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Der Schild · 1929-12-13 · 51 (13.12.1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Schild
Volume
8 (1929)
Issue
51 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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l Einstein missen, dem erst kürzlich die Sorbonne das Ehrendoktorat verlieh? Fensterstürze an den Hochschulen beleuchten die Radikalisierung unserer akademischen Jugend; demgegenüber steht die vollkommene Gleichgültigkeit der großen Zahl der Studenten, die sich nicht um die „Politisierung" der Hochschulen kümmern, weil sie in sachlicher, wissenschaftlicher Arbeit ihr Ziel bald zu erreichen streben, um ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. Besteht aber für uns Juden dennoch Grund zum Pessimismus, mutz das Bild des ewigen Juden vor unseren Augen deshalb lebendiger erstehen? Es wird eine Wandlung eintreten, die die Hochschulen wieder ihren eigentlichen Aufgaben zuführt und die Studenten von den verhetzenden antisemitischen Seu- Emil Ludwig zum Judentum zurückgekehrt Konstantinopel, 1. Dezember. Zu Ehren des hier weilenden hervorragenden deutschen Schriftstellers und Historikers Emil Ludwig veranstaltete die konstantinopeler Universität eine festlich« Zusammenkunft, der die Prosesiorenschaft, der deutsche Gesandte an der Spitze des Gesandtschastspersoincks und zahlreiche andere türkische und international« Persönlichkeiten beiwohnten. In einem Gespräch mit Vertretern der türkischen Preffe teilt« Emil Ludwig mit. er habe auch in den Zeiten de» schärfsten Antisemitismus in der Zeit vor dem Kriege, und obwohl er der jüdischen Gemeinschaft nicht mehr angehörte, aus seiner jüdischen Abstammung kein Hehl gemacht. Fünf Tage noch der Ermordung seine» Freunde» Walther Rathenau, der sein« Zugehörigkeit zum Judentum mit dem Leben büßen mutzte, sei er. Emil Ludwig, ostentativ der jüdi- ' scheu Gemeinschaft wieder beigetreten. -chen befreit. Bor allem ist es Aufgabe der jüdischen Studenten. durch ständige aufklärende Kleinairbeit im Kreise der Kommilitonen bestehende Borurteile zu beseitigen und so die große Abwehrfront zu stärken. Der Reichsausschutz der Hochschulgruppen der Teutsi ien Dolkspartei hat bereits in einem Ausruf eine klare Absage an die deutsch-völkische Studentenschaft erteilt. Tie Kieler Korps des Kösener S. C. haben ihren Austritt aus dem Verband erklärt, wegen dessen Beteiligung a i der Agitation für das Volksbegehren. Auch im Kreise dl r älteren Burschenschafter mehren sich die Stimmen, die eine Abkehr von den bisherigen Methoden fordern. Sollte es nicht möglich sein, der Vernunft zum Siege zu verhelfen? Erinnern wir uns an das Wort, das Bismarck zu den Vertretern der deutschen Hochschulen 1891 in Kissingen sprach: „Sie müssen sich daran gewöhnen, meinejnngenFreunde. injedemDeutschen z rer st nur den Landsmann, nicht den polit fchen Gegner zu sehen." Nationalsozialisten überfalle^ jüdische Einwohner in Altenbnrg _ Ter „vorwärts" teilt unter der Ueberschrift „Pogrom in Ältenburg" mit: „Im Anschluß an eine Werbeveranstaltung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei kam es in Altenburg verschiedentlich zu Schlägereien. In der Wallstratze überfiel ein Trupp Nationalsozialisten eine Anzahl jüdischer Bewohner und mißhandelte sie. An der Ecke Berg- und Frauengasse wurden von. den Nationalsozialistei» einige Reichsbannerleute geschlagen. Di« Angegriffenen haben teilweise nicht unerhebliche Verletzungen dävongetragen. Tie Täter haben sich bisher nicht ermitteln lassen. . Tie durch die Vorkommnisse erregten Bewohner und Ssraßenpassanten konnten nur durch energisches Eingreifen der Polizei davon abgehalten werden, auf die Nationalsozialisten einzudringen." Zum Schluß bemerkt der „Vorwärts": „Die Polizei von Altenburg hat also die Rowdys geschützt und derweil die Täter laufen lasten. Das ist eine seltsame Austastung der Aufgabe der Ordnungspolizei." 125 Jahre philanthropiu Am Sonntag, den 1. Dezember, beging das Philanth. pj» in Frankfurt a. M. zugleich sein 125jährige» Jubiläum und i?» 200. Geburtstag Lestings und Mendelssohns, die es zu f. geistigen Vätern zählt. Vor mehreren Hunderten von Fr >n> den und Gästen, die nur schwer und viel zu eng in der Aulo cs; Instituts unterkamen, sprach eine große Zahl von Rednern er > die Ideen und die Erfolge der Schule. Nach einer musikalil :n! Einleitung begrüßte Dr. Merzbach als Vorsitzender des C. l- 1 rats, der den juristischen Träger und zugleich die Leitung ,-r Schule darstellt, die Versammlung. Er sprach von der Enti. k- : lung aus kleinen Anfängen zu einem Schulwerk, das — i^hl ' als erstes in Deutschland — eine geschlossene Einheit vom ■ >- . vergärten bis zur Hochschule darstellt. Dr. Driesen, der Tn >-! tor der Anstalt, zeichnete dann in einer temperamentvollen! rede die Entwicklungslinie des Philanthropin in ihrer Verkn.•». | fung mit der Geschichte der beiden Komponenten, deren inii-re! Verbindung das Ziel der Schule darstelle: deustcher und j. i- > scher Gedanke. i An diese Festrede schloß sich die lange Reihe der ©rr.ij Junten. Oberpräsident Dr. Schwanker hatte in einem Tel,' gramm seine Glückwünsche ausgesprochen. Iustizrat Dr. Bk i,; der Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde, erinnerte dar;, ' daß Eememde und Philanthropin in guten und schlechten Zeit.» miteinander verbunden gewesen seien. Auch jetzt wieder » - schlechten Zeiten wolle die Gemeinde nach ihren Kräften für "-io Zukünft der Schule eintreten. Stadtrat Dr. Keller, als V." treter des Oberbürgermeisters, des Magistrats und der Städtischen Schulverwaltung, bezeichnete das Philanthropin als ei". Institut, das noch heute in der Reihe der Frankfurter Schule» die Aufgaben zu erfüllen habe, von denen seine Gründer sprachen: voran die Pflege wahrer Humanität. Ter Rektor der Universität, Prof. Dr. Küntzel, überbrachte in gleicher maßen formvollendeter wie lebendiger Rede die Wünsche der Universität und der Pädagogischen Akademie. Die Universität sei in mannigfacher Weise mit dem Philanthropin verbündet', nicht allein durch die Schüler, die sie weiter ausbilde, sonder» auch durch eine Reihe ihrer Förderer, die aus der Erziehung des Nkilanthropin Verständnis für die Aufgabe der Universität in ihrs Leben mitgenommen hätten, vor allem aber durch de, gemen samen Ursprung im Geist des deutschen Humanismus Tr. D oser sprach für den Elternbeirat, Dr. Simons für di. ehema igen Schüler. Oberstudiendirektor Liermann für di. Frank urter Schuldirektoren, Studienrat Dr. Hirsch für die Philologenverbände und Tr. Strauß für die drei Frankfurter Logen! des Unabhängigen Ordens Bnei Brith. Zum Schluß würdigte noch Geheimrat Walter, der frühere Leiter der Muster schule. > den vorletzten Leiter der Schule, Direktor Baermald seinen!Nachfolger Adler und den jetzigen Direktor Driesen. der große Perdienste um die Entwicklung der modernen Pädagogik habe. Erschloß mit einem Hoch auf die Schule, in das die Ver fammlpng lebhaft einstimmte. Professor Louis Lewiu, der berühmte Pharmakologe, gestorben Im Alter von 79 Jahren verstarb der außerordentliche Pr.", scstor sür Heilmittellehre und Heilkunde an der Berliner Uni versität Profestor Louis Lewin. --Er wurde 1850 in Tuche! gc boren. habilitierte sich 1881 in Berlin und wurde 1893 Profestor an der Universität, an der er aber als Jude trotz seine. Weltrufes eine ordentliche Professur nicht er hielt. Erst 1919 wurde er ordentlicher Honorarprofessor w der Technischen Hochschule. Seine pharmakologischen und toxi kologischen Arbeiten, von denen viele grundlegend sind, sind i weit über 200 Abhandlungen und Büchern erschienen. Grund legend sind seine Forschungen über Gifte. Große Verdienste ho er sich auch um die Erforschung der-gewerblichen Bleiun Kohlenoxydgasvergiftungen und um die Erfindung von Schutz Maßnahmen zur Verhütung von Vergiftungen in gewerblicher Betrieben erworben. Sein großes Arbeitsgebiet war die Pharmakologie, aber auch die Physiologie und die Chemie bereicherte er durch wichtige Forschungsergebnisse. 1924 gelang ihm dic Aufklärung der rätselhaften Haffkrankheit. Auch ist ihm dic erste erfolgreiche Untersuchung über die Immunität gegen Gifte zu verdanken. Prof. Louis Lewin hat jahrzehntelang eine un gewöhnlich erfolgreiche Tätigkeit als akademischer Lehrer aus geübte Sein Kolleg gehörte zu den alleranziehendsten, und zahlreich« Studierende empfingen von seinen Vorlesungen reiche Anregung. Prof. Louis Lewin war längere Zeit Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde und gehörte der konservativen Fraktion ap. 402

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