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Der Schild · 1937-05-08 · 19 (8.5.1937) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
16 (1937)
Issue
19 (8.5.1937)
Date
1937-05-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Mein „zw Eine Erinnerung eiter Geburtstag cum Muttertag om’9. Mai 1937 i i „Der Tag, an dem bekomme, soll Dein sthrieb mir einmal sich meine Rückkehi Kriegsgefangenschaft hinauszog. So ist der ./weiter Geburtstag“ ' onaten französisch: d einer Abwesende fünf Jahren traf ich mit einem Transport Bahnhof Zoo ein,j 24 hatte ich Abschied] — ruhten bereits die schnell vergessen; und »herfüllten U-Bahn sie aus mir machen seltsamen Aufzug, ha|l mit meiner Kiste klopfendem Herzen führ. Meine Mutter hatte Wiesen, zu Hause einefi Kampf zu bestehen Männer“, Mann und n der fußten gar nicht was einem Zivil, und um Viktoria-Luisd-PIatz sjollten, als ich in b Uniform, halb auf dem Buckel Ihre Kraft schöpfte nach einem /u neuem Lebensmut und Licht ir Sieder in ihren Hämdq rief an mich als un die Nachricht von' „Schütze K M. von <omp. des 168. hdss. Inf. Regts. vor Verdun, zw 24. Oktober 1916 •Thiaumont und Fleury, vermißt.“ ausgereifter Mensch 1 abe ich mir Qualen sie die langer heit verbracht haben benszeichen aus der fangenschaft von mir Als ich wieder da .Erzähle!“ „Wozu“, vieder sein“, als mein ,’ierzig ich Dich dereinst i weiter Geburtstag meine Mutte aus der französischen ijnmer wieder und wieder 23. Februar I9A geworden. Nach r Kriegsgefangenschaft it von fast ins) gesamt im Abend dieses aus Münster au: Jahre alt, und mit 19 fiommen. Seit 16 Monaten qffen. Man hatte damals die Menschen U auf sich selbst angenicht minder schweren jehabt, wie ihre „drei Söhne,' draußen sie aus der Hoffnung Wiedersehen, eine Nachricht von uns war für sie Auftrieb ihre dunklen und einsamen Tage. Und plötzlich hielt sie ein an Irnich gesandtes Päckchen ann kam ihr kchen letzter Dann meinem Truppenteil: der Maschineng :wehrn gi n; di »estellbar zurück. Stellung davon machet können, unt:r welchen Wochen deij Ungewißmuß, bis das erste Lefranzösischenj Krjegsg:- eintraf. war, bat sie micjh oft: sagte ich s :ets, emc ist ja alles wieder jut.“ Ich ging schnell zu einem anderen Gesprächsstoff über. Für zu einem anderen Clespr; denjenigen, der es licht miterlebt hat, ist doch alles unvorete! bar. Die Kämple Verdun sind heute als die furchtbarste Episode des Weltkrieges anerkannt, und anläßlich der 20 jährigen Wiederke ir der verhingni französischen Durchbruchsoffensiv.: i» letzten Oktobertager 1916 sind vor vier Monaten zahlreiche Erinnerungsa ifsät ie erschienen, die das Grauen wieder aufejstehen ließen und deutlich machten, warum der' Verdunkämpfer am Ifebslen schweigt. „Es lag wohl daran, daß Verdun die seit Ischen Erst als Vorumformte. Wer durcli dies Schlammfeld voll Sterben und Schreier gewatet, wer in diesen Nächten gezittert, di r hatte die Grenzpfähje des Lebens passiert and trug nachher tief in sich die dumpfe Eri merung an i ge tu einen Raum, der sich zwischen Lebet uni Tod oder jenseits beider befinden maj“, schreibt Werner Beumelburg in seinem „Couaumont“- Buch.... Diese Wochen br ngen für Tausende und Abertausende von elemaligen „Pjisonriers de guerret“ Erinnerungstage ihrer spät, seion fast nicht mehr erhofften Heimkehr, und auch' ich blättere wieder einmal in meinem kleinen Tagebuch, herum, dis ich aus der Gefangenschaft mit nach Hi use ge das die verschiedet en Etappen der Monate verzeichnet. Da steht u. a. am 1918: „Um 11 Uhr mittags Verkündung des {Waffenstillstands“. Wir sind, etwa 600 Deutsche und 400 Oesterreich« r, in Garchislr bei auf dem Baugelände einer groß fabrik beschäftigt. Plötzlich heilen auf, Männer und -rauen stürz!« ans Büro? und rufen: „Li guerr« fini! UMlua e, und vierzig 11: 11. Nevers Majchinen- Sirenen den Der „Capo“, der uns beim Betonieren beaufsichtigt, jibt uns stumm die Hand. Wir beginnen zu hoffen. Sec iS Monate später, 17. Mai 1919:-„Wir werden verladen“. Aber nicht nach Deutschland, sondern — an die Front zurück nach Pdronjne' an der Somme zum Wiederaufbau des zerstörten Gebiets. Nach 2 tägiger Fahrt im Güterwagen erreichen wir am 19. Mai. Amieris. All« ist wieder da: Granatlöcher, Schützengräben, Drahtverhaue. In der darauf- folgenden Nacht werden wir, 287 Mahn, in der zerschossenen Kaserne: von Püronne einquartiert. Mit Spitzhacke und Schaufel gehen wir d^n Trümmern der zerstörten Häuser zu Leibe,j deren einstmalige Insassen zurückzukehren beginnen und vorerst in provisorischen Baracken untergebracht vierden. Aus den Artillejrieunterständen oben lauf dem Friedhof bergen wir'öjranaten jeden Kalibers. Daneben auf dem Heldenfriedhof, wo | Deutsche, Engländer Franzosen 1 fan Tode vereint unter! unförmigen Holzkrtjuzen ruhen, auf deren {Spitzen graue, blaue und braune Stahlhelme hängen, exhumieren englische Soldaten, mit Schutzmasken ausgestattet und unter viel Tabaksdampf, die vierwesten Gebeine ihrer Kameraden, um sie in der Nähe gesondert ^u bestatten. Am Sonjntag kommen aas Paris Reiseomnibusse mit „Schlachtenbummlern“. Seit Jahren sehen wir wieder einen gut angezogenen Zivilisten find namentlich der IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIUIIIIIIIIIIIIIÜIIIIIIIIIIIIIliilllllllllN Das Kleeblatt Die Verfasserin, Mitglied unserer Kriegsopfer •bteitun? hat ihren Einzigen auf dem Felde der Ehre verloren. „jetzt Wo „Auf {eures Sohnes Grab im Feindesland „Ich jüngst ein glückbedeutend Vierblatt fand“ Schrieb einst sein Freund, der an derselben (Stelle, meiner sank in Nacht, mit anderer Mütter 'Söhnen Noch hielt die treue Wachtf „Ich wollt’s euch schicken, weil vielleicht „Es Freude euch gemacht;] „Doch hab’ ich's besseY dann bedacht: „Ich ließ es ihm!“ So schrieb.der Kamerad. Mir riß das Wort die blutige Wunde auf — Als Vom Für Gilt, Audi Ein Ein jjlücksblatt ihm? Was hat am Glück denn der noch Teil, Der alles Erdensein schon ließ? Gäb'j Glück denn noch in jenen Höhn, Die Menschenwissen unerforschbar sind? _ . Mich riß das Wort in Ewigkeiten, Seelen [„ v^eltallsfemen jäh hinein: Das Ein täte sich vom Seeleifsein unbekannten drüben] — dort einen Atemzug def dunkle Vorhang fort: was die Menschen Glück benennen jenseits dieser trübep Zeit? Frohes gar, das hier wir noch nicht kennen, hielte uns in Ewigkeit? Qiücksblatt dir! Oh, daß er recht gesagt Und Auf Ein Oh ln seines armen Sinns ejnfält’ger Treu! Verstund' Ich’s, daß voit Glückeswissen. , dir auf Erden schon] so früih erlosch, ..„„ ewig dich im All verklärt -i- Im 1 Dunkel hier noch wandern müssen, Ich rüg’ es willig all me|n(tiefest Leid klaglos-kennfjeslt du (noch Glück! meines Kindes Grab im Fe ndesland Glücksblatt, das ein Kriege, fand- Mutterherz, wie weh das tut! Doch denken, daß im unbekanrten Land Den Weg zu dir em Olücksstrai I fand .- Oh (Mutterherz, das tät’ dir gut. Tl ekla Skorra. Mütter und Helden Die nächsten Verwandten, der Helden sind die Mütter. Die Menschen haben ihre feste Dienstzeit, aber für die Helden und die Mütter gibt es keine Wachablösung. Weder die Mütter noch die Helden vertrauen auf andere. Weder den Helden noch den Müttern 'steht es frei, sich ihrer Berufung zu entziehen. ■ Refii Quinton. (Aus: ,,!)ic Stimmt des Krieges“, TheÄH und Maximen eines französischen Frontkämpfers. Der Graue Verlag, Berlm-Ziirich.) Anblick der jungen Frauen in ihrem neuesten, kniefreien Moderock macht uns glücklich und — verwirrt zugleich. Noch war nicht alles in uns erstorben.... Wie nahe wir hier der „Zivilisation“ gewesen sind, merken wir erst, als wir ara 10. August 1919 uns unserem neuen Kommando nähern. Am Eingang des Ortes steht eine Tafel mit der Inschrift, „This was Villers- Carbonel“ Und in der Tat, von Villers-Carbonel ist nichts mehr. Der ganze Ort liegt als Trümmerhaufen in einem großen Trichterfeld. Wir werden in Baracken, die auf dem bloßen Lehmboden stehen, oder in Zelten uritergebracht. Ein hoher Stacheldrahtzaun umgibt uns und trennt uns zugleich von dem anschließenden Lager unserer Kameraden, die bei den „Tommies“ sind. Leute werden gesucht,; die französisch sprechen. Wir kommen zu driftt zu einem Geometer, der die Aufgabe hat, die alten Parzellen wieder abzustecken. Wir stolpern wieder über Draht, durchqueren riesige Granattrichter, zerreissen uns an „spanischen Reitern“ die Sachen, stoßen auf Knochenreste, Helme, Brustbeutel, Pfeifen, steigen hinab in einen Unterstand, um Stollenbretter herauszureißen. Da recken aus der Lehmwand fünf Paar Stiefelsohlen sich uns steif entgegen. Wir stürzen entsetzt nach oben. Doch da ist etwas noch Furchtbareres: Diese lähmende Stille über dem weiten Todesfeld. Dann fassen wir uns und gehen hinunter, legen die Gebeine frei, finden die Erkennungsmarken. Es sind 5 deutsche Soldaten, die scheinbar im Schlaf verschüttet wurden. Ein paar Ueberreste von .jedem nehmen wir in den kleinen englischen Oeltanks mit, die auf dem Felde herumliegen, und an jeden binden wir die Erkennungsmarke. So halten wir es auch ferner, wenn wir tote Kameraden fanden. Wir bekommen die Erlaubnis, sie zu bestatten. Einer baut eine Grabhügelschablone, andere schnitzen Holzkreuze und in diese -den Namen von der Erkennungsmarke,, andere wieder ziehen einen Drahtzaun. Nach kurzer Zeit —> sind viele, tadellos ausgerichtete Hügelreihen 1 da, und über dem Eingang hängt ein Schild: ( „Cimetiiue allemande“, Deutscher Soldatenfriedhof, angelegt von Kriegsgefangenen, Herbst 1919“. Die Erkennungsmarken werdet! verteilt. Die Berliner nehmen ihre „Kiezbrüder“, die Westfalen ihr? „Kumpels“, die Bayern ihre ,tLandseri‘ und so weiter. Der Nächstwohnende soll sie einstmals den Angehörigen Überbringer,. — Doch das „einstmals“ »»fährt noch lange. Vieles bleibt noch zu überstehen. So dies: Am 21. September 1919 rüsten unsere „Nach- ADAADA Schuhe für Mutter und Kind 3

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