtll and günstigen Vsrfcsuf Ihres Be~ triebt. Ich erwarte Ihre noeerblhd' liehe Aafra£e. 8. Bruchsaler, Vermittlungen STUTTGART-Ö, Netkarstrabe 69, III Schusses >für jüd der englische Stanley eine Ans^i Leistungen der krieg hervorhob bezeichnete, daß das Recht zu dürfe. Meine Erik zurück, sagte er dächtnis nicht reicht wenigstens Zeit des Krieges den Menschen n: oder Jude? Ni Tagen: Du darfs: du bist ein J Tagen des Frred^i bist, darfst du dies für den Hunderttausender halten, die auf in den Ebenen sie gemeinsam ben. Sie haben diesps Landes g umfaßt und kein Geburt und des sch-religiöse Erziehungsarbeit Unterrichts minister Oliver rache gehalten, in der er die britischen Juden im W e 11 - und es als selbstverständlich ihnen nun auch im Frieden ltben nicht bestritten werden inerung reicht nicht sehr weit aber so kurz ist mein Oerie das mancher Leute: es zwanzig Jahre bis in die zurück. Damals haben wir i :ht die Frage gestellt: .Christ epiand sagte in jenen trüben für uns nicht sterben, denn e. Sollen wir jetzt in den ns sagen: Weil du ein Jude uns nicht leben? Ich würde schwärzesten Verrat an den von Christen und, Juden den Feldern Flanderns und Palästinas gefallen sind, wo ki mpften und gemeinsam starfür die überlieferte Freiheit efämpft, eine Freiheit, die alle Unterschied der Partei, der Glaubens kennt. e n, IT' wäre sinnlos, gegen einen Franzosen wegen seiner Abstammung oder Religion feindlich eingestellt zu sein, besonders wenn er a m Kriege teHgenommen hätte. „Das. einzig« Kriterium für uns ist Assimilation mit uneingeschränkter Annahme französischer Sitten uhd Gewohnheiten, Gefühle und Gedanken; alle diejenigen, die zwar französisch« Pässe besitzen, sich aber unserer Nation gegenüber wie Fremde verhalten, betrachten wir als Ausländer."“ In «.London_hat als Ehrengast des Aus- Der jüdische Heldentempel in Budapest Budapest hat e n reges jüdisches Leben und der große Temp:I in der Dohanyistraße soll mit seinen 3800 r umerierten Sitzen das größte Tempelgebäude! eit Salomonis Zeiten sein Auf dem gleich« n Baugrund hat man den Heidentempi I errichtet zu Ehren der j ü - d i s c h e n G e f; 111 e n e-n im Weltkrieg. Im Museum v erden dem Besucher einige Modelle von Em würfen für ein großes Ge-. fallenendenUmal gezeigt, alle sehr I wuchtig und eir drucksvoll in ihrer Anlage, ' die einen stark geschmückt mit Figuren und ■ Symbolen, die; nderen wieder einfach und von besonderem Ernst ihrer schlichten Linien- und Gedanken-Führung. Man hat aus äußeren Gründen von de; Ausführung all dieser Entwürfe abgesehen, Aber man hat den Heldentempel gebaut. Die hochgezogenen Arkadenbogen des. große l Tempels umschließen einen klaren, recht eck i jen Hof gegen die belebte Straße hin. Hell« Steinumrandung faßt einen wundervollen, gl« tt geschorenen Rasen, dessen Rechteck an der Stirnseite von zwei hohen Kandelabern flar kiert wird, die ganz oben einen liegenden Mögen Dovid tragen. Und dahinter steht — nein, ruht, beruht der Heldentempel; sein -drei gegründetes, helles Quadrat mit den drei -sc llanken Eingangsbogen und der niederen, schimmernden Kuppel, von einfach geformten, Meinen Zinnen umkränzt. So wenig jüd sch eigentlich der Helden- ~tempel von auß« n anmutet, so stark strömt einem beim Betreten des Innenraumes alles Jüdische entgege i und zwar in einer Form, die unserem heutigen Kunst- und Schönheitsbegriff sehr nähe kommt. Der Raum ist von allergrößter Schli chfheit und Würde. Durch die oben durchb roebene Kuppel fließt das Licht des Himm« Is“ herein. Die Fenster und die Estrade um den Altar tragen moderne Schmiedeeisenarbeit, die immer wieder den Mögen Dovid zun leitenden Motiv hat. Alles ist in heller Stenfarbe und einem dunklen Metallgrün gehalten. Ueber der niederen Eingangstür sind zu einem Mögen Dovid an^eordnet ungarische Worte, die von der Ehre der Gefallenen sagen i ind von der großen, heiligen Verpflichtung der Nachwelt ihrem Opfer ge- . genüber- Der Raum ist I dein und ernst, aber nichts von Trauer ist ir ihm. Die Trauer hat sich gewandelt-zu fei chtendem Bewußtsein, zu einem Gefühl des Verbundenseins in die Vergangenheit und Tukunft. Im Heldentempel finden heute dk Wochentägsgottesdienste, Trauungen und ai ch Barmizwoth statt. Ueber allen Handlungen des heiligen Dienstes schwebt der Gei t und das lebendige Gedenken «lerer, die in ihrem jüdischen Glauben und ihrer treuen l.iebe zur Heimat ihr Leben geopfert haben.“ H. M. Ein jüdisches Charakterbild aus Südafrika Aus unserem oberschlesischen Landesverband wird uns geschrieben: Oft lesen wir im „Schild" von dem, „was alte Soldaten interessiert". Wir lesen vom „Unbekannten jüdischen Soldaten“. Auch sind „Heroische Gestalten jüdischen Stammes" in unserer Bundeszeitschrift besonders'gewürdigt worden. Alles dies trifft in gewissem Sinne auf einen jüdischen Mann zu, der Ende vorigen Jahres im Alter von 74 Jahren in der Kap-Provinz Südafrikas das Zeitliche segnete:.auf den Senator Franz Gin$- berg von King Williams Town. Seine Wirksamkeit als Stadtverordnete, Bürgermeister, Fabrikant, Farmer, Finanzier, Wohltäter, Leiter und Vorsitzender von Untelr* richtsgremien usw. ist anläßlich seines Heimganges in der Presse jenes fernen Landes Kaffaria eingehend . dargestellt worden. Die hohen Verdienste dieses Mannes, der in Beuihen O/S. als Sohn eines Mathematikprofessors das Licht der Welt erblickt hatte und 1880 nach.King Williams Town gekommen war, wurden in einer Form gewürdigt, die uns mit Stolz erfüllen darf. Für uns als jüdisches Frontsoldaten-Blatt ist vor allem interessant, was ein Mann, der ihn vierzig Jahre kannte, Ph. Gutsche, über seine Haltung während des Weltkrieges berichtet. Nur auszugsweise können wir hi«f davon Notiz nehmen. „Gerade in den KriegSjahren“, so heißt es in der Deutschen Zeiturig für <jie Ostmark der Kap-Provinz, „bewies er sein politisches Wissen und . seine Treue. Wenn wir in King Williams Town weniger schlecht gefahren sind als die meisten andereh, so ist manches davon seiner Führung zu verdanken. ... Zur Zeit der spanischen Influenza- Epidemie zeigte sich Herr Ginsberg als echter Freund der Einsamen; fast täglich packte er ein Auto voll mit Lebensmitteln und Krankejifürsorgeartikeln und fuhr ins Land. Er vermied möglichst Ortschaften und suchte gerade abseits liegende Häuser und Gehöfte auf, wo er dann häufig als wahrer Retter in der Npt erschien.... Nie sprach er von seinem eigenen Wohltun, aber mancher Deutsche gedenkt noch heute liebend und dankbar seiner Hilfe.«. Doch sei es gestattet, darauf hinzuweisen, daß der Verstorbene in seiner Frau eine wahre Helferin in dieser Tätigkeit hatte. Die Armen der Stadt haben in ihr stets eine tatkräftige Helferin in der Not gefunden und wenn das Gebet «ler Unmündigen, der Waisen, der Notleidenden und der Geknechteten erhörlieh ist, dann sieht nicht nur Franz Ginsberg einer fröhlichen Auerstehung entgegen, sondern auch Frau Hedwig wird reichlichen Trost sch«*u hier erfahren...." ' * Aus den zahlreichen englischen Nachrufen in den verschiedenen südafrikanischen Zeitungen will ich nur einen als besonders bemerkenswert hervorheben, weil er von einer Trauer- Kundgebung im Senat berichtet. Senatdr Ginsberg, so heißt es,; war ein ernster Mitarbeiter und ein Mann von ungewöhnlichem Format,- — an outstauding figure. — Von Seiten der {rationalistischen Partei (Nationalist party) Schilderte ihn Senator Vermeulen als ein Mitglied von ruhiger Sinnesart, der nicht übermäßig häufig, abelinhaltlich stets Wertvolles sprach- Er hatte, so sagte Senator Boydel, ein besondere^ tiefes Pflichtgefühl und hob seine G e - wissen haftigkeit und seinen Diensteifer hervor. | Die Trauerkundgebutig, welche auch jn Ge* gen wart des Postuhd Telegrafen-Ministers etc. stattfand, wurde vqm ganzen Haus stehend angehört. Hauptucli und verantwortlich für!den redaktionellen Teil. Dr. Hana Wollenbierg, Berlin-Wilmersdorf; für den Anzeigenteil: Dr. Martin Benaki; Berlin W50i Druck: Buchdruckerel R. Scherk, Berlin SW D.-A. I. Quart. 1937: 14000. 2

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