Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 51 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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: Aufeommenben Auszeichnungen teilhaftig werden. Dieses Veri Hütten erbitterte selbstverständlich die Legionäre. Hinzu kam noch das Verhalten gegenüber den jüdischen Verwundeten, die in der unwürdigsten Weise behandelt wurden. Trotz mehrmaliger Beschwerden konnte Patterson beim Heereskommando nicht erwirken, daß all die verletzenden Schikanen unterbieten sollten. Nicht besser war die Behandlung nach dem Waffenstillstand. E« genügt, zu erwähnen, dah den jüdischen Legionären, als sie in der Nähe von Jerusalem lagerten, verboten wurde, die Stadt Jerusalem zu betreten. Nach dem Waffenstillstand wurden die Legionäre absichtlich zu verschiedenen Lagerarbeiten im südlichen Teile Paläst.nas verwendet. Patterson bemühte sich auch fernerhin, die Formierung der jüdischen Brigade durchzusetzen, um dann die ^Möglichkeit zu erlangen, den Grundstock zu einer jüdischen , Besatzung in Palästina zu schaffen. Diese Bemühungen scheiterten nur an dem Widerwillen Allenbys. Iabotinsky, der eigentliche Initiator der Legionen, versuchte sogar ohne Pattersons Wissen die entsprechenden Faktoren auf das Gefährliche dieses antijüdischen Kurses hinzuweisen, mit dem Bemerken, daß dieses Verhalten einen offenen Kampf der Araber gegen die Juden veranlasien könnte. Er wandte sich auch in einem speziellen Schreiben an Allenby, das aber damit beantwortet wurde, daß am 29. August Patterson den Besehl erhielt, Iabotinsky nach Kantara zwecks Demobilisierung zu entsenden. Diese Episode wurde aber kurz daraus im Dezember 1919 gutgemacht. Patterson erhielt vom Kriegsministerium die Verständigung, datz der jüdischen Legion ein eigenes Emblem, die Menorah, zugebilligt und der Befehl erteilt wurde, das 39. und •10. Bataillon zu vereinigen und es als das erste „jüdische Regiment" in Palästina zu be'asien. In dieser Tatsache sah nun Patterson abermals den festen Willen der Londoner Zentralbehörden, die Balfour Deklaration zu verwirklichen. Anfang 1920 begab sich Patterson nach London, wo ihn dann im April 1920 die Nachricht über die ersten Pogrome in Jerusalem ereilte. Diese Pogrome waren seiner Ansicht nach nichts anderes als eine Folgeerscheinung des antijüdischen Kurses der englischen Milltärbürokvatie. Tie stete Verminderung der jüdischen Bataillone — Cfterti 1919 zählten sie noch 5000 Mann, Ostern 1920 kaum 4000 — ermutigte auch die arabischen Masten, einen offenen Kampf gegen die Juden aufzunehmen. Die Mi-itärbehörden betonten fortwährend in ihren Kundgebungen, dah die Bestrebungen auf Schaffung einer Heimstätte in Palästina den arabischen Einwohner» nicht genehm seien. Am Schlüsse seines Buches beleuchtet Patterson ganz ausführlich den Hintergrund dieser traurigen Geschehnisse, der leider mit denen in den letzten Tagen sehr ähnlich ist Nach Patterson ist dieser Pogrom in Jerusalem ein schmales Blatt in der Geschichte Englands, da ihn ausschließlich die englischen Militärbehörden verursacht hatten. Wohl wurden /durch E.nschreiten der Londoner Zentralbehörden die Ereigniste rechtzeitig eingerenkt, der antijüdische Kurs aber konnte picht mit einemmal beseitigt werden. Allerdings meint Patterson, daß diese Ereigniste den Londoner Zentralbehörden die Augen öffneten und sie gezwungen haben, Palästina dem Machtbereich des Heereskommandos zu entziehen und geordnete Verwaltungsverhältnisse einzuführen. In seinem Schlußwort stellt Patterson fest, daß nach diesen traurigen Ereignissen die Zeit der friedlichen Arbeit in Palästina begonnen habe. Leider ist es aber anders geworden. Die letzten Ereign.ste in Palästina zeigten abermals klar, daß der antijüdische Kurs die Berwaltungsbehörden im gleichen Maße beherrscht wie seinerzeit die Militärverwaltung. ^Pattersons Schilderung der jüdischen Legion ist in einem , lone gehalten. Sie wird aber dessenungeachtet dem zukünftigen Historiker der jüdischen Legion ein wertvolles Material liefern. („Die Stimme.") Die Berliner lluiverfitätstrawalle D«r Senat der Berliner Universität verhandelte am 4. Dezember abends unter dem Vorsitz des Rektors Erhard Schmidt in dem Disziplinarverfahren gegen die Vorstandsmitglieder der „allgemeinen Deutschen Studentenschaft", die für die Absendung eines respektlosen Ultimatums an den Rektor und für die daraufgesolgten stark antisemitisch betont gewesenen Krawalle in dem Gebäude der Universität Unter den Linden verantwortlich sind. Da»'Urteil fiel sehr milde aus. Die Studentin von Ploetz wurde mit der Unterschrift unter das Oonsilium sdeunäi (Androhung der Entfernung von der Universität) bestraft. Das Verfahren gegen da» Vorstandsmitglied Baste ist eingestellt worden, da man ihm nicht Nachweisen konnte, datz er von dem an den Rektor gerichteten Ultimatum Kenntnis hatte. Der stud. jur. Hoppe, der erste Vorsitzende der „Allgemeinen deutschen Studentenschaft", konnte nicht zur Verantwortung gezogen werden, da er nicht mehr Mitglied der Universität ist (fein Immatrikulierungsgesuch wurde wegen Mangels an Fleiß abschlägig beschieden). IH Arabiens Lndendorff Der Großmusti glaubt an di« „Protokolle der Weisen von Zic„".! In den Räumen des im Haufe des Großmustt in Jerusaicm untergebrachten Moslemitischen Religiösen Gerichts erschient! die! Mitglieder der Untersuchungskommission und die Anwile dev Regierung, der zionistischen Exekutive und der arabisü en Exekutive, um den Großmusti über die unmittelbaren Urfae;en der palästinensischen Unruhen und über seine Rolle bei btc;en Unruhen zu vernehmen.! Der Mufti erklärte, auf Befragen des Anwalts der Araoers Stäker, er glaube an die Echtheit der „Protokolle der Weisem von Zion". Der Anwalt der zion. Exekutive, Sir Boyd Merrt man, trat der Erklärung des Großmusti durch die Richttgstellu! x entgegen, daß die sogenannten „Protokolle" bereits als Fal schung entlarvt worden sind. Stoker beantragte, die arabisch Uebersetzung des französischen Testes der „Protokolle" zu bet Akten zu nehmen. Die Kommission konnte sich zunächst nich entschließen, dieses Buch als Beweismittel für irgend etwas u den Akten zu nehmen, schließlich aber entschied sie sich für di Zulassung des Buches, und zwar nicht als Beweis für etwaig Bestrebungen der Juden, sondern als Symptom für die Men täsität jener Moslems, die an die Echtheit der Protokai! - glauben. Es wurde deshalb von der Verlesung von Auszüge! aus dem Pamphlet Abstand genommen. Es kam auch u: Sprache, daß die Palästina-Regierung die Zirkulation diese als Fälschung festgestellten Buches verboten hat. Der Mufti kam dann auf die Frage der Klagemauer sprechen und erklärte, die Juden haben lediglich das Recht Mauer heranzukommen, und zwar auf Grund einer nicht übär di) Jahre zurückgehenden Gewohnheit. Ein Recht, an der Klag mauer zu beten und dort die Stimme zu erheben, haben d, 3üben nicht. Der Mufti verwies auf die Heiligkeit der von de» Moslems „Burak" genannten Klagemauer, die sich auf einer Sgelle im Koran gründet, in der die Grenzen der Moschee a . gegeben sind. Diese Grenzen, sagte der Mufti, schließen nic g allein die Klagemauer, sondern auch das Pflaster vor derfellxn ein. Der Mufti erklärte, daß feine Wahl zum Präsidenten b s Moslemitischen Obersten Rates für lebenslänglich gilt ungeacht tl gewisser von moslemitischen Kreisen dagegen erhobenen Ei>- wendungen. Die Moslemiten sind empört, weil die Regierui g e» nicht verstanden hat. die jüdische Anmaßung einzudämme i, sie fürchten, daß der jüdische Einfluß ausreichen könnte, um die Regierung dazu zu bringen, über die wahren jüdischen Absicht!» hinwegzusehen. Als Beweis für die jüdischen Aspirationen auf das Tempi! gebiet führte der Großmusti die Misrach-Bilder, einen ange o ljchen Ausspruch Lord Melchettes, daß er sein Leben dem Wiede i ausbau des Tempels widmen wolle — der Mufti sagte, er glau ■. sticht, daß Melchettes Worte nur symbolisch gemeint waren ■+. ferner Albc-t Einsteins angebliche Erklärung, daß das Iude > tjlm ohne Tempel wie ein Körper ohne Kopf sei, an. (Bekam t sich hat Prof. Einstein diese vom Mufti schon einmal in ein«! Interview mit Pierre van Paasten aufgestellte Behauptung c kesne bewußt ausgesprochene Lüge erklärt.) Der Mufti wi. auch auf die von Harry Sacher und Dr. Stephen S. Mise ca.' dem Züricher Zionistenkongreß gehaltenen Ansprachen hin, tn stach die Beibehaltung des Status quo den Juden nicht geniii sind führte weiter aus, die Moslemiten seien überzeugt, daß k;e Juden just den letzten Tischa b'Aw zur Herbeiführung von U mchen wählten, weil sie im Hinblick auf die Tagung der Iemsi, Agency tn Zürich hassten, die Agency werde die Arbeiterreg c riung in England dahin beeinflussen, den Status an der Mau c .zugunsten der Juden zu ändern. Daß er, der Mufft selbst, tu Moslems zu den letzten Unruben aufhetzte, stellt er in Abrc "• sind sagte, es fei schon so die Gewohnheit der Juden, die Scki lo auf andere abzuschieben. Die Regierung habe ihm für sein beruhigenden Einfluß wiederholt gedankt. Die moslemitisl - Gegendemonstration war nach der vorangegangenen jüdischs t Demonstration unvermeidlich geworden. Sei« Antisemitismus in der österreichischen Sozialdemokratie Wiener Feitungen. insbesondere „Der Sport-Montag", nu Selen über eine zunehmende antisemitische Richtung innerhgi!er österreichischen Sozialdemokratie, die insbesondere in ti'» lrbeitersportkreisen ungeschmink: zum Ausdruck kommt. 3k” sichrer der österreichischen Sozialdemokratie und frühere Staaftanzler Dr. Karl Renner hat eine diesbezügliche an ihn tzcichtete Frage des ITA-Vertreters durch das folgende Schreiten eantwortet: : > i »Die Behauptung, daß in der Sozialdemokratie Oesterreichs srgetidwelche antisemitischen Tendenzen wirksam'seien, ist völlig Unbegründet, und ich ermächttge Sie, diese meine Bekennustg 404