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Der Schild · 1929-12-20 · 52 (20.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
52 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Sportplatz der Berliner Jüdischen Gemeinde I Don Kam. Dr. Wer von den Kameraden die Berichte der letzten Reprasentantenversammlungen aufmerksam verfolgt hat wlrd daraus erfthen. wie wichtig es ist. daß führende Mitglreder des Bundes dieser Versammlung angehören. Einem Beitrag für das Gedenkbuch ist vom Gemeindevorstand auf Antrag der Bundesleituni nicht näher getreten worden. . Erst auf Antrag von dem Kameraden- Reprafentanten ist die Herausgabe des Gedenkbuches von Vorstand und Repräfentantenoerfammlung, wenn auch unter bestimmten Voraussetzungen, strit Mk. 2000.— unterstützt worden. s Auch die ersten Anträge zur Beschaffung eines Sportplatzes sind von demselben Kameraden! gestellt worden: und es war leider gar kein Verständnis! beim Gemeinde- Vorstand dafür vorhanden, so daß die ersten Anträge und Anregungen abgelehnt wurden, obgleich x^anz allgemein der Sport unterstützt wurde, sei es durch gtzldsiche Beihilfen an Hie Sportverbände, sei es durch eni großes Hallensportfest oder durch Einrichtung eines Iugendpflegeausschusses. Aber allmählich sah der Gemeindevorstand ein, daß ein Sportplatz für die jüdische Jugend notwendig sei, und man mutz anerkennen, daß er sich dann mit großer Liebe diesem Projekt zugewandt hat. Er wandte sich zu diesem Zwecke an den Berliner Magis rat, um ein geeignetes Gelände zu günstigen Bedingung en zu bekommen. Mancher Vorschlag schlug fehl, und es bedurfte langer Verhandlungen, um von der Stadt ein günstiges Gelände zu bekommen. Denn es mußten die verschiedenen sportlichen Anlagen eifrig studiert werden, es mußten die verschiedenen ausführlichen Kostenanschlag« durchgearbeitet und geprüft werden. Auch die Verhandlungen mit den Persönlichkeiten der Stadt, die die kommunalen Sportplätze verwalten, war keine leichte Aufgabe. Diejenigen, denen der Sport unter der jüdischen laugend sehr am Herzen liegt, müssen dem Herrn, der diese Aufgabe von, Gemeinde wegen zu erfüllen hatte, herzsichst danken. , ± Also es ist nun endlich gelungen, ein geeignetes Gelande jju erhalten. Dasselbe siegt im Gruyewald und ist in " ungefähr 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof Grunewald zu erreichen: es ist von verschiedenen anderen Sportplätzen S. London. umgeben und als Dauerwaldgelättde angewiesen. Das Gelände ist 4 Hektar groß: der jährliche Mietspreis beträgt Mk. 3000,—. Wenn wir nun den Vertrag im einzelnen betküchten, so scheint er uns im ersten Augenblick ungeeignet zu sein. Denn er kann zunächst nur auf 6 Jahre abgeschlossen wer den; es steht aber der Gemeinde das Recht zu, den Vertrag auf 6 Jahre zu verlängern. Während dieser Derlängerungszeit hat sich der Magistrat nur für den Fall ein Kündigungsrecht Vorbehalten, daß Has Mieisgrundstück, wie auch oie unmittelbar anschließenden, für städtische Zwecke b e n öl»g t iv e r d e n. Diese Vereinbarungen könnten alle dpvktliebhaber mit Sorge erfüllen. Denn diese Kreise wissen, was zum Ausbau eines Sportplatzes nötig ist, undlRit welchen Geldkosten dies verknüpft ist. Der vollständige Ausbau der Anlage wird auf Mk. 200 000,—- geschätzt. Aber wer die Dinge kennt, weiß, daß Berlin sich von einer Großstadt mit Riesenschritten zu einer Weltstadt entwickelt, und daß aus diesem Grunde der Magistrat mit seinen Verträgen vorsichtig sein muß. Aber wollte man rein formal diese Tatsache betrachten, dann würde kein Sportverein in der Stadt einen Sportplatz haben. Tatsächlich wird es so sefn, wie es auch vom zuständigen Dezernenten des Magistrats erklärt worden ist, daß dieser Platz noch von der dritten Generation als Sportplatz wird, benutzt werden können. Run haben alle jüdischen Sportverbände das Interesse, daß der Platz schon sn diesem Sommer zur Verfügung steht. Der gesamte Ausbau würde aber, wie gesagt, Mk. 200 000,— kosten. : Die Gemeinde ist verpflichtet, das Gelände mit einem Zaun zu umgeben. Selbstverständlich ist die Gemeinde nicht nur berechtigt, das Grundstück nach und nach zu eintzm Sportplatz auszubanen, sondern auch die für den Sportbetrieb notigen Gebäude zu errichten. Nun, da ein so schönes Gelände vorhanden ist, wäre es zweckmäßig, es so auszubäuen. daß es nicht nur ein Svortplatz. sondern ühirchäupt. «in. Sammelpunkt für die jüdische Jugend ist, zmnm.da die Gemeinde verpflichtet ist. an den Wockentagsvormitiagem während der Schulzeit, die Anlage Berlinde Schulen ^ür unentgelt- Als ich zum Turm hinaufsteigen will, überrascht mich wieder eine jener Begegnungen mit Franzosen, auf! die der Deutsche nicht vorbereitet ist. weil er den Stimmungeumschwung nicht kennt, von dem weite Kreise des französischen Volkes ersaht sind. Ein Herr, im Knopfloch die Bänder mehrerer Kriegsdekorattonen, tritt plötzlich an mich herhn und fragt mich, ob ich Deutscher sei. Er bittet mich, daß ich ihm gestatte, mich zum Turm hlnaufzubegleiten, er möchte > sich gern einmal mit einem Deutschen unterhalten. | Es ist ein Minenangestellter aus Billy-Mosttigny. Wir sind bald im Gespräch, schon während des Aufsteigens, aber eigentartig ist es mir doch, als er plötzlich auf d^r Plattform des Turmes in der lebhaften französischen Art mich auffordert, ihm meine Meinung, die Meinung des gebildeten Deutschen, wie er sagt, über den Ursprung des Krieges auseinanderzusetzen. Natürlich decken sich unsere Auffassungen über diej Schuldfrage nicht, aber über die Fluchwürdigkeit des Krieges sind wir uns einig. Und es ist eine Freude, zu hören, mit welcher Hochachtung dieser Franzose von den Deutschen, von ihretz Leistungen und ihrer zielbewuhtest Arbeit nach dem Kriege spricht. Lange noch haben wir-uns auf einer Friedhofsbank unterhalten. Dabei nimmt er in seiner impulsiven Weise den kleinen gelben Führer von Loretto gus der Tasche und hält ihn mir hin. „Darf ich Ihnen das Büchelchen schenkest?" „Gern." . Und schnell schreibt er auf den Rückdeckel:! „Andenken eines alten französischen Mitkämpfers, gewidmetem Bruder eines bei Loretto gefallenen deutschen Soldaten/ Fü r den F r i e - den der Volker." l Das sind Begegnungen im ehemaligen Feindesland, die man nicht vergißt und die wert sind, daß sie aas deutsche Volk erfährt. Smtmnd sttige ich nach Souchez hinunter, überquere die Mulde und oin nach kurzer Frist oben auf deni dürftigen Kalkfelsen vor Givenchy. Wtldverwachsene Heide bedeckt den Höhenzug. Hier ist das Bild de» Krieges noch völlig unverwifcht. Granatloch an Granatloch, Trichter an Trichter, Stacheldraht und überwachsene Unterstände, verrostet« Eisenteisr. Feldflaschen, Konservenbüchsen. j» Als ich einen Strauh wilder Blumen pflück» an diaser Stelle, wo mein Prüder fiel, muh ich von Loch zu Loch fpmchjen und scharf achtgeben auf den durch den Graswuchs veichecktenAncht. Eine lange, einsame Wanderung führt mich auf dennBiivtzrücken entlang. Mein Ziel ist die Straße Arras—Lens, virm der der Weg nach Bimr> abzweigt. Tiefe Stille liegt über dev abendlichen Landschaft, nur Schafherden weiden ab und zu/jens«ils des Pfades auf der Heide: Hier soll wandern, wer im Alleinsein das erschütternd« Erlebnis des Krieges wieder in sich wach werden lassen will, wer aus einer solchen Pilgerfahrt innere Kraft gewinne» will. Hier hat das Kapital das unerhörte Leiden des Kriege» nöch nicht zu einem Riesengeschäft gemacht wie bei Derdun und an der Somme, hier rasen noch nicht wie dort die vollgepfropften „Battlefield Autocars", d e eist unerfreuliches Reisepublikum aus aller Welt haufenweise heranschleppen, das nicht» raffl als feine Neugierde befriedigen. („Bossische Zeitung".) «om t. Januar 1930 ab erscheint der „Schild" am zmeyen und vierten Donnerstag eines jeden Monats. Da der „Schild" am Freitag, dem 27. Dezember d. 3, «He* fällt, erscheint di« darauffolgend« Nummer am Donnerstag, chpn 9. Januar 1938. ° '? «nnahmeschlutz für Artikel jeden Donnerstag. Anzeig«,- fchluh jeden Freitag für die nächstfolgend« Nummer. . *13

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