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Der Schild · 1936-08-21 · 34 (21.8.1936) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
15 (1936)
Issue
34 (21.8.1936)
Date
1936-08-21
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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CM« 4 — Kr. 34 «JA n Aagnfl USOEBClt ROCHMUND jOotSCHKR FWCWfOUATEW E.V. Für unfere Kameradinnen helle«! üüitiuji bUliui Unser Zimmer Einen Haushalt in der Art zu führen, wie wir bis vor kurzem gewöhnt waren, ist heute in vielen Fällen nicht mehr möglich. Da die Bewirlschostung eines Haushaltes mit mehreren Personen im allgemeinen rationeller iit als die mit wenigen, entschließen sich wohl zwei Familien, meist zwei Generationen, für gemeinsames Wirtschaften. Pielleicht werden auch von der zu teuren und großen Wohnung ein oder mehrere Zimmer an Fremd« vermietet. So kommt es, daß von der gesamten Wohnung nur noch etwa ein Kinderstübchen und ein Zimmer für uns selber bleibt. Auf dieses «ine Zimmer, konzentrieren lich jetzt all« Möglichkeiten zur Gestaltung eines behaglichen individuellen Heims, ibm erweisen wir all« Psiege und Liebe. Es iit wie ein einziges Kind, das mehr.beachtet und verwöhnt wird als mehrere Geschwister. Für manche Menschen bedeutet es keinen leichten Entschluß, in ihren Zimmern andere zu wissen, selbst wenn sie ihnen snmvakbisch sind, und nicht jedem iit er gegeben, diese Umstellung und Peränderung de; privaten Lebens mit Ruh« und Ge duld auf sich zu nehmen. Es gibt Menschen, denen schon das Hin- und Hergeben, das Leffnen und Schließen der Türen auf di« Nerven gebt um wieviel mehr die verschiedenen Eigenheiten der Mitbewohner. solche sensiblen Naturen werden unter dieier Veränderung leiden, durch die au; Rücksicht entstandene Abhängigkeit sich dermassen gehemmt . und dadurch unglücklich fühlen, daß ihr höchster Wunsch eine; möglichst Neine, eventuell eine 1:_ - Zimmerwobnung — aber für die Familie allein — i't. Das bedeutet «r;t mal den Nahmen noch, bedeutend verkleinern. alles Znventar dreimal sieben, . sich von. allerlei vertrauten liebgewordenen Dingen, Möbeln und Gegenständen trennen. «Da; bedeutet aber auch einen Gewinn an Kraft und 'Zeit, an innerer und äusserer Ruhe — di« Möglichkeit, das Leben wieder neu zu gestalten. Denn das Leben will zu seiner Entfaltung und Erfüllung kommen, cs will keinen stereotnpen Ablauf und keine Erstarrung. Die, Spannweite und Entwicklungsfähigkeit sind der Matzilab für die Vitalität. Je mebr Vallalt über Bord geworfen iit, desto dosier kann da; Schiff schwimmen. Da; Loslösen von den Dingen also kann eine Entlastung, ein Neubeginnen in vieler Beziehung bedeuten. Schließlich macht e; nicht die Anzahl der Zimmer. Schopenhauer unterscheidet zwischen dem, was einer bat und dem. was einer ist. Und da; Ankäufen von Dingen, die den gleitenden fAbianD der täglichen Geschehnisse unnötig erschweren, zählt gewiß nicht mehr zu dem, was die heutige Haus trau haben will. Wieder iit es das ein.e Zigsmer, - in dem wir jetzt heimisch werden wollen, dem unsere Persönlichkeit ihren Stempel aufdrücken soll. Wir müsien uns Nar darüber werden, was wir entbehren können, uns aber andererseits auch einiges -ngirückb«kalten, was wirklich, abgesehen vom prak tilchen, inneren Wert iür uns hat. Wir kennen Menschen, die sich seichten Herzen; von ihrem Eis zimmer trennen, jedoch^nicht ohne ihre Bücher sein wollen. Wir wisien um solche, die sich ohne weiteres von ihrem Klavier trennen und andere, die lieber auf. alles verzichten, nur nicht auf ihr Instrument. Aeltere Leute werden sich an Dinge klammern, die jüngeren! unverständlich seud und dafür auf oieke« verzichten, was d«r Jugend nötig erscheint. Die ein« Kamille richtet sich im Schlafzimmer eine Woh» ecke, vielleicht im Erkers «in. Eine andere löst < s ganz auf, stellt Bettstesien auf den Boden, de, Schrank in den Korridor und packt die Wäsch« ii'denl Schreibtisch. Tin« Touch erzählt oft ein Stuf Lehensgeschicht«. Zuerst sahen wir sie meist bei lsir »nverheiratetrn, bei der geitweten älteren Frau; jetzt ist bas1 Schlafzimmer zu einem stol schiedenen oder versi die Touch geeignet Wohnzimmer zu g gerne mochten. Jetzt empfinden wir vieles störend und nicht m hr zi lies,. In größeren Wo munden läuft so allerlei Gewohnheitsmäßig«; t nd Konventionelles mit, und solange e« für ~ di« HaUsfrau nicht nötig war, «Nein aufzuräumen und »«den Gegenstand immer wieder selbst in die ^and |ju nehmen, wurde vieles vielleicht garnicht b sonders beachtet. Gewiß, wir hatten auch unser i ieblin zszimmer, an einem bevorzugten Platz all« rlei Dinge, di« wir besonders da >vir alles selber machen, wie wir die Sache» auswähieu, auch wie »ir sie anordnen, zeigt viel von uns. In der Beschränkung zeigt sich jetzt erst der Meister, und gerade in dem, wa» wir für u»rt halten, ständig um uns zu sein, geben «ir un» selber.! Beschränkung wird zur Ausweitung, äußere Sparsamkeit zur Entwicklung inneren Reichtum«. (Es ist für jede Frau ein« schön« und für di« jüdische Frau von heut« eine besonders dankbar«: Aufgabe, alles, was uns umgibt, in Einklang und Harmonie miteinander zu bringen. Wir «ollen aus der Peripherie in das Zentrum zurückkehren, da» Wissen vom Kopf zum Herzen zurückführen, das Heim als Herz, als Mittelpunkt empfinden. Sefta Tohn-Richter. als ob nicht wir d als isberflüsiig, ja, als direft uns passend. E» war. uns hatten. Und ynr davon zu trennen. Wir indem wir bewußter gewo e Ding«, sondern die Ding« aren nicht fähig, uns haben uns gewandelt, den sind. Wenn wir un» «uch i i der Kleidung längst nicht alle; anschaffcn könnxn, wie wir es 'mögen, meiden oder ändern «ir i di« Sachen immerhin möglichst, di« nicht zu utzs pasien.' Unterwerfen wir einmal unsere Möbel einer Prüfung. Da sind wohl ältere gediegen, Stüste, die ein Aufpvlieren und Verändern, die Entfernung unschönes und unsachlicher Schnörkel lohoen. Oder unschönes, wertloses Material, >as ohne Bedenken entfernt werden kann. Die U ngebung, in der wir leben, die - Räume, die wir täglich bewohnen, in denen wir es uns und den ans Nahestehenden behaglich machen wollen, kann zum1 Symbol werden. Die Seele enthüllt sich > ft gerade in Zufälligkeiten und scheinbar Nebenläch ichem.und Aeußerlichem. Wie jede Einzelhandlung , nd jeder Einzelgeöanke nur im Zusammenhang n it de» ganzen Persönlichkeit zu begreifen ist, wie unser! Ich überall zu Tag« tritt, so auch selbstverständlich in der Art, wie wir 'unsere Wohnung! gestalten. Hefter« Veranlagung wftd sich einet anderen Rahmen schaffen wie ernst«. Helle . lapeten und Fenster mft bellen Vorhängen im Gegensatz zu dunklen, denen die Lichtquelle oerhan i«n it, lassen auf di« Gemütsart ihrer Bewoh> er schließen. Ein agressiver Charakter bevorzugt g 'eile, schreiende Farben, di« depressive Natur fühlt sich sin kleinen, bescheidenen Räumen am wohlsten Jemand, der sehr sozial eingestellt ist, wird se ne Räume seinen Mitmenschen zur Verfügung testen, bei ihm stehen die Türen weit offen. D, r klafft individuell Veranlagte ist auf viel Ruh eingestellt, er wird sich in sein Reich zurückzieben und nicht jedem Einblick in seine Heiligtümer gesta sten. - Denjenigen Menschen, die völlig in ihrem L rruf aufgehen oder ausgesprochen theoretisch gerichtet! sind, «ird nicht besonders viel an der 4 uolchtnückung ihres Heimes liegen. Selbst Blumen, Bslder,, Bücher, Kunstgegenstände sind ein - getreuer Spiegel unsere» Heimes. Dem aukmerksafnen Beschauer verrät sich in allem die Psyche eines Mefilchen und nicht nur, Lieber „Schild'’! Herr Dr. Metis bat mir Ihren Brief mit der Bitte zugesandt, Ihne» etwas über den hier von mir gehaltenen Lorirag zu berichten. Die Kameradenfrau gehört der Generation an, die unter der Umstellung der Verhältnisse am meisten zu leiden hat. Die ältere Generation hat zum größten Teil mit ihrem Leben abgeschlossen, «st in Altersheimen oder im Ha«, ihrer Kinder untergebracht. Die Jugend muß zum größten Teil neue Lebensmöglichkeiten an allen Enden der Welt suchen. Aber wir, die wir teilweise aus finanziellen Gründen, teils, w«il wir hier zu fest oerwurzelt lind, uns hier nicht lösen können, müssen den schweren Kampf um di« Eristenz unseres Mannes mit allen Kräften unterstützen und ihm di« Häuslichkeft in jeder Weise so angenehm zu gestalten suchen, wie irgend möglich. Ihm nicht durch kleinlich« häusliche Miseren da; Leben schwer machen. Denn nur das Haus uich die Familie ist der Ruhepunkt, aus welchech «r Kraft und Mut für den schweren Kampf schöpfen kann. Aber «ns selbst darf diele schwere Arbeit nicht dahin bringen, daß wir adstuinpsen und kein Interesse an den Dingen um un» bezeugen. Die Arbeit soll uns kein« Last sein, sondern soll Freud« bereiten. Man soll mit'Zeit und Kraft umgehen, daß auch noch Zeit für «inen selbst bleibt, daßman nicht überhastet und nervös wird, denn darunter leid« man nicht nur selbst, sondern da» ganz« Familienleben. Die Wohnung soll man pon allem Unnützem befreien. sie »ird dadurch moderner, lustiger und man spaft viel Zeit. Man kann sich heute keine Sentimentalitäten mehr leisten und an den Dingei hängen. In der Küche soll man nicht 15 Töpfe herumftehen haben, von denen nur der kleinste Teil brauchbar ist. Man kann sich di« Arbeit durch manch« Neuerung, die nur Pfennige kostet, erleichtern. Z. B. mit einer am Wasserhahn anzubringenden Braus«, mit Abwaschbürfteij u. a. m. Di« Familie besonders di« Kinder zur Ordnung erziehen, den Mann zur Mithilfe, erleichtert der Hausfrau di« täglich« Kleinarbeit. Früher war di« Mutter das Lasttier in der Familie, Rid dadurch früh verbraucht. Man muß oft itzit weiblicher Schläue den Mann und di« größeren Söhn« zur Mithilfe erziehen. —! Man arbeitet viel einfacher und leichter, wenn man sich ein« bestimmt« Geldeinteilung macht und für jede» einen bestimmten Etat hat. Man —T- OSTPREUSSISCHER SOMMERTAG Blau ist der Himmel tad kristallen klar dJ Luft. — 1 Der Schwalben Zickzackflug mit ZwifcchertoB, — Sie über», fröhlich singend, für die groll»! Reise schon.- Der Phlox veratmet seinen süßen, starken! Duft — Iq satter Buntheit rings die Dahlien blühn - Marienfäden hängen weiß an Husch und Baum, — Und in der weißen Heckenrosen letzte» Sommertraum Schon prall und rot die Hagebutten glühn! Kühl kommt der Abend — köstlich herb der Morgen! Ein kleiner, kecker Wind, der bringt vom nahen Meer Schon eine Ahnung kommender Hcrbstestagt her. — Mach’ Dir, o Mensch, um Herbst und Winter keine Sorgen! Er, der der Schwalbe zeigt das Ziel jm fernen Land, Noch immer Weg und Steg für dich auch fand! Lise Lewinneck-Königsberg pr. lall sich «inen Haushaltsplan mc'-rn, doch soll et beweglich und durchdacht sein. Bei der Wäsche kommt es, auch wenn nun «ine Maschine hat, auf di« richtigen Waichmittel an. Ganz ideal ist Burnus, es lockert jo den Schmutz, daß man tatsächlich die Hälfte Seife oder Persil braucht, als sonst. Man sollte sich Beutel zum Aufbewahren, besonders für Strümpfe «nd Taschentücher, -anfertigen, damit daluftige Hervorsuchrn oermieden «ird, wenn zwift mburch gewaschen wird. Oberhemden und Nachthemden iit ratlam, auf eigenen Bügeln zu trocknen. Tic bleiben in Form und plätten sich besser, außerdem spart man Platz. Man soll im Sitzen arbeiten, beim Plätten usw. Eine verständige Frau treibt G y m n a!> i!, denn Hansarbeit ist keine. Sehr nützlich ist ein fahrbarer T i i d>, et erspart bei Tisch da» viele Aufftehen und Lausen. Man stellt Nachtisch usw. daraus. Wenn man z. 3? Flick- und Stopfarbeit vorhat, stellt nun aller hinauf; kommt jemand, fähft man den Tiick, mit Allem hivaus. In Amerika fehlt,«er in leinen Haus«. Zum Fensterputzen eignet sich am besten «in Gummischwamm «nd hinterher mit einem Fensterleder nachreiben. Zu Arbeiten soll man sich Handschuhe bereft halten. Ein Gemüsedämpfer sollte in keinem Hause fehlen, «r eignet sich auch zum Kartoffelkochen und paßt in jeden Topf. Man soll zu Jenaer Glas übergehen; es sieht nett aus, wenn man erichtig behandelt hält es auch. Es gehört immer n, Asbest-Untersatz dazu. Sparsamkeit ist ein«, Kunst, die gelernt sein will. Wenn man zuviel Zimmer hat, an» nicht die richtige Hilfe bekommt, soll man einfach einige Zimmer zuschließen. Man muß über den Dingen stehen; sanft erscheint uns di« Arbeit unefträglich Man soll di« Behaglichkeit erhalten, doch sie der Zeit und Kraft anpassen. Die Frau muß dem Mann «in wahrer Kamerad sein. Die» war der Inhalt meiner Ausführungen. Mit besten Grüßen Frau Irma Mayer, SdimiMs Zur jüdifchen Familienforfdiung [ Die Familie Lewald Die Zeitereignisie, die Entwicklung timere:- jü dsichen Schicksals rufen gebieterisch zur Selb ft. d e l i n n u a g, und so mancher wird . eher die Kraft 'inden, eine harte Gegenwart und e'.ne un gewisse" Zukunft zu ertragen, wenn e sich al- Glied einer langen Reibe erkennen lernt und dazu die Gewißheit erhalt, daß auch er „ft:ner Ab-en gern gedenken" darf. Wie in Nr. 3> des „Schild" vom 24. Juli der Ursprung der o-e.'rch de -«ährten Familie M ü h ia m - Pappenbei'n darge- I (teilt wurde, so mag heute von den Lewa'. d»s | Bi« Rede fein, die irer Judentum in Deul'ch.and' auf mancherlei ckvebiet delonders in der. geistigi literarischen Disziplin, eine Reihe tüchtiger und anerkanntez^Perfönlichleilen ge'chenkr haben. -=»| Di« Lewaldsta—nri, 'crcc t überschaubar, au; ^Königsberg, de: Hermatftad: Imanue' Kants. (Dort begegnet «von 77- 7 David L e - wald, ein oltpreußsih-r Jude, der ftlbst mit einer Jüdin >g»d. Aiftr, r erheiratet war. Beider -slochter war Fanny bewald «1811—89», jzu ihrer Zeit eine ft ir eifrige Frauenrechtlerin, .deren Ideen und Ideale sich vielfach verwirklicht shoden, und eine bar ins 20. Jahrhundert hinein vielgeleftne Schriftstellry".. Sie hat eine groß« —lAnzadl von Romanen si« iw der Mehrzahl soziale Fragen behandeln, verfaßt, sie schrieb 'Kün-kiergelchichlen. h-ftrri>ch« Darstellungen <z.B. iüber Prinz Voui- Ferdinand; und «ine eigene „Lebensge-'ckiichrc" und ist mit ihrer Kritik der odsellkchaitlichen Zufkände für mannigfache Reformen eingekreten. Gern hat die'« „Freidenkerin im» der Stadl der ,reinen Vernunft', die teils tu; dem Judentum, teils aus dem ostpreußischen lationolismus und Liberalismus berkomml" <so iharakteriiierl sie Rudolf v. Gotlschall, der ihr in seiner bekarchken „deutichen Nationalliteratur -hes 19. Jahrhunderts" 10 volle Seiten widmetj in ihren Büchem die ihr vertrauten Tvpen aus dem ojlpreußilch-jüdischen Leben ausgegriisen. Das Thema der jüdisch-christlichen Mn'chehe ist von ihr sin „Jenny" <343, längst dargeftellt worden, si« 1855 selbst di« Frau de» namhaften eising-Biogräphen Profeisor Adolf Stahl «urd« und - der Verbindung mft dielem feinge- Hlbeten vornehmem Manne «inen starken inneren ^Aufschwung zu danken hatte. — Durch Misch- «h« und Taufe ' haben allerdings verschiedene Zweige der Familie Äwalti di« Zusammenhänge mit dem angestammtest It dentum völlig verloren. Fanny Lewald» Brud tr war mft der Tochter des Generaliuperintend«, ten Allhau» verheiratet; beider Sohn ist , Eiellenz Dr. Theodor Lewald, der VorsitzUnd« de» deutschen Organi- 'a:ir :skomitcs^. für die olynwischen Spiel« 1936, dem zum 18. August 19)5 (feinem 75. Geburtstag) als „Kämpfer für die olympisch« Idee und begeistertem Verfechter des Swortgedankens" herzliche Worte der Würdigung ftn der Presse zuteil wurden. il Enkel von David Lewald thurch die Ehe seiner Tochter Elisabeth mit dem i indschaftsmaler Gurlitt» sind Torneliu» und!Ludwig Gurlitt, von denen der Erstgenannte sich als Kunsthistoriker, der . andere al» Pädagoge und Philologe «inen geachteten Namen gemacht hat. Ein Sohn von Cornelius Gurlitt, der Musikwissenschaftler W i-l I ibaid Gur litt, der im, Verein mit dem Ludwigsburger Walcker durch di« Neukonstruktion der „Prätoriusorgel" den Anlaß zur modernen Orgel bewegung gegeben hat, ist — wa» hier interessieren wird — 1914 in der Marneschlacht verwundet worden und in französisch« Gefangenschaft geraten. Auch zwei Reffen David Lewald» haben in der Literatur eine gewisse bescheidene Roll« gespielt, Theodor Lewalli, der Schauspieler. Regisseur und Schriftsteller gewesen ist und August Lewald (1792-^1871). Der letztere Hot manches van feinen weiten Reisen und au» dem Theaterleben erzählt und war zwölf Jahre mit dem angestammten Judentum völlig verlang Regisieur am Stuttgailter Hoftheater. In seinen späteren Jahren wandtd sich August Lewald dem Katholizismus, zu; al; astgehender Äer hatte er den Befreiungskrieg im russischen Hauptquartier mitgemacht. '■; Auchzu Varnhagen von Lyse, dem Mann der Ra hei Lev in, hat die Ftzmili« Lewald nah« Beziehungen. Ein Schwager David Lewald» (der seinen Namen Asser sti Asiing > änderte) hatte «ine schwestea diele; vielseitigen Ranne», der Diplomat, Schriftsteller und vor alsem eine Persönlichkeit war," jur Frau. Assings Tochter Ludmilla Assrng <1321—80) ist hauptsächlich di« treue Verwalterin des Erbes ihres Onkels gewesen: sie hat den schier unerschöpfliche« Nachlaß Barn- Hagen» herausgegeben, und hie Leröftentlichung seiner .^Tagebücher" trug ihr sogar «in« Kriminalverfolgung und eine — in ahfentia verhängte — Straf« von zwei Jahren Gefängnis ein. Weiter lieferte sie Beiträge zur Lekftnsgeschichte der Rahel, und auch «in« Biographie her Sophie La Roch«, Jugendfreundin Wielands uüd Goethes, der Großmutter von Tlemens- Brentano und der Bettina, stammt aus ihrer Feder. Die geistig rege Frau, die sich freundschaftlicher Beziehungen zu Alerander von Humboldt und Bdttina rühmen durste, ist in Florenz geisteskrank i gestorbes, nachdem ihr« Eh« mft einem italienischen Offizier getrennt worden war. Ein Enkel David Lewald» war mit Emmy Jansen verheftatet, der Tochter des oldenburgischen Minifters Jansen, einer gesandten erfolgreichen Erzählerin (Pseudonym: Emil Roland), ein weiterer mft einer Enkelin de, bekannten Kriegsministers Wilhelm» l„ o. Roon. Lin« Enkelin David L«. walds endlich, die Schwefter von Staatssekretär Dr. Theodor Lewald, Haiti Julius Lohnheim <1839—84) zum Mann, deil als einer der bedeutendsten Schüler Rudolf! Virchow» galt, bereits mit 29 Jahren Profcjsior der Pathologie in Kiel war und später in ^Leipzig lehrt«. . - . Ssch- Ein Maler — etn Frontkamerad Ka«. Georg Wolfs, Birlin! feiert am 23. Aug. seinen 60. Geburtstag. iSeiy Großvater war Optiker, sein Vater «ap Betriebsleiter einer Maschinenfabrik; von Ptenzlau, wo Georg di« Mittelschule besuchte^ zog di« Familie nach Berlin, wo Vater Wolfs lang« Zeft «in« mechanisch« Werkstatt betrieb und von Patentanwälten beschäftigt wurde. Sein Sohn Georg mußte «in« gründlich« handwerkliche Ausbildung durchmachen und lang« Jahr« sich al» Monteur sein Geld verdienen; während der Wintermonate finden wir ihn als Schüler des TeZhnikum» i in Mfttweida; er wird Techniker und Spezialist für Molkerei- Maschinen. In Berlin wird er Mitarbeiter seine» Vater» und di« Anftriiguug der Modell« für dir Patentanwälte gibt ihm Gelegenheit, auch «in perfetter ModeNtischler zu werden. Al» Techniker mußte sich Wolff viel mit Zeichnen beschäftigen, aber fein« geheim« Lieb« war di« Kunst, di« Malerei. In Beftin besuchte er, nach Feierabend natürlich, di« damalig« j Kunstschule in der Klofterftraß« und wurde Schüler von Orlik. Bald nahmen ihn di« malerischen! Gassen de» alten Berlin gefangen, wo er di« streiften Motive für sein« BUder fand. Ost kam Wolff mft Zille!! und mit Hagemeister, dem Maler au» Werder, zusamstien, die beide ebenfalls aus dem Handwerkerstand« hervorgingen. Dann kam der Krieg, der F r o n t d i« n!:. siam. Wolff wurde schwer beschädigt. An da; Arbeiten in technischen Berufen war nicht mehr zu denken. Aber der Wunsch, sich ganz der dildendey Kunst zu widmen, könnt« jetzt in Erfüllung gehen. Sein« Zeichnungen von „Alt Berlin" sieht man in vielen Zeitungen, in der Ausstellung „Das schöne Berlin" ist er auch vertt«ten. Am besten gelingen ihm die Aquarelle, und man ist immer wieder erfreut über di« schönen Farben un» die malerischen Wirkungen in seinen Bildern ans Alt-Berlin. Da» Aquarell „Krögel" ist eine Arbeit von bleibenden Weft, ebenso die,.Kleine Fischerstraß«". Naturgemäß kommt auch in vielen der Bilder der Techniker zum Durchbruch; Motive mit betonter Architektur finden sich oft in 'einer Mappe, Bilder au» Potsdam, ein Motiv aus Minden i. Westf., das besonders hervorzubeben ist. Seit'drei Jahren ist Kam. Georg Wolfs bei! der jüdischen Gemeind« angeftellt; im Berwaltungs-j gebäud« Oranienburger Straße gibt er jedem der vielen Besucher geduldig Auskuust über all« möglichen Fragen, deren Beantwortung oft nicht leicht smn mag. Möge es dem Kameraden Georg Wolff noch lang« vergönnt sein, stn seiner freien Zeit Bilder zu malen, die ihm, seinen Freunden und Bewunderern viel Freud« bereiten. ,! Kam. Julius Rosenbaum. Dresd«,. Der Jüdisch« Kulturbund Dresden de ginnt da» Spieljahr 1936 37 am 3. September mft ein« Aufführung von Nicodemi» musikali'chein Lustspiel „Tageszeiten der Liebe". Drei weitere, in d« Zeit bis End« Februar ftattfindende Ansführungen bringen Talderon-Hoffmannsthal» Lnßspiel „Dame Kobold", Molnars Komödie „Groze Lieb«" mit Jenny Schafter al» Gast und »T«' tuffe" von MoliLre-Fulda. Di« Durchführung J* Theatervorstellungen wurde dem Hamburger Kwturbundtheater übeftragen. Beabsichtigt sind n»4 Theaterabend« der „Habima". Di« musikalisch«« Veranstaltungen umfassen außer Darbietungen oon Instrumental- und Gesangssolisten je «in Konzert de» Leimiger Mendelssohn-Trios und des Rena Tournee-Orchester». Otto Bernstein wurde für ei«« Rezitations-Abend und Dela Lipinskaja für eures heiteren Abend oerpftichtet. ®- 3-

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