Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 52 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Fürsorge Kürzlich tagte in Berlin unter dem Vorsitz von Direktor Ostberg der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landqsoerbandes jüdischer Gemeinden. Bei Beginn der Tagung gsd ach teil Herr Dir. Ostberg und Frau Wronsky des verewigten bisherigen Vorsitzenden des Wohlfahrtsausschusses, Herrn Pros. 'Di- Moritz Türk, und seiner besonderen Verdienste gerade auf desn Gebiet der jüdischen Wohlfahrtspflege. , j Gesuch einer Gemeinde um Gewährung eines Zuschusses zu der dort bestehenden Haushaltungsschule mutzte mit Rücksicht auf die Knappheit der Mittel, die dem Landesverband irn Augenblick nur die Erfüllung der allerdringendsten Aufgaben ermöglicht, zurückgestellt werden. Trotz dieses vorläufig negativen Beschlusies wurde die dringende Notwendigkeit von Haushaltungsschulen allseitig anerkannt. Vor allem wurde — Familien-Anzeigen starten den Gemeinschaftssinn. Daher gehören sie in den „Schild-! da Le W Di :auf hingewiesen, daß es sich weniger um die Ausbildung von irerinnen als darum handelt, junge Mädchen zu zweckmäßiger rtschaftsführung zu erziehen, was heute nötiger ist als je. — i Probleme jüdischer Fürsorgeerziehung wurden, insbesondere unter pädagogischen und organisatorischen Gesichtspunkten, eingebend erörtert. Tie für das Erziehungswerk des D. I. G. B. vorgesehene Unterstützung wird zunächst in Form eines Darlehens gewährt. Um die Förderung jüdischer Studenten planmäßig und produitiv zu gestalten, wurde es für unerläßlich gehalten, die versch ebenen in Deutschland bestehenden Studentenhilfsoereine in einer Spitzenorganifation zusammenzufassen. Tie Zentralwohlsaljrtsstelle hat bereits die entsprechenden organisatorischen Maßnahmen eingeleitet. Es wurde beschlosien, sie hierin in jeder Weise zu unterstützen und in die zu gründende Zentralstelle ebenfalls Mitglieder zu delegieren. Das vorliegende Gesuch eines Studentenvereins wurde mit Rücksicht auf die bevorstehende Umorganisation abgelehnt. Bezüglich der seit langem geplanten Umwandlung des Kinderheim» in Bad Ems in ein Alter»- und Erholungsheim für jüdisch« Kantoren und Lehrer wurde einer kleinen Unterkommission die Auszahlung der bereits in der vorigen Sitzung zurückgestellten Summe unter der Voraussetzung übertragen, daß die Verhandlungen mit dem Kantoren- und Lehrerverband den finanziellen Aufbau und die Frequenz des Heims gesichert erscheine» lassen. Frl. Karminsky berichtete über den Stand der jüdischen Tuberkulosefürsorge. Die Erkrankungsfäfle gegeyüber dem Vorjahre haben eine Steigerunglerfahren. Für Frauen und Kinder bestehen bereits Heime. In Anbetracht der großen Zahl der Erkrankungen von Männern ist die Gründung einer Männerheilstätte, für die ein Teil dchc Mittel bereits aufgebracht ist, besonders zu begrüßen. Die Mithilfe des Landesverbandes, insbesondere für die Unterhaltung des zu gründenden Heims, wird als dringend notwendig erachtet. Die Zentralwohlfahrtsstelle soll auf Antrag von Frau Wronsky aufgefordert werden, über die Ursachen des Ansteigens der Tuberkulose Erhebungen anzustellen. Dadurch wird erzielt, daß in einem Stadium eingegriffen werden kann, in dem vorbeugende Maßnahmen noch ausreichen. Tie! für das Lehrlingsheim Pankow bereitgestellte Subvention soll zur Ausschüttung gelangen, sobald die bereits in Angriff genommenen Reformen dieses Heicks ausreichend erscheinen. — Bei der Ausbildung von Eozialbeamtinnen soll mehr Wert auf ihr« Ausbildung auf den Gebieten jüdischen Wissens gelegt werden. — Für ein jüdisches Kinder- und ein Altersheim wurden einmalige Bewilligungen beschlossen. km kleiner Lichtstrahl! Ueber eine Versammlung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes in Düren berichtete eine Dürener Zeitung. Es hieß dort: Im weiteren Verlaufe der Diskussion kritisierte Herr Schiffer die antisemitische Einstellung der „Deutschen Handelswächt" und trat für mehr Toleranz gegenüber dem Judentum ein. Auch im Kriege hätten Juden ihre Pfncht als Deutsche getan. Mit Hetze und Revolver gegen diese Leute seien die mißlichen wirtschaftlichen Dinge auch nicht zu beheben. — Für das Verhalten der jüdischen Frontsoldaten im Weltkriege fand auch der Heimatdichter Kürten ehrende Worte. — Den Radou- Antisemitismus lehnte in seinem Schlußwort auch Herr Knabl ab, desgleichen die politischen Kampfverbände. (Knabl ist Gauoorsteher des D. H. V.) zwischen Toten und Lebendigen Bestich im Kampfgebiet (Säiufc.i Don Dr. Mähs, Oberstudiendirektor am Realgymnasium Itzehoe. Zu lange bin ich auf dem deutschen Friedhof geblieben. Es geht auf Mittag, und ich will heute noch über Loretto nach V > m y. Ich rufe einen vorüberfahrenden Wagen an. Der Mann auf dem Bock hält an. Es ist ein junger französischer Hofbesitzer aus Ablain St. Razaire, dem heißumstrittenen Dorf am Südabhang der Lorettohöhe. Er hat die furchtbare Zeit von Loretto miterlebt. Als junger Menfch ist er in Ablain von den Deutschen mit den zurückgebliebenen Einwohnern interniert gewesen, bis sie die französische Offensive nach fünf Monaten Gefangenschaft im Mai 1915 befreite. „Ich habe viele Deutsche kennengelernt: Badenser, Württemberaer. Elsässer. Westfalen. Manchen deutschen Soldaten habe ich wemen sehen, wenn er in den Schützengraben ging." Wir fahren an einem englischen Friedhof vorbei. Ich kann es nicht unterlassen, ihn mit dem deutschen zu vergleichen. Die französischen Friedhöfe sehen nicht viel besser aus als die deutschen. „Aber die Engländer sind reich!" bemerkt me n Freund. Er erzählt mir von den Umböttungen deutscher Krieger nach dem Kriege. „Die Unterhaltungskosten für die vielen einzelnen Friedhöfe si»d zu hoch. Auch liegen die Gräber vielfach mitten in unseren Feldern. Wir brauchen unser Land. Auch unsere Toten haben wir zusammengetragen." Noch in jedem Jahr findet der Bauer bei der Frühjahrsbestellung Skelette der Kämpfer von Loretto! Jetzt fahren wir durch d e Hauptstraße des wieder aufebauten Ablain. unmittelbar am Südabhang der Lorettoöhe, entlang. Auch hier die zerschossene Kirche das Wahrzeichen des Krieoes. Mein freundlicher Wegführer weist mir vom Wagen aus den neuen Pfad zur Höhe, dann halten wir vor seinem schmucken 412 Hof. „Ich bin Ihnen sehr dankbar. Geld wage ich Ihnen nicht mehr anzubieten. Aber vielle cht gehen wir in das Lokal dort und trinken eine Flasche Wein." „O nein! Wir haben keine Zeit mehr, wenn Sie noch nach Dimy wollen, und ich muß arbeiten. Ich bitte Sie nur: Wenn Sie wieder nach Deutschland kommen, erzählen Sie, daß es g-ute Franzosen gibt." Mit einem herzlichen Händedruck nehmen wir Abschied. * Hinter den letzten Häusern von Ablain führt der Weg hinauf zyr Lorettohöhe. Bald ist-man oben. Zwei verrostete schwere Geschütze, das eine nach Norden, das andere nach Süden gerichtet, schließen die Westseite der Kuppe ab. Zur Rechten anschließend nimmt ein französischer Nationalfriedhos den ganzen plateaüförmigen Gipfel ein. Bor dem Eingang kündet eine Tafel,!daß 34 000 französische Soldaten hier zur letzten Ruhe gebettet sind. Ueber dem größten der Massengräber erhebt sich ein mächtiger, viereckiger, ganz au» weißem Kalkstein errichteter Turm. Vier genwltige Ornamente in Kreuzform werfen j nach den vier Seiten des Friedhofs das Zeichen des Leidens und der Erlösung. Des Nachts aber flammt das Leuchtfeuer in? seiner Spitze auf. weithin sichtbar auf den Schlachtfeldern der j ganzen Artois. j Ich lese, tief ergriffen, die Worte, die der Bischof von A r r a s, der ihn weihte, in Riesenlettern in den Turm meißeln ließ: Vous qui Passer en pölerinr Präs äe leurs tombes, Orayissant leur cslvsire et ses sanirlants cbemins; > Ocouter la chameur qui sort des h£catombes:! „Peuples soyes unisl Hommes soyez huraains!" Zhrj die Ihr als Pilger an ihren Gräbern vorüberkommt. Die Ihr ihr Golgatha und ihre blutigen Wege emporgestiegen seid, Hobt den Schrei, der von all den Gräbern ausgeht: > -VLlker selb eint,! Mensche» seid menschlich!- j