Der Schild
- Journal
- Der Schild
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 51 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Die Mdische Legion Don Dttz Den Vorläufer der jüdischen Legion können wir bereits dem sogenannten Zion-Mule Korps erblicken. Im Februar U5 faßten in Alexandrien einige Hundert jun^e Juden, die •.iolge der Auswe sung Djemal Paschas Palästina verlassen nutzten, den Beschluß, eine jüdische Formation zu bilden, die Verbände englischer Truppen an dem bevorstehenden Kampf r. Palästina teilnehmen sollte. Eine Delegation, bestehend aus .cm ägyptischen Juden Kutri Pasehan, den Palästinensern Gluskm, Levontin. Trumpelor und Wladimir Iabitinsky, übergab dem damaligen englischen Oberkommandantenjin Aegypten, Zcneral Maxwell, eine Denkschrift, in der die diesbezüglichen Vorschläge präzisiert wurden. Nach langwierigen Verhandlungen uab der englische Kommandant seine Zustimmung und bildete aus den Freiwilligen ein Transportkorps zur Bedienung der an der Ostfront kämpfenden Truppen. Obwohl Die jüdischen Freiwilligen ursprünglich den Plan gefaßt hatten^ nur an der palästinensischen Front mitzukämpfen, wqren st« damit einverstanden, in der Erwartung, daß sie auf dies« Weise den Grundstein zur Bildung späterer jüdischer Regimenter legen.?tit dem Kommando dieses Transportkorps wurde der englische Oberstleutnant John Henry Patterson betraut. Patterson, der seinem Berufe nach Ingenieur war, hatte bereits im Jahre 1896 in Afrika am Fluß Tsaoä bedeutende klinische Arbeiten vollführt und dann am Bur mkrieg teil- >unommen. Eine romantisch veranlagte Natur,!>atte er für ideale Bestrebungen ein besonders warmes Interesse. Bis zuin Augenblick, in dem er das Kommando des ZionsMule-Korps iibernommen hatte, waren ihm die Juden nur ans der Bibel bekannt. Der enge Kontakt mit den jüdischen Freiwilligen, i»re Hingabe für die Befreiung Palästinas, ihr Opßermut machten Patterson zu einem begeisterten Freund der jüdischen Renaissancebewegung. Nach seiner Ernennung zum Kommandanten wihlte er den aus dem russisch-japanischen Krieg bekannten jüdischen Offizier und palästinensischen Arbeiter Josef Trumpeldor zu seinem Adjutanten. Das Zion-Mule-Korps zählte 600 Manu und wurde an die Gallipoli-Front geschickt, wo es in der Feuei zone Munition und Lebensmittel von den Häfen in die englischen Schützengräben führte. Die Tapferkeit, welche diese iüd sehen Freiwilligen in der Feuerlinie an den Tag legten, halle den militärischen Leiter der Gallipoli Expedition, General Hamilton, in Bewunderung versetzt. * In London hatte sich inzwischen Iabotinsky bnnüht, eine udische Legion ins Leben zu rufen. Dieses Koro« sollte nun in ein Kampsregiment, das durch jüdische Freiwilli>e aus verschiedenen Ländern zu verstärken wäre, verwandelt werden. Das Projekt wurde aber von der Londoner Regierung abschlägig bcschleden, ja das Zion-Mule-Korps sogar nach einech nicht sehr langen Bestände aufgelöst. Die Anhänger der jüdischen Legion leiteten eine erneute Aktion e n, um die Londoner Negierungskreise für die Gründung jüdischer Regimenter zu gewinnen. Erst im April 1917 gelang es. Lloyd George, der ür die Eroi.crung Palästinas eintrat, zu gewinnen. Auf Befehl des 'lMinisteriums wurden die in London noch weilenden Angehörigen dcs Zion-Mule-Korps zu Offizieren üNd Unterofft sieren ausflpbHöet und am 24. Juli 1917 beauftragte das Kriegs ninisterium Vatterson mit der Organisierung der jüdischen Leg on. Patterson schildert uns die Geschichte dieser Legion in seinem iche „With the Iudeans in the Palestlne Eampiagne", von n vor einigen Wochen in Palästina im Verlage „Mizpeh" ' hebrä sche Uebersetzuna unter dem Titel „Im Hagdudim > äwrim b'Erez Israel^ (Mit den jüdischen Legionein in Palä- 1 na) erschienen ist. Seine interessanten Auszeichnungen stimn an vielen Stellen mit der Darstellung Iabutinskys in nen Memoiren über die Legion „Slowo o polku'*) überein. Patterson erzählt eingangs feines Buches, daß er im Juli ' 17 vom Ministerium den Auftrag zur Organisierung einer; Zischen Legion erhalten habe. Als Mitarbeiter wurde ihm - adimir Iabotinsky zugewiesen. Schon zu Beginn sah er, tz es innerhalb der englischen Iudenheit einze ne Gegner bcr Legionsidee gab, die er treffend als »Sanbalats' bezeichnet. ~ otz vielfacher Schwierigkeiten wurde am 23. August 1917 die r rckierung der Legion mit einer jüdischen Bezeichnung und E nblemen unter dem Kommando Pattersons publiziert. Einige 2 cge vorher erschien im Kriegsministerium eine su tische Delegc rion, um noch den letzten Versuch zur Vereitlung dl s Zultandek mmcn» einer jüdischen Legion mit einem seoarat, n jüdischen Abzeichen zu machen. In der Tat gelang es ihr, einen Erfolg *1 Die deutsche Uebersetzung erschien in Fortsje krr „Menorah* (herausgegeben von Dr. Norbert ^en), Jahrgang 1928/1929. ckungen in Hofsmann, N. R. Gelder. zu erzielen, da das Kriegsministerium sich dagegen aussprach,.:,' die jüdische Formation als eine jüdische Legion mit eigenen i^ jüdischen Abzeichen einzureihen. Die jüdischen Freiwilligen ) . wurden in jüdischen Regimentern unter dem Namen „Rdyal/ Fuselliers" zusammengefaßt. Allmählich wurden drei Regi-. menter als Royal Fuselliers Nr. 38, 39 und 40 gebildet. Ende- Januar 1918 waren die Vorarbeiten bereits so weit gediehen, daß ein Bataillon (Nr. 38) nach Palästina eingeschifft werden konnte. In Aegypten, wohin das Bataillon dirigMt wurde, begann nun eine Periode neuer Widerstände. Der englische Generalstab, unter Führung des Generals Allenby, hatte im Gegensatz zur Londoner Zentralregierung eine eigene Politik geführt, die mit den in der Balfour-Deklaration vorgezeichneten Richtlinien in krassem Widerspruch stand. Während London klar zum Ausdruck brachte, daß es in der Absicht der englischen Regierung liege, in Palästina die nationaljüüische Heimstätte zu gründen und alle darauf hinzielenden Bemühungen, dieiLegion inbegriffen, zu unterstützen, hatte der englische Generalstab in Aegypten stets das Gegenteil unternommen. Auf Schritt und Tritt begegnete man einer.antijüdischen Haltung. Seitens der militärischen Kommandanten wurde eine proarabische Konzeption unterstützt, in der Erwartung, hierdurch die Araber gegen die Türken aufzuwiegeln. Mt unbeschreiblicher Wehmut schildert Patterson verschiedene Schikanen. Ob es sich-nun um Verpflegung oder Wäsche für die Legionäre handelte, tzsts mußte Patterson mit einer fast grenzenlosen Zähigkeit um jehe Kleinigkeit kämpfen. /i - Nicht besser war die Behandlung der jüdischen Legiomnn der Front. An der Juli-Schlacht bei Sichem und Ab Bin Nahm das lüdifche Regiment teil. Seine Tapferkeit stellte die Oberste Heeresleitung derart zufrieden, daß sich General Allenby veranlaßt sah, in einem Schreiben an Patterson zu erklärend-baß es im Intereffe der Zeitumstände gelegen sei, eine jüdische Brigade zu schaffen. Kaum war dieser Brief angelangt, als schon e.nige Stunden später Patterson vom Heereskommando ein Telegramm erhielt, in dem alle auf die Bildung einer jüdischen Brigade bezughabenden Befehle zurückgezogen wurden. Patterson mußte neuerlich einsehen, daß die Ratgeber Allenbys wieder Oberhand gewonnen hatten. Anfang August wurden die jüdischen Bataillone in die Iordanebene dirigiert. Hier mußten sie eine Stellung ohne jedwede Artillerieunterstützung gegen den Feind halten. In diesem Zeitpunkt konzentrierte Allenby seine gesamte Artillerie bei Jaffa, von wo aus er den entscheidenden Angriff zu machen beabsichtigte. In der Iordanebene hatten die Truppen einen erhöhten Stellungskrieg zu markieren, um so den Feind von den eigentlichen Vorbereitungen zur großen Offensive abzulenken. In dem Frontabschnitt der jüdischen Legion kam es im August zu Kämpfen mit recht starken türkischen Abteilungen. Infolge der geringen Anzahl der Mannschaft mußte Patterson überaus geschickt manövrieren, um ja nicht dem Gegner die Schwäche dieses Abschnittes vor Augen zu führen. Die jüdischen Bataillone erhielten inzwischen emen Zuwachs von tausend Mann unter dem Kommando des Col. Margolin. Eine jüdische Brigade kam aber nicht zustande und, die Bataillone wurden fortwährend von der einen in die andere Brigade bzw. Division geschoben. Anfang September 1918 standen sie unter dem Befehl des Generals Ehaytor, der der Tapferkeit der Legionäre vollste Anerkennung zollte. Es nahte nun der Zeitpunkt der großen Offensive. Nach der Weisung des Generals Ehaytor sollten die jüdischen Bataillone die Aufgabe erhalten, bis an den Jordan durchzubrechen und den Stromübergang bei Esch Schert zu besetzen. Am 18.. 19., 20. und 21. September ordnete Patterson in dem von den jüdischen Bataillonen besetzten Frontabschnitt Scheinangriffe an. die er mangels der Artillerie mit Maschinengewehrseuer eröffnen ließ. Erst in der Nacht vom 22. September gelang es einer, Kompagnie unter dem Befehl Iabotinskys, den Uebergang Ar sichern und die feindlichen Stellungen am rechten Ufer des ISrdanflusies zu erobern. Dank diesem Umstande konnte dann die Kavallerie den Jordan ruhig übersetzen und die Türken aus Gilead vertreiben. So hatten die jüdischen Bataillone allein den eigentlichen Schlüffelpunkt zum anderen Iordanufer erobert, welche Tatsache auch Allenbys Frontbericht ausdrücklich feltstellte. aber ohne zu erwähnen, daß das 38. Bataillon der Royal Fuselliers ein jüdisches Regiment sei. Kaum war die Offensive in vollem Gange, als man plötzlich die jüdischen Bataillone aus der ersten Linie zurückzog und ins Iordantal zurückbrachte, um türkische Gefangene zuübernehmen. Es hatte fast den Anschein, als ob das Oberkommando es verhindern wollte, daß die jüdischen Bataillone einer vollen Teilnahme an der Offensive und der ihnen dabei eventuell 403