Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 52 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Hunnen, Handgranate, Stuhlbein-Kameradschaft Hindenburg — ein Hunne. In der nationalsozialistischen „Berliner Arbeiterzeitung" war kürzlich zu lesen: „Es hat sich nichts geändert. Kahr—Losiow—Faulhober—Seeckt. bürg—Mahraun—«aas—Severing. schänden, wollten wir unsere Hände deren Lager die Kugeln und Steffi Kameraden gefällt haben. Ihres Flui Damals hieß die Reihe: Heute heißt sie: Hinden- Es hi«he unsere loten denjenigen reichen, aus r stammen, di« unser« s aber sind wir gewiß, wenn wir einem dieser Hunnen di« Hand reichen Soll man solche Pöbelei tragisch wehmen? Keineswegs! Sie ist nur ein erneuter Beweis dafüt:. daß man sich in der Regel in sehr guter und sehr ehrenwerter Gesellschaft befindet, wenn man von den völkischen Erneuerern Deutschlands mit Schmutz beworfen wird. „Wenn di« Handgranate bracht . . In Nr.41 seines „Angriff" veröffentlicht Dr. Josef Goebbels, der Borstand der Berliner Hitler Filiale, ein Gedicht „Straße frei!", das folgende schöne Verse enthält: „In München war die erst« Gchlacht Bon unserm braunen Heer. > Wer w«itz, wann uns di« zweit« Schlacht Ruft wieder ins Gewehr... Und wenn die Handgranate bracht, Das Herz im Leib« lacht." Herr Goebbels sollte den Mund nichtlso voll nehmen. Tenn er kann auf keinen Fall wissen, welche körperliche Reaktionen bei ihm eintreten, wenn er einmal wirklich eine Handgranate krachen hören sollte. Bisher ist ihm nämlich dieses Schicksal nicht zuteil geworden. Stuhlbein-Kameradschaft.! In einer Versammlung für das Hugenberg-Hitlersche Volksbegehren in Altona gab ein Major StaoenHagen über das künftige Verhältnis des „Stahlhelm" zu den Nationalsozialisten folgende Erklärung ab: - „Stahlhelm und Rationalsozia isten haben nun ihren Bund geschlossen, sie werden fest« Stuhlbein-Kameradschaft halten." Germanendämmerung. Der nationalsozialistische „Angriff" dies Dr. Goebbels, der auch sonst eine feine Witterung dafür hat, in welchen Adern reines nordisches Blut fließt, hat folgende Entdeckung gemacht (Nr. 36):! „Der Preußisch« Eeneralstab wollte (1871) Metz und Belfort, die Marine verlangt« Stützpunkt« in Kolonien wie Saigon und Eochinchina, Martinique, Saint Pierre und Miquelon sowie einen Teil der Fcotte. Das aber verhinderte der liberal« jüdische Minister Dtlbrück, der sogar aus Metz verzichten wollte." l Delbrück — ein Jude! Verflucht noch einmal, wenn die völkischen Forscher in dieser Weise fortfahren, unter den Söhnen Germaniens Musterung zu halten, dann wi :d für Walhall außer der lichten Reckengestalt des Herrn Goebiels nicht mehr viel übrig bleiben. + Erzberger — ein Jude! In der Schweizer sozialdemokratischen! Wochenschrift „Der Aufbau" (Nr. 37) wird berichtet: * „Sin deutscher Geschichtsforscher, nah«! den Sechzigern, bereist im Augenblick die Schweiz. Ein biederer Bürger stellt ihm di« Frag«: „Wisien Sie, welches Amt jetzt der Altreichskanzler W1 r t h bekleidet?" Berachtlich gibt er zur Antwort: „Oh, wer jetzt in Deutschland! mit dem Heiligenschein oder der roten Mütze grützt, hat sein gutes Auskommen. Die Leut« wisien die Politik zu nutzen. Erzberger hat nicht umsonst vor feiner Taus« Herzberger geheißen." j , . Jetzt ist es also endlich heraus! Schade, daß das Schweizer "latt nicht noch nähere persönliche Angaben über dielen treff- >:ch«n „Geschichtsforscher" gemacht hat, dem die Welt die Nach- > kt verdankt, daß der streng katholische Urschwabe Erzberger Wirklichkeit ein getaufter Jude war. (Auch das natürlich »ur zum Schein.) Den Herrn, der diese Entdeckung gemacht hat, müßte man sich doch näher ansehen. Urteutscher «äse. Eine Anzeige in den „Münchener Neuesten Nachrichten" liefert für den „nationalen Wiederaufbau Deutjchlands" folgenden Beitrag: I „Ich Hab« einen erstklassigen Fachmann, der früher n Lothringen den «äse herstellte, gewönnest, und wird mein 7vproz«»1igeo SahnkSse-Erzeugnis von »einem Auslands- V Produkt übertroffen. Ich bring« dasselbe unter der Bezeichnung „urteutfch" ist den »erkauf. Der Käse schmeckt angenehm säuerlich, regt di« Berdauunwxan und erhält Magen, und Darm gesund, „llrteutsch" ist Ist allen maßgebenden Geschäften erhältlich." 7 Für die rassische WledekgebmL unseres Volkes einen sieb ü > fl prozentigen „Urleutschon £äfc"Njur Verfügung zu haben, ist namentlich deshalb aufs wärmste zu^grüßen^ivMnMrnrhr-- rin bekömmliches Nahrungsmittel auch jenest-weniger leistungsfähigen Mägen zugeführt > werden kann, die den bisher von Ludendorff und den Völkischen fabrizierten hundert prozen tlgen Käse nicht vertragen: haben. („Abwehrblätter.") Das Neueste vom Hause Ludeudorss Ende November wollte der „Tcmnenberg Bund" iü"München eine öffentliche Versammlung abhallen, in der der Schriftleiter von „Ludendorffs Voikswayte", Hasts Kurth, über „Iesuit >smus und Iudentuim" sprechen sollte. Da die Versammlung irzdes größenteilsi von/ Katholiken besucht war. die insbesondere beim Erscheinen des bekannten Iesuitenpaters Rupert Mayer diesem popylären Kanzelredner eine stürmische Ovation bereiteten, zog es der Ludendorff Propagandist vor. ferne lichtvollen Ausführungen abzubrechen. —t>. Zum Interpreten dieser schrofseirLlblehnung gegenüber der» Narrenfelüzug des „Hauses Ludendorst" gegen „Juden, Jesuiten und Freimaurer" möchte sich auch der bayrische Ministerpräsident Dr. Held. In einer Münchener Versammlung des „Katholischen Volksvereins" richtete er an die Adrefs^von_Erich und Mathilde folgende Worte: ) „Ein bestimmter'Mästn. der in Bqvern Bsqlrecht bekrmmen hat. kränkt uns all« miteinander apf das tiefste. Da wissen wir, wieviel Uhr es geschlagen hat, und daß wir zu einer gemeinsamen Abwehr uns zusammen finden müsien." 7 gegenüber der Ludendorfsschen Spielart übrixens.kaum mehr nötig sein. Ter )attin dürsten-es bald geschafft haben, daß sie selbst innerhalb der völkischen Front allein stehen So- —- —j. -zwischen Ludendorff und den Ludendorff das Menschenmögliche, einer Tannenberg Bund Bersamm- Sehr viel Abwehr völkischer Tollheit wird „Feldherr" und seine Gattin weit noch Berbindungsfäden Nationalsozialisten liefen, tut um sie abzuschneiden. Auf lung in Nortorf (Holstein)! erklärte Frau Mathilde: „Hitler hat aus ein« bestimmte an ihn gerichtete Frag« , Ludendorffs beteuert, er könne den Kamps gegen Rom nicht mitmachen, weil Rom zu mächtig sei. Daraufhin hat Ludendcrsf!zur Antwort gegeben, daß das Tischtuch zwischen ihm und 'Hitler zerschnitte n i st." Im Vergleich zu Ludendo!cfs scheint also sogar Hitler der kleinere Flachkopf zu sein.- Und das will schon etwas heißen. Wieweit inzwischen llbrigehs die Fehde zwischen Hitler und Ludendorff bereits gediehen ist, das Illustriert in köstlicher Weise ein Vorfall, der sich kürzlich in Duisburg abgespielt hat. Tie Ankündigung einer Bersamm ung des „Tannenberg-Buudes", die dort stattfinden sollte, trug nämlich den Vermerk: „Juden und Nationalsqziolisten haben keinen Zutritt." Daß Ludendorff den Hitlerleuten die Ehre antut, sie mit dem jüdischen Bevölkerungsteil in einem Atemzuge zu nennen, diese Beschimpfung haben die deutschen Juden wahrhaftig nicht verdient. Stehen nach der Auffassung des „Tannenberg-Bundes" die Nationalsozialisten auf einer Stufe mit den Juden, so "ist den Kreisen der „D e u t s ch k i r ch d" vom Hause Ludendorff nicht weniger Saures gegeben wordön mit der Feststellung, daß sie jesuitischer Beziehung?» und Absichten verdächtigt, jaübersührt seitn. Mit bitterem Schmerz wirst „Die Teutschkirche" (Nr. 21 vom 5. 11. 1S29) der Frau Mathilde „mangelnden Willen vor. geistige Bewegungen nach ihren wahren Ursachen und Wirkungen sowie ihrer Tragkraft ruhig und sachgemäß abzuschätzen. Ein Nachrei „der auch durch «in noch so erfreuliches Temperament nicht auf;ewogen wird. Denn durch derartige vergiftete Dolch st che aus nächster Nähe wird schnell und sicher das erreic,t. was der Jesuit dauernd erstrebt: die Zerschlagung der deutschen Gesinnungsfront." Wenn in diesen Sätzen PastqrBu blitz von der „Teutschkirche" selbst bekennt, daß sich das Narrenhaus Ludendorff in seiner „nächsten Nähe" befindet, so muh man das natürlich zur Kenntnis nehmen. Iedstr Widerspruch wäre unhöflich. 411