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Der Schild · 1929-12-20 · 52 (20.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
52 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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gehaßt, verfolgt und verleumdet, wen.igeri um ihrer Fehler willen, als um ihrer Vorzüge. Der Weltostrazismus hat zwei Exempel statuiert. Der Deutsche wurde hauptsächlich darum als Feind der Menschheit empfunden, weil er tüchtiger, fleißiger, sachlicher war "als die meisten anderen Völker, und ihnen Io den Konkurrenzkampf erschwerte. Das gleiche gilt von den Chinesen in Südostasien. den Japanern in Kalifornien. Das gleiche gilt von den Juden. Denn die Juden sind durch ein Zweitastsendsähriges Martyrium zu ihrer heutigen Größe emporg^stiegen. Bon den meisten Berufen ausgeschlossen, unter: vielfach erschwerten Lebensbedingungen, mußten sie ihren Geist zehnfach schärfen, um ihre nackte Existenz durch das Mittelalter hindurch zu retten. Wer faul oder unbegabt war, konnte diesem verschärften Existenzkampf nicht standhalten und ging zugrunde. Nur di s Tüchtigsten konnten sich erhalten und förtpflanz e n. Wer willensschwach oder feige war, ließ sich angesichts der Scheiterhaufen und Folterwerkzeuge taufen und schied aus der jüdischen Gemeinschaft aus: nur die Tapfersten und Willensstärksten hielten das Münder dieses zweitausendjährigen Kampfes durch. So^ fließen in jedem modernen Juden Ströme von Märtyrerblut — von Ahnen, die sich lieber verbrennen ließest, als abzufallen von ihrem Gott, ihrem Glauben, ihrem Ideal. Wer an Vererbung glaubt, muß darum in den Juden einen besonders wertvollen Zweig der Menschheit sehen. Einen"Zweig der Menschheit, gestählt vom Leiden und vom Denken. Denn während die meisten Europäer erst vor wenigen Generationen aus dem Analphabetentum hervorgegangen sind, haben die Vorfahren der Juden seiCIahrtausenden gelesen, geschrieben und sich mit geistigen Problemen auseinandergesetzt. Wer statt aus Schla^worte zu hören, diese Tatsachen bedenkt, gewinnt ein anderes Bild vom Judentum, als das Zerrbild, das der Antisemitismus schaffst Wenn die Größe eines Volkes sich messen läßt an der relativen Zahl seiner hervorragenden und bedeutenden Kinder, sieht das Judentum heute zweifellos an erster Stelle. ^So betrachtet, erscheint das Judentum nicht als minderwertige, sondern als hochwertige M e n s ch e n g r u p p'e — und der Antisemitismus als ebenso schweres Unrecht gegen die Iudest, wie der Deutschenhaß gegen die Deutschen. .. Heute ist die Mißachtung der Deutschen in der Welt ntindestens so stark verbreitet wie die Mißachtung der Juden. Die Kriegs- .schuldlüge, die Märchen von den Kindermorden in Belgien bis zur Verleumdung der Menschenfresserei, die Klassifizierung der Deutschen als Menschen,zweiten Ranges, als Materialisten und Rationalisten, als Menschen ohne Genie und ohne Originalität, als Plagiatoren der Welt, als Menschen ohne Größe, ohne Formen, ohne Takt, ohne Grazie — all diese Verleumdungen, die den Thesen der Antisemiten so ähnlich sind, haben die Weltmeinung gegen Deutschland vergiftest Nur langsam setzt sich die Wahrheit'über Deutschland in der Welt durch. Gerade die große deutsche Nation, die dieses schwere unverdiente Schicksal erfahren hat. sollte in der Beurteilung anderer vorsichtiger und kritischer sein. Gerade Deutschland sollte den kleinen antisemitischen Nationen vo ränge heninderKritik undRevif ijo n der Iudenfrage. Gerade das deutsche Volk, dos mit Recht so sto^z auf seine Sachlichkeit ist. sollte' nicht widerstandslos einem Vorurteil folgen, das sich auf N e i d. religiösen Fanatismus und H a l b b i l - düng stützt. Tie Revision der Iudenfrage ist darum nicht Sache der Juden, sondern der b e st e n Deutschen. Wenn Deutschland den Antisemitismus ebenso überwindet, wie dies Frankreich vor einetn Menschenalter in der Dreyfus-Krise tat. ist der Antisemitismus in der Wflt erledigt: »denn sowohl, die Vereinigten Staaten als astch die Osteuropäer werden sich hier der deutschen Autorität beugen. Diese Revision ist eine Gewissenspflickt Deutschlands, die Befreiung aus einer schweren Schuld und einem '.schweren Irrtum. 1! Wer darum den Antisemitismus beck ä m p f t, h i l f 1 n i ch t n u r d e m I u d e n tu m, s o n -; 410 dern auch dem Deutschtum. Die ungeheure Mehrzahlder deutschen Antisemiten ist guten Glaub ms und überzeugt von der Wahrheit der antisemitisö «n Thesen, die.sie gelesen oder gehört hat. Die ungeheure Mehrzakl der Antisemiten k«Mnt die Juden nur oberflächlich und macht sich ein Bild von ihnen, das »der Wirklichkeit ebensowenig übereinstimmt, wie s -hr mit las Bild, das sich die Deutschenhasser von dem Deutschen machen. Wer Gerechtigkeit fordert, sollte m i ginnen, s i e zu üben. Deutschland fordiert von der Welt Gerechtigkeit und moralische Gleichberichtigung: es sollte damit beginnen, sie s>en Juden geg mjüber zu üben und der Welt zu zeigen, wie ein gro|,es iVolk die Kraft findet, falsche Vorurteile zu überwinden >und von sich zu werfen. > .! -v * Der vorstehend« Aufsatz ist einem längeren Essay «mitismus nach dem Weltkrieg" entnommen, womit i. 91. E« udenhove-Kalergi die in diesen Tagen zur Ausgabe gelangende Reuauslag« des vorlrefflichen Buches seine» vatqrs, tes Grafen Dr. Heinrich Eoudenhove-Kalergi. über »Das Wesen des Antisemitismus" einleitet. Da» Buch kann durch alle Buchhandlungen sowie durch direkte Bestellung beim Paneuropa-Berlag, Wien I, Hofburg, bezogen «erden. T ' Lloyd George über den Antisemitismus In seinen »Erinnerungen" schreibt der große englisc>e Staatsmann über Judentum und Iudenhetze u. a. das Folgend;: »Von allen bigotten Ansichten, die das menschliche Gem it verrohen, ist keine so töricht wie der Antisemitismus, l :r hat keine Berechtigung in der Vernunft, ist auch nicht a> lf Glauben begründet, sucht kein Ideal, sondern ist eil e jener feuchten Sumpfpflanzen, die im Morast des Rasse:ihasses wachsen. Wie gänzlich v e r n u n s t l o s er ist, Kar n man aus der Tatsache schließen, daß er gerade auf die Nationen beschränkt ist. welche jüdische Propheten und Apostel verehret», die Nationalliteratur der Hebräer als die einzige von der Gottheit der Menschheit, überlieferte Botschaft betrachten, und derchi , einzige Hoffnung auf Erlösung aus den Vorschriften und Versprechungen der groben Lehrer Judas beruht. Trotzdem könn«> die Juden in den Augen solcher Fanatiker heute nichts recht machest. Sind sie reich, so heißen sie Raubvögel, sind sie arm. Ungeziefer. Begünstigen sie den Krieg, so ist es, wefl fit bicj blutigen Heldentaten der Edlen zu ihrem Profit a u sfnn kem wollen. 'Wünschen sie den Frieden, so sind es entweder Fe i g l i n g e aus Instinkt oder Verräter. Wenn sie i i großzügiger Weise Geld ausgeben — es gibt keine freigebigere I Menschen als die Juden —, so tun sie das in selbstsüchtiges Absicht. Wenn sie nichts geben — was anders könnte man voii eistem' Juden erwarten als Geiz? Wenn die Arbeit noch Großkapital unterdrückt wird, so wird die Raffgier der Juden verantwortlich gemacht. Wenn die Arbeit gegen dai Kapital revoltiert, wie in Rußland, so wird der Jude dafür genadelt. Wenn er in einem fremden Lande lebt, muß er ver folgt und hinauspogromiert werden. Wünscht er i> seine Heimat zurückzukehren, so muß man ihn daran hindern Tsrrch die Jahrhunderte ist er in jedem Lande, was er auch tun beabsichtigen oder nicht tun mochte, von dem Echo des brutaler Schreis der Menge von Jerusalem gegen den größten aller Juden verfolgt worden: Kreuzige ihn! I Für Nationen, die Juden kreuzigten, ist niemals etwas Gutes herausgekommen. Es ist ein armseliger und kleinmütiger Sport, der alle wahren Quali taten der Männlichkeit entbehrt,- die, welche ihm am eifrigsten betreiben, würden die ersten sein, fortzplaufenz wcjnn irgendeine Gefahr dabei wäre." -! * ' , »&s gibt 14 Millionen Juden in der SeN. Sie gehören zu einer Rasse, die während der letzten 1800 Jahre der Aechtung, dem Raub, Blutbädern und Qualen eiste rendlosen Verspottung ausgesetzt gewesen ist -7einer Rasse, die Verfolgung erduldet hat,«ner Rasse, die wegtzn der Verschiedenheit der ihr auferlegten Mutern physischer, materieller und geistiger Art für die Ausdauer und Bosheit, mit'der diese aufrechterhalten wurden, wegen der Länge der Ieitj die sie gedauert haben, und ganz besonders wegen der Tapferkeit und Geduld, mit der sie ausgehalten worden sind) in der Geschichte der Völker kein Gegenst ü ^, aufweist." , J.- I

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